Blackberry Handys und Smartphones: News, Tests, Meinungen, Geschichte und mehr

Blackberry Priv (Bild: Blackberry)
Blackberry Priv (Bild: Blackberry)

Blackberry - auch BlackBerry geschrieben - dieser Name steht einerseits für eine bekannte Handy-Reihe, andererseits heißt so auch der Hersteller der gleichnamigen Mobiltelefone. Die Marke legte in den letzten Jahren eine regelrechte Achterbahnfahrt hin, deren Ende noch nicht absehbar ist. 

Wir zeigen Ihnen hier die wichtigsten News, Meldungen, Tests und Meinungen zu den Blackberry-Handys.

Blackberry Special

Blackberry-Handys: Das macht sie so besonders

Manager und Blackberry – zwei Namen, die einst zusammengehörten. Da man mit den Smartphones überall auf der Welt erreichbar ist, um beispielsweise geschäftliche Dinge zu regeln, bekamen die Handys den Spitznamen „Crackberry“.

Für den Erfolg der Blackberry-Modelle gab es verschiedene Gründe. Der bedeutendste Grund liegt im Empfang von Mails, Notizen, Adressdaten und Kalendereinträgen, die mittels Push-Dienst über einen speziellen Server an die Geräte geschickt werden. Die Aktualisierung erfolgt automatisch, solange Empfang besteht.

Auch der Zugriff aufs Web und das Nutzen von Apps ist möglich. Funktionen, die seit dem ersten iPhone keine Magie mehr sind, waren aber in den ersten Jahren der Blackberry-Modelle etwas Besonderes und gerade für Geschäftsleute immanent wichtig.

Ein weiterer Grund für den Erfolg der Smartphones, die nach der Brombeere benannt wurden, ist die fest verbaute Tastatur. Sie bietet das bekannte QWERTZ-Layout und durch die optimal geformten Tasten lassen sich Texte schnell und einfach verfassen. RIM brachte zwar auch Handy-Modelle ohne Tastatur auf den Markt, besann sich aber immer wieder auf seine Stärken. Ob das so bleiben wird? Das steht in den Sternen.

Ein ebenfalls wichtiger Punkt, für den die Marke steht, ist: Blackberrys gelten als ziemlich sicher. Der Datenverkehr wird mittels AES-Verschlüsselung übertragen, auch andere Features sorgen für ein erhöhtes Security Level.

Blackberry-Smartphones: Die Modelle

Den Blackberry gibt es nicht. Die Marke steht als Synonym für eine lange und populäre Baureihe. Alleine seit 2006 sind weit über 50 Modelle erschienen, einige davon nur im nordamerikanischen Markt.

Bekannte Modelle sind: 8900 Javelin, Storm und Storm 2, Bold 9700 bzw. Bold 2, Bold 9900, Blackberry 10 und Q10, Passport und Classic sowie mehrere tastaturlose Varianten, zu denen das Z30 zählt. Auch ein besonderes Designerstück im Porsche-Design gab es.

In der Vergangenheit basierten die Blackberry-Handys auf einem eigenen Betriebssystem namens Blackberry OS. Die letzten Modelld wie das Blackberry Priv laufen dagegen auf Android. Und das, obwohl das Google-Betriebssystem als unsicher gilt und als Datenspion verrufen ist.

Das Unternehmen Blackberry


(Bild: Blackberry)

Der ursprüngliche Namen des kanadischen Technologie-Unternehmens lautet RIM (Research In Motion). Es wurde 1984 gegründet, aber erst 1999 kam das erste Blackberry-Handy auf den Markt. Seitdem erschienen zahlreiche Modelle, die durch ihre hohe Popularität zu einem immensen Wachstum von RIM führten.

Im Jahr 2001 machte RIM einen Umsatz von rund 220 Millionen US-Dollar, 2005 waren es bereits über 1,3 Millarden Dollar. Bis zum Höhepunkt im Jahr 2011 kletterte der Umsatz auf 19,9 Millarden. Nach diesem kometenhaften Aufstieg folgte ein ebenso rasanter Abstieg. Bereits vier Jahre später betrug das Einkommen der Blackberry-Firma lediglich 3,3 Milliarden Dollar.

Der Hauptgrund für die Krise stellt der Boom der iPhones und Android-Smartphones dar. Mit diesen Erfolgen konnte Research In Motion nicht mithalten, die einst so beliebten Mobilgeräte verkauften sich immer schlechter.

Unter anderem versuchte das Unternehmen im Jahr 2013 durch die Vorstellung eines neuen Betriebssystems (Blackberry OS 10) wieder Fuß zu fassen, zudem wurde die Company von RIM in Blackberry Inc. umbenannt. Auch ein Verkauf des Unternehmens stand lange Zeit im Raum, aber es fand sich kein Käufer. Der Turnaround gelang bis Mitte 2015 nicht.

Neue Modelle wie das Blackberry Priv, das erstmals auf Android als Betriebssystem setzte, sollten die angeschlagene Firma retten. Doch das half nicht. Blackberry ist immer noch ein Wackelkandidat.

Blackberry: Abschied vom Smartphone-Geschäft. Was bringt die Zukunft?

Ein Beitrag von Sven Wernicke, 10.10.2016

Nach den Misserfolgen der Vergangenheit folgen Konsequenzen: Blackberry wird keine eigenen Smartphones mehr herstellen. Und doch geht es mit dem berühmten Hersteller weiter.


(Bild: Blackberry)

BlackBerry in der Vergangenheit

Blackberry, früher unter dem Namen Research in Motion (RIM) bekannt, kann auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken. Neben dem ertragreichen Geschäft mit Funkmeldeempfängern, den in den 1990ern sehr beliebten Pagern, sorgte das Unternehmen im Jahr 1999 für Aufsehen. Ein winziges, mobiles Gerät namens BlackBerry 850 mit Display und vollwertiger QWERTZ-Tastatur ermöglichte das Surfen im Netz, das Telefonieren und das Schreiben von Nachrichten sowie Emails.

Es folgten etliche Nachfolger und verbesserte Devices unter dem Namen Blackberry. Doch der Markt änderte sich schnell, unter anderem mit dem iPhone von Apple, das die Ära der Smartphones 2007 einläutete. RIM war nicht in der Lage oder gewillt, den neu aufkommenden Konkurrenten Paroli zu bieten. Und so verdrängte der Touchscreen zunehmend das Keyboard.

Zu spät reagiert

Viel zu spät riss Blackberry das Ruder um, um noch eine Relevanz im extrem schnell wachsenden Smartphone-Geschäft zu behalten. Unter anderem hielt man zu lange an dem eigenen Betriebssystem BlackBerry OS fest, erst Ende 2014 öffnete sich der Konzern für Android-Apps und stellte im Herbst 2015 sogar Smartphones mit dem Betriebssystem von Google vor. Mittlerweile gibt es mit dem BlackBerry Priv, dem DTEK 50 und DTEK 60 mehrere Android-Geräte der Firma.

Von BlackBerry OS hat man sich also bereits verabschiedet, das wird gar nicht mehr auf neuen Handys vorinstalliert. Nicht nur das: Die gerade genannten Telefone dürften die letzten sein, die in Eigenregie entworfen wurden.

Mit Software in die Zukunft

Seit jeher ist die Stärke von Blackberry die Software. Das Blackberry OS 10 ist ein robustes, sicheres Betriebssystem, dem es leider in erster Linie an App-Unterstützung mangelte. Genauso entstanden in den vergangenen Monaten und Jahren zahllose Anwendungen für Android – gerade im Bereich Sicherheit und Service.

Produktivität und Effizienz beim Arbeiten am mobilen Begleiter werden wohl auch in künftige Apps und Software-Lösungen einfließen. Genauso werden beliebte Tools wie der Blackberry Messenger (BBM) weiterhin gepflegt. Ziel ist es, Großkunden anzusprechen – nur eben nicht mehr mit Hardware.

Sogar ein Fortbestand von Blackberry OS 10 ist vorstellbar. Hersteller könnten das Betriebssystem lizenzieren. Das gilt auch für den Bereich der Hardware. Unter dem Namen Blackberry werden wahrscheinlich in absehbarer Zeit weitere Smartphones in den Handel kommen. Diese aber stammen nicht mehr von den Kanadiern, sondern von Konzernen, die sich die Rechte sichern. 

Trotzdem: Der Fokus liegt auf der Software und Googles Android. Mit einer angepassten Version des OS möchte man perspektivisch die NIAP-Zertifizierung für die Erfüllung spezieller Sicherheitsstandards erhalten.

Blackberry Enterprise Software

Blackberry will intensiver Firmen sowie staatliche Einrichtungen mit passenden Security-Ansätzen bedienen. Dazu passt, dass man im Herbst 2015 den auf Fernwartung spezialisierte Anbieter Good Technology übernahm. Der besaß damals schon 6000 Firmenkunden und zahlreiche Patente in diesem Segment.

Bei der Blackberry Enterprise Software, die unter anderem für iOS, Android, MacOS und Windows erhältlich ist, handelt es sich um eine umfassende Plattform. Diese bietet Aspekte wie Mitarbeiterkontrolle, Überwachung des Email-Verkehrs sowie Geschäftsprozesse- und Kommunikations-Verwaltung für kleine, mittelständische und große Firmen.

Was ist mit Blackberry-Besitzern?

Wer ein aktuelles Blackberry-Smartphone besitzt, muss sich übrigens nicht sorgen. Regelmäßige Sicherheits-Updates für die Handys mit Android und BlackBerry OS 10 sollen auch in den kommenden Monaten und Jahren zur Verfügung gestellt werden. Vor 2018 sollte also der Support nicht eingestellt werden. Das heißt ebenfalls, dass man sich nicht darum sorgen muss, das eigene Telefon könnte bald eine Gefahr darstellen – zum Beispiel dort, wo Datenschutz eine Rolle spielt.

Bewusst sollte man sich letztlich sein, dass sich Blackberry zunehmend vom Endkundengeschäft verabschiedet und sich weiter auf Großkunden konzentriert. Mit Software und Dienstleistungen  – den wirklichen Stärken der Firma – begibt man sich ins Rennen. Ob man damit (wieder) erfolgreich wird? Das zeigen die nächsten Jahre.


Ratgeber: BlackBerry DTEK60 - Lohnt sich der Kauf?

Ein Beitrag von Sven Wernicke, 01.11.2016


BlackBerry DTEK60 (Bild: Blackberry)

Das neue Smartphone aus dem Hause BlackBerry verdeutlicht die Neuausrichtung des Konzerns. Wie schon das DTEK50 ist auch das DTEK60 ein fast ganz normales Mobiltelefon mit dem Betriebssystem Android von Google. Der Hersteller hat sich offenbar vom eigenen BlackBerry OS verabschiedet. Von einer vollwertigen QWERTZ-Tastatur ganz zu schweigen - die fehlt nämlich ebenfalls.  

Hergestellt von BlackBerry?

Für Kenner auf den ersten Blick sicher auch ernüchternd: Betrachtet man die technischen Daten, sind kaum imposante Besonderheiten zu erkennen. BlackBerry übergab dem Unternehmen TCL die Aufgabe, das Gerät zu entwerfen und herzustellen. Der chinesische Produzent kümmert sich auch um den Vertrieb von Alcatel (One Touch)-Telefonen weltweit.

Genau diese Tatsache wird für die Zukunft von Bedeutung sein: BlackBerry möchte sich mit seiner neuen Strategie nämlich nicht aus dem Smartphone-Sektor zurückziehen, sondern unter dem Firmennamen weitere Handys anbieten. Um die Produktion kümmern sich allerdings andere.

Diese Entscheidung muss keine schlechte sein, wie das DTEK60 zeigt. Sicherlich gibt’s kaum Innovationen, dafür aber konzentriert sich BlackBerry auf das Wesentliche und das, was sich Konsumenten wünschen könnten. Im Fokus stehen Verarbeitung, Leistungsfähigkeit und Sicherheit.

Das DTEK60 bietet viel Leistung

Das neue Smartphone bietet gegenüber dem „kleineren“ DTEK50 in allen Bereichen mehr. So wird ein Snapdragon 820 Quadcore Prozessor verbaut, der zu den leistungsfähigsten Smartphone-Chips der Gegenwart zählt. Er bringt die Inhalte auf das 5,5 Zoll große Quad HD Display mit einer Auflösung von 2560 x 1440 Bildpunkten. Das DTEK50 begnügte sich noch mit Full HD und 5,2 Zoll Diagonale. Mit 4GB RAM, 32GB Flash-Speicher, microSD-Kartenslot (bis maximal 2TB), NFC und Fingerabdruck-Sensor ist das Device auf der Höhe der Zeit.

Praktisch außerdem: Der 3000 mAh Akku kann durch die Quick Charge 3.0-Schnellladefunktion gefüllt werden. In nur 30 Minuten werden so im besten Fall 70 Prozent Ladestand erreicht. Ideal, wenn’s mal schnell gehen muss.

Auffälligstes Alleinstellungsmerkmal: Das DTEK60 verfügt über eine individuell programmierbare Taste am Gehäuserand. Wofür man diese verwendet? Das ist dem Nutzer überlassen. Wer will, startet damit beispielsweise favorisierte Apps. Oder die Kamera wird ausgelöst. Apropos: Die Rückseiten-Kamera verfügt über Autofokus und 21 Megapixel, die Front-Cam über 8 Megapixel und Blitzlicht.

DTEK60 im Vergleich mit iPhone und anderen Top-Smartphones

Das DTEK60 muss sich vor der Konkurrenz nicht verstecken. Aktuelle Komponenten, ein sehr hochauflösendes Display und die gute Performance zeigen, dass BlackBerry bemüht ist, dem aktuellen iPhone, aber auch den anderen großen Mitbewerbern von Samsung, LG, HTC oder Sony Paroli zu bieten. Letztlich reden wir über ein Smartphone der Oberklasse, als ein solches möchte es auch wahrgenommen werden.

Zwar setzt das DTEK60 wie viele andere Mitbewerber auf Android 6.0, bietet darüber hinaus sehr viele Anwendungen, die das Telefon doch zu einer Besonderheit machen.

Die Sicherheit beim DTEK60

BlackBerry zufolge gehören die eigenen Telefone zu den sichersten am Markt. Dafür sorgen allerlei Apps, die von Haus aus vorinstalliert sind. Übrigens nicht nur beim DTEK60, sondern auch beim DTEK50 oder dem BlackBerry Priv. Das Unternehmen möchte User vor Hackerangriffen, Viren und andere Attacken von Kriminellen schützen.

Das sogenannte DTEK-Feature gibt stets darüber Auskunft, ob ohne eigenes Wissen das Mikrofon eingeschaltet wurde, Nachrichten versendet werden oder Fremde auf Kontaktlisten, Standardortdaten und Fotos zugreifen. Gerade dies ist für den Gebrauch in sicherheitsrelevanten Bereichen enorm wichtig.

Auf dem DTEK60 sind weitere Apps vorinstalliert, darunter ein intelligenter Kalender oder der BlackBerry Hub als zentrale Anlaufstelle für Nachrichten. Beides kann die Produktivität im Alltag erhöhen. Ähnliches gilt für die extra angepasste Bildschirmtastatur. Es sei betont: Vollzugriff auf Google Play Store und damit viele tausende Apps erhält man dennoch.

DTEK60 im Test: Die Meinungen der Fachpresse

Die Presse merkt diverse Aspekte an. Bei Techradar wird unter anderem die Akkulaufzeit gelobt. Das Design sei zwar unspektakulär, man merke jedoch auf jeden Fall, dass es sich beim DTEK60 um ein Premium-Smartphone handelt. Nur ganz glücklich ist man dort nicht mit der Rückseitenkamera.

Crackberry hebt das stimmige Gesamtpaket hervor, das BlackBerry mit diesem Handy bietet. Das DTEK60 vereine die harte Arbeit, die das Unternehmen in die Software gesteckt hat, mit einem prima Highend-Device. Das „Android-Erlebnis erhielt durch BlackBerry ein Feintuning“, so Crackberry.

Clove Technology empfindet das DTEK60 als langweilig. Keine Highlights und ein unauffälliger Look begeistern den zuständigen Journalisten nicht. Es wäre alles in Ordnung, solide, aber eben ohne Highlights. Wer sich mit dem „Standard zufriedengeben“ möchte, könne einen Blick riskieren.

TheRegister tadelt den zugegeben wenig schönen Namen des Produkts, rät aber zum Kauf, verlangt man Highend-Technik und Sicherheit in einem Gerät vereint. Konzeptionell wäre das Telefon ein gelungenes Flaggschiff von BlackBerry, das eine Empfehlung für all diejenigen ist, die bereit sind, für Security-Features einen Aufpreis zu investieren.

Techcrunch geht sogar einen Schritt weiter und ist der Auffassung, dass das DTEK60 das bisher beste BlackBerry-Smartphone ist. Trotzdem gibt man sich skeptisch, ob der Konzern mit diesem Handy das Ruder umreißen kann – zumindest bezogen auf den Konsumenten-Bereich.

Generell ist das Presseecho wohlwollend, obwohl niemand so recht vom Design angetan ist. Das ist ganz klar eine Frage des Geschmacks.

Weniger für Privatkunden. Damit auf Erfolgskurs?!

Wer meint, für 579 Euro, die BlackBerry für das DTEK60 verlangt, könnte man sich auch ein anderes Smartphone kaufen, liegt nicht falsch. Aber das ist der Punkt: Der Konzern möchte gar nicht mal unbedingt Privatpersonen ansprechen, sondern in erster Linie eine Business-Klientel, die Wert auf Sicherheit, Datenschutz und zugleich ein professionelles Mobiltelefon legt.

Bereits jetzt bedient BlackBerry weltweit zahllose Firmen und Regierungseinrichtungen, die genau solche Lösungen verlangen. Vermutlich aus diesem Grund wird das DTEK60 vielleicht kein Verkaufshit im Vergleich zu Größen wie dem Samsung Galaxy S7 oder dem iPhone 7, dafür dürfte es im Firmen-Sektor vielleicht sogar einen festen Platz einnehmen.

Mit einem anderen Fokus zum Erfolg? Mit etwas Glück könnte das (unter anderem) mit dem DTEK60 geling


Preview zum Blackberry DTEK60: Business-Smartphone mit neuen Stärken

Ein Beitrag von Jürgen Kroder, 28.09.2016

Blackberry will und muss Marktanteile zurückerobern. Das könnte mit dem kommenden Modell DTEK60 gelingen, das mit einer ordentlichen Ausstattung in der Smartphone-Oberklasse punkten soll. Wir haben die ersten Informationen gesammelt.

Gelingt mit dem Blackberry DTEK60 ein Blackberry-Revival?

Obwohl dem einsteigen Primus der Business-Telefone die Kunden wegbrechen, gibt das angeschlagene Unternehmen Blackberry nicht auf. Mit neuen Modellen wollen die Kanadier wieder Land gewinnen, um den Abwärtstrend aufzuhalten. Dabei pfeifen sie gerne mal auf alte Konventionen. So war das Blackberry Priv das erste Blackberry-Smartphone mit Android als Betriebssystem (anstatt dem hauseigenen Blackberry OS), das Blackberry DTEK50 verzichtete auf die ansonsten typische Tastatur.

Letztgenanntes Smartphone entpuppte sich zudem als günstiges Mittelklasse-Handy. Das soll sich mit dem DTEK60 ändern. Blackberry hält sich zwar noch recht bedeckt, doch die Gerüchteküche weiß einige Dinge zu vermelden. Demnach soll das nächste Smartphone in der gehobenen Mittelklasse positioniert werden – preislich als auch von der Leistung her.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu iPhone & Co.

Wie beim DTEK50 soll es sich auch beim DTEK60 um eine modifizierte Variante eines Alcatel-Smartphones handeln. Der Bildschirm fällt mit 5,5 Zoll um 0,3 Zoll größer aus und soll eine Auflösung von 2560x1440 Pixel (DTEK50: 1920x1080 Pixel) bieten. Auch unter der Haube gibt es einige Verbesserungen: Es kommt wohl ein flotter Qualcomm Snapdragon 820 Prozessor mit vier Kernen zum Einsatz.

Laut den ersten Gerüchten wird das Blackberry DTEK60 bei Erscheinen 4 GB Arbeitsspeicher und magere 32 GB internen Speicher bieten. Dafür besitzt es – im Gegensatz zu Premium-Smartphones wie beispielsweise dem iPhone – einen Slot für microSD-Karten, worüber der Speicherplatz günstig erweitert werden kann. Was allerdings an iPhone & Co. erinnert, ist, dass das DTEK60 auch einen Fingerabdrucksensor hat.

Für gute Business-Fotos setzt man auf eine rückseitige Kamera mit 21 Megapixel, die vorne verbaute Kamera könnte 8 MP bieten. Das rund sieben Millimeter dünne Smartphone soll einen 3000mAh-Akku besitzen, womit es ersten Informationen nach im normalen Betrieb rund 24 Stunden durchhält.

DTEK60: Wieder mit Android

Als Betriebssystem setzt Blackberry erneut Android ein. Es ist davon auszugehen, dass das DTEK60 wie sein Vorgänger wieder allerlei Sicherheits-Apps und -Funktionen bieten wird, damit es gerade für den Business-Einsatz attraktiv erscheint. Apropos: Preislich will man sich unter Apple und den Flagschiffen von Samsung positionieren. Die Rede ist von knapp 500 Euro ohne Handyvertrag.

In Sachen Design bietet das DTEK60 wohl kaum Neuerungen: Blackberry verzichtet auf optische Anreize, besondere Design-Spielereien wird es somit nicht geben. Auch das einstige Markenzeichen – die Tastatur – hat man wieder gestrichen. Damit hat Blackberry die einstige Ära der Keyboard-Mobiltelefone tatsächlich beerdigt.

Erstes Fazit zum Blackberry DTEK60

Nachdem das Blackberry Priv erfolglos in der Premiumklasse positioniert wurde, rückte Blackberry mit dem DTEK50 in die Mittelklasse vor. Das DTEK60 soll nun wieder etwas mehr bieten, aber mit einem iPhone 7 oder Galaxy S7 kann es wohl nicht mithalten. Dafür werden unter Umständen Geschäftsleute, denen ein guter Preis wichtiger als Lifestyle ist, angesprochen. Ob das gelingt? Das wird man nach der offiziellen Enthüllung sehen.


Blackberry DTEK50: Lohnt sich der Kauf?

Ein Beitrag von Jürgen Kroder, 28.08.2016


Blackberry DTEK50 (Bild: Blackberry)

Blackberry hat ein neues Smartphone namens DTEK50 veröffentlicht. Das Handy bricht mit bekannten Konventionen des kanadischen Herstellers und überrascht mit ziemlich gewöhnlicher Hardware. Lohnt sich der Kauf?

Blackberry: Ein weiteres Android-Smartphone als Weg aus der Krise?

Vor ein paar Jahren war diese Handy-Marke gleichzusetzen mit Managern, heutzutage kämpft sie ums Überleben: Blackberry. Kleine, schwarze Handys mit einer Tastatur, die waren einst das Markenzeichen der kanadischen Firma. Seitdem das iPhone und andere Smartphones den Markt dominieren, sucht Blackberry verzweifelt nach einer Möglichkeit, wie man die Gunst der verlorenen Business-Nutzer zurückerobern kann.

Ein Versuch war die Abwendung vom eigenen Betriebssystem Blackberry OS. Mit dem Priv wurde das erste Blackberry-Mobiltelefon auf Android-Basis vorgestellt. Obwohl das Blackberry Priv nicht der erhoffte Erfolg wurde, hält man an Android fest. Dementsprechend basiert auch das aktuelle Modell auf dem Google-Betriebssystem. Blackberry DTEK50 heißt es. Und das bricht mit weiteren Konventionen.

Blackberry DTEK50:  Das bietet das neue Blackberry-Handy

Was ungewöhnlich erscheint: Beim DTEK50 wurde die fest verbaute Tastatur gestrichen. Somit sieht das neue Blackberry-Handy wie ein ganz gewöhnliches Smartphone aus. Auch sonst wagte Blackberry keine Experimente, man ließ gute Standard-Hardware verbauen.

Das bedeutet:

  • Bildschirm: Kratzfestes 5,2 Zoll Display
  • Kamera: 13 Megapixel Back-Camera, 8 Megapixel Front-Camera
  • microSD Slot für Speicherkarten mit max. 2 TB Größe
  • Funknetze: GSM, Edge, HSPA+, TD-LTE und FD-LTE
  • Prozessor: Snapdragon 617 mit 1,5 GHz
  • 3GB Arbeitsspeicher, 16 GB fester interner Speicher
  • Akku-Leistung: 2610 mAh

Smartphone-Kennern dürften das Design und die Hardware-Spezifikationen bekannt vorkommen, denn das Blackberry DTEK50 basiert auf dem Alcatel Idol 4. Besondere Unterscheidungsmerkmale muss man mit der Lupe suchen. Sie findet man eher auf der Software-Seite.

Blackberry-Apps als USP

Auf dem DTEK50 sind neben Android 6.0 noch ein paar Blackberry-eigene Apps vorinstalliert. Dazu zählt zum Beispiel der Blackberry Hub für Mails, ein Passwort-Manager, ein spezieller Kalender und die hauseigene und namensgebende Sicherheitssoftware DTEK. Letztere soll dafür sorgen, dass das neue Blackberry-Handy das (O-Ton Presseinformation) „sicherste Android-Smartphone der Welt“ sei.

Da es sich beim Blackberry DTEK50 um eine Art „gepimptes“ Alcatel-Gerät handelt, fällt der Preis ohne Vertrag ganz moderat aus: 339 Euro kostet das Handy, das seit dem 8. August 2016 verfügbar ist. Zusätzliches zum Smartphone erhält man noch eine Powerbank mit 12.600 mAh und zwei USB-Anschlüssen mitgeliefert.

Unser Ersteindruck zum Blackberry DTEK50

Ein Blackberry-Smartphone ohne Tastatur, das auch nicht einmal ein besonderes Design bietet und auf einem Alcatel-Produkt basiert: Was soll das denn? Die Security-Features klingen zwar sinnvoll, aber ansonsten erscheint das Handy als ein weiteres Gerät, das im Einheitsbrei des Mobiltelefon-Mainstreams mitschwimmt.

Damit sollen Manager angesprochen werden, die mittlerweile zum deutlich schickeren Apple iPhone oder Samsung Galaxy Edge greifen? Und so soll Blackberry aus der Krise gerettet werden? Das kann man kaum glauben.

DETK50 im Test: Das meint die Fachpresse dazu

Nicht nur wir, auch andere Medien nahmen die Ankündigung des Blackberry-Smartphones verhalten auf. Aber wie schlägt es sich aber in der Realität, also im Praxis-Einsatz? Wir haben das Presseecho ausgewertet. 

"Als Zweit- oder Firmentelefon ist das DTEK50 durchaus sinnvoll", sagt beispielsweise Androidpit.de. Denn: "Es wirkt äußerlich stabil und legt Wert auf Softwaresicherheit und Produktivität". Ins gleiche Horn bläst das Testfazit derComputer Bild: "Endlich nimmt sich ein Hersteller des leidigen Themas Sicherheit bei (Android-)Smartphones an. So konsequent hat noch niemand Hard- und Software auf Sicherheit getrimmt". Oder wie es Connect.de zusammenfasst: "Keine Ausreden mehr für Sicherheit".

Nicht nur die Security-Features kommen gut an, auch der recht günstige Preis sorgt für eine positive Stimmung. Doch dafür gibt es Einschränkung: Viele der verbauten Komponenten fallen nur mittelmäßig aus, so richtig glänzen kann die Hardware nirgends. "Das BlackBerry DTEK50 ist hardware-technisch ein typischer Vertreter eines aktuellen Mittelklasse-Smartphones", meintNotebooksbilliger.de.

Dementsprechend fällt das Fazit der verschiedenen Tester zwiespältig aus. Während beispielsweise Techstage.de und Areamobile.de ein positives Fazit ziehen, raten andere davon ab. Unterm Strich ist Blackberry mit dem DTEK50 wohl kein großer Wurf gelungen. Stattdessen versucht man mit mittelmäßiger Hardware, billig wirkender Handyhülle, aber guten Sicherheitsfunktionen preisbewusste Manager und Smartphone-Interessierte anzusprechen. Somit ist das Gerät weder richtig Fisch, noch Fleisch.


Blackberry Priv: Das Android-Smartphone für den Turnaround?

Ein Beitrag von Jürgen Kroder, 22.12.2015


Blackberry Priv (Bild: Blackberry)

Das Priv soll die schwer angeschlagene Firma Blackberry retten. Das könnte mit einen Schachzug gelingen: Das Smartphone bietet zwar erstklassige Hardware, holt aber den Feind mit ins Bett. Was sagt die internationale Presse dazu? Wir haben das Feedback ausgewertet.

Wächst beim Blackberry Priv zusammen, was nicht zusammen gehört?

Ost und West, Hell und Dunkel oder Blackberry und Android: Das sind die Dinge, die nicht zueinander gehören. Doch bei Letzterem stimmt das nicht mehr. In der Technikwelt geschah etwas, was man als krassen Wandel - manch einer mag es sogar als Wunder bezeichnen - ansehen kann. Oder als letzten Rettungsanker in der Not.

Die Rede ist vom Blackberry Priv. Das Smartphone setzt das als unsicher gescholtene Android-Betriebssystem ein. Und das, obwohl Daten-Sicherheit bei dem kanadischen Hersteller stets ganz oben auf der Agenda stand.

Letzte Zuckungen vor dem Untergang? 

Die Zeiten haben sich geändert: Von dem ehemaligen Shooting-Star Blackberry (früher hieß die Firma RIM, Research In Motion) blieb nicht mehr viel Glanz übrig. Nach ein paar sehr erfolgreichen Jahren mit Wachstumsraten im vierstelligen Bereich steht das Unternehmen nun am Scheideweg. Sollte die neuen Handy-Modelle floppen, könnte das einst so erfolgreiche Gerätegeschäft eingestellt werden.

Deswegen ist das neue Blackberry Priv ein extrem wichtiges Produkt. Eines, bei dem man Mut zu Neuem bewies. Oder beweisen musste, um den Anschluss an den seit Jahren boomenden Smartphone-Markt nicht ganz zu verlieren. Während man früher in den Management- und Chef-Abteilungen fast ausschließlich „Crackberrys“ (so der abschätzige Spitzname) sah, findet man heutzutage iPhones und andere Smartphone-Typen vor.

Blackberry reagiert darauf mit einem ungewöhnlich erscheinenden Schachzug: Das Priv basiert nicht auf dem hauseigenen Blackberry OS, sondern auf Android. Entertainment trifft auf Produktivität – das scheint die Zielsetzung zu sein. Und es ist – um das Handelsblatt zu zitieren – wohl „die letzte Hoffnung“, um das angeschlagene Unternehmen möglicherweise zu retten.

Der Feind im Bett

Android als Betriebssystem zu nutzen, klingt einerseits als einen logischen Schritt. Blackberry kann sich so zu Nutze machen, dass jemand anderes – in diesem Falle Google – ein OS entwickeln, pflegen und supporten muss. Das spart Zeit und Geld. Zudem kennen die User die Bedienung und sie haben Zugriff auf einen AppStore mit über 1,5 Millionen Apps.

Dieser Vorteil entpuppt sich aber zugleich als größter Nachteil. Denn es sitzen gleich mehrere Feinde mit im Bett: Die Datenkrake Google sowie diverse andere Hersteller, deren frei erhältlichen Apps die Nutzer aushorchen könnten.

Android mit Sicherheitsfeatures 

Der Marke Blackberry stand mal für sichere Handys. Das soll auch unter Android gelten. Deswegen ist das Blackberry Priv mit mehreren Sicherheitsfunktionen und speziellen Apps ausgestattet.

Dazu gehört beispielsweise die hauseigene App DTEK, womit man die Datenschutzebene im Blick haben soll. Das bedeutet: Die Sicherheit des Smartphones wird ständig überwacht. Auf einem Tacho sieht man den aktuellen Security Status, man kann Ereignisprotokolle nachverfolgen, die Sicherheitseinstellungen anpassen und vieles mehr.

Zudem besitzt das Blackberry Priv einen verschlüsselten Bootloader, das Security Response Center reagiert auf aktuelle Viren oder andere Schadsoftware, und alle Daten werden verschlüsselt. Außerdem bietet das Smartphone einen eigenen, sicheren Messenger (BBM) und den Blackberry Hub, der Meldungen aus verschiedenen Quellen bündelt.

Eine „kleine Perle“ sei, so Androidpit.de, die Displaysperre per Bild. Diese leicht versteckte Funktion macht die Entsperrung sicherer als einen PIN oder ein Muster.

Ein Smartphone mit Tasten

Neben den Sicherheitsaspekten gab es einen weiteren Grund, warum die Blackberry-Geräte einen guten Ruf bei Geschäftsleuten genießen: Dank fest verbauten Tastatur und den gut geformten Tasten kann man mit etwas Übung ganz flink Texte verfassen. Im Aufzug mal schnell eine Mail beantworten oder zwischen zwei Zug-Haltestellen einen Brief verfassen – kein Problem.

Mit dem Siegeszug der Smartphones verschwanden die Tasten und virtuelle Tastaturen erhielten Einzug. Hier fehlt jedoch das haptische Feedback, was gerade beim Tippen von Texten hilfreich sein kann. Das Blackbery Priv bietet beides.

Da es sich bei diesem Handy um einen Slider handelt, lässt sich die gewohnte QWERTZ-Tastatur je nach Bedarf ein- und ausziehen. Der Mechanismus erscheint hochwertig und funktioniert derart gut, dass man laut MobileGeeks beim Benutzen ein „Honigkuchenpferd-Grinsen“ bekommt.

Wie alle Smartphones besitzt auch das Blackberry Priv eine gute Autokorrektur-Funktion, die ungenaues Tippen verzeiht – sagt Golem.de. Ebenso praktisch ist, dass die Tastatur zugleich als Trackpad dient. Das heißt, man kann über die Tasten wischen, um so beispielsweise eine Webseite nach unten zu scrollen.

Weitere Pluspunkte

Auch in weiteren Aspekten kann das neue Blackberry-Smartphone punkten. Das Fachmagazin Connect spricht von „höchste Könnerschaft“ im Bezug auf die Hardware. Damit meint man unter anderem die gerundeten Kanten des Displays (die aber im Gegensatz zum Samsung Galaxy S6 Edge keine Funktionen besitzen) und den stabilen Rahmen.

Zudem überzeugt die Leistung des ungewöhnlichen Android-Handys. Die Mischung aus einem Qualcomm Snapdragon 808-Prozessor mit 3 GB Arbeitsspeicher mag zwar keine Geschwindigkeits-Schallmauer durchbrechen, aber die ComputerBild attestiert, dass das Blackberry Priv zur oberen Mittelklasse gehört.

Satt, brillant und scharf – das sagt Chip.de über das Display, das über eine Auflösung von 1.440 x 2.560 Pixel (WQHD) verfügt. Ebenfalls punkten kann das neue Blackberry-Modell bei der Verbindung: Das WLAN funktioniert im Bereich von 2,4 Ghz und 5 Ghz, Bluetooth 4.1 LE/LDR wird ebenso unterstützt. Bei den Mobilfunknetzen greift das Blackberry Priv auf GSM, HSPA+ oder LTE zurück, was weltweit funktioniert.

Schwachpunkte des Blackberry Priv

Wo Licht ist, gibt es meist auch Schatten. Beim Blackberry Priv fällt in diesen Bereich der Akku. Der ist mit 3.410 mAh zwar stark und sollte für eine lange Laufzeit sorgen, aber bei den Tests gelang das nicht so ganz. Im Chip-Testlabor hielt die fest verbaute Batterie bei Dauernutzung zwischen sieben und neun Stunden durch. Damit sei die Akkulaufzeit zwar „überdurchschnittlich“, aber eben nicht perfekt.

Ebenso zum Herummäkeln sei die Optik: Die Back-Kamera könne zwar mit ihren 18 Megapixel überzeugen, aber laut der Wirtschaftswoche zeigt sie schwachem Licht ein deutliches Rauschen.

Etwas, was häufig bemängelt wird, ist der Preis. Dass ein Android-Phone über 700 Dollar bzw. Euro kostet, das sei hoch.

Finales Presseecho zum Blackberry Priv

Alles in allem meint aber unter anderem ZDNet, dass sich Blackberry bei der Hardware „nicht lumpen“ lässt und damit die Android-Platzhirsche Samsung und Sony herausfordert. The Verge sagt sogar „the hardware design is really great“.

Nicht nur was unter der Haube steckt, auch die Hülle macht Eindruck. Engadget.com dazu: „The Priv is probably the best-looking Blackberry device ever“. Mashable unterstreicht das mit der knackigen Headline „Blackberry Priv is the best Blackberry in a decade“.

Das Wall Street Journal denkt, dass dem kanadischen Unternehmen es gelingen könnte, mit seinem neuen Smartphone-Modell die verloren gegangenen Herzen und Dollar wieder zurück zu erobern. Ob das wirklich gelingen wird, muss sich in den kommenden Monaten zeigen. 

Blackberry Priv: Modelle und Preise

Während andere Hersteller mit zahlreichen Farb- und Hardware-Varianten die potentiellen Kunden umgarnen, macht es Blackberry einfach. Sehr einfach. Das Priv gibt es aktuell in nur einer Farbe (Schwarz) und nur in einer Hardware-Ausstattung. 

Die sieht im Detail so aus:

  • Abmessung: 77,2 x 147 mm (184 mm mit ausgefahrener Tastatur)
  • 9,4mm dünn
  • 5,4 Zoll AMOLED Display
  • Auflösung: 1.440 x 2.560 Pixel
  • 1,8 GHz Dualcore-Prozessor + 1,4 GHz Quadcore-Prozessor
  • 3 GB RAM
  • 32 GB Speicher
  • Speicher erweiterbar durch microSD (bis zu 2 TB)
  • Akku: 3.410 mAh
  • Zwei Kameras: 18 MP + 2 MP
  • Betriebssystem: Android 5.1 „Lollipop“
  • Gewicht: 192 Gramm

Die unverbindliche Preisempfehlung - ohne Vertrag - liegt bei 779 Euro (Stand: Dezember 2015).


Blackberry Passport und Classic: Der Smartphone-Pionier greift zum letzten Strohhalm

Ein Beitrag von Jürgen Vielmeier, 25.06.2014

Gute Nachrichten von Blackberry: Das jüngste Geschäftsergebnis überrascht positiv, eine Kooperation mit Amazon bringt Android-Apps auf die Smartphones und nach einem Jahr hat Unternehmenschef John Chen erstmals zwei neue Smartphones vorgestellt, darunter das ungewöhnliche Telefon namens Passport.

Rettung für Blackberry?

Sie kokettieren nach wie vor mit ihrem Geschäftskunden-Image und viel war von den Kanadiern in diesem Jahr noch nicht zu hören. Ein Jahr voller Probleme liegt hinter Blackberry mit miserablen Verkäufen, enteilten Auftragsherstellern und keinem einzigen neuen Smartphone.

Nun könnte die Durststrecke beendet sein. Es geht langsam wieder aufwärts. Bald sollen Blackberry-Nutzer dank einer Kooperation mit Amazon mit einem Klick Android-Apps installieren können, im jüngsten Geschäftsquartal verzeichnete man erstmals wieder einen kleinen Gewinn und im Vergleich zum 1. Quartal keinen Umsatzverlust und mehr verkaufte Smartphones. Und auch zwei neue Smartphones gibt es zu bestaunen.

Quadratisch, praktisch, Blackberry Passport?

Besonders auffällig mutet dabei das Blackberry Passport an: Das fast quadratische Smartphone erinnert entfernt an LGs Vu-Serie und dessen Smartphones im 4:3-Format. Das Blackberry Passport verwendet allerdings noch eine physische QWERTY-Tastatur unterhalb des 4,5-Zoll-Displays. Aufgrund seiner Form wirkt es trotz des gar nicht einmal so großen Displays eher wie ein Tablet oder ein Tischcomputer.

Bisher bekannte Fakten:

  • Quadratisches 4,5-Zoll-Display mit einer Auflösung von 1.400 x 1.400 Pixeln und physische QWERTY-Tastatur
  • Prozessor wird wahrscheinlich ein Qualcomm Snapdragon der 800er Serie
  • Breite: 81 mm, etwa vergleichbar mit einem Samsung Galaxy Note 3.

Das Blackberry Passport soll es ab September zu kaufen geben. Fraglich, ob Blackberry damit viele Menschen überzeugen kann. Aber mutig ist es durchaus, auf dieses ungewöhnliche Design zu setzen.

Das Herz schlägt wieder

Das zweite Telefon, das Chen vorstellte, sieht wieder mehr wie ein (langweiliges) Smartphone aus. Das Blackberry Classic verfügt ebenfalls über die bei den Kanadiern nach wie vor beliebte physische Tastatur und erinnert vom Formfaktor her ein wenig an das Blackberry Q10. Das Display soll eine Diagonale von 3,5 Zoll mitbringen. Alles in allem wirkt das Classic etwas schmaler als das Q10. Auch ein weiteres, reines Touchsmartphone hat Blackberry in einer im Netz aufgetauchten Werbegrafik bereits angeteasert. Chen allerdings zeigte das Z3 auf der Bilanzpressekonferenz Ende vergangener Woche noch nicht.

1,6 Millionen Smartphones verkaufte Blackberry im abgelaufenen Quartal. Ein Jahr zuvor waren es noch fast 7 Millionen gewesen, im ersten Quartal dann nur noch 1,3 Millionen. Es geht also langsam wieder leicht nach oben. Dazu zwei interessante neue Geräte, der baldige Zugang zu gut 200.000 Android-Apps und Amazons Content-Angeboten. Blackberry versucht, was möglich ist. Dass das Unternehmen nach den mittlerweile traditionellen Abgesängen alle drei Monate und keinen neuen Smartphones binnen eines Jahres immer noch existiert, ist fast schon ein Wunder. Nun sollte die Talsohle endgültig durchschritten sein. Sollte.


Blackberry Z30: Blackberry hat den Kampf bereits aufgegeben

Ein Beitrag von Jan Tissler, 18.09.2013

Mit dem Z30 hat BlackBerry nun den Nachfolger seines tastaturlosen Z10 vorgestellt und mit 5 Zoll Display-Diagonale wagen sie sich vorsichtig in Phablet-Revier vor. Um zu überzeugen ist das Gerät allerdings deutlich zu mittelmäßig. Und auch mit Blick aufs Marketing scheint BlackBerry den Kampf bereits aufgegeben zu haben.


Blackberry Z30 (Bild: Blackberry)

Kann das Z30 das Ruder herumreißen?

Der kanadische Hersteller BlackBerry ist in tiefen Schwierigkeiten und mitten in einer Umbruchphase. Da muss jedes Produkt ein Volltreffer sein – Hardware, Software, Marketing müssen perfekt zusammenspielen. Zwar hat das Unternehmen in manchen Regionen der Welt treue Fans, aber selbst die haben nicht dafür gesorgt, dass die neue BlackBerry-Generation den Smartphone-Markt aufwühlt. Im Gegenteil: Nur 2,7 Millionen Smartphones mit dem neuen BB10-Betriebssystem wurden im letzten Quartal verkauft. Selbst die nach Maßstäben der Techszene steinalten BB7-Geräte liefen besser. Und Nokia verkaufte im selben Zeitraum 5,6 Millionen Lumias – wir alle wissen, wie Nokia dasteht.

Und es sieht nicht danach aus, als könnte das Z30 das Ruder herumreißen.

Dabei ist das Z30 an sich kein schlechtes Gerät. Von den technischen Daten her ist es mit einem Nexus 4 oder einem Moto X vergleichbar. Sprich: solide Technik, nichts Aufregendes. Und wenn man ehrlich ist, reicht das für den Normalnutzer auch vollkommen aus. BlackBerrys Problem ist nur, dass sie damit niemandem hinter dem Ofen vorlocken. Hier einige Eckdaten:

  • Display: 5 Zoll, 1.280 x 720 Pixel, Super AMOLED
  • Prozessor: Dual-Core 1,7 GHz Snapdragon S4 Pro
  • RAM: 2 GB
  • Speicher: 16 GB, Micro-SD
  • Drahtlos: 4G LTE, Dualband Wi-Fi (802.11 a/b/g/n), Bluetooth 4.0, NFC
  • Kamera: 2 Megapixel vorn, 8 Megapixel hinten (F2.2)
  • Akku: 2.880 mAh
  • Maße: 140,7 x 72 x 9,4 mm

Das Z30 ist das erste BlackBerry-Gerät, das mit der neuen Betriebssystemversion 10.2 ausgeliefert wird. Der "Priority Hub" versammelt nun die augenscheinlich wichtigsten Mails und Messages an einer Stelle. Zudem kann man jederzeit eine Vorschau der Nachrichten ansehen und sie auch sofort an Ort und Stelle beantworten, egal in welcher App man sich gerade befindet. BlackBerry drehte sich schon immer vor allem um Mails und Messages und es ist gut, dass das Unternehmen das weiter im Blick behält.

Android beherrscht den Markt entmutigend souverän

Allerdings haben sie solche Features auch bitter nötig in einem Markt, der von Android entmutigend souverän beherrscht wird. Daneben kann derzeit nur Apple mit seinen iPhones bestehen und warum BlackBerry sich ausgerechnet den heutigen Tag für seine Ankündigung ausgesucht hat, muss man nicht wirklich verstehen: Heute durften alle ihre Testberichte zum iPhone 5c und iPhone 5s veröffentlichen und entsprechend ist alle Aufmerksamkeit dort versammelt. Jetzt wäre ein idealer Zeitpunkt, um schlechte Nachrichten zu verbreiten, weil sie kaum jemand in der Techszene mitbekommen wird. Und da stellt sich schon die Frage, ob BlackBerry überhaupt noch versucht, erfolgreich zu sein.

Bekanntlich möchte das Unternehmen am liebsten aufgekauft werden oder zumindest einen strategischen Partner an der Seite haben. Wer das sein soll, nachdem Microsoft nun endgültig Nokia übernommen hat, ist vollkommen offen. Vielleicht erklärt sich ja wieder HP bereit, den Laden wie mit Palm und WebOS mit Karacho gegen die Wand zu fahren?

Das BlackBerry Z30 kommt in der nächsten Woche zunächst in Großbritannien und dem Nahen Osten auf den Markt. Danach folgen bis Jahresende weitere Märkte. Angaben zum Starttermin oder Preis im deutschsprachigen Raum gibt es keine.


Blackberry Z10 im Langzeittest: Drei Monate mit Blackberry 10

Ein Beitrag von Jürgen Vielmeier, 31.05.2013

Beim Thema BlackBerry klickt der typische Neuerdings-Leser direkt weg: Das Thema ist doch durch, iPhone und Android haben gewonnen. Oder? Wir haben das Comeback-Modell der Kanadier einem dreimonatigen Dauertest unterzogen und es auf Konkurrenzfähigkeit getestet. Mit einem durchaus positiven Gesamtergebnis, aber auch einem großen Aber.


Blackberry Z10 (Bild: Blackberry)

Das Z10 soll die Konkurrenz einholen

Die Ausgangslage könnte wahrlich besser sein. BlackBerry ist nur noch ein Schatten seiner selbst. In den besten Jahren war man mit einem Marktanteil von über 50 Prozent bei den Smartphones fast konkurrenzlos. Dann kam das iPhone, und heute sind es nur noch 3 Prozent. Im ersten Quartal ist man hinter Windows Phone zurückgefallen; iOS und Android zogen schon vor Jahren vorbei.

Im ersten Quartal allerdings läutete BlackBerry die eigene Aufholjagd ein. Das neue System BlackBerry 10 wurde endlich fertig, das erste Gerät damit, das Z10, kam auf den Markt. Der alte, sperrige Firmenname Research in Motion (RIM) wurde drangegeben - die Firma heißt jetzt wie die Geräte ebenfalls BlackBerry. Und gleich zum Start der neuen Plattform gab es nach eigenen Angaben 70.000 Apps. Heute, drei Monate später, sollen es über 100.000 sein, ein zweites Smartphone, das Q10, ist an den Start gegangen.

Und im kanadischen Waterloo will der deutsche Chef Thorsten Heins das Feld von hinten aufrollen. Nicht zu Unrecht, denn BlackBerry 10 ist ein modernes Betriebssystem geworden. Problematisch allerdings bleibt die Herausforderung, Android- und iPhone-Nutzer zum Wechsel zu animieren. Ihnen werden ganz einfach die Apps fehlen.

Hardware: Absolut konkurrenzfähig

Drei Monate lang hatte ich das Z10 mit BlackBerry 10 im Test. Die Hardware sei hier nur am Rande erwähnt. Ernsthaft? Ja, denn daran ist nicht viel auszusetzen und das entscheidende ist beim BB das System. Das Gerät lief mit seinem gut motorisierten Dualcore-Prozessor (1,5 GHz) zu allen Zeiten flüssig, es liegt sehr gut in der Hand, hat zumindest für mich genau die richtige Größe. Das Display (4,2 Zoll), das kaum spiegelt, strahlt hell und klar. Positiv zu erwähnen ist außerdem, dass sich der Akku austauschen lässt; ein kleines Manko dafür ist der Akku selbst, dessen Leistung mir im Vergleich zur Android- oder Windows-Phone-Konkurrenz leicht unterdurchschnittlich vorkam. Dass man damit alle paar Stunden ans Netz muss, wie es in frühen Testberichten hieß, kann ich allerdings nicht bestätigen.

Dass das Z10 flüssig läuft, ändert nichts an der Tatsache, dass es gelegentlich abstürzt oder ungefragt einfach neu startet. Es zeigt sich: Der Fokus dieses Testberichts muss auf der Software, sprich, dem System BlackBerry 10 liegen. Das will ich hiermit tun und dabei auf die einzelnen Hauptkomponenten eingehen:

Der Blackberry Hub - auf einem sehr guten Weg

Beim iPhone hüpft man von der Twitter- zur Facebook- zur Mail-App, um sich über alle Neuigkeiten zu informieren. Blackberry 10 sammelt alle Neuigkeiten im Hub. Egal ob Facebook-Nachricht, SMS, Anrufe, Blackberry- oder WhatsApp-Nachrichten: alles läuft an einer Stelle zusammen und wird chronologisch geordnet.

Diese eigentlich fortschrittliche Ordnung hat in der Praxis noch ein paar Tücken. So ist es nicht möglich, mehrere Benachrichtigungen im Hub auf einmal als gelesen zu markieren. Man muss sie alle einzeln aufrufen und sich anschauen. Danach wechselt man mit der Zurück-Taste wieder in den Hub und ruft die nächste Nachricht auf. Der direkte Sprung von einer Benachrichtigung zur nächsten ist nicht möglich. 

Korrektur: Wie uns Leser Nico informierte und was wir nach einem kurzen Test bestätigen können: Es ist doch möglich - wenn auch nicht sehr praktisch. Man hält eine Nachricht gedrückt, öffnet damit die Bearbeitungsleiste, geht hier auf "Weitere auswählen" und, nachdem man das getan hat, auf "Alle als gelesen markieren". Einfacher wäre hier natürlich ein einzelner Knopf.

Werden mehrere Nachrichten als eine Benachrichtigung gekennzeichnet (wenn etwa ein Freund zwei Facebook-Nachrichten auf einmal schreibt), weigert sich der Hub störrisch, diese als gelesen zu markieren. Man hat dann nur noch die Möglichkeit, die Konversation zu löschen. Ähnlich unpraktisch: Bei einem verpassten Anruf markiert der Hub die Nachricht erst als gelesen, wenn man den Anrufer zurückruft. Das ist zwar höflich, aber oft eben nicht im Interesse des Anwenders. Manchmal will man eben nicht zurückrufen. Auch hier hat man dann nur noch die Möglichkeit, den Anruf aus der Liste zu löschen.

Praktisch dafür: Möchte man eine eingehende Nachricht auf Facebook oder Twitter beantworten, zeigt der Hub sie in einer eigenen Vorschau an. Man kann bereits dort antworten und sich den Besuch der jeweiligen App sparen.

Es ist relativ klar, dass BlackBerry hier in absehbarer Zeit nachbessern muss und auch wird. Aber momentan ist das eben noch nicht der Fall, auch nicht im bereits veröffentlichten Update 10.1. Im Prinzip ist der Hub eine tolle Sache, aber in der jetzigen Form noch etwas zu wenig anwenderfreundlich. Hier ist noch viel Luft nach oben.

Die Tastatur: Autokorrektur macht hier auch nicht mehr Spaß

Die Tastatur im BlackBerry 10 soll nicht nur lernfähig sein, sondern auch auf den Benutzer zugehen, etwa den Druckpunkt für Buchstaben verschieben, die man oft verpasst. Sie soll dem Anwender Wörter vorschlagen, die zum Kontext passen. In Sachen Anwenderfreundlichkeit habe ich hier wenige Unterschiede zu den Tastaturen von Android und Windows Phone festgestellt.

Die Autokorrektur entscheidet sich ähnlich oft für das falsche und die Handhabung mit einem falsch korrigierten Wort ist ebenso hakelig wie auf anderen Systemen. Die Wortvorschläge passen dafür in der Tat oft erstaunlich gut, allerdings bedarf es einiger Fingerfertigkeit, um sie auszuwählen. Die Tastatur zeigt sie direkt über dem passenden Buchstaben an und man soll das Wort auswählen können, indem man am betreffenden Buchstaben leicht nach oben wischt. Auch nach drei Monaten allerdings klappt das bei mir nur leidlich.

Besonders ärgerlich ist, wenn sich über der Leertaste bereits das richtige Wort verbirgt und man vergebens versucht, es nach oben zu schieben. Denn jedes Mal kommt man hier der Gestensteuerung von BB10 in die Quere, mit der man eine App verlässt, wenn man vom unteren Bildschirmrand nach oben wischt. Alles in allem aber überzeugt mich die Tastatur im Z10, gerade seit dem Update auf BB 10.1 ist hier eine deutliche Verbesserung zu spüren.

Active Frames: Verstecktes Potenzial

Multitasking auf dem iPhone oder iPad bedeutet eine Reihe bunter App-Icons. Bei Android und Windows Phone immerhin erhält man eine Vorschau der geöffneten Apps. BlackBerry 10 trumpft hier besonders auf, indem es eine solche Vorschau noch animiert. Active Frames heißen die kleinen Miniaturbildchen. Einmal geöffnete Apps legt das System hier ab und erlaubt es dem Anwender, sie vom letzten Speicherpunkt immer wieder aufzurufen. Bis zu acht Apps können im Z10 gleichzeitig geöffnet sein.

Active Frames müssen aber nicht zwingend eine Miniaturansicht anzeigen, sie können auch eine eigens für diese Darstellung angepasste Form annehmen. Der App Store BlackBerry World etwa zeigt in der Miniaturansicht einen Cover Flow verfügbarer Apps. Und die Standard-Wetter-App aus dem Hause AccuWeather trumpft hier mit einer hübschen Tagesvorschau auf. Noch nutzt kaum eine App diesen Vorzug, das aber dürfte mit der Zeit kommen und dann einen echten Vorteil gegenüber anderen Systemen darstellen.

Kamera: Eine der besten auf dem Markt

Hier lege ich mich fest: Die Kamera im Z10 und die Anwendungen, die BB10 dafür mitliefert, gehören zu den besten, die ich bisher in einem Smartphone gesehen habe. Die Kamera ist lichtstark und schießt zumindest tagsüber ausgezeichnete Bilder. Im Dunkeln hat sie wie die meisten anderen Kameras auch, größere Schwierigkeiten. Der eingebaute Blitz und der HDR-Modus verschaffen allerdings Linderung. Mir gefällt bei der Kamera vor allem die Bedienung, die alle Funktionen in einem kleinen Menü unterbringt - für die letzten Android-Boliden, die ich im Test hatte, hätte man hier fast einen Atlas gebraucht.

Vor allem die Headshot-Kamera hat es mir angetan. Knippst man Personen, nimmt die Kamera hier eine Reihe von Bildern auf und lässt den Betrachter mit Hilfe eines verschiebbaren Zeitstrangs das beste Motiv auswählen. Eine ähnliche Funktion haben heute mehrere Smartphones, aber bei keinem habe ich das so elegant gelöst gesehen wie im Z10. Für die Nachbearbeitung steht eine Art Photoshop in klein zur Verfügung, das Bilder mit Instagram-artigen Kunstfiltern versehen oder Bilder zurechtschneiden kann.

n der B-Note muss man Punkte dafür abziehen, dass die Kamera sich manchmal nicht aus den Active Frames wieder aufwecken lässt (man muss den Frame dann schließen und die App neu starten). Auch die Bedienhierarchie im BlackBerry 10 wirft beim Betrachter Rätsel auf. Hat man etwa zuletzt ein Bild mit WhatsApp aufgenommen und direkt verschickt, leitet BB10 den Nutzer beim späteren Öffnen der Kamera-App direkt zu WhatsApp um. Erst wenn man dann ein paarmal die Zurück-Taste betätigt, kann man weitere Fotos aufnehmen. Das erscheint aus Sicht des Systems zwar logisch, stellt für den Anwender, der schnell was knippsen möchte, aber ein Hindernis dar.

Der Knackpunkt: Die Frage der Apps

Von einem derart jungen System wie BlackBerry 10 darf man vielleicht noch keine Warenwelt wie im KaDeWe erwarten, allerdings steht das Unternehmen in der Schuld des Werbeversprechens, man verfüge inzwischen über mehr als 100.000 Apps.

Hier seien zunächst die vorinstallierten Apps zu nennen: Gut gefallen mir die Office-Lösung Docs To Go, das Notizprogramm Remember, der Browser, die Uhr und vor allem der mit Google kompatible Kalender. Weniger stark dafür das etwas umständlich bedienbare (und nicht mit Google kompatible) Adressbuch. In der Karten-App ist die solide Navi-Funktion hervorzuheben. Für die Erkundung im Nahbereich allerdings rendert die App derart langsam und ungenau (siehe Screenshot rechts), dass man sich gar Apple Maps herbeisehnt. Lokalitäten wie Restaurants werden kaum gefunden, seit dem jüngsten Update immerhin werden Umlaute und das scharfe S in den Straßennamen angezeigt, was in der Ursprungsversion noch nicht der Fall war. Nicht umsonst ist die BlackBerry World voll von Apps, die mehr oder weniger gut portierte Versionen von Google Maps und Nokia Here anbieten. Vorsichtig ausgedrückt ist hier noch viel Luft nach oben.

Die mitgelieferten Twitter- und Facebook-Apps wirken einige Versionen hinter ihren Pendants auf iOS und Android zurück. Und eine häufige Quelle für Ärgernisse ist auch die vorinstallierte Standard-Wetter-App aus dem Hause AccuWeather. Abgesehen von den oft falschen Prognosen bietet sie keine Möglichkeit, mehrere Orte zu hinterlegen. Dafür wartet sie bei der Auswahl eines in der Zukunft liegenden Wochentags aus einem mir unerfindlichen Grund manchmal einige Sekunden, bis sie diesen anzeigt. Adäquate kostenlose Alternativen fehlen derzeit leider in der BlackBerry World.

Und auch sonst ist die BlackBerry World für mich alles in allem ein wenig enttäuschend. Das betrifft die schwer durchschaubare Durchkategorisierung bis hin zur dritten Menü-Ebene, aber auch die Auswahl. Die Masse mag da sein, aber es fehlen Hochkaräter und zum Teil auch einfacher Standard. Man erwartet auf einem neuen System nicht zwingend Instagram. Allerdings sucht man selbst die eigentlich auf nahezu jedem System verfügbaren Musikerkennungs-Apps Shazam und Soundhound hier vergeblich. Es fehlt der bereits angekündigte DB Navigator. Es fehlen Spotify, Napster, Simfy und Rdio (beim Thema Musikstreaming ist nur Deezer mit an Bord). Es fehlt Evernote, es fehlt eine offizielle Xing-App, es fehlt eigentlich jede coole App, von der man in der Tagespresse liest, weil diese zuerst und meist ausschließlich für Android oder iOS kommt.

Windows Phone revisited

Mich erinnert das an die Anfangszeit von Windows Phone, als es viel Ersatz für alles gab, aber nur wenige Original-Apps. Langsam, so hat man bei BB10 das Gefühl, schließt der Store einige Lücken. Immer mehr Nachrichten-Apps, vernünftige RSS-Reader sind inzwischen da, Clients für Lesedienste wie Pocket und Readability kommen von Drittanbietern. WhatsApp, das seit März zur Verfügung steht, funktioniert für BB10 erstaunlich zuverlässig und integriert sich gut in den BlackBerry Hub.

Das Problem für BlackBerry 10 aber dürfte sein, dass der Anreiz für Android- und iPhone-Nutzer zu klein ist, um zu wechseln. Der Hub ist eleganter, zentraler und weniger aufdringlich als die Notifications bei Android und iOS, und das Multitasking mit den Active Frames ist fortschrittlicher. Aber das ist zu wenig für jemanden, der im Luxus lebt, sprich: alle Apps bekommt, die er sich wünscht. BlackBerry 10, und das merkt man ganz deutlich, ist die Nummer 4 auf der Versorgungsliste der Entwickler. Erst einmal kommen iOS und Android, inzwischen ist auch Windows Phone ins Bewusstsein der Anbieter gerückt. Dann kommt lange nichts und dann erst, so mein Eindruck, wird BB10 bedient.

Fazit zum Blackberry Q10: Nummer 4 gibt nicht auf

Die Nummer 4 zu sein ist ein Vorteil gegenüber den Tizens, Firefox OS', Ubuntus und Sailfishs, die alle noch auf den Markt wollen. Aber bis BlackBerry gegenüber Android und iOS wieder als ein konkurrenzfähiges System wahrgenommen wird, dürfte noch einige Zeit ins Land ziehen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass man mit BB10 von den gelegentlichen Abstürzen, den zufälligen Neustarts und den genannten Kinderkrankheiten abgesehen, eigentlich alles richtig macht.

Man ist innovativ, man hat gute neue Funktionen eingebaut, man umschmeichelt die Geschäftswelt mit Sicherheitspaketen und Business-Anwendungen. Wenn aber das wichtigste Kaufargument für ein System nicht stimmt, dürfte das alles nichts nutzen. Und das Argument lautet, dass derjenige gewinnt, der die besten Apps hat.

Deswegen wird es eine schwierige Zeit für BlackBerry bleiben. Man ist mit den Neuerungen, die auch in der Praxis insgesamt überzeugen, den richtigen Weg gegangen. Man wird jetzt vor allem den Hub noch weiter verbessern und ansonsten alles daran setzen müssen, App-Entwickler zu umschmeicheln. Die Hardware ist stark, das System hat großes Potenzial - es steht und fällt also mit den Apps. Der Anfang ist jedoch hoffnungsvoll: Ich bin froh, dass BB10 nicht versucht, iOS oder Android zu kopieren, sondern einen eigenen Weg gehen will. Zu diesem Zeitpunkt ist man mit diesem erst wenige Monate alten System schon sehr weit. Man hätte das alles noch viel, viel schlechter machen können. Was BlackBerry jetzt vor allem braucht, ist Zeit, Geld und Apps.

Mich hat der erste Eindruck insgesamt überzeugt: Mut zu Neuem gehört belohnt, auch wenn anfangs noch nicht alles reibungslos funktioniert. Ich drücke den Kanadiern und ihrem deutschen Chef die Daumen, dass das Comeback gelingt.


Blackberry Q10 im Test: Das Tagebuch eines Blackberry-Nutzers

Ein Beitrag von Jürgen Vielmeier, Juli 2013


Blackberry Q10 (Bild: Förderland)

Blackberry liegt am Boden. Nicht einmal mehr drei Prozent Marktanteil, zuletzt ein Einbruch des Aktienkurses - aber ein hoffnungsvolles neues Betriebssystem und neue Geräte, darunter welche mit physischem QWERTZ-Keyboard. Doch was nützt das, wenn ein Nutzer nichts mehr bedienen kann, was kein Touchscreen ist?

Probleme mit der Tastatur

Es ist erstaunlich: Ich bin nicht mehr in der Lage, das zu tun, was vor fünf Jahren noch Alltag war – ein Handy mit einer physischen Tastatur zu bedienen. Ihr wisst schon: diese kleinen Knöpfe mit Zahlen und Buchstaben darauf, die heute bei allen Smartphones nur dann aufpoppen, wenn man Text eingeben will. Nun ja: bei fast allen Smartphones.

Denn Blackberry will die Freunde physischer Tastaturen nicht im Stich lassen und hat dafür neuerdings das Q10 im Angebot. Die Kanadier stellten es mir für einen Test zur Verfügung und ich scheiterte bereits fast an einer vermeintlichen Banalität: das WLAN-Passwort einzugeben, das für die Konfiguration natürlich unerlässlich ist. Erst im vierten Versuch hatte ich Erfolg. Warum? Weil ich nach vier Jahren Touchscreen-Handy verlernt habe, wie man physische Mini-Tasten bedient. Und ihr?

Schon den richtigen Druckpunkt zu finden, ist ungewohnt. Kleinbuchstaben bekommt man auch bei einem Q10 eingetippt. Schwerer wird's aber bei Zahlen, Sonderzeichen und Großbuchstaben. Vor allem, wenn man nicht sehen kann, was man da schreibt. Beim Blackberry Q10 ist bei der Eingabe des WLAN-Passwortes nicht möglich, das im Klartext zu tun. Das heißt, es wird jeweils nur die letzte Ziffer kurz eingeblendet, die man eingetippt hat, bevor sie sich aus Sicherheitsgründen in einen schwarzen Punkt verwandelt.

Bei einer Tastatur, die man nicht beherrscht, endet das im Fiasko. Man schaltet ständig zwischen Eingabe und Tastatur hin und her und verliert dabei den Faden. Gerade, wenn zweimal der gleiche Buchstabe aufeinander folgt. Habe ich das jetzt einmal eingegeben oder zweimal? Und habe ich auch ganz sicher den richtigen Buchstaben getroffen? Beim ersten Versuch offenbar nicht. Das Gerät verweigert die Annahme.

Locker flockig ist nicht

Zweiter Versuch. Blackberry will die Eingabe im Q10 damit vereinfachen, dass ein Großbuchstabe erscheint, wenn man eine Taste nur lang genug drückt. Bei der Eingabe eines Passwortes in eine ungewohnte Tastatur und der fehlenden Möglichkeit, das Ergebnis zu sehen, ist die Gefahr hier allerdings riesengroß, aus Versehen zu lange auf einer Taste zu bleiben und damit ein falsches Zeichen einzugeben. Auch der zweite Versuch misslingt.

Man kann ja nicht zurück. Habe ich gerade aus Versehen die falsche Taste gedrückt? Das letzte Zeichen löschen und noch einmal zurück ist beim Q10 hakelig, wenn man sich beim 25. Buchstaben einer Zeichenkette befindet und nicht einmal sicher ist, dass die Tastatur überhaupt etwas übernommen hat. Vielleicht hat man ja beim letzten Buchstaben gar nicht fest genug gedrückt? Auch der dritte Versuch misslingt.

In nur vier Jahren komplett verlernt

Natürlich, es liegt immer auch am Anwender. Dieser hier arbeitet seit 2009 mit verschiedensten Touchscreen-Smartphones - und auch nur reinen Vertretern solcher. Das erste war ein iPhone 3GS, es folgten zahlreiche Testgeräte mit Symbian, Android, Windows Phone und zuletzt auch Blackberry 10 - auf dem Touchscreenmodell Z10. Erinnere ich mich an die ersten Gehversuche mit dem iPhone, finde ich mich in der gleichen Situation wieder wie heute. Vorsichtig hangelt man sich von Taste zu Taste, denn es wirkt wie völliges Neuland. Nur dass eine physische Tastatur kein Neuland ist. Im Gegenteil: tiefstes Abendland. Jahrelang benutzt, antrainiert und perfektioniert - und schließlich wiederverlernt. Ich hätte nie gedacht, dass dies so schnell gehen könnte.

Es nützt nichts: Für den vierten Versuch muss ich meine volle Konzentration zusammen nehmen. Jede einzelne Ziffer wird sorgsam geprüft. Schnell wandert das Auge nach jeder Eingabe von der Taste zum Display und zurück. Auch wenn es Minuten dauert, es ist mir egal. Nach der Eingabe rotiert der Wartekreisel des Q10 erschreckend lange. Dann aber sagt er endlich: okay, das Passwort sei angenommen. Ich bin erleichtert. Zwar ist es nur ein Testgerät und ich bin kein zahlender Kunde gewesen. Aber ich war drauf und dran, das Gerät zurückzuschicken und den Test abzubrechen, wenn es nicht funktioniert hätte. Was hätte ich auch ohne funktionierendes WLAN groß damit machen können?

Hipster oder Außenseiter?

Natürlich wird alles nun Folgende nicht mehr so schwer. Wenn man auf dem Display sehen kann, was man schreibt, kann man sich leichter korrigieren. Das Tippen wird einem mit der Zeit wieder deutlich leichter fallen. Aber diese Passwort-Eingabe ist eine höllische Herausforderung für jemanden, der physische QWERTZ-Tasten nicht mehr gewohnt ist. Mein Tipp an Blackberry: Bei der Passworteingabe Klartext zulassen. Viele mobile Betriebssysteme anderer Hersteller erlauben dies mittlerweile auf Wunsch. Aus gutem Grund, denn die meisten Nutzer wechseln gerade in die andere Richtung: von physischer Tastatur zum Touchscreen.

Das Blackberry Q10 ist nach dem Z10 das zweite Modell mit dem neuen Betriebssystem Blackberry 10. Das Z10 ist ein reines Touchscreen-Modell, das Q10 eine Mischform. Blackberry will auch weiterhin mit Tastaturen punkten, physischen wie virtuellen. Dafür setzt man auf beide Geräteklassen. Der kanadische Hersteller ist in den 2000er Jahren mit den breiten Handhelds mit physischer QWERTZ-Tastatur zum Marktführer bei Smartphones aufgestiegen - und dann von iPhone und Android in die Nische gedrängt worden. Blackberry 10 soll nun die Wende bringen.

Die Verzweifelte Suche nach dem Hipster-Phone

Seien wir ehrlich: Das eine Spitzen-Smartphone gibt es nicht mehr. Mit einem Android- oder iOS-Gerät ist man Mainstream. Und mit einem Blackberry? Ein armer Außenseiter oder am Ende doch ein Hipster? Weder noch.

Wer hatte schon ein iPhone als es erstmals herauskam? Ich erinnere mich da an meinen damaligen Kollegen, der großer Apple-Fan war. Er schwor auf Macs und iPods und war so begeistert vom ersten iPhone, dass ihm der hohe Preis egal war. Wir waren nicht ohne Neid, als wir ihn mit seinem iPhone sahen oder die eingeschworene Gruppe der ersten Nutzer. Für mich damals noch ein zu hoher Preis, außerdem war ich noch an meinen Zwei-Jahres-Vertrag gebunden und wollte nicht zur Telekom wechseln, die das iPhone damals exklusiv unter Vertrag hatte. Die ersten iPhones waren etwas Exklusives und auch technisch jedem damaligen Touchscreen-Telefon überlegen. Und heute?

Heute gibt es eine vergleichbare Situation eigentlich nicht. Wer ein iPhone 5 hat, hat sicherlich ein gutes Gerät, aber er wird mit Argumenten nicht mehr gegen seine Freunde ankommen, die mit den jeweiligen Spitzenmodellen von Sony, HTC, Nokia oder Samsung dagegen halten. Die Masse da draußen nutzt iPhones und Android-Geräte. Wer exklusiv sein will, muss andere Wege gehen. Windows Phone vielleicht? Ihr lacht, aber Nokia hat sich in den letzten zwei Jahren wieder einen sehr guten Ruf erarbeitet. Und für noch mehr Exklusivität? Taugt da etwa Blackberry?

Nachdem ich drei Monate lang das Z10 im Test hatte, muss ich sagen: Nein, ein Staunen oder einen Wow-Effekt löst man damit nicht aus. Die Leute gucken ungläubig, dass man überhaupt einen Blackberry benutzt und werden nicht müde, die schlechte Marktlage der Kanadier zu analysieren. Einige wundern sich gar, dass es das Unternehmen überhaupt noch gibt. Selbst wenn man versucht, die Vorzüge vom Blackberry 10 zu erklären, etwa den Blackberry Hub, reagieren die Mobilfunkinteressierten um einen herum lediglich mit einem "Ah ja, ganz nett".

Underdog ohne Kultstatus

Dabei hat Blackberry eigentlich alles, was ein Underdog braucht, um wieder exklusiv zu wirken: einen nur noch geringen Marktanteil, der in kaum einer Statistik noch 3 Prozent übersteigt. Zur Innovation verdammt, hat man wirklich kluge Features ins neue System BB10 gepackt und es teilweise mit einer derart schönen Typographie ausgestattet, die an Apples glorreichste Zeiten erinnern. Technisch fortschrittlich sind die lernende Tastatur, der intelligente Kalender, die Kamera mit Timeshift-Modus, das Multitasking mit Active Frames und Blackberry Balance - die Trennung zwischen Arbeit und Privatleben. Auch die App-Lage entspannt sich langsam. Reicht das nicht, um zum Hipster-Phone aufzusteigen?

Nein, das reicht natürlich nicht. Denn Blackberry will seine beste Kundschaft - natürlich - nicht vergrätzen: Geschäftskunden. Gerade für die hat man das eigene System in zwei Welten aufgespalten, die man mit Blackberry Balance verwaltet. Das ist eine clevere Idee, sexy ist sie aber nicht. Ebenso wenig wie die meisten Apps aus eigener Schmiede, wie Blackberry Message, Docs to Go, Remember oder auch der eigene App Store. Hub, Kalender, Apps, Hintergrundbilder und Active Frames - funktional eine tolle Sache, aber nichts, was für Endkunden wirklich attraktiv ist.

Vom Außenseiter zum Exoten

Das Blackberry Q10 mit seiner Kombination aus Touchscreen und physischem Keyboard beschreibt die gegenwärtige Lage eigentlich ganz gut. Physische Tastaturen sind noch nicht lange genug vergessen, als dass ein Smartphone damit schon wieder retro sein könnte. Das gleiche mit dem Unternehmen Blackberry selbst: Heruntergeschrumpft auf den Außenseiter, aber noch zu bekannt und gut im Geschäft, als dass man die Neuausrichtung ein "Comeback" nennen würde. Das System Blackberry 10 und die ersten Geräte Z10 und Q10 - anders, ja, aber dann doch wieder nicht revolutionär genug, um Android- und iPhone-Nutzer zum Wechsel zu begeistern. Aber mal ehrlich: Welches Smartphone ist heute noch so revolutionär, dass alle Beobachter den Mund nicht mehr schließen können und sofort zum Händler rennen?

Eins ist mir dann doch aufgefallen, als ich mich mit einem neuen Blackberry im Kreise von Kollegen bewegte: Man ist zwar kein Hipster, ein Außenseiter aber genauso wenig. Zu sehr auf der Höhe der Zeit sind die Funktionen und Bauteile der Geräte dann doch. Wer ein Blackberry dabei hat, ist für die anderen ein Exot. Das ist eine Rolle, an die man sich als Blackberry-Nutzer gewöhnen kann. Denn das war in den Jahren davor schon deutlich schlimmer.

Physische Tastatur: Rückschritt oder bestes Verkaufsargument?

Mit physischen Tastaturen auf dem Smartphone zu arbeiten, erscheint einem Touchscreen-erprobtem Nutzer wie ein Schritt zurück. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass die meisten Menschen erst jetzt vom Handy auf ein Smartphone umsteigen. Physische QWERTZ-Tastaturen könnten da plötzlich wieder gefragt sein.

Neulich traf ich einen befreundeten Journalisten auf ein Bier, der ein noch etwas älteres Samsung-Smartphone bei sich trug. Wir kamen auf die verschiedenen Ökosysteme zu sprechen und er bemerkte ganz nebenbei, dass sein nächstes Smartphone - gute Testergebnisse vorausgesetzt - wahrscheinlich ein Blackberry Q10 würde, eben weil es eine physische Tastatur hat.

Nachfrage noch verhalten

Bisher allerdings verkauften sich die beiden neuen Modelle mit Blackberry 10 eher zögerlich. Auf Nachfrage gab das Unternehmen beim Quartalsergebnis (März bis Mai) die Auslieferung von 2,7 Millionen BB10-Smartphones und 4,1 Millionen BB7- und BB6-Geräten bekannt. Die Meinungen gehen auseinander, ob das nun gute oder schlechte Zahlen sind. Analysten zumindest hatten mehr erwartet, und die Börse strafte den Aktienkurs der Kanadier nach Bekanntgabe der Zahlen zwischenzeitlich mit einem Verlust von 20 Prozent gnadenlos ab.

Es zeigt aber auch, dass es offenbar egal ist, ob mit QWERTY-Board oder ohne: Schwierig ist die Lage für Blackberry sowieso. Und wenn eine physische Tastatur wie ein Rückschritt wirkt, dann eigentlich nur, weil wir Smartphone-Freaks jahrelang nichts anderes hatten als virtuelle Tastaturen. Dass die deswegen besser sind, sehe ich nicht unbedingt so. Ich bin physische Tastaturen nach den vielen Jahren mit iPhone, Android und Windows Phone einfach nicht mehr gewohnt. Sich umstellen, wenn man ein neues Smartphone kauft, muss man sich aber so oder so.

Gewöhnungsbedürftig, aber definitiv kein Ausschlusskriterium

Also geben wir ihm zumindest eine Chance. Die Tastatur des Blackberry Q10 ist eine der breitesten, die ich bis dato gesehen habe; sie schließt praktisch randlos mit dem Gehäuse ab. Tippen kann man darauf eigentlich ganz gut, wenn man sich daran gewöhnt hat. Auch Großbuchstaben sind kein Problem. Man hält eine Taste dafür einfach etwas länger gedrückt oder benutzt eine der beiden Hochstelltasten.

Hakeliger wird es bei Satzzeichen, Zahlen und Sonderzeichen. Hier muss man zwangsweise die einzige, kleine alt-Taste am linken Rand benutzen. Nicht optimal gelöst ist, dass Zurück- und Enter-Taste etwa gleich groß sind und direkt untereinander liegen, man also zuweilen versehentlich eine Nachricht abschickt, obwohl man eigentlich einen Buchstaben löschen wollte.

Ganz ohne Touchscreen kommt auch die Tastatur im Q10 freilich nicht aus: Umlaute wie ein ü kann man nur auswählen, indem man die U-Taste gedrückt hält. Ganz unten auf dem Touchscreen erscheint dann eine Leiste mit Vorschlägen für das zu wählende Umlaut, das man antippen kann. Und auch Wortvorschläge der lernfähigen Tastatur werden in der untersten Leiste auf dem Touchscreen angezeigt. Aber das ist natürlich gewünscht. Ja, die Tastatur ist anders als die der meist verbreiteten Smartphone-Systeme von heute; ein No-Go ist sie nicht. Inzwischen hat Blackberry sogar bereits ein zweites Gerät mit Tasten-Keyboard vorgestellt: das Q5.

App-Auswahl: Die Blackberry World besteht den Test

Wie viel Spaß ein Betriebssystem wirklich macht, erfährt man oft erst bei der Auswahl der Apps. Ein knappes halbes Jahr ist vergangen, seit Blackberry 10 an den Start ging, und unser Check zeigt: Noch immer fehlen Top-Titel, es gibt oftmals guten Ersatz, zumindest eine Sparte aber ist nicht ausreichend besetzt.

Bei der Aufregung um das Ende des Google Readers konnten Blackberry-Nutzer eigentlich nur mit den Schultern zucken. Eine der Alternativen wie Feedly oder Reeder gab es für sie in der Blackberry World ohnehin nicht. Wer sich technisch ein wenig auskennt, kann sich zwar mit Android-Apps behelfen, die man sich über einen Sideload auf das Gerät spielt. Dass das aber alles andere als per Drag and Drop geht, obwohl man offen damit wirbt, nehme ich dem Unternehmen ein wenig übel.

Nun, fast ein halbes Jahr nach dem Start von Blackberry 10, muss die Frage erlaubt sein, wie es eigentlich aussieht mit der App-Auswahl des neuen Systems. Gibt es namhafte Apps oder wenigstens gute Alternativen? Vielleicht sogar etwas Exklusives, und ist so ein Vergleich überhaupt fair? Wir machen den Check.

Social

Apps für Facebook, LinkedIn und Twitter sind auf jedem der neuen Blackberrys gleich vorinstalliert. Einige Apps stammen von Blackberry selbst, darunter der Adobe Reader, ein Connect to Dropbox und eben Facebook. Dass es sie gibt, dürfte die meisten Nutzer beruhigen, besonders modern ist Facebook für Blackberry 10 allerdings nicht. Die App hängt genauso wie Twitter einige Versionen hinter den Pendants für iOS, Android und auch Windows Phone 8 hinterher.

Messenger

Man musste im Frühjahr zwar einige Wochen darauf warten, aber dann kam WhatsApp in einer Version, die auf Blackberry 10 nahezu erstaunlich stabil und zuverlässig läuft und sich seit einigen Wochen auch nativ in den Hub integrieren lässt. Als Alternativen gibt es WeChat und Line. Chat-Clients wie die etwas betagten Yahoo Messenger und der Windows Live Messenger wurden von Blackberry selbst auf BB10 portiert. Kostenpflichtig ist der Multimessenger IM+ Pro. Skype gibt es in einer offiziellen Preview, die aber schon funktioniert. Und dann hat man natürlich noch die Möglichkeit, den hauseigenen, verschlüsselten Blackberry Messenger (BBM) zu benutzen.

Cloud, Office und Business

Eine native Dropbox-App gibt es zwar nicht, Blackberry behilft sich aber mit der eigenprogrammierten Lösung Connect to Dropbox - und einer vorinstallierten App des Konkurrenten Box. Für einige Google-Dienste wie Maps und Google+ gibt es Portierungen, aber keine nativen BB10-Apps. Auch eine native Microsoft-Office-Lösung gibt es derzeit nicht. Blackberry wäre aber nicht Blackberry, wenn man nicht selbst zahlreiche eigene Lösungen mit an Bord hätten. "Docs To Go" nennt sich die gut gemachte eigene Office-Variante. Print to Go ist eine vorinstallierte App ähnlich Apples AirDrop, um Dateien drahtlos mit einem PC auszutauschen. Die hauseigenen Erinnerungen (Remember) gefallen mir dafür nicht sonderlich. Hier erscheint mir die Bedienung recht umständlich.

Für die Geschäftswelt hat Blackberry den BlackBerry Enterprise Service mit einer sicheren Integration in Firmennetzwerke und die passenden Apps dafür. Unterstützt werden etwa Cisco Webex, Citrix Podio und BlackBerry Work Drives. Der Zuspruch von geschäftsrelevanten Apps ist bereits sehr ordentlich. So findet man in der Blackberry World außerdem etwa Salesforce, Mobility for SAP, Verschlüsselungs-Tools oder PDF Creator.

Maps, Reise und Verkehr

Es ist bezeichnend, dass in der Kategorie "Navigation & Travel" in der Blackberry World die beliebtesten Apps Portierungen und Zugänge für Google Maps sind. Eine eigene Google-Maps-App gibt es nicht, behelfen muss man sich statt dessen mit den Blackberry Karten. Die integrierte Navigation darin mit Anzeige der aktuellen Verkehrsdaten ist löblich, ansonsten aber finde ich die hauseigene Maps-App persönlich nach wie vor eher enttäuschend. Das Rendering ist unterwegs oder selbst bei bester WLAN-Verbindung, wenn man direkt neben dem Router steht, sehr sehr langsam und deswegen kaum brauchbar.

Ganz gut gemeint, wenn auch nicht ganz zu Ende entwickelt ist die App Blackberry Travel, die Reiseplanungen vereinfachen soll, indem sie sämtliche Reisedaten wie Flugdaten und Hotel in der App sammelt. Hier ist es tatsächlich möglich, Hotelzimmer über die App zu buchen. Auch die Flugsuche funktioniert gut, obwohl man die Flüge nicht direkt buchen kann. Bei der Mietwagensuche erscheint der Hinweis, sie werde in der App nicht mehr unterstützt und man solle auf die neueste Version updaten - da hatte ich die App gerade erst aus dem Store geladen.

Der DB Navigator, die App der Deutschen Bahn, kam erst sehr spät in die Blackberry World, ist dort jetzt aber vorhanden. Als Alternative gibt es Railroad Germany und A+ Deutschland Fahrplan. Als weitere interessante Apps gibt es Skyscanner, Waze, Hotelsnapper und HRS. Hier ist die Auswahl gut.

Instagram und andere Foto-Apps

Die Kamera-App unter Blackberry 10 ist für mich bereits eine der besten auf dem Markt. Die Bedienung ist einfach, augenfreundlich und nicht überladen. Und einmal geschossene Bilder lassen sich direkt in der App bearbeiten, also etwa trimmen oder mit Kunstfiltern versehen. Die beliebte Fotocommunity Instagram fehlt und soll vielen Gerüchten zum Trotz auch so schnell nicht für BB10 erscheinen. Es gibt allerdings den kostenpflichtigen Instagram-Client Instago und die üblichen zahlreichen Apps, die Bilder ebenso mit Kunstfiltern versehen können wie schon die Kamera-App selbst, darunter PicStory. Für Flickr gibt es ebenfalls keine Original-Apps, aber Clients, die Bilder dort hochladen oder auf Bilder dort zugreifen, als beste davon wohl Flickagram.

Musik

Wem der vorinstallierte Musik-Player für BB10 nicht gefällt, für den gibt es Alternativen wie Go Music oder Neutron Music Player. Als weitere Anwendungen gibt es TuneIn Radio, Soundtracker oder Clipfish. Shazam fehlt, dafür ist Soundhound inzwischen dabei. Von den großen bekannten Musikstreaming-Diensten fand ich nur eine BB10-App für Deezer. Sucht man BB10-Apps für Spotify, Rdio, Simfy oder Napster, geht man leer aus. Im Musik-Katalog finden sich zahlreiche aktuelle und ältere Titel. Die Blackberry World ist damit ähnlich gut ausgestattet wie die Musik-Stores anderer Systeme.

Games

Die meist geladenen Spiele für BB10 sind Casual Games wie Texas Hold'em, Candy Crush World, Bubble Shooter, Cut the Rope oder Hungry Birds (nicht Angry Birds, die es aber natürlich auch gibt). Das bedeutet nicht, dass es nicht auch Titel mit aufwändigerer Grafik gäbe. Hier stehen Titel wie Asphalt 7 Heat, Modern Combat 4, The Dark Knight Rises oder Need for Speed Undercover zur Verfügung.

App-Fazit: Besser als erwartet

Ein knappes halbes Jahr nach dem Start von BB10 sieht es gar nicht einmal so schlecht aus. Ähnlich wie Windows Phone läuft man zwar den beiden marktführenden Systemen iOS und Android in Sachen App-Auswahl deutlich hinterher, viele Top-Titel fehlen noch. Was man bisher findet, ist allerdings zufriedenstellend. Wer die App-Auswahl unter Android und iOS kennt, wird ein wenig enttäuscht sein. Wer nicht zwingend die neuesten und populärsten Titel benötigt, kann einen Blackberry inzwischen auch gut in der Freizeit nutzen.

Ist der Vergleich mit anderen Systemen fair? In meinen Augen ja. Blackberry startete nicht bei null. Auch wenn Blackberry 10 ein quasi-neues System war, begleitete die App-Community den Anbieter ja nicht erst seit gestern, wie ein Blick in die Blackberry World zeigt. Apps für das kompatible QNX gab es bereits für das Blackberry-Playbook, Partnerschaften mit App-Anbietern bereits zu Zeiten von Blackberry 6 und 7, Apps wie Spotify und Shazam, die in BB10 fehlen, gab es für ältere BB OS-Versionen. Außerdem warb das Unternehmen damit, gleich beim Start 70.000 Apps im Programm zu haben. An dem Versprechen muss man sich natürlich auch messen lassen. Entwickler wurden mit Honoraren gekördert, ähnlich wie Intel und Samsung das jetzt beim Start von Tizen versuchen. Und nicht zuletzt darf es im Jahr 2013 eigentlich keine Entschuldigung mehr sein, beim Start eines neuen Systems kaum Apps zu haben. Die Konkurrenz hat welche, und wer dagegen ankommen will, der muss alles dafür tun um zu liefern, egal, wie schwer es ist oder wie viel es kostet.

Die App-Auswahl unter Blackberry 10 scheint sich allerdings zunehmend zu verbessern und es ist spannend dabei zuzusehen, was ständig neu hinzu kommt. Fand man im März eigentlich kaum nenenswerte Apps für den eigenen Hausgebrauch, so kamen in den vergangenen Monaten einige durchaus nahmhafte Titel oder zumindest brauchbare Alternativen hinzu. Ziemlich neu etwa ist der Taxiruf MyTaxi. Und auch für Feedly gibt es mittlerweile einen sehr guten Client: gNewsReader.

Auf Abenteuerreise mit dem Underdog

Käufer moderner Unterhaltungselektronik von heute wollen tolle Geräte, immer die neuesten Apps, Innovationen. Wenn das mit den modernsten Apps aber schwer wird, dann können Underdogs wie Blackberry, Nokia und Mozilla zumindest zwei Dinge liefern: Nervenkitzel und Gründerzeit-Charme. Wer sich einen Blackberry, ein Lumia oder ein Firefox-Smartphone kauft, der kann den (Wieder-)Aufstieg der Marke live mitverfolgen.

Er weiß, dass das Unternehmen zu Innovationen verdammt ist und auf jeden Fall Qualität liefern muss. Ein schlechtes Review, miese Verkaufszahlen und es könnte schnell ganz vorbei sein mit dem Smartphone-Programm des Unternehmens - und im Falle von Blackberry schlimmstenfalls mit dem Unternehmen selbst. Diese Mischung aus Nervenkitzel und Startup-Charme gibt einem Kauf einen ganz besonderen Reiz.

In den vergangenen Wochen habe ich es am eigenen Leib nachvollziehen dürfen: Die Skepsis, noch einmal mit einer physischen Tastatur zu hantieren, hat sich als übertrieben herausgestellt. Inzwischen macht mit das Arbeiten damit Spaß und geht meistens leicht von der Hand. Dass einige Apps fehlen, ist in der Regel kein Problem. Es kommen fast tägliche gute neue Apps hinzu und für viele andere gibt es guten Ersatz. Dass man mit einem Blackberry heute nicht gerade als Hipster hervorstechen kann - geschenkt.

Beide bisherigen Smartphones - Z10 und Q10 - hinterließen bei mir einen guten Eindruck. Und ja, man weiß, dass Blackberry nicht nur zur Innovation verdammt ist. Das Unternehmen wird es auch ganz, ganz schwer haben, die Wende zu schaffen, geschweige denn in absehbarer Zeit wieder einen zweistelligen Marktanteil zu erreichen. Selbst Nokia ist das bislang nicht gelungen, trotz bald zweier Jahre mit Windows Phone, trotz der Unterstützung von Microsoft, trotz eines enormen Werbebudgets und nicht zuletzt auch trotz ziemlich guter Telefone.

Spannung spätestens alle drei Monate

Wenn das nicht einmal reicht, was soll dann Blackberry sagen? Die Kanadier haben keinen strategischen Partner im Rücken. Die Barreserven gehe zur Neige, Apps fehlen und auch der Ruf könnte besser sein: Blackberrys sind als altbackene Business-Geräte verschrien. Aber die Kanadier haben noch Zuspruch der Business-Kundschaft und nicht zuletzt haben auch sie mittlerweile gute, moderne Telefone im Angebot. Wer sich eins der heutigen Geräte einmal anschaut, dem dürfte vor allem die Kameras gefallen, der Blackberry Hub und auch die gute Verarbeitung.

Und den Nervenkitzel gibt es wie immer obendrauf - alle drei Monate beim Quartalsergebnis. Bei Blackberry, das kürzlich erst hinter Windows Phone in der Liste der meist genutzten mobilen Betriebssysteme zurückgefallen ist, ahnt man, dass es erst schlechter werden muss, bevor es wieder besser werden kann. Die Talsohle der Finanzergebnisse ist noch nicht erreicht, die beim Innovationsrückstand dafür längst überschritten. Blackberry 10 ist ein modernes System, das Android und iOS bei allen Nachteilen auch etwas voraus hat. Die nächsten Jahre werden spannend: Ich werde mit Blackberry mitfiebern.

Mein Fazit zum Blackberry Q10

Blackberry ist noch nicht am Ende, und der Smartphone-Welt tut es nicht schlecht, wenn es von dieser Seite noch ein weiteres System gibt. Der Vollständigkeit halber schulde ich euch noch einen Test des Q10, den ich in wenigen Tagen separat nachreichen werden. 


Blackberry 10 ausprobiert: Berechtigte Hoffnung auf ein gutes Comeback

Ein Beitrag von Jürgen Vielmeier, 12.12.2012


Blackberry 10 (Bild: Blackberry)

Nicht einmal mehr jedes zehnte verkaufte Smartphone stammt heute aus dem Hause des einstigen Marktführers RIM. Die gesamte Hoffnung des Unternehmens liegt auf dem neuen System Blackberry 10. Nachdem bislang wenig darüber bekannt war, lud uns RIM zu einem ersten Überblick ein. Ein Hoffnungsträger, der in der Tat die Wende herbeiführen kann.

Der Kahn muss flott gemacht werden

"Vor fünf Jahren waren wir ungefähr dort, wo Apple heute steht", sagt Carsten Titt, PR-Manager von RIM Deutschland selbstkritisch. "Jetzt haben die Vorzeichen sich verkehrt." Weil es so nicht weitergehen konnte, die Marktanteile des Smartphone-Pioniers in diesem Zeitraum von über 50 auf unter zehn Prozent sanken, ist sein Unternehmen derzeit im Umbruch und muss sich praktisch neu erfinden. Eine magische Plattform namens Blackberry 10 soll alle früheren Entwicklungen beerben und den leck geschlagenen Kahn wieder flott machen. Mit einem Augenzwinkern schickt Titt seinen selbstkritischen Worten gleich eine Kampfansage hinterher: "In ein paar Jahren wird es wieder anders herum sein."

Stimmt das? Hat Blackberry 10 das Zeug dazu, die heutigen Top-Athleten namens Android und iOS noch einmal einzuholen? Hat Blackberry 10 den etablierten Systemen vielleicht sogar etwas voraus? Ich besuchte Titt und seinen Kollegen Ulrich Bruenger, Senior Carrier Product Manager, in RIMs Büro in Düsseldorf, um mir das neue System zeigen zu lassen.

App-Entwickler können Blackberry 10 bereits heute auf einem Gerät mit dem Arbeitstitel "Developer Alpha B" testen. Dahinter verbirgt sich ein längliches Test-Smartphone mit 4,2-Zoll-Display. Titt und Bruenger zeigen mir die Funktionen der darauf installierten Vorversion. RIM will bei den künftigen Touchscreen-Phones auf einen oder mehrere Steuerbuttons (wie etwa den Home-Button im iPhone) verzichten. Allein über Gesten soll man das Phone mit einer Hand steuern können. Die zentralen Elemente:

Der Sperrbildschirm

Beim Start der neuen Blackberry-Plattform wird man als erstes den neuen Lockscreen zu sehen bekommen. Dieser enthält:

  • Die aktuelle Uhrzeit und das Datum
  • Einen Hinweis auf den, laut Organiser, nächsten Termin
  • Ein Schnellstart-Symbol für die Kamera
  • Die Zahl eingegangener E-Mails
  • Kleine Symbole für Netzabdeckung und Akku-Ladestatus

Laut Bruenger werden hier aus Gründen des Datenschutzes auf dem Lockscreen nicht mehr Informationen angezeigt. Falls einer unbefugten Person das Smartphone in die Hände fällt, soll dieser nicht in der Lage sein, persönliche Daten zu entschlüsseln.

Blackberry Flow

Erklärtes Ziel der Blackberry-Entwickler ist eine Abkehr vom klassischen Menü, bei dem man von App zu App springen muss. Blackberry 10 soll sich mit einem Konzept namens "Flow" intuitiver bedienen lassen. Ziel ist es, dass Benutzer mit nur einer Hand über eine Navigation im unteren Drittel des Phones jedes Ziel mit möglichst wenig Schritten erreichen können. Als zentrale Elemente dienen hierfür der Blackberry Hub und die Active Frames.

Active Frames

RIMs Antwort auf Androids Overlay und Windows Phones Multitasking-Ansicht nennt sich Active Frames: Statt den bloßen Icons geöffneter Apps (iOS), bieten die Active Frames eine Art Miniaturansicht. Bis zu acht Anwendungen lassen sich dort gleichzeitig öffnen, überwachen und auf Wunsch von Hand schließen. Will man mehr, beendet BB10 automatisch die Anwendung, die am längsten geöffnet ist. Active Frames lassen sich auch als Widgets nutzen, etwa, um einen Blick auf das Wetter zu werfen.

Blackberry Hub

Im Blackberry Hub fließen alle Arten von Benachrichtigungen an einer Stelle zusammen: Mails, Facebook-Benachrichtigungen, Termine, Blackberry Messages, Anrufe. Inhaltlich gesehen bietet der Hub damit nichts Anderes als die Notification Center in Android und iOS. Was RIM allerdings cleverer löst: Der Hub wird nicht wie eine Jalousie bei Bedarf runter und wieder hoch gezogen, er ist die zentrale Anlaufstelle. Von hier aus und mit den Active Frames steuert man das Gerät.

Blackberry Flow

RIMs Konzept für Blackberry 10 ist eine problemlose Bedienung mit nur einer Hand. Es soll keine getrennten Bereiche geben, statt dessen soll alles miteinander verwoben sein. Mit nur einer Geste ohne einen Homebutton oder ein Hauptmenü kommt man aus jeder laufenden Anwendung zurück in den Blackberry Hub oder in die Active Frames. Das Ende des Hin- und Herspringens von App zu App nennt RIM "Blackberry Flow". Alles soll im Fluss sein.

Intelligenter Organizer

Vor einem Termin noch schnell gucken, wer eigentlich dabei ist, unter welcher Nummer ich die Gesprächspartner erreichen kann und welche Mails zum Thema bereits hin und her geschickt wurden. Ziemlich genial: Der Organizer in Blackberry 10 sammelt diese Informationen aus E-Mails und dem persönlichen Adressbuch ohne Zutun des Nutzers an einer Stelle. Zusätzlich blendet er eine Karte des Zielortes ein. Der Organizer liefert damit eine Art Mini-Briefing und weist dem Anwender den Weg.

"Wir wollen für Tastatur stehen"

Blackberrys wurden mit ihrem QWERTY-Keyboard berühmt. Auch in der Zukunft will RIM wieder für Tastatur stehen. Zum einen soll es neue Geräte mit physischer Tastatur geben, zum anderen geht man mit einer Neuentwicklung an das Thema virtuelle Tastatur:

  • Wortvorschläge erscheinen bei der Eingabe direkt über dem Buchstaben, den der Anwender als nächstes tippen würde. Hat man etwa "he" eingetippt, erscheint über dem U der Vorschlag "heute", über dem R das Wort "herein". Mit einer Wischbewegung nach oben wählt man den jeweiligen Vorschlag aus. RIM will damit die Zahl der Wortanschläge im Vergleich zum händischen Tippen um zwei Drittel verringern.
  • Die Tastatur erkennt automatisch, welche Sprache der Anwender verwendet und richtet die Wortvorschläge danach aus. Blackberry 10 erkennt bis zu drei Sprachen gleichzeitig.
  • Die Tastatur lernt aus Wortvorschlägen, die man selbst in der jeweiligen App oft verwendet hat. Hat man etwa in der Facebook-App oft über Rindenmulch geschrieben, ist die Chance groß, dass das Wort nach der Eingabe der Buchstaben "Ri" als Vorschlag eingeblendet wird.
  • Einzelne Buchstaben lassen sich löschen, wenn man vom rechten Bildschirmrand auf die Tastatur streicht. Streicht man vom oberen Rand der Tastatur herunter, wechselt die Auswahl von Buchstaben auf Zahlen und Sonderzeichen.
  • Die Tastatur soll erkennen können, ob man eher mit rechts oder links tippt. Verpasst man bei der Eingabe etwa oft das L, rückt die Tastatur den Druckpunkt näher an die Stelle, die man versehentlich getroffen hat.

Blackberry Balance

Gibt es heute noch eine Trennung zwischen Geschäfts- und Privatkundengeräten? Nein, und selbst die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit verschwindet. Was es aber nach wie vor gibt, sind sensible Daten. Blackberry 10 will diese mit zwei Welten, "Personal" und "Work", voneinander trennen. In jeder "Welt" variieren Apps und Services. In der Work-Umgebung lässt sich eine sichere, getunnelte Verbindung ins Virtual Private Network (VPN) aufbauen. Anwendungen für Unternehmenssotware wie Exchange Server, Citrix und SAP stehen zur Verfügung. Administratoren können den Work-Account fernkonfigurieren und auch löschen oder sperren. In den Active Frames lassen sich Work Apps und Personal Apps parallel betreiben, so dass Anwender schnell zwischen beiden Welten hin und her springen können.

Blackberry People

RIM hat mit Blackberry 10 nach wie vor kommunikationsfreudige Geschäftsleute im Fokus. Weil diese inzwischen aber ebenfalls auf Ästhetik setzen und deswegen in den vergangenen Jahren immer häufiger zu iPhone und Co. griffen, will auch Blackberry "konsumeriger" werden. Aufpeppen will man das Nutzerlebnis mit so genannten "Moments of Charme". Zieht man etwa das Fenster für Kommunikationseinstellungen ganz nach unten, schalten sich automatisch alle blinkenden, lärmenden oder vibrierenden Benachrichtigungen ab. RIM empfiehlt, direkt vor dem Schlafengehen von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

Bei den Apps ist es erklärtes Ziel, auf Klasse statt Masse zu setzen. Ein erstes Device hat RIM in dieser Woche bereits angeteasert. Insgesamt sollen als erste Generation im kommenden Jahr und 2014 sechs Modelle auf den Markt kommen, jeweils drei davon nur mit Touchscreen und drei mit physischer Tastatur. Für beide Baureihen soll es je ein hochpreisiges, ein preisgünstiges und ein Mittelklassemodell geben. Man will also auch Privatkunden für sich gewinnen.

Blackberry 10 basiert auf dem übernommenen Betriebssystem QNX, das RIM zuerst im mäßig erfolgreichen Tablet Playbook eingesetzt hatte. Aktuelle Blackberry-Handhelds sind noch mit dem System Blackberry 7 bestückt, das durch Blackberry 10 komplett ersetzt werden soll. RIM will das neue System und wohl auch die ersten der sechs geplanten Geräte am 30. Januar offiziell vorstellen.

Fazit zum Blackberry 10

Blackberry 10 kommt spät, aber das Warten dürfte sich lohnen: Das neue System ist auf der Höhe der Zeit. Die lernende Tastatur, der tief integrierte Blackberry Hub, das Prinzip "Flow" und auch Balance wirken fortschrittlich. Der mitdenkende Organizer versprüht einen Hauch von semantischem Web und nicht zuletzt ist RIM hier ein sehr sympathisches Design mit angenehmer Typographie gelungen.

Das soll nicht darüber hinweg täuschen, dass man teilweise nur aufgeholt hat: Der Blackberry Hub ist eine - wenn auch gelungene - Abwandlung der seit Jahren für Android verfügbaren Notifications. Active Frames findet man in ähnlicher Form bei Windows Phone und - ebenfalls - Android. Der Sperrbildschirm erinnert stark an den von Windows Phone 7. Ein echtes, "mitdenkendes" System wie Google Now in Android 4.1/4.2 ist BB10 nicht.

Und doch sind es die kleinen Details, die das neue System sympathisch machen. Die Schnellnavigation, die lernfähige Tastatur, das Umschalten zwischen Arbeitswelt und Freizeit, der elegante Umgang mit Sicherheit, das sanfte Ausblenden alles "Nervigen" mit einem Wisch. RIM hat das mobile OS damit nicht neu erfunden, aber das wäre nach Jahren des gefühlten Hinterherlaufens auch etwas viel verlangt gewesen. Verstecken muss man sich indes vor keinem Konkurrenten mehr, schon gar nicht vor dem mittlerweile leicht ergrauten iOS, dem man sich einst geschlagen geben musste.

Jetzt wird es darauf ankommen, ob RIM bei den Endgeräten und dem Zusammenspiel zwischen Hard- und Software ein ähnliches glückliches Händchen beweist. Und natürlich muss der Markt entscheiden, ob er Blackberry noch einmal eine Chance gibt - Mitbewerber Microsoft kann ein Lied davon singen, wie viel Mühe es kostet, noch einmal zurück zu kommen. Was das Nutzererlebnis betrifft, steht einem Comeback der Blackberrys zumindest nichts mehr im Weg.

Update: Kaum hatten wir den Beitrag veröffentlicht, da lesen wir, dass ein vietnamesisches Techblog eins der wahrscheinlich kommenden Geräte der L-Serie in die Finger bekommen hat. Sollte das wirklich so oder in einer ähnlichen Form auf den Markt kommen, dann wäre das in meinen Augen alles andere als eine Enttäuschung:

Streitgespräch: Hat Blackberry 10 eine Chance gegen Android, iOS und Windows Phone

13.12.2012

Am 30. Januar 2013 stellt RIM das neue Smartphone-Betriebssystem Blackberry 10 inklusive passender Hardware vor, aber haben die Kanadier überhaupt noch eine Chance? Darüber diskutieren hier unsere Autoren Jan Tißler und Jürgen Vielmeier.

"Ich sehe einfach nicht, wo Raum für Blackberry sein sollte"

Jan: Nachdem ich deinen Bericht über Blackberry 10 gelesen habe, Jürgen, bin ich schon neugierig geworden und auf jeden Fall bin ich sehr gespannt darauf, das einmal selbst auszuprobieren. Aber wenn man mich fragt, ob ich an einen zweiten Frühling für Blackberry glaube, muss ich klar sagen: Nein, das glaube ich nicht.

Android hat den Smartphone-Markt im Sturm erobert, Apple kann seine Nische derweil noch behaupten und Microsoft versucht gemeinsam mit Nokia und viel viel Geld, ebenfalls seinen Platz zu finden. Ich sehe einfach nicht, wo da noch Raum für Blackberry sein sollte.

Jürgen: Es gab auch mal eine Zeit, in der ich gedacht habe, zwei oder maximal drei Systeme reichen eigentlich. Lustigerweise bin ich gerade selbst in der Situation, dass ich mir ein neues Smartphone kaufen will und trotzdem nicht weiß, welche Plattform es sein soll.

Das iPhone 5 ist mir zu teuer, iOS mittlerweile wirklich ein wenig in die Jahre gekommen: keine Widgets, keine Hubs, ein langweiliger Homescreen. Android hat die besten Weiterentwicklungen (von Google Now träume ich mittlerweile nachts und meine Augen leuchten dabei...). Und doch finde ich Android nach einem Jahr mit Windows Phone so unpersönlich. Und für Windows Phone 8 - sorry Nokia und HTC - habe ich noch kein aktuelles Gerät gesehen, das mir wirklich gefallen hätte.

Blackberry 10 ist mir momentan am sympathischsten, und ich denke, für vier bis fünf Systeme ist durchaus Platz.

Jan: Es geht mir gar nicht so darum, ob es mir persönlich reicht, wenn nur zwei oder drei Systeme auf dem Markt sind. Es geht mir mehr darum, ob ich für Blackberry insgesamt eine Chance sehe. Und nichts gegen deine Begeisterung für das neue System, allerdings bist du ein Geek – wenn ich das mal so sagen darf. Du testest Smartphones beruflich und kennst die dann in- und auswendig. Das geht dem durchschnittlichen Käufer nicht so und die meisten wollen das auch gar nicht so genau wissen. Da geht es danach, was Freunde haben und empfehlen, was sie in der Werbung gesehen haben oder was sie im Laden anspricht.

Mir ist bislang nicht klar, wie eigentlich die Zielgruppe für Blackberry jetzt aussieht und wie sie sich positionieren wollen. Android ist das System mit der großen Auswahl an Geräten von superbillig bis High-End und man hat viele Freiheiten. Das iPhone ist halt das iPhone. Und Microsoft und Nokia versuchen mit viel Geld eine Art “Windows 8 für Smartphones” zu etablieren und schielen dabei auch auf die Business-Kunden. Wo bleibt da noch Platz?

Jürgen: Laut IDC liegen Blackberrys ja weltweit immer noch auf Platz 3 der meistverkauften Smartphones. Was erstaunlich ist, schaut man sich an, dass RIM in diesem Jahr nichts nennenswert Neues herausgebracht hat. Das zeigt mir, dass die Fans von früher immer noch da sind.

Blackberry Balance wird sie zurückholen. Es wird Anwendungen für den Geschäftsbereich geben, die sonst keiner hat. Und zusätzlich werden Blackberrys mit fünfjähriger Verspätung endlich auch für Privatnutzer interessant.

Ich glaube, es ist ganz einfach so, dass man sich an iOS langsam satt gesehen hat. Fünf Jahre lang standen Apps im Vordergrund, künftig sind es Hubs. Und da ist BB10 wieder Vorreiter.

Jan: Marktführer mit weitem Abstand ist aber nicht iOS, sondern Android. Und das treibt Google mit Riesenschritten voran und die Hardware-Partner überbieten sich in Features und unterbieten sich im Preis. Google selbst bringt die anderen Hersteller mit seinen Nexus-Geräten sogar noch mehr ins Schwitzen und schraubt das Preis-Leistungs-Verhältnis in schwindelerregende Höhen. Ich glaube, das ist für viele ein Argument.

Hinzu kommt, dass Google inzwischen ein komplettes Angebot an eigenen Diensten hat – von Gmail über Google Now bis hin zu Google Play mit Musik, Filmen, Büchern und vor allem: bergeweise Apps. Dass Blackberry eine treue Fangemeinde hat, stimmt wohl. Aber die hatte Palm auch.

Jürgen: RIMs Situation ist vergleichbar mit der von Nokia, nur ein Jahr später. Man merkt irgendwann, dass man mit dem Rücken zu Wand steht und strotzt plötzlich vor Innovationen. Irgendwann wird der Aufwand belohnt und es geht wieder aufwärts. Palm ist ja nicht gescheitert, weil man keine eigenen Ideen hatte, sondern weil man ein Dreivierteljahr brauchte, um ein bereits angekündigtes Produkt zu launchen. Kommt das erste Gerät mit BB10 recht bald auf den Markt, braucht RIM eigentlich keine Angst zu haben.

Googles Preisoffensive gefällt mir und doch bleibt mir Android seltsam fremd. Ein modernes System stellt den Nutzer in den Vordergrund, nicht irgendwelche seelenlosen App-Wüsten oder Widgets. Google Now ist ein Riesenfeature, aber noch nicht die Schaltzentrale, die es sein müsste. Deswegen würde ich selbst bei einem 300-Euro-Spitzenmodell wie dem Nexus 4 derzeit nicht zu Android wechseln wollen.

Jan: Mh, Blackberry 10 wurde aber auch schon im Mai erstmals gezeigt und da gingen die Spekulationen noch in die Richtung, dass wir im Herbst das neue OS in Händen halten. Ich finde schon, dass RIM hier viel, viel Zeit verloren hat. Aus meiner Sicht zu viel Zeit.

Wer kein Blackberry-Fan ist oder wegen der einmal eingerichteten Infrastruktur nicht wechseln wollte, ist doch inzwischen längst weg. Die Ökosysteme von Google und Apple sind da extrem verführerisch.

Meine Vorhersage für die nächsten zwölf Monate: Blackberry bekommt Anerkennung für das neue OS, aber dem Marktanteil hilft es nicht. Der Durchbruch bleibt aus, die immensen Entwicklungskosten bringen RIM an den Rand des Abgrunds und wir diskutieren sehr bald darüber, wer denn RIM übernehmen würde.

Jürgen: Ich glaube, dass das Betriebssystem einer der wichtigsten Gründe ist, sich ein Smartphone zu kaufen. Und da wird die Wahl künftig ganz sicher wieder öfter auf Blackberrys fallen. Auch Windows Phone 8 ist spät gestartet, gewinnt jetzt aber langsam Marktanteile zurück.

Natürlich wird es ein hammerhartes Jahr für RIM werden, es werden noch viele Abgesänge angestimmt werden, Marktanteile und Umsätze werden antizyklisch noch weiter einbrechen.

Und um auf deine Prognose einzugehen: Ja, vielleicht geht RIM tatsächlich das Geld aus und muss aufgekauft werden. Dann aber nicht, weil Blackberry 10 eine schlechte Entwicklung wäre, sondern weil der Umbruch zu lange gedauert hat. Aber irgend etwas sagt mir, dass die Marke Blackberry noch lange nicht sterben wird und Anfang 2014 besser dasteht als manch einer ahnt.

Zwischen Hoffnung und Ernüchterung: Blackberry 10 ist da

Ein Beitrag von Jürgen Vielmeier, 30.01.2013

Die Firma hinter den Blackberrys wird künftig "Blackberry" heißen. Volle Konzentration also auf die letzte Hoffnung Blackberry 10 - die man heute in einer eigentümlichen Show vorgestellt hat. Die Software hinterlässt einen guten Eindruck, an der Hardware haben erste Tester etwas zu bemängeln.

Blackberry 10: Die Familie bekommt Zuwachs

RIM, die Marke hinter den Business-Smartphones Blackberry, fiel mir bisher immer schwer einzuordnen. Ein bisschen spießig vielleicht, aber keinesfalls bürokratisch. Modern sicher nicht, aber auch nicht komplett von gestern. Heute erlebten die Zuschauer bei der Präsentation der neuen Plattform Blackberry 10 zunächst eine sonderbare Vorstellung. Ein fies grinsender, junger George-Clooney-Verschnitt moderierte durch eine seltsame Sammlung anbiedernden Promo-Videos der neuen Plattform von Blackberry-Fans aus aller Welt. "Crackberry Kevin" ließ sich seinen Zopf abschneiden. Allerorten wurde gelobt, wie toll das neue Blackberry 10 doch sei.

Den Zuschauern indes wurde zunächst wenig Neues gezeigt. Es war eine Zusammenfassung der Details, die schon in den vergangenen Tagen und Wochen mehr oder weniger inoffiziell an die Oberfläche gesickert waren. Zwei neue Smartphones wird es geben: Das Z10 mit Touchdisplay und das Q10 mit physischer Tastatur zusätzlich zum Touchscreen. Die bekannten Funktionen, die das neue System Blackberry 10 ausmachen, wurden ebenfalls genannt: Die Schaltzentrale Blackberry Hub, das Bedienkonzept aus Blackberry Peek and Flow, die Trennung zwischen Beruflichem und Geschäftlichem, Blackberry Balance.

Aus RIM wird Blackberry 

Die Zuschauer waren beinahe eingeschlafen, da trat Unternehmenschef Thorsten Heins auf die Bühne und präsentierte doch noch eine überraschende Neuigkeit: RIM heiße jetzt "Blackberry". Die erschreckend unbekannte Marke RIM, was für "Research in Motion" steht, wird damit also endlich eingemottet und das Unternehmen in seine bekannteste Marke "Blackberry" umbenannt. Eine längst überfällige Entscheidung!

Und plötzlich wurde die Show mit Leben gefüllt. Der App-Manager, der stolz die Existenz von mehr als 70.000 Apps ankündigte, darunter so wichtige Vertreter wie Facebook, Twitter, AngryBirds und Skype (nicht aber Google+, darüber wird noch zu reden sein). Auch Thorsten Heins ließ sich immer mehr von der guten Stimmung seiner Mitarbeiter anstecken und präsentierte als Highlights des Abends die neue "Kreativdirektorin", Musikerin Alicia Keys. Ihre Arbeit wird wohl hauptsächlich eine Mischung aus Marketingaktivitäten und Gallionsfigur sein und damit wird sie hoffentlich etwas mehr Aufmerksamkeit erreichen als Musiker-Kollege Will.I.Am, der bei einem gleichnamigen Posten bei Intel seltsam unauffällig blieb.

Zufriedenstellendes Fazit erster Tester. Reicht das?

Und schließlich gab es doch noch ein paar Neuigkeiten zu bestaunen: Die Videoschnitt-App Blackberry StoryMaker (das Pendant zu iMovie und MovieMaker) und das digitale Gedächtnis, einen Evernote-Nebenbuhler namens Blackberry Remember.

Das neue Blackberry Z10 hinterlässt in den ersten Tests der Redaktionen, die bereits ein Gerät vorab bekommen haben, einen insgesamt positiven Eindruck: Techguru Walt Mossberg ist zufrieden. Heise lobt gerade die Business-Anwendungen. TheVerge mag das Display und die eigenen Apps aus dem Hause Blackberry; weniger gut sei hingegen das Erlebnis bei Drittanwendungen. Sowohl TheVerge als auch Spiegel Online ziehen ein sehr negatives Fazit zum Akku. Der sei, morgens vom Netz genommen, schon am frühen Nachmittag praktisch leer gewesen. Ernüchterner fällt das Gesamtfazit von Engadget aus: Ganz nettes Phone eigentlich, aber nichts, was wirklich liebenswert wäre. Nicht einmal die neuen Gesten und das Bedienkonzept wirkten sonderlich originell.

Über Preise machte Blackberry-Chef Heins erstaunlicherweise ein kleines Geheimnis - die würden eben von Land zu Land und Anbieter zu Anbieter variieren. Ebenso die Starttermine. In Blackberrys treuesten Absatzmärkte UK (morgen), Kanada (5. Februar) und den Vereinigten Arabischen Emiraten (10. Februar) sollen die ersten Z10s schon bald in den Verkauf gehen. In den USA sei es Mitte März so weit. Zu Deutschland machte Heins keine Angaben - somit bleibt es bei den Spekulationen zwischen Ende Februar und Mitte März. In Spanien und den Emiraten kostet das Z10 vertragsfrei etwa 520 Euro. Mit ähnlichen Preisen wird wohl auch für Deutschland zu rechnen sein.

Nur für Fans?

Heins gab hinter den Kulissen noch eine weitere gute Nachricht: Die eigentlich wenig erfolgreichen aber durchaus beliebten alten Blackberry-Tablets "Playbooks" werden ebenfalls ein Update auf Blackberry 10 erhalten. Von den neuen Blackberrys selbst wurde er im Laufe der Show immer begeisterter. Ist das das Gesamtfazit? Ein rätselhafter erster Eindruck, fast möchte man sich mit Grausen abwenden, aber dann, am Schluss bekommt Blackberry doch noch die Kurve und weiß die Anwender zu begeistern.

Ich denke, man sollte Blackberry 10 zumindest eine Chance geben. Das Konzept wirkt durchdacht, die Eigenanwendungen machen Lust auf mehr. Natürlich, das weiß jeder Smartphone-Anwender, kann schon ein Schwachpunkt den ganzen Spaß leidlich machen. Im Falle des Z10 scheint das wohl der Akku zu sein. Ich würde aber nicht urteilen, ehe ich das selbst genau getestet habe. Immerhin: Blackberry ist wieder da, heißt jetzt auch so und wird zumindest ganz sicher viele alte Fans begeistern. Auch neue? Das muss sich zeigen.


Blackberry Wind: Interessantes Konzept

Ein Beitrag von Jan Tissler, 10.08.2012

Vom Untergang mit Pauken und Trompeten bis hin zur wundersamen Wiederauferstehung scheint beim BlackBerry-Hersteller RIM derzeit alles möglich. Designer Valentin Gallard zeigt in seinem Entwurf "BlackBerry Wind" wie schick ein künftiges Smartphone des kanadischen Unternehmens aussehen könnte. In seiner Vorstellung setzt es auf Windows Phone.


Blackberry Wind (Bild: Yanko Design)

Designstudie: Blackberry mit Windows Phone

fileadmin/user_upload/neuerdings/1363193958/blackberry-wind-01.jpgMit seinen aufs Messaging spezialisierten BlackBerrys war RIM lange Zeit erfolgreich, aber die guten Jahre scheinen inzwischen weit entfernt. Die Geräte haben zwar weiterhin ihre Qualitäten, nur spielt die Musik derzeit woanders: Android hat den Smartphone-Markt erobert und das iPhone hat seine finanziell einträgliche Nische gefunden. Daneben versuchen nun vor allem Microsoft und Nokia sich zu behaupten. RIM hingegen hat offensichtlich Schwierigkeiten, mit dem Tempo mitzuhalten. Ob das neue OS BlackBerry 10 noch rechtzeitig den erhofften Befreiungsschlag bringt, ist vollkommen offen.

Kein Wunder, dass die Gerüchte sprießen, wer denn jetzt was von RIM aufkauft. Samsung sei angeblich interessiert, hieß es dieser Tage. IBM auch, aber nur an der Business-Sparte, nicht an den Handys. Aber wer weiß, dachte sich offenbar Designer Valentin Gallard: Vielleicht gesellt sich ja RIM mit Microsoft und Nokia zum Kreis der Gestrauchelten und Missachteten? Das von ihm entworfene BlackBerry Wind wäre optisch jedenfalls ein selbstbewusstes Statement.

Er hat für seinen Entwurf eine sehr eigene, prägnante und trotzdem elegante Formensprache gefunden. Besonders auffällig ist der vertikale Streifen auf der Rückseite, der sich über die Gehäuseseiten oben und unten bis nach vorne zieht. Hier bietet er oben dem Lautsprecher Platz und unten dem Windows-Phone-Knopf. Die Löcher für den Lautsprecher bilden zudem das BlackBerry-Logo nach.

Eine weitere interessante Idee ist das "Powerpad" an der Seite, über das man per Überstreichen in verschiedene Richtungen unterschiedliche Aktionen auslösen kann. Es erinnert von Zweck und Positionierung her an das klassische BlackBerry-Rädchen.

Ob Windows Phone wirklich die ideale Wahl wäre für RIMs BlackBerrys, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt. Schließlich würden sie sich damit in Abhängigkeit von Microsoft begeben, die derzeit den Smartphone-Herstellern wenig Spielraum bei der Gestaltung ihrer Geräte oder gar des Betriebssystems lassen. Eine viel naheliegendere Wahl scheint hier Android, das RIM schließlich den eigenen Bedürfnissen entsprechend anpassen könnte.

Aber vielleicht kommt ja alles ganz anders und die neuen Geräte mit BlackBerry 10 bringen nächstes Jahr doch die überraschende Wende...


Blackberry Bold 9790 im Test: Ein Bold für alle Fälle

Ein  Beitrag von  Jürgen Vielmeier,  17.04.2012

Vor Kurzem hatte ich das Vergnügen, den BlackBerry Curve 9380 zu testen. Jedoch hakte es an manchen Stellen. Mit dem BlackBerry Bold 9790 beweist Hersteller RIM dagegen, dass es auch anders geht - und man etwas mehr Geld in die Hand nehmen muss, wenn man einen ordentlichen BlackBerry will.

Review: Blackberry Bold 9790

Der BlackBerry Bold 9790 ist klein, passt locker in eine Hemdtasche und überlebt auch einen Sturz aus dieser. Trotz Verwendung von Plastik fühlt sich dieses Smartphone nicht im Geringsten billig an: Solide Verarbeitung, gute Spaltmaße und ein angenehmer Griff zeichnen es aus. Der BlackBerry Bold 9790 richtet sich eindeutig an Menschen, die mehr Schreiben als Lesen.

Ein 2,45-Zoll-Display stellt für heutige Verhältnisse nur ein Guckloch zur Welt dar, aber ganz gewiss keine komfortable Möglichkeit, im Internet zu surfen. Einen schnellen Datentarif vorausgesetzt, merkt man dank des 1-GHz-Prozessors keine Verzögerung und die 768 MB RAM erlauben auch mehrere geöffnete Tabs im Browser.

Trackpad und Tastatur

Mit dem Daumen trifft man nicht immer genau dorthin, wo man hin tippt. Deshalb erweist sich das Trackpad als willkommene Alternative: Es ist präziser und teilweise komfortabler, um Textpassagen auszuwählen oder einen Link zu treffen. Die schuppenartige Tastatur macht auch bei den kleinen Tasten den Unterschied: Trotz des sehr engen Abstands treffe ich jede Taste zielgenau.

Leider stört die Tastenbelegung: Großbuchstaben können sowohl durch Betätigen der Umschalttaste, als auch durch langen Druck auf die entsprechende Buchstaben-Taste erzeugt werden. Im Prinzip eine feine Sache. Doch da die Umlaute auf der Tastatur fehlen, kann man sie nur über die Kombination "Trackpad plus Buchstabe" auswählen. Das unterbricht den Schreibfluss, weshalb ich oft lieber "ue" statt "ü" tippe. Die eingebaute Texterkennung arbeitet sehr zuverlässig und verbessert viele der Wörter mit den korrekten Umlauten.

Fotoqualität und Klang

Der BlackBerry Bold 9790 richtet sich zwar weniger an Multimedia-Begeisterte, doch das heißt nicht, dass er in dieser Kategorie nicht mithalten könnte. Beispiel Kamera: Der Weißabgleich erkennt die richtige Beleuchtung, die Farben fallen neutral und doch kräftig aus und Details bleiben erhalten. Auch das Rauschverhalten geht für diese Klasse in Ordnung. Zusammen mit der separaten Kamerataste unterstreicht RIM das Sprichwort "Klein, aber oho!".

Der gute Eindruck setzt sich beim Klang teilweise fort: Ausgeprägter Mittenbereich und kräftiger Bass vertreiben zwischendurch die Langeweile. Mit den Klassenbesten kann sich der BlackBerry Bold 9790 jedoch nicht messen, dafür fehlen ihm ein breiteres Klangspektrum, klarere Höhen und eine größere Dynamik.

Ginge es nur um die Bedienung, würde ein BlackBerry mit wehenden Fahnen gewinnen: Direkt per Tastendruck kann man Musikstücke pausieren und das nächste auswählen. Und mit dem Trackpad spult man sekundengenau an die gewünschte Stelle.

Telefonie und Akkulaufzeit

Ein kleiner Bildschirm und dazu die sparsame BlackBerry-Internet-Verbindung – kombiniere: lange Akkulaufzeit! Bei geringer Belastung erreicht der BlackBerry Bold 9790 spielend zwei Tage und selbst bei direkter Verbindung mit dem Tablet BlackBerry Playbook rettet man sich durch den Tag. Ganz klar gehört Ausdauer zu einer der Stärken des BlackBerry Bold 9790.

Auch bei der Telefoniefunktion leistet sich der BlackBerry keine Schwäche: Gespräche wurden klar und störungsfrei übertragen, die Gegenseite hatte ebenfalls nichts auszusetzen.

BlackBerry OS 7

Vor der Kaufentscheidung zu einem BlackBerry steht natürlich die Frage, ob man sich mit dem Betriebssystem anfreunden kann. Verglichen mit den Alternativen auf dem Markt, bietet das BlackBerry OS 7 einige Vorzüge, aber auch Nachteile. Entwickler konzentrieren sich hauptsächlich auf Android und iOS, weshalb nicht jede App für BlackBerrys zur Verfügung steht (zum Beispiel "Skype" oder "Yammer"), beziehungsweise nur mit Zeitverzögerung ankommt (Beispiel "Wunderlist").

Wer sich jedoch für das Beerensystem begeistern kann, erhält ein sehr stabiles, völlig konfigurierbares und stark automatisierbares System, das mit vergleichsweise geringen Ressourcen den Dual-Core-Wundern die Stirn bieten kann.

Fazit zum BlackBerry Bold 9790

Der BlackBerry Bold 9790 ist für eingefleischte Fans keine Überraschung: Stabile Bauweise, klassisches Aussehen und eine gute Akkulaufzeit waren auch schon den Vorgängern gemein. Wer auf der Suche nach einem kleinen Smartphone ist, dass die Hosentasche nicht belastet, liegt beim BlackBerry Bold 9790 goldrichtig. Trotz der Größe muss man auf fast nichts verzichten - lediglich der kleine Bildschirm dürfte nicht jedermanns Sache sein. 


RIM Blackberry Curve 9380 im Test: Klein, kompakt und verführerisch

Ein Beitrag von Jürgen Vielmeier, 10.04.2012

Wer sich einen BlackBerry kauft, erhält eine langweilige E-Mail-Maschine mit Tastatur? Nicht mit dem kleinen Touch-Modell BlackBerry Curve 9380.


Blackberry 9380 (Bild: Blackberry)

So gut ist das neue Handymodell

Der Inbegriff des E-Mail-Clients war lange Zeit ein BlackBerry: ausdauernd, handlich und mit vollwertiger Tastatur. So begann die Erfolgsgeschichte des Herstellers Research In Motion (RIM). Mittlerweile ist der Liebling zum Verstoßenen geworden: Das Unternehmen aus Kanada beschwert sich gar, dass die Medien nur noch Negativ-Schlagzeilen schreiben, dabei gehe es dem Konzern gut. Zuletzt hob man das Gerücht aus, RIM verlasse den Privatkunden-Markt und werde nur noch Geschäftskunden adressieren - ein falscher Schluss aus einem Interview, der jedoch die Runde machte. Tatsächlich bleibt RIM weiterhin im wichtigen Endkundenbereich.

Aber wer sich ein Smartphone kauft, überprüft vorher nicht die Aktienkurse, sondern das Aussehen und die Software drumherum, und das werden wir uns jetzt anhand des BlackBerry Curve 9380 zu Gemüte führen.

Tasten

Es gibt viele Gründe, zu einem BlackBerry zu greifen: Es ist eines der seltenen Smartphone-Exemplare, die noch eine echte Hörer-Taste besitzen. Statt sich durch Menüs zu wurschteln oder auf Softtasten zu zielen, drückt man zielsicher die rote oder grüne Hörertaste. Mikro während eines Telefonats stummschalten? Auch hierfür gibt es einen Knopp - keine App vonnöten! Dazu noch eine dedizierte Sperrtaste, eine "Zurückblättern-Taste" und viele mehr davon. Kurzum: Ein BlackBerry ist ein Tastenwunder - trotz des Touchscreens im Fall des Curve 9380.

Ein weiterer Grund könnte der wechselbare Akku sein. Während der Trend zum fest eingebauten Stromlieferanten geht, bleibt jeder BlackBerry auch nach Ableben des Akkus ohne Probleme nutzbar: Einfach einen neuen Akku kaufen und weiter geht's. Fairerweise muss ich hier allerdings ergänzen, dass ich bisher noch bei keinem Handy oder Smartphone in diese Verlegenheit geriet. Doch bei leerem Akku einfach so einen neuen einsetzen zu können, macht den Unterschied.

Und um noch einen letzten Pluspunkt zu nennen: Das Menü ist bis ins kleinste Detail einstellbar. Sehschwache Menschen können die Schrift nach Belieben vergrößern und Freaks werden sich an den automatischen Funktionen erfreuen.

Curve = billig?

Neben der Premium-Serie "Bold" platziert RIM den Curve als Mittelklasse-Gerät. Der Anspruch scheint zu sein: "gleiche hochwertige Technik in einem billigeren Gehäuse". Das spürt man spätestens am Akkudeckel, der glatt und... billig wirkt. Abgesehen davon, könnte man den kleinen Bruder fast für einen Bold halten. Denn vergleicht man die Modelle Bold 9790 und Curve 9380, so haben sie die gleiche Größe, und auch die Anschlüsse scheinen größtenteils an den gleichen Stellen zu sitzen. Das deutet daraufhin, dass fast das gleiche Platinen-Layout gewählt und nur minimale Veränderungen durchgeführt wurden. Und wieso gehe ich darauf ein? Wir folgern daraus, auch in den Mittelklasse-Modellen könnte die gleiche robuste Bauart zum Einsatz kommt.

Kommt es auf die Größe an?

Der eindeutige Trend zur Zeit: riesige Displays, die kaum noch einhändig bedienbar sind - vier Zoll stellen fast schon den Standard dar. Der BlackBerry Curve 9380 hebt sich mit seiner portablen Displaydiagonale von 3,2 Zoll bei 320 x 480 px wohlwollend davon ab. Endlich mal wieder ein Smartphone für einhändige Bedienung. Und wer sich nicht auf Verrenkungen einlassen will, bemüht einfach das optische Trackpad, das den Cursor über den Bildschirm huschen lässt. Dieser Vorteil ist gleichzeitig der größte Nachteil des Curve 9380: Das Internet ist auf einmal furchtbar klein und schlecht aufgelöst. Obwohl das Display klare Farben zeigt und schön anzusehen ist, bin ich es einfach nicht mehr gewohnt, auf so einem kleinen Bildschirm zu surfen.

Kamera-Dings

Nachdem fast jedes Tele- und Smartphone eine Kamera beinhaltet, sollte man meinen, einen gewissen Grundstandard erwarten zu können. Der Curve gibt mit seinen 5 Megapixel jedoch nicht viel her: stark begrenzter Schärfebereich, klar zu erkennender Schärfefilter, wenig Details, Rauschen, überbetonte Rotwerte. Einzig der Weißabgleich überzeugt mich, doch im Vergleich zum Preis von rund 300 Euro (399 Euro sind die unverbindliche Preisempfehlung) ist das am falschen Ende gespart. Selbst das ZTE Skate für nur 200 Euro liefert eine deutlich bessere Detailqualität. Bei Sonnenschein und entsprechendem Motiv kann man jedoch durchaus ein paar gute Schnappschüsse erreichen, die sich auch für Ausdrucke eignen.

Audio-Bumms

Nun ist es ja so, dass man den höheren Preis zugunsten besserer Qualität in Kauf nimmt. Doch wie sehr der Hersteller RIM auch versucht das Image zu ändern: Das Hauptaugenmerk der BlackBerrys liegt auf Produktivität und Robustheit, nicht Multimedia. Der Kopfhörerausgang ist hakelig: Schnell verkantet sich der Klinkenstecker, wenn man nicht bewusst gerade aufs Loch zielt. So etwas kenne ich sonst nur von minderwertigen Geräten. Dieser Eindruck setzt sich fort beim Klang, denn die Höhen klingen beschnitten, der Mittenbereich flach und lustlos. Der einzige Ausweg ist die Bluetooth-Übertragung per A2DP-Protokoll, trotz Komprimierung klingt das Ergebnis besser, als aus dem Kopfhöhrerausgang. Wichtig für Podcast-Hörer und Autokapitäne: Der Lautsprecher klingt sehr laut und unverzerrt.

Marathon-Läufer

Dabei wäre der Curve 9380, zumindest von der Akkulaufzeit her, ideal für Dauerberieselung. Trotz Internetsurfen, Chatten, E-Mailverkehr und auch etwas Video und Musik ließ sich der Curve nicht aus der Ruhe bringen und lief und lief und... Mit rund anderthalb Tagen Laufzeit lässt RIM die Muskeln spielen und zeigt den anderen, wer hier die längste Ausdauer hat.

Fazit zum Blackberry Curve 9380

Der Curve 9380 ist ein Arbeitswolf, gefangen im Pelz eines Multimedia-Schafes. Der Curve liefert Zuverlässigkeit und Ausdauer für die Arbeit und dem BlackBerry OS wird von vielen Seiten der hohe Sicherheitstandard bestätigt.

Bei der Video- und Musikwiedergabe dagegen fällt die Hardware hinter der gut durchdachten Oberfläche zurück. Kehren also auch wir wieder zum alten Vorurteil zurück? Sind BlackBerrys nur für hochmotivierte Workaholics mit ein wenig Lust auf Videos und Fotos? Nein, das stimmt so nicht, aber dann muss man tiefer in die Tasche greifen. Es geht nämlich besser und der kommende Test des BlackBerry Bold 9790 wird das unter Beweis stellen.


RIM Blackberry Torch 9860 im Test: Alles, aber nicht wasserscheu

08.12.2011

Der Blackberry Torch 9860 der Kanadier RIM kommt ganz ohne Tastatur aus. Nun muss er sich im Praxistest beweisen - die Taufe hat er schon hinter sich.

Blackberry Torch 9860 (Bild: Blackberry / GSM Arena)

So gut ist der neue Blackberry

Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung Deutschlands kennt die Marke mit dem Buchstaben-Zwilling. Ihre Anhänger kleiden sich in schwarze Jacken, schwarze Hosen und halten regelmässig geheime Treffen ab, wo sie grosse Dinge beschliessen. Ständig auf der Flucht steigen sie hektisch in Flugzeuge, stürzen aus Taxis und stürmen in Aufzüge.

Es sind die Macher der Nation, die Manager und Entscheidungsträger, die auf ein Blackberry vertrauen, aber nur in Deutschland. Um auch hierzulande das Image der Blackberry-Marke zu verändern, bietet Research in Motion die Torch-Reihe an: Blackberrys mit einem riesigen Bildschirm und versteckter Tastatur. Der Torch 9860 verzichtet gar gänzlich auf Tasten und versucht sich als Multimedia-Smartphone zu etablieren. Kann ein Blackberry in Deutschland als trendig gelten? Wir werden es herausfinden.

Klassisch elegant

Der Blackberry ist flach und elegant. Das Display geht schwungvoll in den silber-grauen Rahmen über, welcher das Gerät umspannt. Es ist fast völlig symmetrisch, läuft an den Spitzen rund aus und zeigt an Kopf- und Fussende jeweils eine leichte Verdickung. Nur die 5 Megapixel-Kamera durchbricht die Symmetrie etwas. Der Kopfhörerausgang wechselt bei RIM gerne seinen Standort, am Torch findet er sich an der rechten Seite wieder. Darunter liegen die Mute- und Lautstärketasten, auf der anderen Seite sieht man zentriert den USB-Anschluss.

Ich kann Sascha Lekic, Director Enterprise Sales bei RIM, nur beipflichten: Ja, der Torch 9860 sieht aus wie eine Spielkonsole und mit beiden Händen gehalten, fühlt er sich auch so an. In das Kopfende wurde nahtlos die Tastensperre inegriert, die einen undefinierten Druckpunkt vorweist. Eine Tastensperre gehört meines Erachtens an die Seite, wo sie leicht erreichbar ist und ich keine Fingerakrobatik durchführen muss.

Das Fussende ist von fünf echten Tasten besidelt, wovon sich zwei als Hörertasten outen, eine Seltenheit mittlerweile. Das optische Trackpad wurde beibehalten, es reagiert gut auf Eingaben, oft lohnt es sich jedoch den Touchscreen zu bemühen. Der ist mit seinen 3,8 Zoll grosszügig bemessen und reagiert flink auf Eingaben, leider gibt er kein vibrierendes Feedback und ist kratzempfindlicher als Gorilla Glass und Konsorten. Dafür bleibt der Betrachtungswinkel in allen vier Richtungen stabil. RIM hat sich bemüht, die Farbverfälschungen in die Diagonalen zu legen, wodurch man das Gerät ohne Einbussen sowohl quer, als auch Kopfüber halten kann.

Der Blackberry Torch 9860 versteckt wider Erwarten kein NFC in seinem Metallbatteriedeckel, sondern verzichtet gänzlich darauf. Die microSD-Karte kann im laufenden Betrieb gewechselt werden, sitzt in einem kleinen Kompartiment und kommt ganz ohne Feder aus. Obwohl sie nur durch die elektrischen Kontakte gehalten wird, bleibt sie selbst bei wilden Bewegungen und Erschütterungen an ihrem Platz. Und obwohl der Akku nur 1230 mAh fasst, reicht er problemlos für einen ganzen Tag, inklusive Überstunden.

Robust und wasserfest

Jeder Hersteller behauptet, seine Geräte durchliefen hochanspruchsvolle Experimente und würden in aufwändigen Tests bis aufs Letzte malträtiert. Die RIM-Männer erzählten mir ähnliches, dem ich nur mit halbem Ohr zuhörte. Nun sagt man ja, ungewöhnliche Ereignisse schweissen zusammen. Und mich verbindet mit dem Blackberry ein ganz besonderes Band: Das Gehäuse ist nicht besonders rutschsicher, deshalb beinhaltet die Verpackung noch eine passgenaue Silikonhülle mit Aussparungen. Trotz dieser sehr griffigen Umhüllung, ist mir der Blackberry aus der Hand gefallen. Nicht etwa auf weichen Teppich, auch nicht auf harten Beton, sondern in den Wasserbottich... Geistesgegenwärtig holte ich den armen Torch aus dem kalten Wasser, enttriss ihm den Akku und legte das Gerät zwei Tage zum trocknen neben die Heizung. Bei einem Gerät für rund EUR 400 rutscht auch mir das Herz in die Hose, immerhin ist es nur ein Leihgerät. Doch allen Befürchtungen zum Trotz läuft das Gerät einwandfrei weiter. Ich würde sagen «Test» bestanden.

Ein Blackberry macht süchtig

Zusammengesunken sitzt er auf seinem Stuhl, den Kopf tief gesenkt, der Atem tief und gleichmässig. Schläft er? Ah, da - die Finger huschen flink über den Bildschirm und umklammern die Lifeline ins Internet. Das muss ein Blackberry-User sein. Es ist interessant, denn nur BB-Besitzer zeigen dieses typische Verhalten: Sie können sich tatsächlich nur schwer vom Display des Gerätes trennen.

Grund dafür ist unter anderem der BBM, der Blackberry Messenger. Eine Chat-Software, die nur auf Blackberrys läuft und wie Skype oder ICQ Nachrichten, Bilder und Audiofiles in Echtzeit tauschen lässt. Verwunderlich daran jedoch, dass gerade diese Software zum Einsatz kommt. Liegt es daran dass Skype unter BB OS 7 nicht läuft? Oder daran, dass man nur durch einen EUR 10 teuren Drittanbieter Skype einbinden kann? Ich weiss es nicht.

Informationskünstler

Ein Blackberry zeichnet sich durch eine Tastatur aus, basta! Deshalb ist der Torch 9860 für mich auch eine Mogelpackung. Beim chatten vertippe ich mich ständig, was meine Gegenüber regelmässig an die Decke springen lässt und vor Senden muss ich Emails immer zweimal durchlesen, ob auch alles korrekt geschrieben ist. Dabei sind meine Daumen gar nicht so gross, das Problem betrifft auch andere Hersteller.

Das heisst nicht, dass es auch möglich ist, fehlerfrei zu schreiben, doch geht das deutlich langsamer vonstatten als auf einer mechanischen Tastatur und bedarf höherer Konzentration. Die Integration von Twitter ist sehr gut, gleiches gilt für Facebook. Laut Martin Thyssen, Director Alliances EMEA, erfolgen die überwiegenden Zugriffe auf Facebook und Twitter über Blackberrys.

Wie auch schon beim Bold 9900 beschrieben, hapert es bei Privatkunden mit der Emailverwaltung. Der Blackberry Internet Server erlaubt nur die Verwaltung der Inbox, nicht der Unterordner und ist auch vom eigenen Email-Provider abhängig. Strato beispielsweise verweigerte in meinem Fall die IMAP-Kommunikation, wodurch ich gelesene Mails am Blackberry, auf dem PC nochmals als gelesen markieren muss. Die Konkurrenz, die ohne Zwischenserver auskommt, und das sind alle ausser RIM, macht hier problemlos, was sie soll. RIM Vertreter geloben Besserung, ohne jedoch einen Zeitrahmen zu nennen. Anhänge jeglicher Art können geöffnet werden, Dokumente übernimmt, Documents To Go, was zu Zeiten von Palm die Microsoft Dateien besser verarbeitete, als das Microsoft-eigene Windows Mobile.

Anders. Besser.

Ich gebe zu, dass ich Blackberry lange Zeit ignoriert habe: Man muss eine extra Blackberry-Option hinzubuchen, seine Daten über einen externen Server laufen lassen und die Softwareunterstützung war lange Zeit suboptimal. Dabei zeigt RIM durchaus Vorzüge. Die Arbeitsgeschwindigkeit hat sich mit den letzten Modellen drastisch erhöht, nun flutscht alles und reagiert sofort auf Eingaben. Die Icons wurden aufgemöbelt und die Appworld hat sich auf einige zehntausend angereichert. Als Bastler gefallen mir die vielen Einstellungen zur Schriftgrösse, dem Verhalten der Ruftaste und der seitlichen Komforttaste, Benachrichtigungseinstellungen und vielem mehr. Vorallem ist Blackberry OS eigenständig und keine Kopie eines anderen bekannten Systems.

Das bringt auch Nachteile mit sich. So setzt Blackberry auf eine eigene Navigationslösung. Die muss nicht nur ohne Sprachnavigation auskommen, sondern hat auch Probleme mit dem Auffinden von bestimmten Strassen. Das ist sicherlich nur ein Bedienungsfehler, doch wenn ich als relativ versierter Nutzer Probleme damit habe, spricht das nicht für eine intuitive Bedienung. Am Ende musste ich ein Navigationsgerät aus der Tasche ziehen und mich per Sprachansage aus der Pampa zurück auf Kurs leiten lassen.

Dafür arbeitet der Akku zuverlässig. Egal wie lange der Tag, ob Überstunden oder Nachsitzen: Der flache Kraftpotz gibt sein bestes und gibt nicht eher auf, als sein Besitzer die heimische Dockingstation erreicht hat. Wenn es sein muss, auch erst nach Mitternacht.

Multimedia

Der 5 Megapixelkamera mit Autofokus, also nicht so ein grässĺiches EDoF wie im Bold 9900, darf man getrost wichtige Fotos anvertrauen: Die Bilder sind detailreich, gut belichtet und mit einem guten Weissabgleich versehen. Das wird am Fell der Katze eindrücklich demonstriert. Sobald man sich Panoramen widmet, fällt das durchschnittliche Rauschverhalten auf und die Details sinken aufgrund der schlechten Linse ab. Für eine Smartphone-Kamera trotzdem ein respektables Ergebnis. Vielleicht bessert RIM beim Rauschalgorithmus noch nach. In Videos werden die Farben etwas überzeichnet und der Autofokus zuckt ab und an nervös nach, das lässt sich nach Bedarf im Menü nachregeln.

In Sachen Klang gibt sich der Torch 9860 grossmütig: Ein breites Bassfundament füllt die Tiefen, übertreibt jedoch leicht, die Mitten werden klar gespielt und die Höhen kommen unverzerrt und luftig. Bei Bedarf wählt man aus einer Vielzahl von Equalizern aus. Leider fehlt der letzte obere Frequenzbereich, was man nur im A-B-Test mit einem Vergleichsgerät hört. Seit langem endlich wieder mal ein Gerät das Spass macht, einen guten Klang wiedergibt und ich uneingeschränkt für Musikgenuss empfehlen kann!

Fazit zum Blackberry Torch 9860

Der Blackberry Torch 9860 von RIM ist ein empfehlenswertes Gerät. Er sieht schick aus, liegt gut in der Hand und hat einen langen Atem. Die Bedienung ist nicht jedermanns Sache, doch wem sie gefällt, der kommt davon nicht mehr weg. Ganz klar muss man sich jedoch entscheiden: Will man einen «echten» Blackberry, weil man viel schreibt, dann gewinnt der Torch keinen Blumentopf. Sucht man dagegen nach einem Multimediakünstler mit gutem Klang und grossem Display für Videos, dann ist der Torch 9860 in seinem Element.


RIM Blackberry Bold 9900 im Test: Für die Herren mit Anzug

Ein Beitrag von Kai Zantke, 23.11.2011

Der RIM Blackberry Bold 9900 begeistert durch edles Design und gute Arbeitsgeschwindigkeit. Was ihn sonst noch hervorhebt wird dieser Test herausarbeiten.

Unsere Review: Blackberry Bold 9900

«Willkommen am Flughafen Frankfurt» säuselt die Flugbegleiterin ins Mikrofon, die freundliche Begrüssung geht aber fast unter im Emailbenachrichtigungstonkonzert, das in diesem Moment einsetzt. Ein Blick nach rechts erklärt wieso: All die gestriegelten Herren mit Schlips und weissem Hemd starren auf ihr Display mit Tastatur drunter. Was würden die Anzugträger nur ohne ihren Blackberry tun?! Wahrscheinlich den neuen Research in Motion (RIM) Blackberry Bold 9900 kaufen.

RIM geht es zur Zeit nicht so gut. Die sagenumwobene Emailverschlüsselung, eigentlich die USP im Geschäftskundenbereich, ist ausgehebelt worden; nicht von finsteren Hackern, sondern von (nicht minder finsteren?) Regierungsstellen: Wobei die saudische und indische Regierung nicht im technischen sondern im politischen Sinne gehackt haben. Die Regierungen verlangten ganz offiziell Einsicht in den Emailverkehr, der über RIMs Server läuft – man will sich vor wiederum finsteren Terroristen schützen… Das kam einerseits einer Adelung gleich, da es beweist, dass selbst Geheimdienste die Emails nicht entschlüsseln können, schürte jedoch andererseits die Angst der Firmen, RIM würde möglicherweise auch anderen Regierungen Einblick gewähren und somit Firmenspionage Tür und Tor öffnen.

Als wären das der Ärgernisse nicht genug, brockte sich RIM weiteren PR-Ärger ein: Während der Unruhen in London gab das Unternehmen Daten mehrerer Blackberry-Kunden an Scotland Yard weiter - nota bene freiwillig und (ironischerweise) mit der Absicht, das Ansehen der Firma nicht zu schädigen.

Die jüngste Katastrophe ereilte RIM in Form eines ausgefallenen ... Ausfallsicherungssystems. Die Folge: tagelang konnten keine Mails an die Blackberries ausgeliefert werden. Wer mailen wollte, kam nicht umhin, den PC anzuwerfen. All diese PR-Desaster lasten schwer auf RIM, so schwer, dass man glatt vergessen könnte, dass Barack «Yes we can!» Obama mit einem Blackberry bewaffnet antrat, die Welt (oder zumindest die USA) zu verändern!

Perfekter Neuling

Wer nun aber das neue Flaggschiff der Kanadier in Händen hält, wird denken: «Yes they can!» Der Bold 9900 ist der perfekte Ersatz für seinen Vorgänger. RIM setzte alles daran, den Umstieg so sanft wie möglich zu gestalten. Schon beim Auspacken des Blackberry blickt man erhfürchtig auf das edle Smartphone – ich konnte mir ein stilles «Wow!» nicht verkneifen. Äusserlich ist der Bold 9900 ein echter Blackberry: Er hat ein Display im Querformat und erlaubt wirklich schnelles Tippen mit der typischen Hardware-Tastatur. Neu ist, dass das 2,8 Zoll grosse Display mit 640 x 480 px Auflösung berührungsempfindlich ist. So wechselt man zwischen dem optischen Trackball und dem Touchscreen spielend hin und her. Dabei spielt es keine Rolle, ob man mitten in der Sonne steht oder aus einem steilen Winkel auf das Display lugt, es bleibt immer gut ablesbar.

Blackberries waren schon immer flinke Arbeitstiere. Daher fällt kaum auf, dass im Bold 9900 ein neuer, mit 1,2 GHz getakteter, Prozessor arbeitet, der auf 768 MB RAM zurückgreifen kann. Auf dem Papier ist die Leistung gestiegen, in der Praxis fällt das kaum auf. In absehbarer Zeit, wenn QNX endlich auf der Matte steht, könnte die bessere Hardware freilich eine Rolle spielen. Bis dahin begnügen wir uns mit dem, was wir haben und das ist eine Menge: HSDPA, n-WLAN, Bluetooth 2.1, NFC und ein microSD-Kartenslot.

Vor allem die letzten zwei Punkte heben den Bold auch von iPhone, Lumia und Konsorten ab, denn seit der Kooperation mit MasterCard, ist an bestimmten Stationen das Bezahlen per NFC-Chip möglich und nichts geht über einen Speicherkartenslot, wenn man mal fix die Daten von der Digicam ins Internet laden will. So «fix» geht das dann doch nicht vonstatten, da man erst den Blackberry in seine Einzelteile zerlegen muss, bevor die Karte getauscht werden kann. Hier spätestens helfen kräftige Fingernägel oder ein flacher Gegenstand um die sehr stramm sitzende Batteriefachabdeckung zu lösen.

Fühlt sich gut an

Was beim Kartenwechsel ärgerlich ist, kommt der Haptik zugute: Der Bold fühlt sich wertig und stabil an in der Hand. Trotz des vielen Plastiks versprüht das Gerät elegantes Understatement, hervorgerufen durch die satinierte, metallene Einfassung, welche das Gehäuse umläuft sowie die Carbonoptik auf der Rückseite. Viele Anbieter versuchen mit glatten Materialien einen bleibenden Eindruck beim Kunden zu hinterlassen – doch nach dem ersten Sturz bleibt nur noch ein bleibender Eindruck der rauhen Strasse auf dem Gehäuse. RIM umschifft das Problem elegant, indem die Rückseite nicht nur eine Griffmulde vorweisen kann, sondern zu den Seiten hin auch noch Gummierungen verwendet werden - das sorgt für einen sicheren Griff auch in schwitzigen Stresssituationen.

Als unschön gelöst, dürfte man die linke Seite beschreiben: Der microUSB-Port ist scharfkantig ausgefräst und der Kopfhöreranschluss wölbt sich aus dem Gehäuse hervor. Rechts finden sich die gewohnten Lautstärketasten und die Komforttaste, die mit einer beliebigen Funktion belegt werden kann. Immer noch dabei ist die kleine Benachrichtigungs-LED, die sowohl über Nachrichteneingang, als auch Netzsignal informiert, dummerweise ist sie so hell, dass man sie unweigerlich wieder deaktiviert, um nicht ständig geblendet zu werden. Schade drum, im Dunklen findet man den Blackberry sofort und ein kurzer Blick auf die LED signalisiert bei ausgeschaltetem Display, ob SMS oder E-Mails eingegangen oder allenfalls die Verbindung zum Netz abgebrochen sind.

Der Grund wieso Research in Motion (RIM) so bekannt wurde, dürfte eindeutig bei der Emailfunktion liegen. Kein Gerät war so gut im Darstellen von Emails, kein Gerät beherrschte damals Push-Funktionen, die Emails sofort nach Eingang in der Inbox auf das Gerät spielte – Mailbox abfragen gehörte damit der Vergangenheit an. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an das Emailhandling bei einem Frischling aus diesem Hause. Doch als Privatkunde kommt man nur teilweise in den Genuss dieses hervorragenden Emailservices. Der Unterschied zwischen Business- und Privatkunde manifestiert sich in einem einzigen Buchstaben: Private bekommen «BIS», Geschäftskunden «BES».

BIS, BES, WAS?

Hinter diesen kryptischen Abkürzungen verstecken sich die Begriffe «Blackberry Internet Service» (BIS) und «Blackberry Enterprise Server» (BES). Der Unterschied mag nur marginal erscheinen, fällt dem «Email-Addict» jedoch sofort auf: Während man beim BES, der nur Firmen mit eigenem Server vorbehalten ist, eine vollständige Integration in Microsoft Exchange vorsieht, die Kontakte, Kalendereinträge und Emails ständig synchron hält, muss der Privatnutzer sich mit einer «Notlösung» zufrieden geben.

An dieser Notlösung irritiert, dass zwar der IMAP-Standard zum Einsatz kommt, aber die entsprechenden Ordnerstrukturen nicht angezeigt werden können. Das ist schade, ist doch gerade das Anlegen von Ordnern für viele User ziemlich wichtig. So fühlt sich IMAP fast an wie POP3 – einen Artikel zu den Standards gibt's hier.

Dafür spielt RIM bei der Emailfilterung wieder seine Trumpfkarten aus. Blackberries sind die einzigen Geräte, die standardmässig mit Emailfiltern arbeiten. So kann man bestimmte Nachrichten farbig kennzeichnen oder bestimmte Aktionen bei einem Absender ausführen. Solcherlei können selbst Apps von Drittherstellern aus den diversen Appstores der Konkurrenten nicht oder nicht so elegant.

Der grösste Vorteil von Blackberries im allgemeinen liegt am geringen Datenaufkommen: sämtliche Transfers werden auf einem Server komprimiert und so aufbereitet, dass man nur minimale Volumina beansprucht. So können mit circa 2 MB um die 500 Emails heruntergeladen werden. Damit ist auch klar, dass eine Blackberry-Option sich lohnt. Für das Surfen im Internet kann man den APN händisch ändern, durch Drittsoftware auch die Emails abrufen, doch wer die ganze Kraft der Brombeere will, kommt um BIS oder BES in Form der Blackberry Option nicht herum.

Liebe zum Detail

Wie Symbian, kann man auch Blackberry OS den Vorwurf machen, es sei zu kompliziert und verworren, aufgrund der vielen Einstellmöglichkeiten und verschachtelten Menüstruktur. Trotzdem finden sich auch wenig geübte User schnell damit zurecht - wenngleich sie meist nicht das volle Potential ausschöpfen werden.

Wer einen Emailaccount einrichten will, muss nur Benutzername und Passwort eingeben, schon ist man fertig. Nicht so leicht macht es einem das Hauptmenü mit all den vielen Programmen. Alles wird auf einer Seite angezeigt, erst nachdem man eigene Ordner angelegt und ein wenig aufgeräumt hat, stellt sich schöne Ordnung im Chaos ein - Wer mag, kann die Ordner gar mit einem Bild aus der Galerie verzieren.

Dabei muss man sich eigentlich gar keine Mühe machen, solange man den Namen des gesuchten Programmes oder Menüpunktes kennt: Die Suchleiste ist stets sichtbar und sobald man dort etwas eintippt, wird in Kontakten, Programmen und Menüeinstellungen danach gesucht. Damit findet man auch versteckte Einstellungen und verloren geglaubte Progrämmchen im Nu. Und für die meistgenutzten Programme gibt es den überaus praktischen, automatischen «Favoriten»-Tab, den man mit einem kurzen Wisch zur Seite erreicht.

Leider hat RIM einige Kinderkrankheiten übersehen, so sperrt sich der Bold 9900 nicht mehr automatisch, wenn er ins Holster gesteckt wird - das sollte eigentlich Standard sein. Bei einem Anruf klingelt es nur am Gerät selbst, nicht aber im Kopfhörer, und der mitgelieferte Wecker erlaubt maximal eine Weckzeit. Am ärgerlichsten ist die automatische Sperrfunktion: Dauern Videos länger als das Sperrintervall, verriegelt der Blackberry rigoros das Display, ungeachtet wie aufregend die gerade anschaute Szene ist – es ist eben ein Arbeitstier.

Multimedia

Und doch, obwohl als Arbeitstier angepriesen, stattet RIM seinen Bold 9900 auch mit entsprechenden Multimedia-Vorzügen aus: Die 5-Megapixel-Kamera bietet einen guten Weissabgleich bei wenig Detailschärfe. Die Qualität der Bilder bei Tageslicht reicht für Ausdrucke der üblichen Fotogrössen. Zum Einsatz kommt übrigens die EDoF-Technologie, die prinzipbedingt mehr Licht benötigt. (Zu den Vor- und Nachteilen der Technik gibt es hier einen ausführlichen Bericht) Bei Videoaufnahmen spielt EDoF dann seine Stärken aus: Der Blackberry macht gute Videos ohne nervöses fokussieren bei weiterhin guter Farbtreue mit sagenhaften 40 Bildern pro Sekunde. Damit wird auch die schnellste Verfolgungsfahrt ruckelfrei aufgezeichnet. Entsprechend der Qualität der Kamera sind Aufnahmen bis 720p möglich, dass RIM auf das antiquierte Format 3gp setzt, könnte an der geringeren Hardwareanforderung liegen.

Videos kommen auf dem klaren Display gut zur Geltung, können aber auf einem 2,8 Zoll Schirm nicht ihre «wahre Grösse» entfalten. Freunde guter Musik dürfen aufatmen, das Bold 9900 wird auch sie nicht enttäuschen. Zwar ist man in dieser Preisklasse besseres gewöhnt, doch der Klang ist für unterwegs ausreichend.

Akkulaufzeit

Im Internet gibt es widersprüchliche Aussagen zur Akkulaufzeit, auch Kollegen anderer Blogs und Magazine sind sich in dieser Sache uneins. In meinem Fall konnte ich bis zu drei Tage aus dem Gerät herauskitzeln, eingefleischte Blackberry-Fans können über diese kurze Laufzeit nur müde lächeln, da das für ein RIM-Gerät fast schon unterdurchschnittlich ist. Andere berichten, dass der Akku nur eineinhalb Tage durchhielt. In jedem Fall hat das Bold 9900 ausreichend Saft für einen ganzen Tag. Wie lange das Gerät in der Praxis durchhält hängt natürlich auch vom Netzbetreiber und dessen Netzabdeckung ab. Um Energie zu sparen, setzt RIM auf verschiedenste Stromsparmechanismen, augescheinlichste sind die Komprimierung und die Push-Funktion.

Fazit zum Blackberry Bold 9900

Blackberry OS wurde etwas aufgemöbelt, wirkt aber weiterhin nicht so fortschrittlich wie die Betriebssysteme der Konkurrenz und selbst langjährigen Blackberry-Usern fallen die Verbesserungen nicht gleich auf. Man muss aber klar zwischen Aussehen und Funktion unterscheiden, denn BB OS bietet hinsichtlich Email-Management das gesamte Spektrum, welches man auch vom PC gewohnt ist. Einstellungen sind bis ins kleinste Detail möglich – so ist beispielsweise für Menschen mit Lesebrille die Möglichkeit, Schriftart und -grösse zu bestimmen ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Insgesamt ein sehr schönes Gerät, doch wage ich zu bezweifeln, dass man für mehr als EUR 500 den gewünschten Absatz einfährt, denn zu diesem Preis bietet der Blackberry Bold 9900 leider keine Argumente, welche die Konkurrenz nicht auch liefern könnte – ohne Aufpreis für eine Blackberry-Option. Und selbst langjährige Blackberry-Kunden dürften den Torch mit grösserem Display eher in Betracht ziehen, als den Bold 9900. Trotzt alledem ist ein Blackberry ein Gerät, dass man ausprobieren muss. Die technischen Daten treten bei der Nutzerphilosphie in den Hintergrund - Geschwindigkeit und hohe Zuverlässigkeit zeichnen einen Blackberry aus. Auch wenn der Kult um Blackberries nicht so riesig ist wie bei anderen Herstellern, Blackberry-User sind eine eingeschworene Gemeinde.


RIM Blackberry 9984: Porsche-Handy aus Kanada

Meldung vom 27.10.2011

RIM kooperiert mit Porsche Design, verpasst seinem Blackberry Bold 9900 ein neues Kleid und nennt das Ergebnis P9981.


(Bild: Blackberry)

Ein Handy im Porsche-Gewand

Wer die Produktpalette RIMs etwas verfolgt, erkennt sofort wer in des Kaisers neuen Kleider steckt: Das Blackberry Bold 9900. Der Prozessor mit 1,2 GHz ist der gleiche, ebenso der Arbeitsspeicher von 768 MB und der interne Speicher mit 8 GB. Nur das Äussere wirkt etwas verwirrend, da völlig untypisch für Blackberries. Lustigerweise gab es in diversen Foren bereits grosse Kritik an dem vermeintlichen Fanmod, man würde es nicht kaufen und man wundere sich nicht, dass RIM Martkanteile verliere.

Das Blackberry P9981 zeigt somit ausser dem neuen Stahl-Gehäuse und scharf gezeichneten Linien keine neuen Überraschungen. Muss es auch nicht, denn die Ausstattungsliste führt alles auf, was ein modernes Smartphone auszeichnet, inklusive NFC. Und da RIM für seine Blackberries am 27.10. 2011 von Mastercard als erste Firma die PayPass-Zertifizierung erhalten hat, sind Zahlungen per NFC ganz offiziell möglich.Was Siemens mit Haarföns, Wasserkochern und Toastern gemacht hat, wagt RIM mit einem Smartphone: Porsche Design die Hülle gestalten lassen. Was vor kurzem noch als vermeintlicher Fanmod im Netz rumgereicht wurde, hat jetzt als Blackberry P9981 Gestalt angenommen.


Blackberry Storm 3: Noch ein Versuch

Meldung vom 09.10.2010

Das neue BlackBerry Storm 3 ist im Netz aufgetaucht, und die technischen Daten sind endlich überzeugend.

Der Versuch von Research in Motion (RIM) mit dem Blackberry Storm, einen iPhone-Konkurrenten auf den Markt zu bringen, ist bisher nicht sonderlich erfolgreich gewesen. Die erste Version war schlicht und ergreifend eine kleine Katastrophe, die zweite Version war etwas besser. Aber sich richtig durchsetzen und völlig neue Käuferschichten ansprechen konnte das Blackberry Storm bisher nicht. Deswegen wundert es auch nicht, dass die gesamte Baureihen vermutlich eingestellt wird. Jedenfalls in der bisherigen Form. Stattdessen soll eine komplett neue Baureihe kommen.

Offenbar nimmt RIM einen neuen Anlauf bei den reinen Touchscreen-Handys und baut gleich ein ganz neues Gerät. Das soll einen mit seinem 3.7 Zoll Display schon etwas mehr bieten als die alte Storm-Reihe, deren Bildschirm nur 3.2 Zoll groß war.

Über die technische Ausstattung gibt es nur ein paar Gerüchte, die aber schlüssig erscheinen. Ein 1-GHz-Prozessor ist mittlerweile Standard und bietet eine gewisse Sicherheit für die Zukunft. 512 MB RAM und 8 GB eingebauter Speicher sind ebenfalls keine schlechte Sache. Das Display sollte eine Auflösung um 800 Pixel haben. Relativ sicher scheint zu sein, dass das neue Storm auch als WLAN-Hotspot arbeiten kann. Das würde bedeuten, dass man mehrere Geräte über das Handy ins Internet verbinden kann.

Sicher ist, dass RIM mit der Storm-Reihe etwas machen muss, wenn Blackberrys auf dem Markt der Touchscreen-Handys sich an der Spitze bewegen sollen.


Blackberry Torch 9800: Slider mit Blackberry OS

Meldung vom 04.08.2010

So ein wenig steht Blackberry ausser Konkurrenz. die kanadische Firma mit dem Blackberry-Erfolg rennt nicht der kauffreudigen Smartphone-Gesellschaft und damit Android und Apple hinterher, Research in Motion versucht sich vielmehr weiterhin an die Geschäftskunden zu halten.

Offenbar mit Erfolg. Auch wenn der Marktanteil von Apple und den diversen Handys mit Google-Software weiter wächst, bleibt RIM zumindest in den USA Marktführer. Mit dem neuen Betriebssystem, Blackberry OS6, macht die Blackberry-Schmiede jetzt einen Schritt hin zu der jüngeren Generation - und das ist wohl auch der Grund, warum das Blackberry Torch 9800, das erste RIM-Handy mit der neuen Software, sehr untypisch ein Slider ist: Die sind in den USA, vor allem bei jüngeren Usern, sehr beliebt, weil sie kompakt sind und cool aussehen. Und weil die Amerikaner nun mal auf Klapp- und Schiebehandys stehen.

Das Torch 9800 versteckt seine Tastatur also unter einem Display. Das ist 3.2 Zoll klein und hat eine Auflösung von nicht berauschenden 360 x 480 Pixeln. Nicht sonderlich groß, ist man viel im Netz unterwegs.

Der Prozessor leistet 624 MHz, es gibt 512 MB Flashspeicher und weitere 4GB für die anfallenden Daten. Man kann aber auch per MicroSD weitere 32 GB nachrüsten, was ausreichen sollte. Die Kamera leistet 5MP, es gibt einen Blitz und eine sich automatisch nachjustierenden Autofokus. WLAN, GPS, Bluetooth und UMTS sind natürlich auch eingebaut. der 1300 mAh-Akku ist wechselbar.


Blackberry Bold 9650 und Blackberry Pearl 3G: Neue Modelle

Meldung vom 27.04.2010

Alles neu macht der Mai: Der kommende Monat bringt uns neue Blackberry-Modelle, namentlich das Blackberry Bold 9650 und das Pearl 3G. Äußerlich erleben wir hier keine Überraschung, das Design bleibt klassisch elegant - bekannt. Unter der Haube finden wir alles was man vom aktuellen Stand der Technik erwartet: GSM, GPRS, EDGE, UMTS, Bluetooth 2.1 inklusive des A2DP-Profils und b-/g-WLAN, beim Pearl sogar n-Draft-WLAN.

Wie von Blackberry zu erwarten, ist die Kamera mit 3.2 MP nicht sonderlich berauschend, doch für Schnappschüsse reicht es allemal, das gilt für beide Modelle. Auch GPS gehört erwartungsgemäß zur Grundausstattung. So findet man sich in Verbindung von Google Maps trotz fremder Stadt zurecht.Der manchen Anwendern liebgewonnene Trackball von RIM wurde durch das neue Track Pad ersetzt, das auf optische Bedienung reagiert und auch bei längerer Nutzung intakt bleibt und funktioniert. Welche Displaydiagonale die Displays vorweisen können, verschweigt RIM noch, das Bold 9650 soll aber mit 480x360 Pixeln auflösen.

Während das Pearl 3G um die 90 Gramm wiegt, bringt der Bold knapp 140 Gramm auf die Waage, dafür telefoniert man aber auch bis zu 5 Stunden, bzw. hört bis zu 18 Stunden Musik damit. Und bei der Standbyzeit von 13 Tagen macht Research in Motion niemand so leicht etwas vor.


Blackberry Storm 2: Konkurrenz für das iPhone

Meldung vom 07.05.2009

Wie berichtet, verkauft sich das Storm in den USA wirklich gut. Und dies trotz der teilweisen verheerenden Kritik der Experten und der User, die sich über ein lahmes Interface, einen schlimmen Browser und vor allem über die Abwesenheit von WLAN aufregen. Warum man das Gerät, dass man ja direkt gegen das iPhone positioniert hat, überhaupt ohne WLAN auf den Markt gebracht hat, wird wohl auch ein ewiges Geheimnis von RIM bleiben. Das soll jetzt wohl geändert werden.

Erste Ankündigung des Blackberry Storm 2

Die neue Version des Storms soll deutlich besser werden. WLAN ist auf jeden Fall dabei, vermutlich wird man auch den in die Kritik geratenen Touchscreen überarbeiten.

An dem scheiden sich die Geister, denn das Display verfügt über die Eigenschaft, dass man es ein wenig runterdrücken muss, will man einen Buchstaben oder eine Zahl anwählen. Ich finde das nicht schlecht, weil es einem ein besseres Feedback gibt, ob man den Buchstaben nun auch getroffen hat, viele Anwender nervt es allerdings, weil es die Bedienung etwas schwerfällig macht.

Laut den Gerüchten, die gerade im Netz rum gehen, könnte das Storm 2 auch über eine ausfahrbare Tastatur verfügen, was natürlich schon ein gutes Argument für das Handy wäre. In Sachen Akku-Leistung steht man schon jetzt gut da, aber auch hier will man nachlegen. Deutlich besser werden muss auch der Browser, der wirklich langsam ist.

Update vom 16.10.2009

Das Storm 2 soll besser als das Storm werden

Das erste Storm fasste sich großartig an, und auch die Tastatur war sehr gut zu bedienen, weil man das Display immer leicht runterdrücken konnte. Das gab genügend Feedback. Auch der Lagesensor und - natürlich - die Mailfunktionen wussten zu überzeugen.

Aber der Internetzugang war eine Katastrophe. Selbst per UMTS brauchte man Ewigkeiten, um eine Site anschauen zu können, dazu kam, dass man ans WLAN erst gar nicht gedacht hatte. Verglichen mit den Android- und iPhones dieser Welt konnte das Urteil nur "besser nicht" lauten.

Das soll beim Storm 2 alles besser werden. Genaue Daten gibt es noch nicht, aber zumindest weiß man, dass das Handy jetzt auch WLAN hat. Leider hat man sich vom klickbaren Touchscreen verabscheidet, statt dessen soll das Feedback durch Vibration erzeugt werden. GPS ist auch dabei, und man kann die gemachten Fotos direkt mit einem Geotag versehen.


Blackberry Storm: Schwarz, breit, aber auch gut?

Meldung von JaynDoe, 10.10.2008

Der neue Blackberry Storm ist offiziell von Vodafone und Verizon in den USA angekündigt worden. Die ersten Bilder und Daten sind vielversprechend.

Das Design des neuen Blackberry Storm erinnert natürlich sehr an das iPhone, aber vermutlich wird man sich daran gewöhnen müssen, dass Apple da einfach einen neuen Standard gesetzt hat. Ähnlich wie das Ericsson vor vielen Jahren mit dem Ericsson T28 gelungen ist. Immerhin hat sich Blackberry Mühe gegeben, den Desktop der Software etwas anders zu gestalten. Hier aber erst einmal ein paar Daten.

Ausgewählte Technische Informationen Blackberry Storm:

  • Telefon: GSM-Quadband, EDGE, UMTS/li>
  • Bildschirm: 3.25" Touchscreen (480 x 360 Pixel)
  • Kamera: 3,2 MP, Autofokus, Extra-Licht
  • Konnektivität: Bluetooth, USB, GPS-A
  • Speicher: 1GB, microSD
  • Akkulaufzeit: Telefon: 5,5 Stunden, 15 Tage Stand-by
  • Abmessungen: 112,5 x 62 x 14 Millimeter (BHT)
  • Gewicht: 155 gramm

Ok. Touchscreen mit Lagesensor? Check! GPS mit vorinstallierten Karten? Check! UMTS? Check! Gute Kamera? Hmmm.. check! WLAN? Oh... Da fehlt doch was? Ich habe die Liste der technischen Daten des Blackberry Storm rauf und runter gelesen. Aber leider ist das Wörtchen "WiFi" oder "WLAN" in der Liste nicht zu finden. Und das ist dann leider ein echtes Manko. Tatsächlich kann sich das Storm nicht in WLAN Netze einklinken, und da stellt sich einem dann schon die Frage: "Was soll ich damit, wenn ich keine UMTS Flatrate habe?" Gleich angeschlossen von der Überlegung, dass das Handy dank der teuren UMTS Datenraten im Ausland quasi unbrauchbar für moderne Netzanwendungen ist.

Und die fehlende WLAN Konnektivität ist dann leider das Killer-Argument für mich, dass Blackberry Storm nicht auf die Liste meiner Wunsch-Handys zu nehmen. Ab November wird das Handy erhältlich sein, ein Preis steht noch nicht fest.

Schlagworte zu diesem Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer