Hier finden Sie weitere Artikel aus der Themensammlung Technik

05.04.10

Apple iPad: Warum das iPad schlecht ist

Das Netz ist voller Jubel-arien und Lob über das iPad. Einige Nachteile werden dabei gern übersehen.

Neulich habe ich im Wust meiner RSS-Feeds den Satz gelesen, dass Apple allen anderen IT-Firmen eins voraus hat: Statt dass sie den Kunden an die Software gewöhnen, bastelt Apple Soft- und Hardware, die sich an den Kunden anpasst, respektive ihn da abholt, wo er gerade ist.

Anders formuliert hört man das gerne von Apple-Usern, die sagen, dass Mac OS X viel leichter und intuitiver zu nutzen sei als Windows oder Linux.

Das Apple iPad ist also mal wieder ein Wunder von Apple? Mich nervt am iPad und der Politik von Apple so einiges:

Doch zuerst zum Lob. Ohne das iPhone würde es vermutlich keine Smartphones geben und wenn, dann kaum in dieser Form. Auch das iPad hat, lange bevor es erschienen ist, schon für Bewegung im Markt gesorgt.

Tablets sind nicht unbedingt eine neue Erfindung. Apple selber hatte so etwas mit dem Newton Anfang der 90er Jahre schon mal (erfolglos) im Programm. Seitdem die Gerüchte um eine Art Netbook/Tablet in der IT-Welt aufgetaucht sind, hagelt es geradezu neue Geräte.

Aus Asien, aus den USA, selbst aus Deutschland werden fast im Wochenrhythmus neue Tablets vorgestellt. Die Hersteller wollen sich nicht noch einmal, wie beim iPhone geschehen, komplett überrollen lassen.

Apple wird mit dem iPad wieder erfolgreich sein - keine Frage. Apple bestimmt nicht nur die Herstellung der Hardware, sondern hat immer Soft- und Hardware in der Hand. Was der Grund sein dürfte, dass sich Benutzer mit Apple-Produkten wohler fühlen. Das iPhone ist ein Paradebeispiel dafür, wie man hoch komplizierte Technik in eine intuitive Bedienoberfläche packt. Doch genau hier beginnt dann auch meine Kritik.

Denn die Kontrollsucht von Apple hört nicht bei Hard- und Software aus. Dass ich den Akku der Geräte nicht wechseln kann, ist so eine, schon fast lächerliche, Petitesse. Schlimmer sieht es mit den Inhalten aus, die mit Apple im App-Store auftischt.

Der App-Store ist eine Art neues "Gatekeeping". Apple bestimmt, wer welche Inhalte einstellen kann. Der Hersteller hat Hausrecht im Store und schmeißt alles raus, was ihm oder seinen Partnern nicht genehm ist. Google Voice? Abgelehnt, geht nur über Umwege! Nackte Haut? Bloss nicht! Und, nein, auch nicht in Textform. Verlage, die Steve Jobs auf die Nerven gehen? Raus.

Das ist das gute Recht eines Anbieters, aber das hier geht weiter. Apple macht auf dem iPhone und dem iPad nichts anderes, als ein "Kindernet" einzurichten, ein tot gepflegtes, reguliertes Internet. Während die halbe Welt über die undurchsichtigen ACTA-Verhandlungen und möglichen Netzsperren in der EU und Australien diskutiert, schottet Apple seine App-World gegen jeden ab, der querschießt, und dabei spielen kommerzielle Interessen eine weit grössere Rolle als moralische Gründe. Und den Verlagen liefert man vermeintlich ein Geschäftsmodell, das im Prinzip schon tot schien. Wobei man fairerweise sagen muss, dass Apple für die Schizophrenie der Verlage (Im Web kostenlos, als App nur im Abo bei gleichen Inhalten) auch nichts kann. Aber in Steve Jobs App-Store Welt ist alles sauber, rein, abgesegnet, geprüft, reguliert, angeschaut und - von Apple - freigegeben.

Ein solches "Kindernet" hat nichts mehr mit dem zu tun, was man vom Internet eigentlich erwartet, wofür es steht: Offenheit, Open Source und freie Informationen. Nun kann man sagen, dass jeder selber entscheiden kann, vom wem er sich bevormunden lässt und Apple ja nur ein Anbieter unter vielen ist. Und das man mit dem Safari immer noch so ins Netz gehen kann. Doch Apps sind halt auch praktischer und werden deswegen eher genutzt als der unbequeme Weg über den Browser. Simplizität einer komplizierten technischen Angelegenheit war schon immer ein Verkaufsargument für die Masse.

Apple entwickelt sich zu einer Art AOL der 10er Jahre. Ein in sich geschlossener Kosmos, aus dem man eigentlich nicht mehr raus soll. Hier bist Du sicher, da draußen lauern die bösen Internetmenschen mit ihren Viren, Trollen und Raubkopien. Dafür bekommt man ein komplett reguliertes Netz, in dem vor allem eine Firma Geld verdient: Apple.

Dass ich mir das iPad dennoch zulegen werde (zulegen muss), hat was mit meiner Arbeit zu tun. Man braucht es einfach, schließlich muss ich über die Inhalte auch schreiben. Gerne werfe ich Steve Jobs das Geld aber nicht in den Rachen. Und vermutlich wird es dem iPad so gehen wie allen anderen Apple Produkten, die es in meine Wohnung geschafft haben. Erst waren sie ganz niedlich, dann staubten sie vor sich hin, weil sie defekt waren, oder weil die nervige Zwangsbindung Bindung an iTunes mich gelangweilt hat. Ich vermute, dem Apple iPad wird es ähnlich ergehen.

Schlagworte zu diesem Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer