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02.08.13

Android gegen den Rest der Welt: Google hat gewonnen. Was jetzt?

Androids Marktanteil bei Smartphones wie Tablets nähert sich einer marktbeherrschenden Stellung. Die Verteilung dürfte auf mittlere Sicht eher noch zunehmen. Google hat Apple und alle anderen abgehängt. Wie wird es jetzt weiter gehen?

Nicht mehr nur Marktführer bei Tablets und Smartphones, auch auf dem Weg zu einem Monopol: Google Android.

Plötzlich ging alles ganz schnell. Apple verlor seine Marktführerschaft gegenüber Android auf dem Tabletmarkt erstmals in diesem Frühjahr oder nach anderen Zahlen wie von ABI Research in diesem Sommer. Nicht wenige, darunter die renommierten Marktforscher von IDC dachten im März noch, dass es in den kommenden Jahren nun ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Apple und der Android-Konkurrenz geben würde. Falsch gedacht.

Jüngste Zahlen von Strategy Analytics zeigen nämlich: Dieses Rennen ist längst entschieden. Im boomenden Tablet-Markt verkaufte der einstige Marktführer Apple im 2. Quartal weniger Tablets als im Vorjahresquartal. Das bot der Android-Konkurrenz die Chance vorbei zu ziehen: 67 Prozent oder zwei Drittel der heute neu verkauften Tablets sind Android-Tablets. Kurz nachdem Android vorbeigezogen ist, hat es iOS also schon abgehängt. Bei den Smartphones nach den neuesten Zahlen der gleichen Forscher ein noch eindeutigeres Bild: Fast 80 Prozent aller Smartphones, die heute weltweit über die Ladentheke gehen, sind Android-Smartphones. Tendenz: steigend.

 

Für Apple ist die alljährliche Produktoffensive in diesem Herbst schon eine Art Entscheidungsschlacht. Das neue iPhone oder die neuen iPhones müssen zünden, wenn man bei Smartphones Marktanteile zurückgewinnen will. So glimpflich wie beim abgelaufenen Quartalsergebnis, als man mit höheren iPhone-Verkäufen (31,2 Millionen Stück) die Anleger beruhigte, wird man nicht noch einmal davon kommen, wenn die Android-Konkurrenz im gleichen Zeitraum fast zehnmal schneller wächst. Bei Tablets scheint man in Cupertino nach aktuellen Zahlen keine Antwort mehr auf die Android-Billigkonkurrenz zu finden. Selbst das neue iPad mini lockte offenbar zu wenig Käufer an. Apple wird, wie immer zum Jahresende, noch einmal vom Weihnachtsgeschäft profitieren. Entscheidend wird aber sein, wie es danach weiter geht.

Ende noch nicht erreicht

Wer sich einmal eine marktbeherrschende Stellung erarbeitet hat, der schafft es meist auch, diese eine ganze Weile zu halten. Die Erfolge der einstigen Marktführer Blackberry, Symbian und eben Apple sprechen eine solche Sprache. Selbst schwächere Smartphone-Anbieter aus der Android-Liga wie LG, Huawei und ZTE profitieren vom Android-Boom und verkauften im abgelaufenen Quartal - genauso wie Apple - fünf Millionen Smartphones mehr als im Vorjahresquartal. Womit sie ihre Absatzzahlen verdoppelten.

Konkurrenz? Nicht zu finden. Microsoft kraxelt weiterhin unter der 4-Prozent-Marke (3,9 Prozent nach 3,5 Prozent). Blackberry und Co. teilen sich die restlichen 3 Prozent.

Und nun?

Vieles spricht dafür, dass sich die Gewichte eher noch mehr in Richtung Google verschieben. Android bietet nahezu alle neuesten Apps, Google baut mit jedem kleinen Versionsupdate eine Vielzahl von Verbesserungen ein, Android-Telefone gibt es in allen Größen und Preisen. Und mehr noch: Mit Elementen wie Google Now, Notifications, Widgets, der verbesserten Sprachsteuerung und Bedienbarkeit durch Projekt Butter, einer mittlerweile schönen Typografie und nicht zuletzt der starken Hardware vieler Gerätehersteller macht Android sogar Spaß.

Und solange Google sich bei dem System weiterhin als Innovationstreiber versteht und seine Sache gut macht, wird für viele Käufer nichts gegen eine Dominanz des Riesen sprechen. Eine marktbeherrschende Stellung des allwissenden Google in Zeiten der Überwachung könnte allerdings langfristig einen Gegentrend auslösen. Großkonzerne wie Google, aber auch Apple und Microsoft könnten dann als stille Helfer des Prism-Netzwerks mit ihren Systemen nicht mehr gefragt sein.

Privatsphäre als Verkaufsargument

Die wohl beste Chance für andere Systeme, Google ein Stück der Marktführerschaft abzuknapsen: Die Daten der Nutzer schützen, nicht vermarkten. Attraktiv wird das allerdings nur, wenn man dabei hohe Qualität und die gefragtesten Apps liefern kann, etwa als systemübergreifende HTML5-Apps. Noch hat kein Anbieter eines mobilen Systems den eigenen Datenschutz besonders betont oder werbewirksam vermarktet. Auch neue Systeme wie Firefox OS, Ubuntu für Smartphones oder Jollas Sailfish OS bieten gegenüber der Konkurrenz keine nennenswerten Zusatzfunktionen, die die Privatsphäre jedes Einzelnen besser schützen würden. Datenschutz wird in den kommenden Jahren zu einem Verkaufsargument werden. Klug ist, wer dieses Thema für sich reserviert.

Für die nahe Zukunft sehe ich kaum noch etwas, das an Androids Marktführerschaft vorbei führte. Doch wie uns Apple und Google gerade lehren: Manchmal kann so etwas sehr schnell gehen. Ende 2010 hatte Apple auf dem noch jungen Tablet-Markt fast 90 Prozent Marktanteil, heute sind es keine 30 Prozent mehr.

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