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09.01.09Leser-Kommentare

Ziele setzen: Der unausweichliche Erfolg

Ziele müssen messbar sein, wenn man sie erreichen will. Aber was tun, wenn man keinen Maßstab für ein Ziel hat? Ein Weg aus dieser Zwickmühle ist das "Inevitability Thinking": Man schafft eine Umgebung, die das Ziel beinahe automatisch fördert.

Eigentlich setze ich mir gerne Ziele. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Mühe oft vergebens ist. Besonders schwer fällt es mir, ein Ziel messbar zu machen. Denn wenn man SMARTe Ziele verfolgen will, muss man sie so setzen, dass sie messbar sind (SMART steht für Spezifisch, Messbar, Erreichbar - Attainable, Realistisch, mit einem bestimmten Zeitrahmen verbunden - Timely).

Nur: Ziele setzt man sich ja gerade dort, wo man noch wenig Erfahrungen hat oder wo man etwas erreichen will, das einem nicht einfach in den Schoß fällt. In diesen Bereichen ist es schwierig, eine realistische Zielgröße festzusetzen. So setze ich mir manchmal Ziele, die ich ohne Anstrengung erreiche und manchmal auch übertreffe, oder ich setze mir Ziele, die ich nicht erreiche, weil sie komplett unrealistisch sind. Was tun?

Im Moment nehme ich an dem hervorragenden Programm "Wake Up Productive" von Eben Pagan teil. Dabei habe ich ein Prinzip kennengelernt, das Pagan - ein Coach, dessen Karriere mit einem E-Mail-Newsletter mit Dating-Tipps angefangen hat - "Inevitability Thinking" nennt. Seiner Meinung nach ist das die Weiterentwicklung des klassischen Zielsetzungsprozesses: Die Idee ist, dass man sich eine Umgebung schafft, die sozusagen nur noch eine Möglichkeit offen lässt: Erfolg. Erfolg wird unausweichlich.

Ein Beispiel: Wenn Du Dir vornimmst, mehr Sport zu treiben, dann ist es geschickt, wenn Du das gemeinsam mit einem Freund angehst. Sagen wir, Ihr verabredet Euch, jede Woche zusammen Tennis zu spielen. Wenn Du weißt, dass Dein Freund schon auf dem Tennisplatz wartet, wirst Du Dich auch auf den Weg machen, ob Du gerade Lust hast oder nicht. Du treibst also sozusagen automatisch Sport. Das kommt dem "Inevitability Thinking" schon recht nahe. Das Programm "Wake Up Productive" ist eigentlich nicht anderes als eine Reihe von einfachen Gewohnheiten und Methoden, die die Rahmenbedingungen so setzen, dass man "automatisch" produktiver arbeitet.

Kommen wir zurück zu den Zielen: Dieses Prinzip nämlich habe ich dieses Jahr auch auf meine Jahresziele angewendet. Das heißt, ich habe mir überhaupt keine konkreten Jahresziele gesetzt mit Ausnahme eines einzigen: Ein Umsatzziel für meine selbständigen Tätigkeiten. Stattdessen habe ich mir ein Jahresmotto ausgesucht und dann - viel wichtiger - jeden Monat ein Motto für meine Arbeit und eines für mein privates Leben gesetzt. Ich erhoffe mir, dass ich so besser vorankomme, als wenn ich mir herkömmliche Jahresziele setzen würde. Die Mottos gehen stark in die Richtung von Gewohnheiten, die ich monatlich neu erlernen will. Ein privates Motto lautet beispielsweise: "Morgenritual mit Pfiff und neuer Würze" (gut, über den Namen kann man sich streiten ...). Ich will unter diesem Motto mein Morgenritual, das sich für mich sehr bewährt hat, etwas verfeinern und Tagebuchschreiben sowie mehr Zeit zum Lesen aufnehmen. Das garantiert mir einen optimalen Start in den Tag, und ich kann viel besser, konzentrierter und motivierter arbeiten. Dies wirkt sich dann wiederum indirekt und mittelfristig auf mein Jahresziel aus.

Meine Mottos hängen natürlich alle direkt oder indirekt mit meinem Jahresziel und meinem Jahresmotto zusammen. Ich möchte so einfacher zum gewünschten Erfolg kommen, denn wenn ich in einem Jahr zwölf geschäftliche und 12 private Gewohnheiten erlernen kann, die auf meinen persönlichen Erfolg ausgerichtet sind, dann habe ich schon sehr viel erreicht.

Was haltet Ihr von diesem Vorgehen?

Kommentare

  • Michael Kieweg

    09.01.09 (22:07:44)

    Ich habe keine Jahres- oder Monatsmottos. Ich habe Ziele ( für das laufende Jahr, für die nächsten paar Jahre). Diese Ziele sind SMART (finde ich zumindest). Sie sind für mich spezifisch (konkret), der Erfolg ist eindeutig messbar und sie haben eine konkrete Deadline, bis zu der sich Erfolg oder Misserfolg eingestellt haben. Daneben gibt es grundsätzliche Leitlinien nach denen ich mein Leben eigentlich ausrichten möchte. Jedes größere Projekt wird auch an ihnen gemessen. Diese Leitlinien lauten kurz und knapp formuliert: Sei stark! Sei stolz! Sei verläßlich! Sei du selbst! Das hört sich jetzt ziemlich pathetisch an, aber wenn ich mit Projekten nicht erfolgreich war, dann hatte ich einen dieser Grundsätze verletzt. Entweder hatte ich mich nicht wirklich engagiert (Stärke und/ oder Stolz), oder ich hatte mich übernommen und es nicht zugeben wollen (Verläßlichkeit / Stolz) oder es war etwas, was ich eigentlich garnicht machen wollte (Ich selber sein). Auf der anderen Seite bringen mich erfolgreiche Projekte diesen Leitlinien näher. Sie machen mich stärker und stolz, sie machen mich verläßlicher, weil sie mir zeigen was ich kann und sie werden ein Teil von mir.

  • Rosa

    11.01.09 (09:30:01)

    Tagebuchschreiben finde ich abends sinnvoller. Dadurch kann man den Tag besser abschließen und muss sich während des Schlafens keine Gedanken machen.

  • Ivan Blatter

    13.01.09 (06:24:25)

    @Michael: Die Leitlinien finde ich sehr sinnvoll und überhaupt nicht pathetisch. Danke, dass Du Dein Vorgehen mit uns hier teilst. @Rosa: Klar, das macht abends mehr Sinn. Nur: Als ausgesprochener Morgenmensch habe ich abends meist weder die Motivation noch genug Energie, um noch Tagebuch zu schreiben. Deshalb mache ich es am Morgen in einer angepassten Form: Zuerst eine Viertelstunde automatisches Schreiben, um mich auszuleeren. Dann ein Dankbarkeitstagebuch ("Für was bin ich heute dankbar?"). Abends schreibe ich meistens nur noch kurz meine Erfolge des Tages auf, was nur ein paar Minuten dauert.

  • fiona

    16.01.09 (20:05:21)

    Ich finde die Idee, Ziele durch Mottos (keine Ahnung, ob das der korrekte Plural ist) zu ersetzen ziemlich gut. Ich beschäftige mich jetzt schon fast ein Jahr mit Zen To Done und habe damit wirklich viel erreicht. Aber was mich ein bisschen nervt ist genau die Konzentration auf Ziele - so als ob man ohne messbare Ziele automatisch unproduktiv ist. Nicht falsch verstehen bitte, ich habe durchaus größere langfristige Ziele und auch immer wieder mal kurzfristigere. Aber ich muss nicht jeder Woche ein Ziel geben, damit ich sie befriedigend und produktiv erleben kann. So ist z.B. Zeit mit meinem Freund zu verbringen, in der wir (hoffentlich beide, aber beeinflussen kann ich das natürlich nur für mich) tatsächlich gern mit dem anderen zusammen sind, ein Ziel, das ich nur schwer messbar machen kann. Ist vielleicht für andere wieder anders, aber mir kommt so etwas wie ein Motto mehr entgegen. Mein Motto für 2009 insgesamt, aber besonders jetzt zu Beginn, lautet "Plane weniger, tu mehr." und hilft mir, mich beim planen weniger unter Druck zu setzen und dafür die eventuell kürzer angesetzte Arbeitszeit tatsächlich konzentriert bis zum Ende durchzuhalten. Bisher funktioniert es erstaunlich gut. Ich hab das Gefühl in den letzten beiden Wochen trotz halb so viel angesetzter Arbeitszeit jeweils mindestens genausoviel geschafft zu haben wie sonst in einer durchschnittlichen Woche. Und vor allem fühle ich mich dabei doppelt so gut. :-)

  • Ivan Blatter

    19.01.09 (10:31:29)

    @fiona: Super Motto! Ich ertappe mich manchmal auch dabei, mehr zu planen als zu tun. Das ist wohl eine der Fallen von Produktivitäts-Fans, nämlich dass man vor lauter Optimieren gar nicht mehr zum Erledigen kommt. Doch was nützt es, wenn ich zwar ein perfektes System habe, aber vor lauter Organisieren keine Zeit mehr habe, meine Aufgaben auch zu erledigen?

  • Michael Kieweg

    19.01.09 (13:08:52)

    Es hilft, wenn man sich klar macht, daß ein System dann optimal ist, wenn es seinen Zweck erfüllt. Das heißt bei mir, daß ich aufhöre am System rumzuschrauben, wenn ich zuverlässig meine Kram erledigt kriege. Dann habe ich das System, daß ich brauche. Gefährlich werden dann nur neue, coole, Gadgets oder Softwaretools, die ich unbedingt mal ausprobieren möchte. Da hilft dann nur Selbstdisziplin und ein Weibchen, daß den Kassenschlüssel eifersüchtig hütet.....

  • Paolo Härtner

    26.02.09 (23:36:03)

    In einem Artikel über Motivation zu mehr Bewegung, habe ich den Begriff der Selbstregulation aufgegriffen. Aus den neusten Erkenntnissen der Hirnforschung hat man gelernt, dass Ziele meistens nicht so aufgebaut sind, dass auch das Unbewusste (der Bauch) damit einverstanden ist. Jeder kennt es. Die bewusste Selbstkontrolle ist anfällig und scheitert am "innere Schweinehund". Gelingt es aber das Unbewusste einzubeziehen und zum Beispiel mit einem Motto- oder Verhaltensziel auf das bewusst gesetzte Ziel abzustimmen, dann wird das unbewusste Steuerungssystem das Erreichen des Ziels mittragen. Habe es selber ausprobiert und zum Beispiel das Motto: "Jump and run" für mein Bewegungsprogramm gewählt. Die verwendeten Begriffe, "Jump" und "Run", sind für mich positiv besetzt und strahlen die Leichtigkeit des Laufs einer Gazelle aus. Der Bauch ist damit einverstanden. Seit dem gehe ich auch bei Kälte und schlechtem Wetter mit "Leichtigkeit" Joggen. Dachte meine Erkenntnis können einen Beitrag zum Thema SMART Ziele und Mottos sein da diese die zwei Seiten, also Kopf und Bauch vereinen.

  • Mac_BetH

    13.04.09 (14:42:13)

    Auch ich lebe in einer Welt voller Ziele, die ich mir selbst setze. Ich habe dadurch einfach das Gefühl produktiver und damit auch irgendwie zufriedener mit mir selbst zu sein. Weil ich etwas geleistet habe. Ich weiß, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg finden muss, um Erfüllung und Selbstzufiedenheit zu erleben. @fiona: Ich kann genau nachvollziehen, was du meinst. Weil auch mit diesen Situtionen (Zeit mit Freundin verbringen), die kann man weder planen noch irgendwie beeinflußen kann, ich im Moment irgendwie Probleme habe. Ich werde es auf jeden Fall mit den Mottos anstatt Zielen mal probieren, weil ich oftmals Ziele habe, die ich leider nicht so straight verfolge, wie andere. Ich denke es liegt an meiner inneren Einstellung und vielleicht einer zu "negativen" Formulierung. Gruß Mac

  • Yotonka

    05.05.10 (15:26:48)

    "fiona So ist z.B. Zeit mit meinem Freund zu verbringen, in der wir (hoffentlich beide, aber beeinflussen kann ich das natürlich nur für mich) tatsächlich gern mit dem anderen zusammen sind, ein Ziel, das ich nur schwer messbar machen kann. " Da hat die goalsontrack website eine gute Lösung! Man kann Gewohnheiten festigen aber, ich glaube, für nicht messbare Ziele funktioniert es auch ganz gut. Fürs iPhone gibts das auch, TouchGoal. Ist neben SMART Zielen sicher eine gute Sache um sich weiterzuentwickeln! Gruß Yotonka

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