<< Themensammlung Organisieren

01.02.10

Wir wollen «müssen» streichen!

Aufgaben delegieren erfordert Kommunikation. Dabei ist bereits die Art und Weise der Kommunikation entscheidend für die Motivation und beeinflusst, mit welchem Elan wir oder andere uns diesen Aufgaben stellen - und demzufolge, wie erfolgreich die Aufgabe erledigt wird.

Wenn etwas getan werden muss

Die größte Hürde bei neuen Aufgaben, die man sich oder anderen unnötig stellen kann, ist dabei das Wort müssen. Schauen wir uns mal die folgenden Sätze an:

Ich muss morgen zur Arbeit gehen. Dort muss ich zwei Kunden anrufen. Ich muss meine E-Mails anschauen. Ich muss ein Meeting vorbereiten und durchführen. Ich muss nachmittags was einkaufen. Abends muss ich ins Fitnessstudio.

Du musst bis morgen diese Tabelle fertig machen und sie dann allen schicken. Denk auch dran, dass Du die anderen noch nach ihren Mailadressen fragen musst.

Wie man sieht, erzeugt das Wort muss sehr unangenehme Gefühle. Wenn man diese Sätze liest, kommt man jedenfalls nicht darauf, dass sie den selbstbestimmten Tag eines freien Menschen beschreiben. Muss klingt unwiderruflich, fühlt sich belastend an und lässt keinen Freiraum für eigene Entscheidung. «Ich muss ...» oder «Sie müssen ...» sollte man also nicht verwenden, um sich oder andere für anstehende Aufgaben zu motivieren - eher schon, wenn dosierte Demotivation das Maß der Dinge ist.

Wenn wir etwas tun wollen

Bei der Vertriebsmethode High Probability Selling, mit der sich der Vertriebscoach und Blogger Michael Franz beschäftigt, hat das Wort wollen eine überragende Bedeutung. Die Vertriebsmethode, die ich auch in meiner eigenen Firma alpha-board, einem Dienstleister für Leiterplatten und Platinen-Entwurf, einsetze, versucht nicht, Kunden zu überzeugen - sondern im Gegenteil, die Kunden zu finden, die unsere Dienstleistung jetzt brauchen, sich leisten können und von uns wollen.

Dieses wollen hat dabei fast magische Wirkung. Wir benutzen es in unserer Vertriebskommunikation, indem wir zum Beispiel am Ende unseres Pitches die Frage stellen: «Ist das etwas, was Sie wollen?». Ich setze es auch in E-Mails ein - und bekomme dadurch oft überraschend aussagekräftige Antworten. Es hat den Anschein, dass wollen eine fast magische Bedeutung für uns hat. Sind wir damit konfrontiert, ob wir etwas wollen, antworten wir sehr viel häufiger ehrlich, ob ja oder nein und warum, als bei anderen Formulierungen.

Das lässt sich auch nutzen beim Verteilen von Aufgaben. Schauen wir uns die obigen Sätze noch mal an, aber ersetzen müssen durch wollen:

Ich will morgen zur Arbeit gehen. Dort will ich zwei Kunden anrufen. Ich will meine E-Mails anschauen. Ich will ein Meeting vorbereiten und durchführen. Ich will nachmittags was einkaufen. Abends will ich ins Fitnessstudio.

Willst Du bis morgen diese Tabelle fertig machen und sie dann allen schicken? Denk auch dran, dass Du die anderen noch nach ihren Mailadressen fragen willst.

Das klingt doch schon sehr viel freundlicher. Es lässt Spielraum zum Handeln und Entscheiden. Es ist nicht unumstößlich. Ich empfehle also: Streicht das Wörtchen müssen aus Eurem Sprachschatz und ersetzt es mit wollen.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer