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28.03.14Leser-Kommentare

Pünktlichkeit bedeutet Respekt: Mein Plädoyer für mehr Termintreue

Manchmal frage ich mich, warum ich überhaupt eine Agenda führe. Entweder täuscht mein Eindruck, oder die Welt wird laufend unpünktlicher. Termine zu verschieben ist unhöflich und behindert die Produktivität.

Zitat Helga SchäferlingEin ziemlich typischer Fall, der sich letzte Woche so abgespielt hat: Ich hatte am Donnerstag und Freitag insgesamt fünf geschäftliche Termine. Zwei fanden wie geplant statt, einer wurde 24 Stunden vorher abgesagt, einer kurzfristig um eine halbe Stunde verschoben und einer 2 Stunden vorher abgesagt. Dies hat mich dazu bewogen, mir ein paar Gedanken zum Thema Pünktlichkeit und Termintreue zu machen und Euch ins Gewissen zu reden.Ich bezeichne mich selber als sehr verlässlichen Menschen. Wem ich etwas versprochen habe, der erhält dies auch wie vereinbart. Ich will auf keinen Fall jemanden enttäuschen. Entsprechend bin ich auch ein extrem pünktlicher Mensch, meistens bin ich sogar überall zu früh. Dies hat für mich primär mit Wertschätzung zu tun. Die deutsche Aphoristikerin Helga Schäferling bringt es auf den Punkt: «Meine Pünktlichkeit drückt aus, dass mir deine Zeit so wertvoll ist wie meine eigene.»

Wenn ich 10 Minuten zu spät an einen Termin komme, kommuniziere ich damit implizit, dass meine vorhergehende Tätigkeit wichtiger war als diejenige meines Kollegen. Termine ganz zu verschieben, hat noch viel mehr mit dem Setzen von Prioritäten und damit auch mit Wertschätzung zu tun. Jeder verschobene Termin kommuniziert dem Gegenüber, dass ich das Gespräch mit ihm als weniger wichtig oder zumindest weniger dringend erachte als einen anderen Termin.

Ich kann mir nicht helfen, aber ich nehme jedes Zuspätkommen und Terminverschieben aus diesen Gründen ziemlich persönlich. Natürlich ist mir bewusst, dass gerade bei Grossfirmen die Mitarbeiter oftmals nicht Herr über die eigene Agenda sind und Termine diktiert erhalten. Auch ist mir beispielsweise in der Kundenakquisition sehr wohl bewusst, dass meine Produktpräsentation beim potentiellen Kunden nicht gerade oberste Priorität hat. Aber manchmal komme ich mir dennoch dumm vor, wenn ich scheinbar der einzige bin, der Termine einhält.

Produktivität basiert auf realistischer Planung

Schlussendlich hat Pünktlichkeit und Termintreue auch viel mit Produktivität zu tun. Nicht umsonst heisst es auch in Wikipedia, dass sich Pünktlichkeit zuerst mit dem Handel und später der Industrialisierung entwickelt hat und dieses Zeitgefühl zu einer verstärkten Effizienz und Produktivität geführt hat. Produktivität basiert unter anderem auf Planung; eine erfolgreiche Planung setzt aber eine gewisse Planungssicherheit voraus.

Wenn dauernd Termine verschoben werden und Leute zu spät kommen, torpediert dies meine Planung. Einige meinen dann lapidar, ich solle doch froh sein um die zusätzlich erhaltene Zeit. Dies ist allerdings eine reine Kurzzeitbetrachtung. Ein verschobener Termin wird ja in naher Zukunft trotzdem stattfinden und mich dann wieder Zeit kosten.

Ausserdem habe ich mit grosser Wahrscheinlichkeit ja auch andere Termine um diesen Termin herum geplant, um die Agenda zu optimieren. Je kurzfristiger die Verschiebung kommt, desto eher hinterlässt sie eine suboptimale Lücke in der Agenda. Ich plane ausserdem meine Aufgaben basierend auf den Terminen in der Agenda.

An einem übervollen Tag nehme ich mir nicht noch 5 zusätzliche Aufgaben vor, und umgekehrt plane ich grössere und konzeptionelle Aufgaben auf ruhige Tage. Eine realistische Planung hilft aber umgekehrt auch dabei, dass ich meine Termine einhalten kann und nicht kurzfristig alles verschieben muss.

Nun seid Ihr an der Reihe!

Deshalb mein Aufruf an Euch alle: Versucht doch bitte künftig, Eure Termine einzuhalten! Lasst Euren Geschäftspartner nicht 10 Minuten warten und verschiebt einen Termin nicht erst einen Tag vorher. Ich bin überzeugt, Ihr werdet selber produktiver und die Leute um Euch herum werden es Euch danken. Und bekanntlich schallt es ja aus dem Wald so zurück, wie man hineinruft: Eventuell werden dann auch Eure Termine plötzlich weniger oft verschoben.

Kommentare

  • Tillmann

    28.03.14 (08:12:59)

    Vielen Dank für diesen Artikel - der Inhalt spricht mir wirklich aus der Seele. Es gibt sogar Situationen, bei denen gar nicht erst abgesagt wird, sonder man erscheint erst gar nicht - Gerade bei Telefonkonferenzen geschieht das schon mal ab und an. Wenn man (wie ich) sich auch noch vorher auf das Meeting vorbereitet hat, ärgert man sich um so mehr!

  • sprain

    28.03.14 (08:34:48)

    100% einverstanden! Ebenso ist zu früh erscheinen auch nicht so toll. Damit setzt man den Meeting-Partner unter Druck, der ziemlich sicher auch einen gedrängten Zeitplan hat. Kulturell angebracht ist bei uns somit der genaue Zeitpunkt plus/minus 2-5 Minuten. Persönlich bin ich wenn möglich gerne etwas früher bei Meeting-Ort und erledige dann im Auto oder Café wartend noch ein paar Mails. Am Schluss passt das Timing meistens bestens.

  • Michael Kieweg

    28.03.14 (08:38:03)

    Die "akademische Viertelstunde" gestehe ich jedem, der einen Termin bei mir hat zu. Danach wird es ärgerlich. Meine eigenen Termine plane ich, wenn ich irgend möglich, mit sehr großzügigen Pufferzeiten. Ich möchte auf gar keinen Fall abgehetzt, verschwitzt und derangiert bei meinen Geschäftspartnern auflaufen. Da setze ich mich lieber in ein Kaffee, gehe eventuell Unterlagen durch oder entspanne einfach, bevor es los geht.

  • Philipp Tellenbach

    28.03.14 (12:13:39)

    Lieber Pädu, du sprichst mir sowas von aus dem Herzen. Ich hasse Unpünktlichkeit bei mir und bei den Anderen. Bei mir ärgert sie mich insbesonderen, weil sie eigentlich nur dann vorkommt, wenn ich fremdbestimmt bin. Und das bin ich nun mal nicht gerne ;-)

  • Patrick Mollet

    28.03.14 (16:56:31)

    Ich danke euch herzlich für euer positives Feedback! Ich ging ja eigentlich eher davon aus, dass ich Haue erhalte für meine Pingeligkeit... ;-) Interessanterweise fokussiert ihr alle auf das Zuspätkommen. Noch fast schlimmer finde ich das dauernde und teilweise sehr kurzfristige Verschieben von Terminen. Da frage ich mich manchmal schon, ob die Leute einfach nicht mehr planen können?è

  • Ulrich Nord

    30.03.14 (10:36:46)

    Das mit der Pünktlichkeit usw. hat für mich auch mit unserem anglo-europäischen Primat von Ergebnis über Beziehung zu tun. Ich empfehle Lewis "When cultures clash" und seine Erläuterung zu "linear-active" (wir), "multi-active" (u.a. araber, Italiener) und "reactive" (viele Asiaten), um sich mal mit der anderen Sichtweise anzufreunden: "Du und Dein Anliegen sind mir so wichtig, dass ich anderes dafür verschiebe." Fühlt soch deutlich besser an, wenn man das nächste Mal im Vorzimmer wartet.

  • Patrick Mollet

    30.03.14 (11:48:03)

    Danke für diesen Buchtipp, habe es soeben meinem Wunschzettel hinzugefügt!

  • Wim

    31.03.14 (11:00:14)

    Grundsätzlich stimme ich zu, Termine sind einzuhalten! Jeder ärgert sich, wenn die eigene Planung nicht aufgeht. Das halte ich für normal. Allerdings vermeide ich konsequent geschäftliche Terminabsagen und Verspätungen persönlich zu nehmen, auch wenn ich gelegentlich auch mal dazu neige. Termine behandeln Sachfragen, selten persönliche Sympathien. Demnach sind Terminverschiebungen / Absagen Entscheidungen in der Sache. Oft geht es einfach um Dringlichkeit und Wichtigkeit - wobei schon das komplett verschiedene Gesichtspunkte sein können - aber nicht um den Gesprächspartner als Person. Das schließt für mich die Erwartung höflichen Verhaltens nicht aus, aber der andere ist nicht nur höflich, wenn er termintreu ist, sondern auch, wenn er glaubhaft um Verständnis für seine Entscheidung oder die Umstände wirbt. Ansonsten überlege ich eben auch Konsequenzen zu ziehen, nur kann man sich das nicht immer so leisten, wie man es gern täte. P.S. Mangelnde Termintreue als taktisches Verhalten im Geschäftsalltag lasse ich hier mal außen vor.

  • peter schmitz

    24.04.14 (23:11:16)

    Es gibt 2 Sachen die ich hasse: 1. Unpünktlichkeit 2. wenn einer zu spät kommt Schöne Grüße aus Hildesheim Peter Schmitz

  • 24august

    24.08.14 (14:53:23)

    Zu früh: bis ca. fünf Minuten, je nach Arbeitsbelastung auch zehn, sind ok. Zu spät: akzeptiere ich, wenn überhaupt, nur bei Terminen, bei denen ich etwas vom zu spät Kommenden will. Handelt es sich um jemanden, der etwas von mir will, so hat er genau einen Unpünktlichkeits-Freischuss. Beim zweiten zu spät kommen kann er sich einen neuen Termin geben lassen (oder bleiben, wo der Pfeffer wächst). Terminverschiebungen 24 h vorher sind für mich akzeptabel, kürzer sollte es aber nicht sein. (natürlich wesentlich mehr, falls Auswärtstermin mit Erfordernis der Buchung von Verkehrsmitteln u/o Übernachtung)

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