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07.11.07

Asus EEE PC 701: Test II/IV Hardware für Zwerge

Der Asus EEE PC 701 verblüfft mit einem Minimalisten-Konzept und dennoch vertretbarer Hardware-Qualität. An dem Kleinrechner ist nichts Spitze, aber die Kompromisse sind fast überall richtig gewählt.

Test Asus EEE PC Teil I: Auspacken

Test Asus EEE PC Teil III: Die Software

Test Asus EEE PC Teil IV: Das Fazit


Asus EEE PC 701: Klein, aber noch nicht ganz zu klein. Ein paar Abstriche müssen die Nutzer des Leichtgewichts aber dennoch machen. (Alle Bilder © PS/Blogwerk)

Man verliebt sich schnell in den Kleinen. Er liegt einfach gut in der Hand - und damit ist seine Hauptcharakteristik beschrieben: Er liegt in einer Hand.

Der Asus EEE PC 701 ist das kleinste vollwertige Rechnerlein, das wir seit langem in ein paar Fingern hatten. Er ist, um ehrlich zu sein, so klein, dass man ihm kaum eine nützliche Rolle im Arbeitsalltag zutraut. Tatsächlich bringt die geringe Grösse ein paar Abstriche - aber weniger dort, wo man sie erwarten würde.

 

Unser Gerät ist die amerikanische Standardversion für 399 Dollar; sie bringt einen Intel Mobile Prozessor, 512 MB RAM, 4GB SSD (Festspeicher), SD-Slot, drei USB-Anschlüsse, WLAN, Ethernet, VGA-, Audio-Aus- und Mikrofoneingang, Stereo-Lautsprecher, integriertes Mikrofon, 0.4MP-Webcam, ein Mauspad mit Wipptaste und einen 7-Zoll-Bildschirm mit 800*480 Pixeln Auflösung. Betriebssystem ist ein Linux mit dem Grafischen Filesystem KDE in angepasster Asus-Variante, aber sehr reichhaltig mit Software bestückt. Eine System-CD für die Wiederherstellung via USB-Laufwerk liegt bei, das Handbuch beschreibt den Vorgang zur Installation von Windows XP.

Gehäuse

Asus eee pc 701

Am Asus EEE-PC Gehäuse ist der ein-Ausschalter das einzige Teil, das neben der Mauswippe wegen des chromgefärbten Plastiks und kaum spürbarem Druckpunkt billig wirkt. Der Modemanschluss an der Linken Seite ist eine Attrappe.

Der erste Eindruck des perlmuttweissen Gehäuses: Klein und Handlich und dennoch solide. Der Akku, frisch aus der Packung, lässt sich hinten unter dem Display-Scharnier einführen und rastet mit einem Klicken an zwei Sperrschiebern ein.

Der Display-Deckel hat keine Verriegelung und wirkt sehr dünn, kann aber dennoch ohne spürbare Verwindung mit einer Hand gegen den gerade richtig bemessenen Widerstand der Scharniere weit über den rechten Winkel bis Schätzungsweise 150 Grad aufgeklappt werden.


Der Asus EEE PC 701 hat eine grosse Klappe und legt sich trotz des dünnen Display-Deckels auch schon mal flach auf den Rücken.

Das ist nicht ganz unwichtig, denn das Gerät ist so klein, dass man es auf den Knien voll geöffnet halten möchte, um Tastatur und Bildschirm im Auge zu haben. Das Gehäuse ist verschraubt und steht auf vier rutschfesten Gummifüssen; beim Zuklappen schnappt der Deckel die letzten zwei Zentimeter selbstätig zu.

An der Front zeigen vier winzige LED verschiedene Zustände: Ein/Standby (blinkend), SSD-Zugriff, Batteriebetrieb und WLAN. Die Schnittstellen sind sinnvoll auf die beiden Gehäuseseiten verteilt; das integrierte Mikrofon findet sich - etwas verblüffend - als winzige Öffnung auf der Unterseite der abgewinkelten Front.

Tastatur und Mauspad

Das Keyboard ist einer der Kompromisse, die einzugehen ein Asus EEE-Nutzer bereits sein muss - aber es ist nicht der schwerwiegendste. Die Tasten sind logischerweise in ihrer Grösse reduziert, aber den Technikern ist es gelungen, die Nachteile auf ein paar Ecken hinauszuschieben: Das Schreiben geht an sich ganz flott vonstatten, und die mit vielleicht zwei Millimetern Hub ausgestatteten Knöpfe verzeihen Fehldrücke recht gut: Wer beim schnellen Tippen mal die Nachbartaste ein bisschen mitdrückt, findet dennoch nur den gewünschten Buchstaben am Bildschirm.

Asus eee pc 701

Die Asus EEE-Tastatur ist verblüffend funktional. Tab- und Enter-taste sind zu klein, Vertipper aber trotz geringem Hub nicht so häufig wie erwartet, das Mauspad ist klein, aber empfindlich einstellbar und hat eine Scroll-Kante rechts. Die verchromte Tastenwippe wirkt billig und klemmt - "Doppeltippen" statt Doppelklicks ist ratsam.

Sehr gewöhnungsbedürftig ist allerdings die winzige, an den Keyboardrand gedrängte Tab-Taste und die lediglich aus zwei Tastenpätzen als waagerechter Balken bestehende Enter-Taste. Dass die 12 Funktionstasten und ein paar Sondertasten in der obersten Reihe zugunsten wichtigerer Knöpfe ein bisschen Platz abgeben müssen, wird niemanden stark stören, und die Del und Esc-Tasten ganz oben links und ganz oben rechts sind kaum zu verfehlen.

Viel haben wir noch nicht geschrieben auf dem Asus EEE, aber wir halten die Tastatur dennoch sowohl für Zehnfinger-Schreiber wie auch Adler-Täter mit sechseinhalb-Finger-System wie mich für eine eher positive Überrraschung.

Bildschirm


Na gut, der Vergleich mit einem 24Zöller ist nicht ganz fair. Im Deckel des Asus EEE PC 701 hätte aber durchaus ein 10-Zoll-LCD Platz gehabt (wir würden auf die Lautsprecher verzichten) - und die vertikale Auflösung von 480 Pixeln saugt.

Ein kleiner Wehrmutstropfen hingegen ist der Bildschirm. Er glänzt zwar mit verhältnismässig schwacher Winkelabhängigkeit, einer akzeptablen Helligkeit und guten Farben. Aber das Display ist ganz einfach zu klein. Zwar gewöhnt man sich rasch an die begrenzte Fläche, nicht aber an die Auflösung. 800 Pixel Breite mögen grade noch hingenommen werden; 480 Pixel Höhe sind zu wenig. das zeigt sich nicht erst beim Herumexperimentieren mit den Linux-Anwendungen, die vielfach zwingend grössere Fenster für Listen mit Einstellungen verlangen, die dann auf dem kleinen Display herumgeschoben werden müssen, um Optionen anzukreuzen.

Es stört viel mehr beim Surfen im Internet, denn heute sind die wenigsten Webseiten in dieser Auflösung zufrieden. Ein Videofenster in Youtube beispielsweise past grade noch drauf, unsere Seite ist nur dank der Aufteilung in Spalten überhaupt lesbar - hier wäre ein freies Zoom der Seitenansicht als Grafik wie am iPhone ein äusserst willkommenes Hilfsmittel, das der vorinstallierte Firefox leider nicht aufweist.


Der Internet-Test: Im Vergleich zum Monitor des (zehnmal so teuren) Sony-Vaio-Subnotebooks mit 1280*768 Pixeln (oder so): Auf dem EEE mit seinen mikrigen 800*480 sind grade mal die beiden linken Spalten der neuerdings.com-Seite sichtbar. Ein Herabskalieren der Schrift nützt nichts - nur ein Gesamtzoom wie in Opera oder im iPhone-Safari würde helfen.


Die verhältnissmässig grosse Schrift des KDE-Desktops lässt den Asus EEE PC -Bildschirm noch kleiner erscheinen, als er tatsächlich ist.

Bei den meisten andern Aufgaben fällt die begrenzte Arbeitsfläche nicht sonderlich ins Gewicht, und selbst wer tagsüber wie ich vor einem 24Zöller sitzt, gewöhnt sich recht rasch daran. Fotos und Videos sehen verblüffend gut aus - was nicht weiter verwunderlich ist, weil der Bildschirm sie mit seiner kleinen Auflösung ja schon fast pixelweise anzeigt.

Peripherie-Optionen

Die Anschlüsse sind wie gesagt gut platziert. Von den drei USB-Anschlüssen liegen zwei rechts - was sinnvoll ist, wenn man davon ausgeht, dass eine Mehrheit der Benutzer Rechtshänder ist und eine kleine USB-Maus mit kurzem Kabel rechts wird anschliessen wollen. Wir haben das übrigens sogleich getan und waren sehr positiv überrascht - das KDE-Linuxsystem muckte nicht einmal auf, sondern liess sich unmittelbar nach dem Einstecken der Maus damit bedienen. Nun bleiben rechts und links noch je ein USB-Anschluss für andere Geräte, etwa eine externe Harddisk - von denen wir ebenfalls drei Stück ausprobierten, die allesamt binnen Sekunden nutzbar waren.


Der SD-Kartenslot hat eine feder-Verriegelung und hakelt ein bisschen.

Neben USB-Speichersticks und Harddisks ist der SD-Kartenslot leider die einzige Möglichkeit zur Speichererweiterung. Auch dieser Anschluss verrichtete seine Aufgabe, getestet mit einer alten 512MB-SD-Karte, einer randvollen 1GB-Karte und einer etwas neueren Ultra II - 2GB-Karte anstandslos. Das Linux-System meldet - genau wie Windows - unmittelbar nach dem Einschieben einen Wechseldatenträger und fragt, ob dieser mit dem Musicverwalter, dem Videoverwalter oder dem Dateiexplorer geöffnet werden soll.

Der Karteneinschub verfügt über die hinlänglich bekannte Federverriegelung - um die Karte auszuwerfen, muss sie zuerst ein paar Millimeter in den Slot gedrückt werden. An unserem Gerät klemmt sie sich danach ganz leicht im Schlitz fest und muss mit spitzen Fingern herausgezogen werden; ausserdem kann sie beim Einschieben offenbar leicht verkantet werden, oder die Papierettikette auf dem Plastikplättchen steht an einer scharfen Kante im Slot etwas an - jedenfalls schien uns eine äusserst sorgfältige Bedienung angebracht.

Das Onboard-Netzwerkmodul funktioniert reibungslos, der vermeintliche Modem-Anschluss gleich daneben auf der linken Gehäuseseite unter dem Bildschirm allerdings ist bei unserem Modell eine zugeklebte Attrappe. Bluetooth hat der kleine Asus EEE ebenfalls nicht aufzuweisen.


Die kleine optische USB-Maus von Logitech wurde sofort und ohne Rückmeldung des Systems erkannt und in Betrieb genommen.

Aber angesichts der USB-Anschlüsse lassen sich die meisten Erweiterungswünsche wohl dennoch verwirklichen - Linuxtreiber vorausgesetzt. Trotzdem hätten wir einen PC-Kartenslot begrüsst, der beispielsweise ein GSM- oder UMTS-Modul aufnehmen könnte. Dafür dürfte allerdings nicht nur der Platz, sondern auch die Batterieleistung des kleinen Rechners kaum ausreichen. Allerdings weist das Handbuch auf eine "3G"-Option hin - offenbar sollen spätere Modelle mit eingebautem UMTS-Modem erhältlich werden. (Gerüchteweise ist auch von 10-Zoll Display und 8GB Speicher die Rede).

Audio- und Video

Verblüfft hat uns die Audio-Qualität der beiden winzigen Lautsprecher, die in den schwarzen Rändern neben dem Display im Deckel sitzen: das quäkt nicht nur, es klingt durchaus gut, wenn man nicht grade wummernde Bässe braucht, und ein paar Hollywoodtrailer später fühlt man sich, nah an dem Winzgerät, nicht nur dank der flüssigen Filmbilder schon fast wie im (Mäuse-) Kino.

Das eingebaute Mikrofon, obwohl auf der Unterseite des Gehäuses angebracht, nimmt klar uns sauber auf. Und wer schon mal mit einem Multitasker via Skype telefoniert hat, der auf seinem Macbook während der ganzen Konversation auf dem überdimensionierten Mauspad herumkratzt und krachend Files anklickt, wird die etwas seltsam anmutende Entscheidung der Asus-Architekten begrüssen.

Die Winzige Webcam im Displaydeckel liefert brauchbare Videos mit all den kleinen Schikanen wie Gegenlichtkorrektur und automatischem Weissabgleich. Schade nur, dass man sie noch kaum für sehr viel nutzen kann: Das vorinstallierte Linux-Skype der Version 1.4 unterstützt keine Webcams, der Multi-Protokoll-Messenger des KDE-Desktop ebenfalls nicht.


Schon wieder so ein Klotz. Tatsächlich ist das Asus-EEE-Netzgerät recht klein und leicht - aber wieder eine von den Steckplatz-Sperren auf Stromleisten. Was ist so schwierig daran, die Dinger um 90 Grad verdreht zu bauen?

Energie!

Ohne den Akku am Gehäuse würde man den Asus EEE PC 701 für eine Attrappe halten, mit dem Akku wiegt das Gerät grade genug, dass man es ernst nehmen mag. Die Batterie weist eine etwas aussergewöähnliche Ladespannung von 9,5 Volt auf und ist in rund einer Stunde voll geladen. An unserem ersten Testtag meinen wir eine durchschnittliche Laufzweit von nicht ganz drei Stunden "gemessen" zu haben. Sie dürfte indes stark von Bildschirmhelligkeit, Musikbegleitung, vor allem aber dem Einsatz des WLAN abhängen.

Der Zwergenrechner wird bei heftiger Beanspruchung des Prozessors auch schon mal recht warm und schaltet einen (wahrscheinlich) winzigen Lüfter ein, der einen kaum merklichen Warmluftstrom auf der linken Gehäuseseite ausbläst und praktisch unhörbar ist.

Das Netzteil ist im Vergleich zum Rechner ein Gigant und mal wieder eine dieser Fehlentwicklungen, die nicht quer zu den Steckeranschlüssen konstruiert sind: Auf einer Steckerleiste deckt es demnach mindestens drei Buchsen ab. Wenigstens sind die Kontakte einklappbar, das Teil versteht sich sowohl auf 110 als auch auf 220 Volt und dürfte auch den europäischen Modellen - mit einem Aufsteck-Zusatz für die jeweils landesüblichen Buchsen - beiliegen.


Schützt vor Stössen und löst den Asus EEE PC 701 hoffentlich nicht mit giftigen Weichmacherdämpfen auf: Die Neoprenhülle ohne Zusatztaschen oder Griff.

Die schlüpfrige, dehnbare und unanständig eng anliegende Neoprentasche zum Asus EEE PC 701 lässt sich mit einem Klettstreifen verschliessen, weist aber weder Haltegriff noch ein Zusatzfach für USB-Sticks, SD- oder wenigstens Visitenkarten auf. Ausserdem riecht sie penetrant chemisch, und irgendwo haben wir mal gelsen, dass der Weichmacher in Neopren gewissen Kunststoffen nicht sehr zuträglich ist - wir hoffen also bloss, dass Asus hier keinen künftigen Rückruf verbaut hat.

Wie gesagt - man verliebt sich schnell in den Kleinen, und den Nachteilen zum Trotz - am schlimmsten finden wir den kleinen Bildschirm, alles andere würden wir verkraften - ist er auch ein Herzeigestück: "Jööööööhhh. So süss. Kann man darauf arbeiten?"

- Das werden wir im nächsten Testbericht abhandeln.

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