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21.11.07Leser-Kommentare

Amazon Kindle im Test (I/IV): Entfacht er das Ebook-Feuer?

Tolle Noten für sein Design bekam er bisher nicht, der Amazon Kindle. Das neue eBook-Lesegerät von Amazon verfolgt aber einen hohen Anspruch und bietet in einem sehr kompakten Gehäuse innovative Technologie. Wir testen ausführlich und finden heraus, ob der Kindle wirklich eine Chance hat, das Buch zu verdrängen.

Update: Kindle2 im Test

Amazon Kindle im Test (II/IV): Blättern in virtuellen Büchern

Amazon Kindle

Der Amazon Kindle kann auch Blogs anzeigen - die wenigsten allerdings via Funk-Abo.

Amazon ist ein ehrgeiziges Unternehmen: Nicht nur verkauft der ursprünglich als Online-Buchhändler gestartete Versandhändler heute schon fast jede Art von Produkten auf seiner Website, Amazon betreibt auch noch einen riesigen elektronischen Marktplatz für Drittanbieter und will mit seinen Webservice-Produkten für Entwickler auch noch die Computerei revolutionieren.

Und als ob das nicht genug wäre, holt die Firma von Jeff Bezos jetzt zu einem ganz grossen Schlag aus: Der neue Amazon Kindle hat den Anspruch, mal so eben die Art und Weise zu revolutionieren, wie wir Bücher und Zeitungen lesen.

Der Amazon Kindle ist ein eBook-Reader. Insidern läuft es da kalt den Rücken runter, denn bis jetzt war das eine toxische Produktkategorie.

 

Schon so manches Startup ist mit dem Versuch gescheitert, ein solches Gerät auf den Markt zu bringen. Grosskonzerne wie Bertelsmann und Sony haben mit solchen Versuchen massiv Geld verlocht. Und selbst die Softwareriesen Microsoft und Adobe konnten mit ihrer eBook-Software bestenfalls einen Achtungserfolg erzielen.

Woran liegt das? Ich persönlich bin durchaus ein eBook-Anhänger: Ich habe schon Reich-Ranitzkis Biographie auf einem Windows-Mobile-PDA gelesen, Moby Dick auf einem Tablet-PC, Oscar Wilde auf einem Palm Treo und Peter Drucker auf einem Nokia E61. Erfreuliche Erlebnisse waren das nicht unbedingt. Diese Allzweck-Geräte sind weder vom Screen noch von den Bedienungselementen her besonders für das Bücherlesen geeignet. Wenn nur schon das Umblättern Fingerakrobatik verlangt, fällt das entspannte Lesen schwer. Und ausserdem reicht die Batterielaufzeit der meisten Geräte bestenfalls bis in die Mitte eines dicken e-Wälzers.

Hinzu kommen Softwareprobleme: Die diversen eBook-Formate sind natürlich untereinander total inkompatibel, und ich bin inzwischen stolzer Besitzer von eBooks in mindestens fünf verschiedenen Formaten, die ich grösstenteils nie mehr benutzen kann. Die Software zum Kauf und zum Lesen der Bücher ist meistens von sehr bescheidener Qualität. Und das schlimmste Problem: In den meisten Formaten ist die Auswahl an Büchern sehr überschaubar.

Amazon will diese Probleme nun lösen mit dem neuen Kindle (engl. für "anzünden"). Die Hardware des Gerätes ist speziell auf das Lesen von eBooks optimiert. Und Amazon erhebt als "Earth's Biggest Bookstore" (Eigenwerbung) den Anspruch, gleich aus den Startlöchern raus eine enorm grosse Auswahl an e-Titeln bieten zu können.

Ausserdem hat sich Amazon ein paar wirklich innovative Features ausgedacht: Der Kindle kommt mit seinem eigenen drahtlosen Datenempfänger im amerikanischen EVDO-Standard (ähnlich wie UMTS) und kann darum ohne Computer direkt mobil Bücher runterladen. Ausserdem kann der Kindle auch Hörbücher und MP3s abspielen. Und wer dem Papier gleich ganz abschwören will, kann auch noch einige Zeitungen und Magazine per Kindle abonnieren. Sogar einen einfachen Webbrowser hat das Amazon-Gerät eingebaut.

Das hört sich nun alles sehr vielversprechend an, und das muss es für den satten Preis von 399 Dollar für das Gerät wohl auch. Zu den Hardwarekosten kommen nochmals $9.99 pro Buch dazu. Zeitungen und Magazine kosten je nachdem zwischen $1.25 und $15 pro Monat. Und auch Blogs kann man mit dem Kindle abonnieren, aber ebenfalls nur gegen Gebühr (was mit den Datenübertragungskosten über das Funkenetz begründet wird): Zwischen $0.99 und $1.99 wird man für ausgesuchte Blogs per Monat los. Sorry, neuerdings.com kann man mit dem Kindle noch nicht abonnieren. Aber das Gerät wird auch einige Zeit noch nicht in Europa verfügbar sein.

Aber schreiten wir zum feierlichen Auspacken: Der Kindle kommt (natürlich per Amazon-Versand) in einer dekorativen, Buch-ähnlichen Box daher.

Amazon Kindle

Ganz offensichtlich haben sich die Verpackungsdesigner einiges von Apple abgeguckt, denn die Präsentation und die etwas komplizierte Auspackprozedur erinnert stark an iPod und Co.

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Der Verpackungsinhalt ist nicht weiter spektakulär: Neben dem eigentlichen Gerät gibt es ein Netzteil, ein USB-Kabel, ein Anleitungsheft und eine dekorative Schutzhülle. Das ganze hat durchaus Stil.

Amazon Kindle

Der Kindle ist deutlich kleiner, als man von den Fotos her erwarten würde, und darum wirkt das Design auch nicht so grobschlächtig, wie es auf den Bildern aussieht. Hier ein Grössenvergleich mit einem Nokia E61 und einem iPhone:

Amazon Kindle

Die reine Bildschirmfläche des Kindle entspricht etwa zwei Dritteln der Seitengrösse eines handelsüblichen Taschenbuchs, ist also wirklich kompakt. Das Gerät ist auch sehr leicht: Mit 288 Gramm Kampfgewicht wiegt es nur etwa das Doppelte eines iPhone oder gleich viel wie ein etwas dickeres Taschenbuch. Wer einen Kindle im Gepäck hat, wird das Zusatzgewicht kaum spüren.

Das Design kann ansonsten nicht wirklich begeistern: Mit den seltsamen Kanten und Winkeln sieht der Kindle eher wie etwas aus, was die Raumpatrouille Orion beim Erforschen fremder Welten mit sich führen würde. Keine Spur von Designfaszination, wie sie manche andere Gadgets auslösen. Auch die Rückseite ist nicht besser und wirkt mit einem seltsamen Buchstabenmuster unnötig verspielt. Immerhin liegt das Gerät dank der grauen Gummifläche aber gut in der Hand.

Amazon Kindle

Das Gehäuse ist gefertigt aus recht billig wirkendem Plastik, und auch die Tasten wirken etwas wacklig. Der ganze physische Qualitätseindruck entspricht etwa dem eines preiswerten Handies. Für den satten Preis wirkt das schon etwas bescheiden.

Aber werfen wir einen Blick auf die Bedienungselemente: Mit grossen Plastiktasten auf beiden Seiten blättert man sich durch das virtuelle Buch. Das kleine Drehrad dient der Menübedienung. Komischerweise kann man damit aber nicht blättern, was zunächst etwas irritierend wirkt.

Amazon Kindle

Der Kindle verfügt über eine vollständige alphanumerische Tastatur. Das ist durchaus nützlich beim Suchen oder Erfassen von Notizen. Trotzdem wirkt die recht grosse Tastaturfläche etwas überproportioniert. Die kleinen Tasten sind aber gut zu treffen.

Amazon Kindle

Die vertikale Leiste neben dem Screen ist eine Art Cursor-Anzeige, die man mit dem Scrollrad bedient. Wenn man sich man etwa ein Menü aufruft, muss man mit diesem Drehrad den Cursor auf die Höhe des gewünschten Menüpunktes drehen und dann zwecks Auswahl das Rad drücken. Das wirkt zunächst ziemlich umständlich, aber man gewöhnt sich daran. Diese merkwürdige Form der Anzeige scheint besonders stromsparend zu sein.

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An Anschlüssen bietet der Kindle neben dem Stromanschluss und einem USB-Port auch noch einen Kopfhöreranschluss. Passend dazu gibt es auch einen Lautstärkeregler.

Amazon Kindle

An der Rückseite des Geräts finden sich zuguterletzt der Ein/Aus-Schalter und der Aktivierungsschalter für das drahtlose Netzwerk. Und wer die Gummimatte auf der Rückseite entfernt, findet darunter einen austauschbaren Akku sowie ein Fach für eine SD-Karte zwecks Speichererweiterung.

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Der Screen des Kindle verwendet nicht etwa die übliche LCD-Technologie, sondern ein "E-Ink"-Display. Das Besondere daran: Der Bildschirminhalt bleibt auch stabil, wenn der Strom weg ist. Darum verbraucht der Kindle nur sehr wenig Strom. Lediglich beim Umblättern muss das Gerät das Display ansprechen.

Die Auflösung hört sich mit 800x600 Pixeln nicht grossartig an, aber dank Antialiasing sieht die Schrift durchaus gut aus und ist bestens lesbar. Hier eine Nahaufnahme:

Amazon Kindle

Der graue Hintergrund schafft nicht gleich viel Kontrast wie "echtes" Papier. Der Screen hat auch keine Hintergrundbeleuchtung, gutes ist darum Voraussetzung für problemloses Lesen mit dem Kindle. E-Ink-Displays können zudem nur 4 Graufstufen darstellen, von farbigen Illustrationen hat man darum nichts. E-Ink ist ausserdem eine "langsame" Displaytechnologie und braucht für jede Aktualisierung ein paar Sekundenbruchteile. Jeder Seitenwechsel dauert darum einen kleinen Moment. Animationen kann man auf diesem Screentyp ganz vergessen. Dafür braucht E-Ink aber wie gesagt kaum Strom, weshalb die Batterie des Kindle (bei ausgeschaltetem Funknetz) etwa für eine Woche normaler Benutzung reichen soll.

Kontakt mit der Aussenwelt nimmt der Kindle entweder über ein USB-Kabel auf (er ist dann als USB-Drive ansprechbar) oder über den eingebauten EVDO-Datenfunk, der in den USA vom Provider Sprint angeboten wird. Damit lassen sich Daten in UMTS-Geschwindigkeit übertragen, und darum kann man sich direkt vom Kindle aus Bücher bestellen, Zeitungen abonnieren oder gar im Web surfen. Dazu in den folgenden Teilen unseres Tests mehr.

So viel also zur Übersicht über die Hardware. Im nächsten Teil: Bücher kaufen und Lesen mit dem Amazon Kindle.

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Kommentare

  • Mariusz

    21.11.07 (11:21:28)

    Auf den Fotos sieht der wirklich viel besser aus, als auf den ersten Previewbildern. Was mich an diesem Gerät stört ist eben die fehlende Hintergrundbeleuchtung. Amazon's Idee mit dem eBook Store onDemand finde ich klasse, Bücher kaufen zu jederzeit, egal wo man ist. Ca $10 für ein eBook erachte ich jedoch für ein wenig viel, wenn man bedenkt dass normale Romane, Thriller die 20 ? nicht überschreiten (Hardcover). Bin jedenfalls schon auf den zweiten Teil des Testes gespannt ;-)

  • bugsierer

    21.11.07 (17:01:13)

    sehr hässliches gerät, sehr hässlicher name, finde ich.

  • Der Denker

    01.10.08 (10:01:20)

    Wieso heisst es E-Book-Lesegerät? Das Notebook ist ja auch der Rechner und nicht das File in das man Text schreibt.

  • esther zurbrügg

    23.11.08 (11:57:09)

    Mich würde interessieren wie das gerät one the road funktioniert z.B. an irgend einem PC in pakistan und kann ich bücher auf deutsch laden?gibt es ein ladegerät über zigarettenanzünder/batterie?

  • Kinne

    17.01.09 (16:53:28)

    kann ich pdf-Dateien von meinem PC auf das e-book laden und dort bequem lesen? Gibt es kostenlose e-bücher, z. B. solche, bei denen der Urheberrechtsschutz bereits abgelaufen ist?

  • Rudolf Kammler

    05.04.09 (21:14:39)

    Welch ein Abstieg. Literatur i9m Abwärtstrend. Ichg finde es Lustig, wenn Demnächst die Menschen ihr elektronisches Buch auf dem Weg zur Arbeit in der S-Bahn lesen. Wozu ein solches Gerät? Werde ich Demnächst mein neuestes Werk was gerade in Arbeit ist, auf einem solchen Gerät wiederfinden? Gott was bin ich froh darüber das es in Deutschland die Buchpreisbindung gibt. Dieses gerät ist nicht nur Hässlich, es ist Überflüssig. Wohl dem Leser, der diese Erfindung Nötig hat. Liebe Grüße, Rudolf Kammler Autor

  • Der Leser

    24.04.09 (17:06:02)

    Eigentlich kein schlechtes Gerät. Es sollte vielleicht über eine automatische Rechtschreibkorrektur verfügen, falls Autoren einmal Fehler machen :-)

  • Manfred

    28.04.09 (17:33:34)

    Weiss Jemand ob es den Kindle (wirklich hässlicher Name)bald in Deutschland gibt? Ob das Gerät wirklich überflüssig ist wage Ich zu bezweifeln. Viele Bücher gibt es ja schon nur als E-Book. Ein E-Book auf dem PC-Bildschirm lesen finde Ich ziemlich anstrengend.

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