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16.07.16

Software

Die App „Achtung Pleite“ zeigt an, ob Geschäftspartner in Finanznot sind

Jürgen Kroder

Kann man dem neuen Auftraggeber vertrauen? Ist er ein solventer Partner, mit dem man gute Geschäfte macht? Oder gibt es finanzielle Engpässe, vielleicht sogar eine verheimlichte Insolvenz? Diese Fragen stellen sich Freiberufler gleichermaßen wie kleine und mittelständische Unternehmen. Die Antworten darauf soll die umstrittene App „Achtung Pleite“ liefern.


Die Webseite der App "Achtung Pleite" (Bild: DerKeiler GmbH)

Steckt ein Business-Partner in einem Insolvenzverfahren?

Wie es der Name besagt, zeigt „Achtung Pleite“ an, ob Privatpersonen oder Unternehmen in einem Insolvenzverfahren stecken. Zudem erhält man über die iOS- und Android-App die Information, ob es in der Vergangenheit bereits Insolvenzverfahren gab. Die rund drei Euro teure Smartphone-Anwendung ist also kein Hoax, wie manch einer vermuten mag, sondern gibt wirklich die versprochenen Daten preis. Hierzu kann man eine einfache oder eine erweiterte Suche nutzen.

So ist es einerseits möglich, ganz gezielt nach Personen zu suchen. Das funktionierte in unserem Test sehr gut. Andererseits kann man auch nur eine Postleitzahl oder eine Stadt eingeben, dann erhält man eine lange Liste mit Namen von Schuldnern. Zudem bietet „Achtung Pleite“ eine Art Pleite-Atlas, eine spezielle Kartenansicht, in der die Wohn- bzw. Standorte der insolventen Personen und Firmen als Punkte dargestellt werden.

Ein detailreicher Schuldner-Atlas fürs Handy

Die App wirbt damit, dass sie über eine Million Einträge bietet und damit 98 Prozent aller Schuldner in Deutschland erfasst. Um Aktualität zu gewährleisten, wird die Datenbank regelmäßig upgedatet. Durch diese detailreichen Informationen soll „Achtung Pleite“ ein valider Ersatz zur kostenpflichtigen Schufa-Abfrage sein, so der deutsche Hersteller mit dem seltsam klingenden Namen DerKeiler GmbH.

Bei dieser Aussage sollte man aber vorsichtig sein: Während beispielsweise die Schufa durch viele Faktoren einen Score errechnet, bezieht sich „Achtung Pleite“ nur auf laufende oder vergangene Insolvenz-Verfahren. Somit kann die App als Richtschnur dienen, ersetzt aber nicht eine richtige finanzielle Auskunft, um zum Beispiel die Kreditwürdigkeit eines potentiellen Kunden zu überprüfen.

Woher stammen die Insolvenz-Daten?

In den App-Stores wie auch auf sozialen Netzwerken wird „Achtung Pleite“ kontrovers diskutiert. Viele User sind erstaunt, woher die Daten stammen, und vermuten dunkle Kanäle. Das stimmt aber nicht. Wie uns Programmierer Ulrich Keiler gegenüber mitteilte, stammen die Daten aus ganz legalen Quellen: Die Seite Insolvenzbekanntmachungen.de dient als Basis für die App.

Trotzdem herrscht ein ambivalentes Stimmungsbild vor. Viele Menschen sind erstaunt, dass solch heikle Informationen wie ein Insolvenz-Status öffentlich gemacht wird. Doch das ist nichts Neues: Auf Amtsgerichten der Gemeinden bzw. Insolvenzgerichten kann jeder den Status von Nachmietern, Gewerbetreibenden oder seinem Nachbarn erfragen. Mit der „Achtung Pleite“-App geht das nun deutlich schneller und komfortabler.

Fazit

Eigentlich ist „Achtung Pleite“ eine in App-Form gegossene Variante von Insolventbekanntmachungen.de, für die man 2,99 Euro bezahlt. Obwohl die Smartphone-Anwendung somit wenig Neues bietet, leistet sie gute Dienste: Man kann in Sekundenschnelle einen groben Check durchführen, ob ein Geschäftspartner in monetären Nöten steckt oder nicht. Gibt es keine negativen Treffer, sagt das aber noch nichts über seine finanzielle Glaubwürdigkeit aus. Für eine genaue Überprüfung der Kredibilität ist immer noch eine Abfrage bei Schufa & Co. ratsam.

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