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13.05.13

Wie uns gesellschaftliche Konventionen beeinflussen: Facebook und andere Zwänge

Dass wir uns im Beruf so oft unter Druck gesetzt fühlen, liegt auch daran, dass wir in vielen Fällen impliziten gesellschaftlichen Erwartungshaltungen genügen wollen – obwohl wir selbst vielleicht anderer Meinung sind. Das zeigt sich nicht zuletzt bei der Social-Media-Nutzung im Job.

Social Media ist allgegenwärtig – und genau deshalb fühlen sich Viele zunehmend genervt und überfordert davon. Bei imgriff.com haben wir uns mit dem Thema immer wieder auseinandergesetzt: In meinem Beitrag zu der Frage, ob das Internet ineffizient macht, habe ich z.B. berichtet, wie schnell man im Internet vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen kann und in den unendlichen Wahlmöglichkeiten den Überblick verliert. Corinne Dubacher hat einen Selbstversuch gewagt, einen Tag lang auf Social Media verzichtet – und beschrieben, was sie stattdessen gemacht hat.

Und selbst eingefleischte PR-Experten wie Sachar Kriwoj, Leiter Digital Public Affairs bei E-Plus, sehen Social Media und vor allem Facebook zunehmend kritisch, bezeichnen es gar als «das Ende der Bescheidenheit».

«Social Media ist eine Geisteshaltung»

Für mich ein Zeichen, dass sich nach dem anfänglichen Hype ein zunehmend kritischerer Umgang mit dem Thema einstellt – nicht nur bezüglich der Kapazitäten von Unternehmen, sondern auch die persönlichen Ressourcen betreffend. Denn wenn neben Facebook und Twitter immer weitere neue Netzwerke hinzukommen, etwa Google+, Pinterest, Instagram oder das bei Jugendlichen sehr angesagte Eyeem, dann ist es für den Einzelnen gar nicht mehr möglich, den Überblick zu behalten.

Weil sich verschiedene Zielgruppen in unterschiedlichen Netzwerken tummeln, ist das auch gar nicht ratsam. Vielmehr ist Spezialisierung angesagt – denn alle Netzwerke abzudecken, kann man zeitlich gar nicht schaffen. Auch als Social-Media-Berater, -Experte oder -Beauftragter nicht.

Genau hier aber kommen die eingangs erwähnten gesellschaftlichen Konventionen zum Tragen: Es gibt nun mal eine gewisse Grundhaltung dazu, welche Sozialen Netzwerke man nutzen sollte. Und das ist vor allem Facebook. Ich merke bei meinen Social-Media-Vorträgen immer wieder, dass die meisten mit Social Media eben Facebook assoziieren, sich aber wenig Gedanken über die kommunikative Grundhaltung dahinter machen. Dabei schrieb Sachar Kriwoj schon 2010:

«Social Media ist keine technische Angelegenheit. Facebook ist nicht Social Media. Social Media ist eine Geisteshaltung. Darin geht es um Menschen. Um Mitarbeiter. Um Bedürfnisse. Um Gespräche. Um Fragen und Antworten. Um Kritik. Davon sehe ich viel zu wenig. Dafür aber Newsrooms, die 60.000 Euro kosten. Und Social Media-Agenturen, deren Geschäftsführer lachend sagen: 'Für Twitter habe ich keine Zeit. Dafür beschäftigen wir Praktikanten.'»

Das Kreuz mit den gesellschaftlichen Konventionen

Damals wurde seine Äusserung heftig im Netz diskutiert. Aber das Thema ist heute nicht weniger aktuell. Kürzlich schrieb die Social-Media-Managerin Katharina Antonia Heder darüber, warum sie, zunehmend genervt vom blauen Riesen, Facebook den Rücken gekehrt habe. Das schlug Wellen. Ihr Beitrag wurde nicht nur einige hundert Male über Facebook verbreitet, was dafür spricht, dass sie damit einen Nerv getroffen hat, sondern auch heftig kritisiert – vor allem von einigen Kollegen aus der Branche.

So bezweifelten die einen, dass eine Social-Media-Managerin es sich leisten könne, den Anschluss bei Facebook zu verlieren; andere fanden den Abschied von Facebook gar befremdlich. Wieder andere bewunderten ihren Mut und gaben ihr grundsätzlich recht.

Heders Artikel und vor allem die Reaktionen darauf sind ein gutes Beispiel dafür, wie sehr sich viele Menschen im Berufsalltag von Konventionen abhängig machen. Und wie sehr die Social Media ihre Motivation, ihre Arbeitsorganisation und ihr Zeitmanagement beeinflussen. Denn nicht nur in Social Media, auch in vielen anderen Bereichen gibt es solche impliziten gesellschaftlichen Erwartungshaltungen daran, welche Leistungen man in einer bestimmten Position gefälligst zu erbringen habe. Etwa nach dem Muster: «Wie, Du bist Experte auf dem Gebiet und weißt das nicht?»

Alles können? Das kann nur schief gehen

Katharina Antonia Heder hat als Replik auf die Reaktionen einen zweiten Beitrag geschrieben . In ihm macht sie klar, dass ein einzelner Social-Media-Manager gar nicht alle Bereiche abdecken kann und sich zwangsläufig spezialisieren muss. Daraus hat sich nun eine spannende Diskussion über Social-Media-Management in kleinen und mittelständischen Unternehmen, Zielgruppenspezifizierung und Zeitmanagement entwickelt, die zeigt, dass dieses Thema den Nerv der Zeit trifft und es auch vielen anderen so geht. So schreibt der frisch ausgebildete Social-Media-Manager Michael Grippekoven:

«Ich habe auch genau diese Angst, daß ich nun alle Kanäle gleichzeitig en Detail erlernen und beherrschen soll – geht ja kaum. Und wenn ich ganz viel «Pech» habe, akquiriere ich auch noch einen Kunden, der dann von mir erwartet, daß ich in sämtlichen Plattformen alle Tiefen beherrsche und täglich bedienen kann. Das kann ja dann nur schief gehen.. :o/»

Wie also den Spagat zwischen gesellschaftlichen Konventionen und produktivem Arbeiten meistern? In einem meiner nächsten Blogposts zeige ich – immer noch mit Blick auf die Social Media – sieben wichtige Aspekte auf, die es dabei zu berücksichtigen gilt.

Bild: Casey Konstantín bei flickr.com (CC BY 2.0)

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