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12.07.12

Amateurfunkmesse Ham Radio Friedrichshafen (1): Auch der Amateurfunk wird digital

Alles wird digital - inzwischen auch das Radio, der Polizei- und der Amateurfunk: Neben den eigentlichen "digitalen Betriebsarten", beginnend beim Morsen, gefolgt von Funkfernschreiben, Funkfaxen und inzwischen auch digitalem Amateurfernsehen, wird auch Sprache immer öfter digital übertragen. "Digital Voice", also digitale Sprachübertragung, war deshalb das diesjährige Messemotto der Amateurfunkmesse "Ham Radio" in Friedrichshafen.

"Digitale Kommunikation wird bereits seit 350.000 Jahren genutzt", nämlich durch Rauchzeichen und Signalfeuer der Pekingmenschen, so Jochen Berns, DL1YBL, der Digitalreferent des DARC (Deutscher Amateur Radio Club) zur Eröffnung der 37. Ham Radio in Friedrichshafen am Bodensee. Es folgten 150 v.Chr. die Römer mit einem durch Hunderte von Rauchtürmen realisiertes Nachrichtennetz von etwa 4.500 km Länge. Hier konnten etwa 0,13 Zeichen pro Sekunde übertragen werden. Und natürlich die Indianer, doch die hatte Jochen Berns wohl als zu naheliegend in seinem Vortrag vergessen.

Die Papstwahl nutzt ebenso Rauchzeichen, allerdings wird hier nach Stunden der Wartezeit gerade mal ein Bit übertragen. Da ist die heutige Technik mit Giga- und Terabits pro Sekunde deutlich effizienter; Rauchzeichen werden von den Geräten nur noch - ungewollt - im Fall eines Hardwareschadens ausgesendet.

WSJT von Joe Taylor, K1JT, kann wiederum nicht so schnell, aber dafür Signale bis zu 32 dB unter dem Rauschen noch dekodieren. Joe hatte WSJT geschrieben, um diese neuen digitalen Modulationsverfahren in den Amateurfunk zu bringen.

Wolf Harranth, OE1WHC präsentierte am ORF-Hörertreffen aus dem Dokumentationsarchiv Funk amüsante und teils kuriose Filmausschnitte von und über Funkamateure, manche gelungen, wie die Spielfilme "Frequency" und "Making Waves", manche eher aus der Rubrik "Frankenstein" und manche ganz eindeutig ein Eigentor, etwa wenn ein Rentner zwischen Funkgeräten eingekeilt etwas über seine zahlreichen Kontakte zur Welt erzählte, der Zuschauer jedoch von dem armen Mann eher den gegenteiligen Eindruck hatte. Immerhin: Dieser ebenfalls gezeigte nette Sketch von Didi Hallervorden zielte auf Berufsfunker, nicht Amateure :-)

Auch ein Eigentor, doch wesentlich ermüdender, war der in Zeitlupe über mehr als zwei Stunden gehaltene "Fachvortrag" "Verrücktes Entrauschen und Entstören" des "verrückten Prof." Dr.-Ing Alexander Neidenoff. Er lieferte die von jedem Esoteriker gerne bestätigte Aussage, herkömmliche Maßnahmen zur Reduzierung von Rauschen und Störungen zielten fehlerhafterweise auf deren Ursachen, seien daher reines Abkassieren und nur seine neue GpO-Methode ("Globale-pre-Optimierung") würde helfen.

Als allerdings ein Teilnehmer darum bat, zu verraten, wie diese denn funktioniere, verlor der Professor die Haltung und schimpfte, es sei doch seine Sache, ob er darüber etwas sage, Coca-Cola behalte seine Rezeptur doch auch im Safe.

Auf die zahlreich präsentierten neuen Amateurfunkgeräte wird in Teil II des Messeberichts eingegangen. In der Bildergalerie finden sich noch Kuriositäten vom der Ham-Radio angeschlossenen Flohmarkt. Ein Praxistest eines in Friedrichshafen erstandenen Duoband-Handfunkgeräts KG-UV6D-E von Wouxon wird in den nächsten Wochen folgen.

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