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26.05.10

Android 2.2 "Froyo" im Test: Kaum mehr Wünsche offen

Die neuste Android-Version ist pfeilschnell, beherrscht Flash und Tethering und bringt eine Reihe kleiner Verbesserungen: In unserem Test blieben wenig Wünsche offen.

Was habe ich mich genervt: Mehr als ein Jahr habe ich über das mangelnde Copy/Paste auf dem iPhone lustig gemacht, nur um beim Wechsel vom angestaubten Symbian auf die neuste Android-Version 2.1 feststellen zu müssen, dass man darin ausgerechnet in Mails und Websites auch keinen Text markieren und kopieren kann. Idiotisch.

Aber das war bis gestern, denn heute habe ich mir die neuste Version des Google-Handybetriebssystems aufs Nexus One gespielt. Und neben den bereits angekündigten grossen Verbesserungen einige fast noch grossartigere kleine entdeckt. Zunächst ist das gesamte Android-System, das auf dem Gigahertz-Prozessor N1 von Googles/HTCs Nexus One ohnehin schon zackig lief, nochmals spürbar schneller geworden. Es ist kaum zu fassen, aber es gibt praktisch keine Latenzzeiten mehr.

 

Und das, obwohl auf meinem Gerät immer rund 30 bis 40 Prozesse laufen, und einige davon nicht gerade ressourcenschonend sind, wie ein Skype-Client, das Voip-Telefon und natürlich ein Live-Wallpaper (animierte Hintergründe).

Von denen hat Google dem Frozen Yogurt übrigens ein nettes spendiert: Neu kann man die Googlemaps als Live-Hintergrund laden, mit eigenem Standort im Zentrum und den aktuellen Verkehrsdaten in der Grafik eingebettet (geht natürlich vorerst auch nur hier in den USA).

Dann habe ich mit einer leisen Vorahnung die Menus in verschiedenen Applikationen genauer angeguckt und bin zu meinem grossen Vergnügen auf "Text markieren" in Gmail, dem Standard-Mailprogramm und auch im Browser gestossen. Nach Anwahl des Menupunktes im Kontextmenu können Textteile mit dem Cursor via Trackball oder per Finger markiert und kopiert werden.

In einer weiteren Vorahnung habe ich danach sofort per Mail eine VCF-Adressdatei vom PC gemailt und ebenfalls begeistert (hm. dass man sich ob so einer Selbstverständlichkeit begeistern muss, spricht ja auch Bände) festgestellt, dass Android jetzt auch diese Anhänge erkennt und daraus einen Kontakt macht. Endlich.

Der Telefon- und der Browser-Knopf unten im Hauptbildschirm sind angenehm immer zur Verfügung, dass sich der Bildschirminhalt nicht mehr nur nach links, sondern jetzt auch nach rechts kippen lässt, dürfte Linkshänder freuen.

Sofort ausprobieren wollte ich natürlich Flash, was aber erst nach dem Download des immerhin 12MB grossen Flash-Beta-Programms aus dem Market ging. Als Test habe ich daraufhin sogleich die New York Times aufgerufen, und siehe da: Die bewegte Flash-Werbung rechts auf der Seite flitzte vor sich hin wie auf dem PC, das Video unten in der Box auf der Frontseite dagegen brauchte ein paar Sekunden zum Laden.

Dann aber kann es mit allen Bedienelementen benutzt und auch auf volle Bildschirmgrösse hochgeklickt werden - alles genau wie am PC, und zwar beeindruckend ruckelfrei, sogar wenn man die Seite sehr klein behält und das laufende Video auf der Bildschirmseite herumschiebt.

Der nächste Test, die leicht verbesserte Kamera, brachte neue Elemente wie Belichtungskorrektur und einfacheres Zoom zu tage und einen Bug: Zum Video aufnehmen lässt sich der Blitz des N1 als Scheinwerfer zuschalten, aber bei jedem Umschalten in den Videomodus stürzte mein Nexus One so gründlich ab, dass es sich gleich in einen Reboot begab. Das könnte allerdings auch an meiner gehackten Version und einem nicht ganz offiziellen ROM liegen.

Das Verschieben von Applikationen auf die SD-Karte ist etwas, was längst fällig war, denn leider hat das Nexus One extrem wenig Speicherplatz, den man mit einigen Dutzend Apps bald gefüllt hat. Android Froyo kommt jetzt mit einer Applikationsverwaltung, die einen grundsätzlich jede Anwendung auf die Karte verschieben lassen sollte. In meinem Test hat das genau mit einer Anwendung geklappt, bei allen anderen - darunter der massige Flashplayer, der rund zehnmal so gross ist wie die meisten Android-Anwendungen, war der entsprechende Knopf ausgeblendet. Angeblich müssen die Entwickler die Programme auf die Auslagerung auf die Karte vorbereiten, ich hoffe also, dass sich nach den ersten Updates (die künftig dank dem neuen Betriebssystem Anwendungsweise automatisch geholt werden können) mehr Apps verschieben lassen.

Unter den Sprachen für die Spracherkennung haben sich neben Japanisch und Mandarin jetzt auch die Optionen für die Zulassung von obszöner Sprache eingefunden - den Schimpf-Filter kann man jetzt also ausschalten, damit man auch Unanständiges diktieren kann.

Das Tethering ist im Systemmenu untergebracht und auf Knopfdruck via USB möglich, der aus dem Handy einfach ein UMTS-Modem macht. Spannender ist das Wireless-Tethering: Es schaltet den Wlan-Empfang aus und startet einen virtuellen Hotspot.

Das Nexus One mit Android 2.2 wird zum Access-Point, dem man eine Netzwerk-SSID und WEP- oder WPA-Verschlüsselung verpassen kann. Angeblich soll aber Google den Netzwerkbetreibern die Option gegeben haben, diese Funktion zu sperren - weshalb ich die gleichen Anwendungen aus OpenSource-Quellen, die früher nur mit dem gerooteten Nexus One liefen, noch nicht deinstallieren werde.

Das gesamte System hat an allen Ecken und Enden kleine Verbesserungen und Anpassungen gekriegt, die allesamt für den Eindruck eines noch stabileren und überaus schnellen Mobilgeräte-Betriebssystems sorgen. Flash im Webbrowser ist erfreulich, weil es nun wirklich das Web ist, wie man es am PC hat, und die Befreiung des Speichers wird hoffentlich zur Lösung des einzigen technischen Problems von Android führen.

Aber ich kan mir nicht helfen: Am meisten freue ich mich über Copy/Paste im Web und in Mails.

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