Microsoft Surface Studio: Microsofts Antwort auf den iMac

Surface Studio (Bild: Microsoft)
Surface Studio (Bild: Microsoft)

Microsoft ergänzt seine Surface-Produktpalette um einen neuen Ableger. Hierbei handelt es sich nicht um einen weiteren Notebook-Tablet-Hybriden wie das Surface-Laptop, sondern um einen Desktop-PC. Dieser hat es allerdings in sich.

Microsofts greift Apple ordentlich an: Erste Eindrücke vom Surface Studio

Ein Beitrag von Sven Wernicke, 03.11.2016

Während sich Apple seit geraumer Zeit mit attraktiven Neuankündigungen zurückhält, überrascht Microsoft immer wieder aufs Neue. Das Surface Studio bereitet nicht nur dem iMac Konkurrenz, sondern zeigt eindrucksvoll den Einfallsreichtum des Redmonder Großkonzerns.

Surface Studio - der bessere iMac?

Microsoft verändert sich. Weg vom reinen Windows-Unternehmen, hin zum Anbieter von Produkten für ein Publikum mit Ansprüchen. Gewiss hat man sich ein wenig von Apple abgeschaut, aber: Während die Mitbewerber aus Cupertino Schwierigkeiten zu haben scheinen, ihre Kundschaft noch zu begeistern, überrascht Microsoft mit frischen Ideen. Ein Paradebeispiel ist zweifelsohne das kürzlich angekündigte Surface Studio, das auf den ersten Blick tatsächlich an ein iMac erinnert.

Bei genauerer Betrachtung offenbart sich ein Computer, den man doch gerne mal ausprobieren würde. Oder besitzen möchte. Das auffälligste Highlight ist der 28 Zoll große Bildschirm mit RealSense-Technologie und einem 3:2-Format. Mit einer Auflösung von 4500x3000 Pixeln und 10bit Farbtiefe soll er sich besonders gut für die produktive Arbeit eignen.

Bei Bedarf drückt man das Display Richtung Basisstation des All-In-One-PCs auf die Position, die man für die aktuelle Tätigkeit benötigt. Soll es nur normale Desktop-Tätigkeit sein oder möchte man mit dem dazugehörigen Stylus etwas zeichnen? Für jeden Einsatz ist das Surface Studio geeignet. 

Surface Studio: Die technischen Daten

Im Inneren des unscheinbaren, aber schicken Gehäuses hinter dem Bildschirm steckt die eigentliche Technik. Mindestens wird ein aktueller Core i5 (6. Generation) von Intel verbaut, dem bis zu 32GB RAM und 4GB Grafikspeicher (bis zu Nvidia GeForce GTX 980M) zur Verfügung stehen.

Die knapp 10 Kilogramm schwere Maschine bietet zusätzlich einen TMP-Chip für Sicherheit, eine Frontkamera mit 5 Megapixel für Videotelefonie und Windows Hello Gesichtserkennung, Stereo-Lautsprecher, WIFI, Bluetooth und sogar Xbox Wireless. Damit kann man auf Wunsch ohne zusätzliche Adapter einen Xbox One-Controller anschließen. Am Mini DisplayPort verbindet man einen weiteren Monitor, vier USB 3.0-Anschlüsse dürften genügen.

Passendes Zubehör und hoher Preis

Microsoft legt dem Surface Studio noch ein Surface Keyboard und eine sehr klassisch aussehende Surface Mouse bei. Separat erhältlich ist dagegen das Surface Dial. Das ist ein außergewöhnliches Drehrad, das auf dem 10-Punkt-Display des Rechners platziert und dazu genutzt wird, sich durch Menüs zu hangeln oder Optionen in ausgewählten Programmen auszuwählen.

Gerade für kreative Anwender dürfte Surface Dial eine echte Bereicherung sein, da man hier ein haptisches „Werkzeug“ erhält, das man individuell belegen kann. Auch extra verfügbar ist eine ergonomische Tastatur, die sich genauso für andere PCs eignet.

Windows 10 statt macOS

Das System setzt natürlich auf Windows 10, genauer gesagt: Windows 10 Pro, typische Office-Anwendungen sind vorinstalliert. Und eines ist klar: In Agenturen und anderen Firmen, wo aktuell noch stylische Macs stehen, möchte Microsoft künftig das Surface Studio sehen. Lifestyle und Produktivität kann schließlich auch diese Lösung bieten.

Für Privatpersonen ist das gute Stück dagegen aufgrund des Preises nicht ganz so attraktiv, denn es geht ab 3.000 US-Dollar für das kleinste Modell (Core i5, 8GB RAM, 1TB HDD) los. Für die beste Variante werden sogar 4.200 US-Dollar (Core i7, 32GB RAM, 2TB HDD) fällig. Dass es dafür nicht einmal eine Vollversion von Office, sondern nur eine 30-Tage-Testfassung gibt, ist schon kurios.

Großes Interesse, große Nachfrage

Dass der Preis des Surface Studio nicht zwangsläufig abschreckt, zeigt die Tatsache, dass die Erstauslieferungsmenge innerhalb kürzester Zeit ausverkauft wurde. Wer jetzt direkt bei Microsoft bestellt, muss mit längeren Wartezeiten rechnen. Das Interesse ist also erstaunlich groß, jedenfalls in den USA. Denn Europäer werden erst in einigen Monaten in den Genuss des PCs kommen.

Schon vor dem Verkaufsstart gibt sich die Presse sehr begeistert. Welt.de hätte eine solche Ankündigung mit den zahllosen guten Ideen eher von Apple erwartet. Die Aussage: „Microsoft hat die Innovationen herausgebracht, für die man Apple bejubelt hätte.“ sagt schon alles. Erste Vergleiche mit dem iMac, beispielsweise bei TrustedReviews.com, verdeutlichen, dass Microsoft einen vielseitigeren Rivalen geschaffen hat, der höchstens preislich zu hoch ausfällt. Anderseits sind die besten iMac-Modelle mit 5K-Display eben auch alles andere als Schnäppchen.

Auch bei TheVerge ist die Erkenntnis da: Das Surface Studio richtet sich eben nicht an Otto-Normal-Verbraucher, die damit vielleicht nur spielen wollen. Begeistert sind die Journalisten von dem „großartigen“ sowie vom minimalistischen Design sowie von Dial. Das PCMag erwähnt, dass der Aspekt-Ratio von 3:2 für diejenigen unpraktisch sein dürfte, die in erster Linie Videos bearbeiten wollen. Sicherlich kein irrelevanter Punkt, auf den Microsoft noch eine Antwort liefern muss.  

Generell ist aber das Feedback der Journalisten und Blogger bisher ein überaus positives. Sogar bei Apple-Fans, die sich in den sozialen Netzwerken fragten, ob man auf dem Surface Studio nicht doch irgendwie macOS installieren könnte. Möglich wird dies nicht sein. 

Wird das Surface Studio ein Erfolg?

Bei diesen Preisen muss Microsoft von dem Surface Studio vermutlich keine exorbitant großen Mengen verkaufen. Die klar definierte Zielgruppe, und das sind in erster Linie nun einmal die kreativen Firmen, wird bei dem Gebotenen auch bereit sein, diese Summen zu zahlen. Ob iMacs nach und nach durch den Windows-Konkurrenten ersetzt werden? Das zeigen die kommenden Monate und Jahre.

Bedauerlich ist höchstens, dass Privatanwender weitgehend außen vor bleiben. Aber wer weiß – vielleicht kommt später noch ein bezahlbareres  Modell für Normalsterbliche und kleine Unternehmen? Verwunderlich wäre das nicht.

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