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19.07.13

Verkäufe nahe null: Symbian verabschiedet sich, wir sagen auf Wiedersehen

Es kommt nicht oft vor, dass wir bekannten Technologien Lebewohl sagen, aber im Falle von des mobilen Systems Symbian ist es jetzt wohl so weit. Nokia verkaufte im abgelaufenen Quartal nur noch Stückzahlen von Symbian-Smartphones, die sich "nahe null" bewegen. Das einst meist verbreitete mobile System der Welt ist am Ende. Nutzer und Fans hat es weiterhin.

Symbian auf einem Nokia N8

Nur sehr langsam aalt sich Nokia aus der unbequemen Marktsituation, in der man sich befindet. Die Verkäufe der Lumia- und Asha-Linien ziehen langsam, sehr langsam an. Aber nach einem echten Durchbruch klingt das immer noch nicht, trotz sehr zuletzt sehr guter Telefone wie der aktuellen Lumia-Serie. Und ganz ehrlich: Hätte man zu den Zeiten, als Nokia-CEO Stephen Elop die Wende hin zu Windows Phone ausrief, nicht noch Symbian-Geräte verkauft: die Finnen wären am Ende gewesen.

Aber Elop hat Wort gehalten: Zweieinhalb Jahre nach seiner Brandrede, die den großen Strategiewechsel bei Nokia hin zu Windows Phone einleitete, hat der große Sanierer Symbian in der Tat auslaufen lassen. Dass in diesem Sommer das letzte Symbian-Smartphone vom Band laufen sollte, ist seit Juni bekannt. Dass die Verkäufe aber schon jetzt gegen null gehen, überrascht.

Im ersten Quartal verkaufte Nokia 500.000 Symbian-Geräte. Vor einem Jahr waren es noch 6 Millionen, in Spitzenzeiten wurden mehr als 50 Millionen Symbian-Geräte jährlich verkauft. Noch 2010 führte das System mit einem Marktanteil von 44 Prozent die Statistik an. Ein Jahr später zog Android erstmals vorbei . Symbians Markanteil war da auf 31 Prozent gefallen und sank in der Folge kontinuierlich. In der aktuellen Bekanntgabe der Quartalsergebnisse heißt es von Nokia, die Zahl der verkauften Symbian-Geräte im zweiten Quartal hätte bei "annähernd null" gelegen. Das bedeutet dann wohl das Ende des Systems.

Vor einem Jahr noch über 200 Millionen aktive Nutzer

Auf der offiziellen Website von Symbian heißt es, man blicke voller Zuversicht in die Zukunft des Systems. Man bietet dort aber keine Ressourcen mehr an, sondern verweist auf eine Unterseite von Nokia , auf der nur steht, der Service wurde Ende 2012 eingestellt. Nokia ließ den Support für Symbian in der Tat Ende 2012 auslaufen und überließ Symbian seinem traurigen Schicksal. Ins Leben gerufen bereits 1998, waren neben Nokia auch noch andere Hersteller wie Sony-Ericsson und Motorola an der Plattform beteiligt, die in den Folgejahren bis heute nach Schätzungen auf mehr als 500 Millionen verkauften Telefonen zum Einsatz kam.

Natürlich lebt Symbian heute noch auf vielen Geräten weiter. Vor einem Jahr betrug die Zahl der aktiven Nutzer weltweit noch über 200 Millionen. Auch heute noch kann man Telefone wie das Nokia 808 PureView kaufen, das mit seiner 41-Megapixel-Kamera und der PureView-Technik zahlreiche Fans begeisterte. Erst vergangene Woche schaffte Nokia es, die Kamera-Technik auf ein Windows Phone zu hieven, das Lumia 1020.

Ein zu hoher Aufwand?

Im Netz finden sich noch heute zahlreiche Symbian-Fans, die etwa die frühe echte Multitasking-Fähigkeit loben, was anderen Systemen bis heute fehlt. Auch hier auf neuerdings.com findet man oft Kommentare, die Symbian loben. Ironie des Schicksals: Gerade die letzte Version Symbian Belle soll besonders gut und in Sachen Benutzerfreundlichkeit und Funktionsumfang auf einer Höhe mit Android gewesen sein. Nokia hatte sich hier aber schon auf Windows Phone für Smartphones und Asha für Feature Phones eingeschossen. Die Argumente der Finnen gegen Symbian: ein hoher Aufwand, das System weiter zu pflegen und die Zeitspanne von 22 Monaten, die es dauere, ein neues Symbian-Gerät zu entwickeln - was Menschen, die nicht direkt mit der Entwicklung involviert sind, natürlich nicht nachprüfen können. Ein Windows Phone koste Nokia in der Entwicklung weniger als ein Jahr.

Nun ist es vorbei. Aber Nokia, dank Symbian einst Marktführer bei Smartphones, hat auch mit Windows Phone weiterhin schwer zu kämpfen. Nur 7,4 Millionen Lumia-Geräte verkaufte man im abgelaufenen Quartal. Man muss sich schon darüber freuen, dass man das ebenfalls schwer strauchelnde Blackberry jetzt überholt hat. Die Investoren sind dünnhäutig geworden, die Wende ist insgesamt schwer erkämpft. So manch ein Symbian-Fan dürfte diese Entwicklung bei Nokia mit Schadenfreude verfolgen - und mit Wehmut.

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