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10.01.12

Amazon Kindle im Test (3/3): Futter für den Leser

Hardware und Handhabung des deutschen Amazon Kindle E-Book-Readers haben wir in Teil 1 und 2 dieses Tests besprochen. Doch nützlich wird so ein Gerät erst mit der passenden Software, sprich: E-Books oder anderem Lesestoff. Wie bekommt man den elegant ins Gerät? Und tut es nicht auch eine Smartphone-App?

Toll, da hat man nun EUR 99 für ein elektronisches Buchlesegerät gezahlt, doch wird kein einziges Buch mitgeliefert, das muss man sich auch noch extra anschaffen. Und eventuell sogar noch ein zweites, damit man etwas mehr Auswahl beim Lesen hat. Irgendwie doof, oder?

Nein, nicht wirklich: Amazon hat selbst bereits ein umfangreiches Sortiment kostenloser, gemeinfreier Bücher im Angebot, auch außerhalb der Feiertage. In deutscher Sprache gibt es bereits etliche 100 Werke, in englischer gar Tausende. Unter den deutschen Gratis-Büchern finden sich neben Tolstois Krieg & Frieden, Lena Christs Erinnerungen einer Überflüssigen oder den Gedichten von Rainer Maria Rilke auch die Expeditionsberichte der Südseereisen von James Cook, aufgeschrieben von Georg Forster. Gedruckt nicht billig, als Kindle-E-Book gratis, da die Urheberrechte abgelaufen sind.

Ebenso kann man dem Kindle aber auch andere Buchdateien per USB-Port unterschieben. Am besten natürlich im Kindle-Format Mobipocket (.mobi, .prc oder auch .azw), Textdateien (.txt) gehen aber auch, ebenso HTML-Dateien, wenn man sie in .txt umbenennt - und auch die allgegenwärtigen PDFs. Diese sind allerdings nicht so gut zu lesen, wie bereits in Teil 1 und 2 erläutert.

Doch hat man mit dem Kindle von Amazon auch einen Datenspeicher in der Cloud und einen Konvertierungsdienst erworben:

Jedem Kindle ist mit dem zugehörigen Amazon-Account ein Menüpunkt Mein Kindle sowie eine eigene E-Mail-Adresse zugeordnet (xxx@kindle.com), an die Dateien geschickt werden können, die auf diesem gespeichert werden sollen. Hier sind nun auch Word-Dateien - ob .doc oder .docx - möglich, .rtf oder Bilder (.jpg, .png, .gif und .bmp) Der Download auf den Kindle erfolgt dann über Amazon Whispernet - sprich: die Synchronisierung mit dem Amazon-Account via WLAN.

Der Vorteil, wenn man eine Datei an diese Adresse schickt, statt sie einfach über USB in das Gerät zu stopfen: Sie steht nun auch automatisch den Kindle-Apps für Smartphones (Android, iPhone/iPad, Windows Phone 7), Mac und PC zur Verfügung. Wo man auf dem einen Gerät aufgehört hat zu lesen, kann man auf dem anderen automatisch an der richtigen Stelle weitermachen. Zudem können hier auch Texte archiviert werden, für die auf dem Kindle oder den Smartphones nicht genügend Platz ist - bis zu 5 GB.

PDF-Konverter in der Cloud

Ausserdem kann man sich jedoch die auf dem kleinen Bildschirm schwer lesbaren PDF-Dateien in Kindle-tauglichere unformatierte Textdateien umwandeln lassen: Hierzu ist die E-Mail mit dem PDF nur mit dem Betreff CONVERT zu versehen - Amazon macht den Rest, und zwar via WLAN kostenlos. (Bei den englischsprachigen Modellen können Gebühren für die Datenübertragung über UMTS anfallen). Danach ist das Layout des PDF weg, doch der Text ist nun als Fliesstext gut lesbar. Beispiele der PDF-Darstellung vor und nach der Kovertierung finden sich in der Fotostrecke.

Nur das «Konkurrenzformat» Epub verweigert Amazon. Wer Epub-E-Books auf den Kindle bringen will, muss sie selbst, beispielsweise mit dem kostenlosen Programm Calibre, umsetzen. Allerdings dürfen die Fremdformate kein DRM haben, sonst ist die Umsetzung nicht möglich. Calibre kann auch Bücher suchen und Zeitschriften und RSS-Feeds für den Kindle laden.

Davor, nun auch jeden Morgen 500 brandneue Viagra-Ratgeber auf seinem Kindle vorzufinden, und das dümmstenfalls (bei einem Kindle mit UMTS) auch noch kostenpflichtig, muss man sich im Normalfall nicht fürchten: Die Kindle-E-Mail-Adresse nimmt nur Post von vorher dafür freigeschalteten Absende-E-Mail-Adressen an. Ist diese Absendeadresse also nicht öffentlich bekannt und auch nicht leicht zu erraten, sollte eine ungewollte Kindle-Befüllung auszuschliessen sein. Allerdings könnte man guten Freunden die Adresse freischalten, um so untereinander (ungeschützte) E-Books zu tauschen.

Mit Wörterbüchern und Browser

Übrigens wird der Kindle doch bereits mit einigen Büchern geliefert: Wörterbüchern! Unter anderem dem Duden und dem Oxford Dictionary. Diese werden aufgerufen, wenn man ein Wort im gelesenen Text anklickt, womit dieses sofort nachgeschlagen werden kann.

Ebenso angeklickt werden die Kapitel im Inhaltsverzeichnis eines E-Books - der Reader springt dann sofort ins entsprechende Kapitel -, Fußnoten und Links.

Links?

Aber ja, der Kindle enthält auch einen einfachen Webbrowser, der beim Anklicken von Weblinks aufgerufen wird.

Via WLAN lädt der die zugehörige Website. Das Programm stell natürlich keine Farben, Animationen oder Töne dar - was aber auch ein Vorteil sein kann -, doch Texte auf Websites sind durchaus lesbar. Über die Bildschirmtastatur und den Menüpunkt "Experimentell" ist der Browser auch direkt aufrufbar. Einige Screenshots finden sich in der Fotostrecke.

Bitte nicht zublättern!

Der Punkt, in dem sich der Kindle von einem echten Papierbuch unterscheidet, ist das automatische Abschalten nach 10 Minuten. Wen dies stört, kann den «Bildschirmschoner« abschalten. Dazu ist die Bildschirmtastatur aufzurufen und die beiden folgenden Befehle einzutippen:

;debugOn

~disableScreensaver

Danach bleibt die aktuell gelesene Seite dauerhaft auf dem Schirm und jede Tastenberührung führt zu sofortiger Reaktion.

Allerdings steigt der Stromverbrauch des Kindle in dieser Einstellung - der Akku leert sich etwas schneller, insbesondere, wenn auch noch das WLAN aktiv ist. Wenn er komplett leer ist, geht diese Einstellung wieder verloren und muss neu eingetippt werden.

Wenn der Ausschalter über fünf Sekunden lang gedrückt wird, schaltet sich der Kindle allerdings «richtig» aus - erkennbar an einem dann leeren, weißen Schirm. In diesem Zustand ist die Gefahr des Akku-Leerlaufens gebannt, wenn man das Gerät nicht gerade Monate in die Ecke legt.

Vom Leser zum Schreiber

Und schliesslich gibt es noch eine weitere Möglichkeit, den Kindle mit Lesestoff zu füllen - frei nach dem Motto «Das bisschen, das ich lese, schreibe ich mir doch gleich selbst»: Es ist wesentlich einfacher, ein E-Book zu veröffentlichen als ein gedrucktes - teils wird dies sogar kostenlos angeboten (Beispiel, vom Autor konzipiert). Wer also immer schon einen Roman im Schreibtisch liegen hatte, doch bei den Verlagen nicht landen konnte, kann ihn nun nicht nur auf seinen eigenen Kindle laden, sondern auch bei Amazon als eigenes Kindle-E-Book anbieten.

Bleibt nur die Frage: Benötige ich wirklich einen richtigen Kindle, wenn ich Kindle-E-Books doch auch auf dem Smartphone oder iPad lesen kann? Die gute Bildqualität, das gegenüber einem Smartphone grössere Display und das geringe Gewicht des Kindle führen zur klaren Antwort: Zwingend notwendig ist es vielleicht nicht - doch deutlich angenehmer.

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