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07.09.12

Amazon Kindle Paperwhite und Kindle Fire: Verspätetes Feuer

Amazon stellte gestern die jüngste Kindle-Generation vor: Fünf mal das Fire-Tabet sowie zwei Varianten des Lesegeräts mit schneeweißer Lesefläche. Zudem wurde der Preis für das verbesserte normale Kindle gesenkt. Die wichtigste Frage lautet natürlich: Welche dieser Geräte gibt es auch in Deutschland?

"Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt." heißt es schon in Schillers Wallenstein-Drama, wobei die anschließende Begründung "Der lange Weg ... entschuldigt Euer Säumen." (Quelle) im Zeitalter von Jumbo Jet und Internet nicht mehr gelten mag. Die Rede ist vom Amazon Kindle Fire, jenem hochgepriesenen Android-Tablet. Das ist zwar seit gestern endlich auch in Deutschland erhältlich (zumindest bestellbar), doch leider immer noch nicht in allen Varianten.

Um uns das lange Warten im Nachhinein vergessen zu lassen, gibt es hier direkt die "neue Generation" mit schnellerem Prozessor, doppelt so viel Speicherplatz und längerer Akku-Laufzeit (bis zu 11 Stunden). Doch leider bietet Amazon auf der deutschen Website nur den 7-Zoll-Fire in drei Varianten an: eine "normale" für 159 Euro und zwei Mal eine "normale" für 159 Euro oder eine "normale" für 159 Euro für 199/249 Euro.

Zusätzlich will Amazon den Kauf dadurch versüßen, dass man sich zunächst für einen Monat den Lieferservice Amazon Prime und Lovefilm ans Bein bindet zu Gemüte führen kann. Schade: Das 8,9-Zoll-Gerät ist zunächst nur für den US-Markt vorgesehen, genau wie der Kindle "Paperwhite", der eine hellere Leseoberfläche bietet. Da tröstet es nur wenig, dass eine "normale" für 159 Euro jetzt schon für 79 Euro angeboten wird, auch wenn es bei ihm zugleich bessere Schriften und schnelleres Umblättern gibt.

Technische Details des Fire 7

Während das Display im normalen Fire Inhalte mit 1.024 x 600 Bildpunkten anzeigt, steckt in der HD-Variante ein Panel mit 1.280 x 800. Das ist zwar immer noch weit weg von Retina, doch immerhin erlaubt es, die ganzen HD-Filmchen in der porentief anzeigenden Variante zu genießen. Für ein brilliantes Bild soll auch die IPS-Technik der 7-Zoll-Bildschirme sorgen. Im 8,9-Zoll-Fire agiert sogar ein Full-HD-Display (1.980 x 1.024).

Damit der Content schnell genug auf das Gerät gelangt, steckt in den Fires WLAN mit 300 Megabit, doch nicht nur das: Um den Bit-Stau zu umgehen, der in Netzen mit 2,4-GHz-Funkfrequenz häufig herrscht, baut Amazon einen Dual-Band-Sender/Empfänger in seine Flachkameraden, der auch 5 GHz bedient. Wer allerdings keinen Router hat, der ebenfalls wahlweise die höhere Frequenz bedient, hat von dieser Neuerung nicht viel.

Immerhin dürfte die MIMO-Technik für einen besseren Empfang sorgen. Amazon verspricht "40% schnelleres Herunterladen und Streamen im Vergleich zum nächst schnelleren Tablet".

LTE - aber nicht bei uns

Die US-only-8,9-Zoll-Varianten sind zusätzlich mit 4G LTE Mobilfunk erhältlich. Falls man einen Kumpel in USA hat und sich das Gerät dort besorgt: Das ist wahrscheinlich wenig sinnvoll, da die Technik - wie beim iPad 3 - nur mit US-LTE funktionieren dürfte.

Damit neben Amazon- und Lovefilm-Inhalten auch Apps funktionieren, läuft auf Fire eine angepasste Variante von Android. Apps werden nicht im Google-Laden geladen, sondern über den Amazon-App-Shop, den der Anbieter just deswegen auch für Deutschland freigegeben hat. Ansonsten braucht man keinen Computer, um das Gerät zu aktivieren oder mit Inhalten zu versorgen.

Lohnt der Kauf?

In der Klasse der 7-Zoll-Tablets tritt das Fire gegen Google Nexus 7 an. Das bietet einen schnelleren Prozessor, hat dafür aber weniger maximalen Speicherplatz. Will man dann doch den Vergleich zum iPad, kostet es nur etwa die Hälfte eines vergleichbaren Modells, dafür hat man nur 7 Zoll Diagonale. Als Gerät zum Lesen und Betrachten von Filmen ist das die untere Grenze, und das iPad bietet hier deutlich mehr, auch an Auflösung. Der eigentliche Mitbewerber zum Apfeltablett, das 8,9-Zoll-Kindle, ist hier ja leider (noch?) nicht verfügbar.

Mit dem angepassten Android und Amazons Shop ist man auch bei den Inhalten genau wie bei Apple in der Hand des Herstellers. Man weiß, dass Amazon schon böse reagiert hat und etwa Bücher von den Kindles der Kunden eigenmächtig entfernte. Doch wer sich dessen bewusst ist und damit leben kann, erhält ein preiswertes und leistungsfähiges Mediengerät. Auch die Qualität dürfte stimmen.

Kindle paperwhite

Und was das Paperwhite-Lesegerät betrifft: Es bietet eine hellere Oberfläche als das "altweiß" der meisten anderen E-Ink-Geräte. 25 Prozent mehr Kontrast soll das bringen, und dazu hilft sicher auch die um 62 Prozent höhere Auflösung. Eine Akkuladung hält hier nach offiziellen Angaben bis zu acht Wochen. Der Reader kostet in USA 119 US-Dollar mit WLAN (umgerechnet ca. 94 Euro) und 179 US.Dollar (140 Euro) mit zusätzlich 3G-Mobilfunk. In Deutschland heißt es: warten. Hoffentlich geht es uns dabei nicht wie in einem anderen bekannten Theaterstück...

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