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02.12.13

Amazon Prime Air: Lieferung per Drohne? Was Amazon wirklich will

Es ist das große Thema am heutigen Montag: Mit Amazon Prime Air soll es künftig Lieferungen per Drohne geben. Allerdings wäre es erst in vier bis fünf Jahren so weit. Warum der Konzern das jetzt schon ankündigt? Weil er in Wahrheit womöglich etwas ganz anderes will.

Amazon Prime Air: Geplante Lieferung per Drohne

Die erste Satire auf Amazons Drohnen-Plan ließ nicht lange auf sich warten: "Amazon plant, Pakete mit riesigen Kanonen direkt vor die Haustür zu schießen", schreibt heute "Der Postillon". Ein gutes Zeichen dafür, dass die Idee ankommt - oder zumindest kontrovers diskutiert wird.

Das weltgrößte Online-Versandhaus könnte mit "Prime Air" tatsächlich den Handel revolutionieren. Wie Amazon-Chef Jeff Bezos in einem Interview mit CBS sagte, müsse allerdings noch vier bis fünf Jahre lang viel an der Technik und der Sicherheit gefeilt werden. Allem voran muss sich Amazon natürlich noch mit der Flugverwaltung einigen. Es wäre ja plötzlich einiges los am Himmel, wenn jedes Warenhaus seine Smartphones, Bücher oder belegten Brote per Aufklärungsdrohne verschickt. Einiges spricht dafür, dass wir das so schnell nicht sehen werden und dass die auch nicht das ist, worum es Amazon eigentlich geht.

 

Komplexe Sicherheitsfragen

Der Vorteil des "Amazon Prime Air" genannten Projekts läge natürlich auf der Hand: eine Lieferung in nur 30 Minuten, als würde man eine Pizza bestellen. Die Nachteile sind zahlreicher: Drohnen sind nicht sicher, sie können mit anderen Drohnen, Bäumen oder Gebäuden kollidieren, sie können abstürzen und Unfälle verursachen, sie könnten abgefangen werden, sie können nicht an Hochhauswohnungen liefern, sie könnten den Vogelflug stark beeinträchtigen. Amazon allerdings testet die Mini-Helikopter bereits und will sie in wenigen Jahren einsatzbereit haben. Auch ein erstes Video davon gibt es schon:

www.youtube.com/watch

Aber selbst wenn Amazon die Genehmigung dafür erhält, die Drohnen einzusetzen, bleiben die Sicherheit und Genauigkeit der Drohnen die größten Probleme. Dass der Himmel schon in wenigen Jahren voll von ihnen ist, mag man irgendwie nicht so recht glauben, und das ist ausnahmsweise einmal nicht dem deutschen Kulturpessimsus geschuldet. Es wäre ein Anblick, an den man sich nur schwerlich gewöhnen könnte.

Der eigentliche Wunsch: Same Day Delivery

Vielleicht aber muss man das auch gar nicht, und hier kämen wir zum Kern der Sache: Es ist gut möglich, dass dies alles nur ein Trick von Jeff Bezos war, um etwas ganz anderes zu forcieren: Same Day Delivery. Hört man als Versandhaus auf die dringendsten Wünsche der Kunden, dann steht das ganz oben: Man will seine Ware am liebsten sofort haben oder zumindest innerhalb weniger Stunden. Man will nicht einen oder zwei Tage darauf warten.

Bisher allerdings ist es noch nicht weit her mit der Lieferung am gleichen Tag, weder in Deutschland, noch in den USA. Amazon testet diese in den USA erst in den größten Städten New York und Los Angeles, mehr nicht. Man ist ja auf entsprechende Kurierdienste angewiesen und auf ein dichtes Netz an nahen Logistikzentren. Und das ist der Knackpunkt: Egal ob Drohnen oder nicht, die Versandzentren müssen her, es müssen Kuriere her, die die Waren möglichst schnell ausliefern. Es könnte ein kluge Taktik sein, um die jeweiligen Gesetzgeber und Logistikunternehmer zum Umdenken zu zwingen: Seht her, wir schaffen Arbeitsplätze und einen hohen Kundennutzen. Helft uns dabei, indem ihr die für uns passenden Gesetze erlasst und euch auf unsere Wünsche einstellt.

Logistikunternehmen aufgeschreckt

Es müssen nicht zwingend 30 Minuten sein, aber die bestellte Ware innerhalb von drei bis vier Stunden zu erhalten, wäre mit den vorhandenen Logistikzentren möglich. Dann könnten auch Fahrradkuriere oder spezielle Lieferdienste statt einer Drohne einspringen oder - als Beispiel - Taxifahrer, wie MyTaxi das testet.

Das Drohnen-Szenario könnte also alleine dafür gewesen sein, um die Logistikbranche aufzuschrecken. Bevor man selbst durch Drohnen ersetzt wird, bewegt man sich doch lieber selbst, verdichtet sein Netz, optimiert die Lieferrouten und denkt über alternative Lieferarten nach. So dass die Drohnen in vier bis fünf Jahren, wenn sie wirklich an den Start gehen könnten, niemand mehr braucht. Ein Gewinn für Amazon wäre das dann so oder so: Die Ware kommt deutlich schneller als bisher beim Kunden an. Wenn das wirklich so gewollt war, dann war das ein kluger Schachzug von Bezos.

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