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09.08.12

Gerücht: Apples asymmetrische Schrauben als Hürde für Bastler - Fake?

Hersteller versuchen mit allen Tricks, Bastler vom Öffnen der Geräte abzuhalten - hat Apple mit der „asymmetrischen Schraube” eine neue Barriere erschaffen? Wohl eher nicht...

Dank solcher Bastelseiten wie iFixit, wissen Neugierige nicht nur, was sich im Laptop oder Smartphone versteckt, sondern auch wie man es austauscht. Ganz zum Leidwesen der Hersteller die ihre kostbare Hardware vor dem Zugriff „unautorisierter” Pfuscher schützen wollen. Dabei verfolgen sie ganz unterschiedliche Ansätze: aufgeklebte Garantiesiegel, Plastiknasen, die beim Eindrücken abbrechen oder auch ungewöhnliche Schraubenköpfe. Apple begann ab 2009 eine Pentalobe-Schraube für MacBook-Modelle einzusetzen, die ohne Spezialwerkzeug nicht lösbar war. Lange Zeit half dann nur das Einschicken des Gerätes, bis Anbieter diesen Drehertyp nachbauten. Nun geht es offenbar weiter im Kampf „Bastler gegen Hersteller”: Angeblich will Apple eine „asymmetrische Schraube” in neuen Modellen verwenden. Sie soll ein Rundgewinde und einen merkwürdigen Schraubenkopf haben - ob das stimmt? Auslöser für diese wilden Spekulationen ist ein anonymer Nutzer namens „thrownawayyesok” bei reddit. Sein einziger Beitrag im Forum lautet: "Ein Freund nahm dieses Bild vor einer Weile bei der Fruchtfirma auf. Sie designen offensichtlich sogar schon ihre eigenen Schrauben". Im Foto wird eine Schraube abgebildet, mit dem Betreff: „asymmetrische Schraubenentwicklung”, im Text wird man dann deutlicher, „das ist die letzte Computergrafik”, die Schraube ist „total asymmetrisch”, es seien keine Werkzeuge dafür bekannt. Auf Nachfrage, wieso er dieses Foto weiterreiche und seinen Freund gefährde, antwortete er: „Es macht ihm nichts aus. Sie seien Deppen und er arbeite dort nicht mehr”. Das lässt viel Raum für Spekulationen, doch die Indizien sprechen für eine Fälschung.

Zwei erste Argumente liefert ein Kommentator, der sich als Apple-Werkzeug-Nachbauer outet. Es sei bei einem asymmetrischen Modell schwierig, Schraubendreher und Schraube maschinell auszurichten, außerdem würde sich der Schraubendreher schnell abnutzen. Zudem ließe die gezeigte Konstruktion genug Spielraum, um einen handelsüblichen Schlitz-Schraubenzieher anzusetzen.

Das größte Rätsel gibt jedoch das Gewinde auf: Es handelt sich um ein Rundgewinde mit ungewöhnlich starker Steigung. Solche Gewindearten kennt man von der Glühbirne, dem Tee-Ei oder auch von Feuerwehrschläuchen. Sie werden bevorzugt dort eingesetzt, wo man mit Dreck oder Temperaturausdehnung zu kämpfen hat und häufig aufgeschraubt wird. Bei Smartphones und Laptops sind sie denkbar ungeeignet.

Dabei kann es sich beim Rendern dieses Gewindes nicht um einen Fehler handeln, denn die gängigen CAD-Programme zählen das Rundgewinde nicht zum Standardrepertoire. Dies lässt nur zwei Schlüsse zu: Apple will die Schrauben verkleben oder aber man hat absichtlich ein außergewöhnliches Gewinde gewählt, um optisch mehr herzumachen.

Meiner Meinung nach hat Apple mit dem Festlöten von Bauteilen bereits den meisten Bastlern den Grund genommen, das Gerät zu öffnen. Die angeführten Gründe bestärken mich in der Annahme, dass es sich um einen Scherz handelt und die Behauptungen nur für den Obsthändler an der Ecke zutreffen. Weitere Typen solcher Schrauben findet man übrigens beim VDI .

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