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01.11.08

1&1 Homeserver im Test: DSL, WLAN und Fileserver in einem

Der "1&1 Homeserver" ist eine Fritzbox, die neben DSL-Modem und LAN-/WLAN-Router auch noch eine DECT-Telefonanlage und Serverfunktionalitäten bietet. Also ein eigenes Webradio ohne laufenden Computer? Der neuerdings.com Praxistest.

WLAN-Webradios wie die diversen Noxon-Modelle von Terratec können in der ganzen Wohnung nicht nur Webstreams aus aller Welt, sondern auch MP3s vom eigenen PC abspielen. Der muß dazu allerdings laufen. Irgendwie ungünstig, wenn man nachts noch Lust auf seine Lieblingsplatte bekommt und die Kiste längst aus ist.

Den PC Tag und Nacht anzulassen ist wiederum schlecht für Stromrechnung und Umwelt: Auch ohne Monitor schluckt ein heutiger PC schon im Leerlauf zwischen 40 und 100 Watt - und bei Aldi-PCs sollen auch schon mal über Nacht die Netzteile abfackeln und mit etwas "Glück" der Schreibtisch darüber gleich mit. Der 1&1 Homeserver verspricht eine elegantere Lösung:

Dabei handelt es sich um die Fritzbox Fon WLAN 7270. AVM ist mit den Fritzboxen schon seit längerem Hauslieferant für den Provider 1&1, beim Autor ist beispielsweise das Vorgängermodell 7050 im Einsatz und das Telekom-DSL-Modem eingemottet, seitdem der ursprüngliche WLAN-Router ELSA / Lancom IL 11 an einem warmen Sommertag in Streik getreten war und der Chef über diese Unbotmäßigkeit tobte.

Da war es gut, wenn man vom Provider noch Hardware in Reserve hat. Außerdem sparte die AVM Fritzbox Strom: Statt DSL-Modem und WLAN-Router war nun nur noch eine Schachtel mit Strom zu versorgen.

Ein Standard, der sich inzwischen durchgesetzt hat: Die meisten Provider liefern inzwischen statt einfacher DSL-Modems solche Kombi-Boxen aus und haben damit WLAN und Router auch in Haushalte gebracht, die eigentlich nur einen DSL-Anschluss für einen einzelnen PC wollten.

Doch wenn nun erstmal dank WLAN trotz Abneigung der Hausfrau gegen gelbe Ethernetstrippen quer durch die Wohnung alle Computer vernetzt und online sind, wächst der Appetit.

Nun kann man ja auch mit der Fritzbox über das Internet billiger telefonieren - geht das nicht auch drahtlos? Und die schönen Audio-, Video- und Fotodateien - kommt man an die vielleicht auch im Wohnzimmer heran? Und kann man mit dem neuen Farblaserdrucker nicht auch vom Kinderzimmer aus drucken?

Ja, das geht. AVM hat in der Fritzbox Fon WLAN 7270 nun auch noch diese Funktion integriert, mit der man über den USB-Port des Homeservers angeschlossene Geräte sharen kann, ebenso wie eine DECT-Basisstation.

Es ist also nicht mehr wie bei früheren Fritzboxen die DECT-ISDN-Anlage hinter die Fritzbox zu klemmen - diese erledigt das gleich mit, mit bis zu drei drahtgebundenen und fünf drahtlosen Telefonen.

Bei der 1&1-Variante der Fritzbox Fon WLAN 7270 kann für knapp 30 Euro noch eine 250 GB-USB-Festplatte mitgeordert werden, um aus dem Homeserver tatsächlich einen Server zu machen. Ebenso bietet 1&1 bei Bedarf noch Online-Speicher.

Die 250-GB-USB-Festplatte kommt von Trekstore und wird zwar von 1&1 als besonders leicht angeboten, weil noch unter einem Kilogramm, doch ist es die bislang massigste USB-Festplatte im 3,5-Zoll-Format, die mir untergekommen ist: Notfalls kann man mit ihr auch Einbrecher erschlagen - Wohnungseinbrecher, versteht sich. Hacker eher weniger, außer die stehen als WLAN-"Wardriver" vor dem Haus.

Ein Schraubendreher gehört mit zum Lieferumfang der Trekstore-Festplatte, wobei nicht ganz klar ist, weshalb. Anscheinend kann man bei manchen Modellen Anschlüsse wechseln.

Nicht so elegant ist, daß der 1&1 Homeserver selbst zwar energiesparend ist mit entsprechenden Menüs, bei denen man den Stromverbrauch noch weiter einschränken kann, und schon im Lieferzustand ohne DECT nur 5,2 Watt verbraucht, doch die Trekstore-Festplatte mit einem zweiten Steckernetzteil noch einmal 4,5 Watt verspeist.

Bei solch einem Dauereinsatz ist es überlegenswert, stattdessen eine USB-Festplatte im 2,5-Zoll-Format (Notebook-Festplatte) anzuschließen, die direkt aus dem USB-Port versorgt werden kann und im Normalzustand gerade mal ein Watt Zusatzverbrauch des 1&1 Homeservers verursacht.

Allerdings sind manche dieser USB-Festplatten doch zu gefräßig und kommen ins Stottern, wenn man sie an diesem Port betreiben will; ein aktuelles 500-GB-Modell von Verbatim, von neuerdings.com vor kurzem getestet, lief im Test jedoch störungsfrei.

Diese Festplatte kostet zwar 120 statt 30 Euro, hat jedoch die doppelte Kapazität der von 1&1 angebotenen Festplatte und spart etwa 10 Euro im Jahr wieder an Strom ein - vom geringeren Kabelsalat und der eingesparten zweiten Steckdose ganz abgesehen.

1&1 versucht es dem Käufer so leicht wie möglich zu machen, schließlich ist dieser oft zwar technisch interessiert, doch nicht mit IT-Erfahrung ausgestattet. Mit der Fritzbox werden zwei Kabel geliefert - für den DSL-Anschluss mit oder den ohne DSL-Splitter, da 1&1 beide Sorten von Anschlüssen vermarktet.

Dazu liegen bei: ein Netzwerkkabel, ein TAE-Adapter, Netzteil, ein Handbuch und eine CD-ROM. Gegebenfalls mitbestellte WLAN-USB-Sticks sind bereits mit den WPA-Schlüsseln der Box gefüttert und diese mit den georderten Telefonnummern des Kunden. Andernfalls lassen sich die Fritz-WLAN-USB-Sticks durch einfaches Anstecken an der Box konfigurieren.

Der 1&1 Homeserver startet stets in WPA-Verschlüsselung, um den Käufer gar nicht erst in Versuchung zu führen, mit WEP oder unverschlüsselt loszufunken. Hat man Geräte, die nur WEP können, muß man die Box also anschließend selbst auf WEP herunterschalten. Wer technisch gar nicht fit ist, kann sich für knapp 70 Euro auch alles vom Fachmann installieren lassen.

Die bereits vorhandene 1&1 Fritzbox 7050 hat im Vergleich zum 1&1 Homeserver kein DECT, keine Serverfunktionen, keine Autokonfiguration und nur normales IEEE 802.11b/g, während der Homeserver IEEE 802.11 n Draft 2.0 hat u

IEEE 802.11 n führt zu drei Antennen für MIMO und damit auch dann zu besserer Funkabdeckung, wenn die Gegenstelle nur das normale 802.11g zu bieten hat: Auf einem problematischen Rechner, einem Aldi-PC Medion MD 8386 XL mit integriertem WLAN und einer tief im Gehäuseinneren vergrabenen Antenne, damit der Empfang bloß nicht zu gut wird, war der Empfang durch eine Betonecke hindurch mit der Fritzbox 7270 stabil, während derselbe PC mit der Fritzbox 7050 regelmäßig aus dem Netz fällt. Allerdings sollen andere AVM-Fritzboxen noch bessere Werte zeigen.

Leider fehlt ein Reset-Knopf, wenn der Expertenmodus gefunden und die IP-Konfiguration zerschossen ist. Stattdessen ist ein Telefon anzuschließen und eine bestimmte Rufnummernkombination zu wählen. Das ist nicht nur etwas umständlich, sondern sicher auch als Partygag gut geeignet, um dem Gastgeber die 1&1-Telefonanlage lahm zu legen. Uns ging es jedoch um die Serverfunktionen:

Bis zu vier Draht-LAN-Kabel und im Gegensatz zu Telefonen natürlich beliebig viele WLAN-Geräte lassen sich mit dem 1&1 Homeserver verbinden. Für alle steht die am USB-Port gegebenenfalls über einen USB-Hub angeschlossene Hardware gemeinsam zur Verfügung, ob Drucker, Fax oder Speicher.

Für Speicher gibt es allerdings noch Sonderoptionen: Passwortschutz, Read Only, Streamingzugriff und den Zugriff als Netzlaufwerk unter \fritz.box : Nur so können beispielsweise Fotos in einem Bildbetrachter angesehen werden statt im Browser.

Was es dagegen bei der Fritzbox 7050 in Zusammenhang mit USB gab, nämlich einen als Router-/Internetzugang tauglichen USB-Port, hat die Fritzbox 7270 nicht mehr. Anscheinend waren PCs und Notebooks mit USB, doch ohne WLAN und LAN nicht so häufig, dass sich diese Option bewährt hat.

Um auf dem Homeserver gelagerte 10-Megapixel-Fotos flott anzusehen, erwies sich das WLAN im IEEE-802.11g-Modus als zu langsam - da ist es sinnvoller, eine Kabelanbindung zu benutzen.

Für reine Backup-Funktionen oder Musikstreaming ist der Homeserver jedoch auch im WLAN-Betrieb auf jeden Fall sinnvoll und für einen Haushalt ohne Kellerräume oder überflüssigen Raum unter Schreibtischen eigentlich die einzig sinnvolle Option: Zwar bietet 1&1 auch Online-Speicherplatz für knapp 5 Euro pro 100 GB und Monat, doch ist dieser nur für Backup-Zwecke sinnvoll, für die Nutzung als tägliche Datenquelle dagegen selbst bei 16-MBit-DSL-Anschlüssen zu langsam - und zu teuer.

Ob ein Drucker oder eine Festplatte tatsächlich am 1&1 Homeserver funktionieren und so allen angeschlossenen Computern zur Verfügung stehen, ist immer im konkreten Einzelfall zu überprüfen.

Dann jedoch ist dieser eine geschicktere Lösung als beispielsweise ein dedizierter WLAN-USB-Konverter, da der 1&1 Homeserver ohnehin bereits mit allen Computern im Haus in Verbindung steht und ebenso ständig läuft, sobald das Netzwerk benutzt wird. "Ruhezeiten" kann man manuell einprogrammieren.

Die Drucker-Sharing-Funktion boten einst Dosch & Amand mit ihren DECT-Netzwerksystemen; es ist kaum zu glauben, dass erst jetzt fast 10 Jahre später AVM wieder auf diese Idee gekommen ist.

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