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06.11.13Leser-Kommentare

Amphiro A1 im Test: Wasserzähler und Energiesparer für die Dusche schärft die Sinne

Aus der Schweiz kommt ein cleveres Gadget für die Dusche, das den Wasser- und Energieverbrauch beim Duschen misst. Bei uns im Test zeigt sich, dass das Gadget schon jetzt die Sinne schärft - und es sich dennoch lohnen könnte, auf die Nachfolge-Generation zu warten.

Amphiro A1 im "Live-Test". Bilder: neuerdings.com/Amphiro Amphiro A1 im "Live-Test". Bilder: neuerdings.com/Amphiro

Für mich schon jetzt eins der elegantesten und interessantesten Gadgets dieses Jahres: der Amphiro A1. Er wird zwischen Duschkopf und Schlauch geschraubt und misst ab dann den Verbrauch von Energie und Wasser während des Duschens. Nebenbei zeigt das Display die Energie-Effizienzklasse und die Temperatur an. Mit Hilfe einer Eisbär-Animation wird auf den ökologischen Fußabdruck hingewiesen.

Nach zwei Wochen des Tests ist für mich schon jetzt nichts mehr so, wie es war. Das liegt zum einen an den teils erstaunlichen Informationen, die das Gerät liefert, und zum anderen an einigen Missverständnnissen, die man in Bezug auf das Wassersparen hatte.

Wassersparen am falschen Ende

Wir sollten eigentlich sparsam mit unseren Ressourcen umgehen: wenig Energie verbrauchen, wenig Wasser. So zumindest die landläufige Meinung. Nachdem wir den Amphiro A1 aber kürzlich hier vorgestellt haben, entspann sich eine rege Diskussion unterhalb des Beitrags. Einige Leser zweifelten die Genauigkeit des Gerätes an: Der Amphiro ermittelt den Energieverbrauch anhand eines eingebauten Thermometers, unterscheidet dabei aber nicht zwischen den unterschiedlichen Warmwasseraufbereitungs-Techniken. Und berücksichtigt auch nicht die Wärmeverluste, die zum Beispiel auf dem Weg vom Heizkessel bis zum Duschkopf auftreten.

Was der Amphiro also misst, sind Näherungswerte. Aber auch die sind schon erstaunlich. Bei einem durchschnittlichen Duschgang von etwa fünf Minuten verbrauche ich laut Amphiro im Schnitt fast 50 Liter Wasser und dabei rund 2 Kilowattstunden. Der tatsächliche Energieverbrauch dürfte noch höher liegen.

Energieverbrauch laut Amphiro-Onlineportal Energieverbrauch laut Amphiro-Onlineportal

Aber was nun? Wasser sparen? Auf keinen Fall, schrieben einige Leser uns. Und das bestätigt auch Jan Ulland, Pressesprecher des Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), auf Nachfrage von neuerdings.com. Ulland: "Die ökologischen Ziele des Wassersparens sind längst erreicht und ein weiteres Sparen ist nicht erforderlich." Mittlerweile sei es eher so weit, dass ein übermäßiges Sparen die Leitungen angreife und Ablagerungen die Wasserqualität verschlechtern. "Die Grenze des Erträglichen ist hier längst erreicht", erklärt Ulland. Seit 1990 habe sich der Wasserverbrauch in Deutschland massiv verringert. Im festen Glauben, etwas Gutes für die Umwelt zu tun, sparen die Deutschen hier an der falschen Stelle. Dabei geht Wasser, das in den Ausguss gelangt, nicht verloren. Es bleibt Teil des Wasserkreislaufs und wird in Klärwerken wieder aufbereitet.

50 Liter, 40 Grad, 2 Kilowattstunden

Also ab unter die Dusche und es ordentlich laufen lassen? So einfach ist es leider nicht. "Die Dusche ist der zweitgrößte Energieverbraucher im Haushalt", schreibt mir Sarah Appeldorn vom Amphiro-Team. Bis zu 2.000 Kilowattstunden verbraucht ein durchschnittlicher Haushalt im Jahr alleine fürs Duschen. "Es geht uns primär um die Reduktion des Energieverbrauchs", so Appeldorn", nicht des Trinkwasserverbrauchs." Motto von Amphiro ist deswegen auch "Energieeffizienz bei der Warmwassernutzung" oder einfacher ausgedrückt: Warmwarmsparen lohnt sich doch. Nur bei kaltem Wasser lohnt sich das übermäßige Sparen nicht. Ulland fügt hierzu noch an: "Problem ist, dass die meisten Wasserversorger die Verbrauchskosten stärker gewichten als die Fixkosten. Es müsste anders herum sein."

Amphiro

Was der Amphiro A1 beim Nutzer aber auf jeden Fall auslöst, ist ein stärkeres Bewusstsein dafür, wie viel Energie er eigentlich verbraucht. Dass es pro Duschgang - und nicht einmal einem besonders langen - schon mehr als 2 Kilowattstunden und über 50 Liter sind, hätte ich mir ebenso wenig träumen lassen wie die Temperatur, bei der ich dusche. Es sind hier schnell 40 Grad und mehr, ich hätte mit etwas um 35 Grad gerechnet. Hier zu sparen, ist gar nicht so einfach.

Display beschlägt

Amphiro TurbineSo oder so: In der Praxis verrichtet der Amphiro A1 pflichtschuldig seinen Dienst. Das Display ist chic designt, die Montage verlief problemlos ohne Werkzeug. Die Animation zeigt einen Eisbären auf einer Eisscholle, die bei höherem Verbrauch zunehmend schmilzt. Etwas makaber, aber nicht ganz unrealistisch: Verbraucht man zu viel Energie und Wasser (ab ca. 75 Litern), geht der Eisbär nicht etwa baden, sondern verschwindet ganz. Fein ist auf jeden Fall, dass der Amphiro für den Betrieb des Displays keinen zusätzlichen Strom verbraucht, sondern die notwendige Energie aus einer eingebauten Turbine gewinnt (siehe Grafik links).

Einige kleine Nachteile haben sich im Test gezeigt: Zum einen beschlägt das Display. Angesichts des Wasserdampfs ist das nachvollziehbar, aber nicht unbedingt praktisch. Will man wissen, wie viel Energie und Wasser man verbraucht hat, muss man das Display also immer erst abwischen. Nach zwei Wochen des Tests beschlug das Gerät zum anderen von innen. Das allerdings trocknete nach einiger Zeit wieder.

Mit Papier und Bleistift ins Badezimmer

Interessant ist die Möglichkeit, die Daten an ein Online-Portal zu übertragen. Dort erhält man die Durchschnittswerte in Form hübscher Grafiken. Der Amphiro speichert die Daten für mehrere Tage; der Nutzer muss sich hier einen Code merken, den er vom Display abliest und online eingibt. Und das ist der zweite Nachteil: Amphiro schlägt hier tatsächlich vor, ein Stück Papier und einen Stift mit ins Badezimmer zu nehmen, auf dem man dann nach dem Duschen den Code notieren kann. Das ist nicht wirklich praktikabel.

Amphiro versicherte mir allerdings in einer Mail, dass man für die Nachfolgegeneration an einer Version mit Bluetooth Low Energy oder WLAN arbeite, so dass die Daten drahtlos verschickt werden können. Für eine zukünftige Version würde ich mir nach dem Test außerdem eine eingebaute Stoppuhr wünschen.

Alles in allem aber hat der Test mit dem Amphiro A1 Spaß gemacht. Der Hersteller verkauft das Gerät derzeit bei Amazon für knapp 60 Euro.

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Kommentare

  • Steiner

    06.11.13 (11:38:41)

    Habs schon, und das Ding ist wirklich super. Selbst wenn man nach einer gewissen Zeit nicht mehr draufschaut, es ist eine Mahnung beim Duschen sparsam zu sein. Vor allen Dingen lernen Kinder wie wertvoll Energie und Wasser ist durch den kleinen Eisbär auf seiner Scholle.

  • Klaro

    06.11.13 (14:21:48)

    Ich habe das Gerät aus Neugier und aber auch gekauft, da meine Freundin unser Bad bei jedem Duschvorgang für ½ Std. in eine Dampfsauna verwandelt hat. Größere Diskussionen gab es wegen dem Thema nicht aber es wurde rasch klar, das dieses Thema Potential für einen handfesten Streit bot. Seit dem der Eisbär ein paar Mal abgesoffen ist hat sich das Duschverhalten meiner Freundin von ganz alleine in moderatere Bahnen gelenkt, ohne dass ich auch nur ein Wort gesagt habe. Unterm Strich eine sinnvolle Anschaffung.

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