10.06.11 09:00, von Gastautor

Zwischenrufe: Meine Sache!

Ein Zwischenruf: Unsere Gastautorin Sylvia Frey Werlen denkt darüber nach, was «Leistung» ist.


Leistung ist alles –aber welche?

Die Legende der Baobab. Bild: BadouDer Polizeichef einer Kleinstadt in Polen hat seinen Sicherheitsbeamten auferlegt, mindestens eine Strafe pro Tag auszuteilen. Andernfalls habe das negative Folgen für deren Gehälter wegen mangelnder Leistung. Worauf ein Polizist sich selbst eine Strafe aufbrummte, weil er zu Fuss über ein Bahngeleis gelaufen sei.

Giotto, ein Florentiner Maler, beteiligte sich an einem Malwettbewerb. Ein Künstler nach dem andern trug sein Werk nach vorne: Die drei Könige vor einer weiten Landschaft, eine sanfte Madonna, ein prächtiger Engel. Als die Reihe an Giotto war, nahm er ein weisses Blatt und zeichnete sorgfältig einen schönen runden Kreis. «Ecco.»

Ist es eine Leistung, wenn du ohne allzu viel Aufwand die Erwartungen deines Chef erfüllst? Wenn du wie Giotto etwas Kompliziertes zurückführen kannst auf ein Grundelement wie den Kreis? Wenn dein Bankkonto wieder gestiegen ist? Wenn dein kleiner Sohn gerade nonstop am Trotzen ist und dir trotzdem das Lachen nicht abhanden kommt? Oder wenn du mitten in der Alltagshektik die Zeit findest, um mit deinem Mitarbeiter zusammenzusitzen und zu schauen, wo er steht, was er braucht? Rund um unsere Fähigkeiten

Jeder Mensch hat Fähigkeiten und die gilt es einzusetzen – nicht die des Nachbarn oder der Kollegin. Wie kannst du diese noch klarer sehen? Denke an ein paar geglückte Situationen im Beruf oder im Privaten, auf die du stolz bist. Welche Fähigkeiten von dir werden dabei sichtbar?

Oder was wolltest du als kleiner Knopf werden? In Berufswünschen von Kindern leuchtet noch ein Wissen auf um eigene Fähigkeiten. Du wolltest Pilot werden? Nun, du wirst keinen Airbus mehr steuern. Aber vielleicht bist du im Alltag so etwas wie ein Pilot: Hast du eine Fähigkeit Menschen in ein neues Land zu führen und kannst konzentriert dazu nötige Schritte einleiten? Der kleine Horst wollte Lehrer werden. Der grosse Horst ist Strahlenphysiker geworden und kann neuen Mitarbeitenden etwas gut beibringen. Ich sah mich als kleines Mädchen als Hebamme. Seit Jahren denke ich bei Männern und Frauen mit, damit sie das «gebären» können, was in ihnen leben will.

Das Wort Leistung kommt vom Leisten, dem Fussabdruck. In der Jägersprache meinte es die Fähigkeit Spuren zu lesen. Dem nachspüren, was meine Sache ist. Wie einem goldenen Faden in meinem Leben. Meine Fähigkeiten nicht aufs Eis legen. Und dann mit Mut und Engagement dranbleiben, wo es auch ist, das ist für mich Leistung.

Und für dich?

Sylvia Frey Werlen lebt in Basel in der Schweiz und ist Autorin, Erwachsenenbildnerin und begleitet Menschen in Übergängen. Ihre Bücher publiziert sie im Karpfenverlag.

Bild: Die Legende der Baobab von Badou.

© 2015 förderland
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