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21.03.07Leser-Kommentare

Willkommen bei imgriff.com

Liebe Leserin, lieber Leser,

willkommen bei imgriff.com, unserem neuen Blog über persönliche Produktivität.

Während meines Zivildienstes von 1989 bis 1990 habe ich in einem Krankenhaus in Bielefeld in der administrativen Aufnahme gearbeitet: Die persönlichen Daten neu aufgenommener Patienten mussten in den zentralen Computer eingegeben werden. Nach der Einarbeitung war der Job denkbar simpel. Die meisten neuen Patienten wurden für 7 Uhr bestellt, und es bildete sich jeden Morgen eine lange Schlange; war diese abgearbeitet, verlief der Rest des Tages meist eher ruhig. Niemals musste man sich Gedanken über die Einteilung der eigenen Arbeit machen: Wer zur Tür hereinkam, war eine Aufgabe; sobald er oder sie fertig erfasst und zur Station weitergeschickt war, war diese komplett erledigt. Ausser gelegentlichem Nachfüllen von Formularen gab es nichts, an das man hätte denken oder das man sich hätte einteilen müssen.

Natürlich habe ich den Job gehasst, weil er so eintönig war. Ich wollte spannende Sachen machen, studieren, etwas mit IT machen, eine Firma gründen, andere Firmen beraten, das alles möglichst eigenverantwortlich und flexibel; letztes Jahr entschied ich auch noch, dass ich nun hauptberuflich bloggen und eine Blogfirma aufziehen wollte.

Das habe ich nun davon.

Seit der zweiten Woche des Studiums habe ich praktisch nie mehr das Gefühl gehabt, ich hätte alles erledigt, meine "To-Do-Liste" sei leer. Stattdessen stapeln sich die virtuellen und physischen Dinge, die nach Aufmerksamkeit verlangen. Mails sind zu beantworten, jemand ist zurückzurufen, ein Artikel zu schreiben, und mehr posten sollte man sowieso immer. Die Situation im Büro bringt Gina Trapani in der Einleitung ihres Buchs "Lifehacker" auf den Punkt:

 

An einem typischen Arbeitstag quillen deine Inbox und dein RSS-Reader über von ungelesenen Nachrichten. Du hast so viele Browser-Tabs offen, dass du die Seitentitel nicht mehr erkennen kannst. Du kannst Dich nicht mehr erinnern, wo du die letzte Version der Präsentation gespeichert hast, an der du gestern Abend zuhaus gearbeitet hast. In der Sekunde, in der du dich beim Instant Messenger anmeldest, fragt auch schon dein Projektleiter: "Hast du eine Minute?"

Und das ist nur die Arbeit. Der Schreibtisch zuhaus reklamiert nicht, wenn er nicht aufgeräumt wird, die MP3-Sammlung nicht, dass sie immer noch auf vier Festplatten verteilt ist, und die Laufschuhe haben es sowieso längst aufgegeben, mich vorwurfsvoll anzuschauen.

Zum gesamten Thema fällt auf, dass es keine Schulungen gibt, die man als Teil seiner Ausbildung durchläuft. An der Uni wie auch im Job wurde einem vieles erklärt, von wissenschaftlichem Arbeiten bis zur Bedienung der Alarmanlage, nur nicht, wie man sich selbst organisiert. Wenn ich heute über die Schultern anderer Leute in deren Inboxen schiele, habe ich nicht das Gefühl, ich sei der einzige, der seine Selbstorganisation verbessern könnte.

Deshalb also nun imgriff.com, unser neues Blog zum Thema. Vermutlich kein Allheilmittel, aber ein Ort für Denkanstösse. Hier schreiben keine Produktivitäts-Profis. Niemand von uns ist Guru (was auch den Vorteil hat, dass niemand nur sein Buch oder sein Seminar verkaufen will), sondern wir machen alle "Learning by Doing". Hier wollen wir die Produktivitäts-Ideen anderer Leute ausprobieren und auf ihre Tauglichkeit prüfen. Unsere Arbeitshypothese: Es gibt keine alleinseligmachende Methode, sondern jeder muss für sich seinen persönlichen Mix zusammenstellen. Von Euch Lesenden unterscheidet uns also gar nicht viel, wir wollen nur etwas intensiver recherchieren, etwas systematischer und im Team.

Was uns auch noch gemeinsam sein könnte: Wir finden, dass es online nicht nur gute inhaltliche Quellen zum Thema gibt, sondern dass das Internet selbst ein grossartiges Tool darstellt, das uns helfen kann, uns besser zu organisieren, allein und in der Gruppe. Zum Glück ist das auch eine Komponente von "Web 2.0", daher werden laufend neue Anwendungen dazu lanciert, und über die werden wir sicher auch schreiben.

Auf der anderen Seite sind wir allerdings auch aus dem Alter heraus, in dem wir dachten, auf jede Herausforderung sei ein Stück Software die beste Antwort. Natürlich finden wir ein kleines Windows-Programm lustig, das Outlook-Mails, in denen das Wort "Attachment", "Anhang", "angehängt" oder ähnliches vorkommt, daraufhin checkt, ob auch wirklich ein Attachment angehängt wurde. Aber die Reichweite ist doch relativ beschränkt, daher braucht es sicher auch einen grösseren Blick aufs Ganze.

Für imgriff schreibt das schon von neuerdings.com und medienlese.com bekannte Blogwerk-Team aus Zürich, St. Gallen, Boston und San Francisco, erweitert um Florian Steglich aus Leipzig. Wer Lust hat mitzuschreiben, soll bitte zwei Wochen mitlesen und sich danach melden; wir machen aber auch nochmal einen Aufruf.

Danke für Euer Interesse. Dass wir uns über Feedback freuen, muss man in Blogs ja nicht dazusagen.

Kommentare

  • leu

    21.03.07 (11:41:54)

    Also dann viel Erfolg mit diesem neuen Blog. Wie man sieht habt ihr auch unvorhergesehene Probleme mit der Presse im Griff!

  • Peter Hogenkamp

    21.03.07 (11:43:27)

    Du weisst ja, wie es ist mit der Presse. Sie sind immer nett zu einem, und dann drehen sie sich um und schreiben irgendwas. :-)

  • bluetime

    21.03.07 (13:36:33)

    Ich finds ne geniale, zukunftsorientierte Idee...wer weiss, vielleicht arbeiten wir mal (bald) zusammen wenn ich meine Ausbildung zur dipl. Stress-Regulations-Trainerin beendet hab :-)

  • bugsierer

    21.03.07 (15:17:46)

    schöne idee, schönes start-post. ich wünsche gutes gelingen.

  • Andreas Weinberger

    22.03.07 (23:54:57)

    Viel Glück mit dem neuen Blog zu diesem interessanten Thema und freue mich schon auf den Erfahrungsaustausch. Und da der Trackback anscheinend nicht funzt hier noch schnell ein manueller Link: http://itligenz.twoday.net/stories/3467728/

  • Pascal Sieber

    23.03.07 (17:38:06)

    Toll. Ich will für den Anfang mal folgendes beitragen: Wir haben einem weltweit tätigen Unternehmen eine Delphi-Studie zu den Hoffnungen und Befürchtungen im Zusammenhang mit dem hochgejubelten, produktivermachenden mobilen Arbeitsplatz durchgeführt. Das Resultat, kurz und bündig: Es gibt eine latente Befürchtung, ständig erreichbar sein zu müssen (Office Anywhere = Freizeit Nowhere). Das Management reagiert darauf mit der Forderung nach kompetenterem Selbstmanagement aller Mitarbeiter und Manager (Hire smart people and leave them alone). Und jetzt - wer bricht mit diesem paradigma zuerst? Ich weiss, liebe Blogger von imgriff.com, Ihr gehört dazu.

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