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09.07.09Kommentieren

Coaching in der Krise

Wie Führung, Strategie und Krisenbewältigung das Selbstvertrauen stärken

In Krisenzeiten wird schnell der Ruf nach einem starken Mann laut

Aber macht diese Hilfe von außen wirklich immer Sinn? Wann und warum funktionieren solche Rettungsmanöver? Und was tun, wenn kein solcher Retter zur Verfügung steht oder sich ein Unternehmen diesen schlicht nicht leisten kann?

Drei Fragen, die es der Reihe nach zu betrachten gilt:

Ja, es kann Sinn machen, sich für einen solchen Retter zu entscheiden – sofern man sich diesen leisten kann und mag.

Wenn der Retter zum Diktator wird …

Ein „Krisenmanager“ hat den Vorteil, dass er als jemand Besonderer betrachtet wird, der die Befugnis besitzt, die geltenden Prinzipien und Grundsätze außer Kraft zu setzen und mit klarer Direktive durch alle Ebenen durchzugreifen. Bedingungsloser Gehorsam ist selbstverständlich. Seine Entscheidungen sind weder verhandelbar noch angreifbar. Eigeninitiative und Ideen von Mitarbeitern, die mit seinen Vorgaben nicht deckungsgleich sind, sind unerwünscht.

Die Mitarbeiter führen aus, der Krisenmanager trägt dafür die Verantwortung, gleich, ob die Rettung erfolgreich ist oder scheitert.

Kann der „Retter“ in Zeiten der Krise tatsächlich die beste Lösung für ein Unternehmen darstellen, kann der absolute Herrschaftsstil in ruhigeren Zeiten aus motivierten Mitarbeitern jedoch eine wiederkäuende Herde machen, die sich das eigene Denken abgewöhnt und sich ohne strengen Hirten nicht mehr bewegt.

Dabei besteht die Gefahr, dass es ausschließlich dem „Retter“ überlassen bleibt, zu bestimmen, ob und wann die Krise beendet ist. Ob dieser regelmäßig die „Größe“ besitzt, diese Entscheidung rechtzeitig zu treffen und damit seine Macht aufzugeben, ist mehr als fraglich. Ohne Bedeutung ist dabei, ob es sich um einen einzelnen oder um eine Gruppe von Krisenmanagern handelt.

Wie eine Organisation sich selbst retten kann oder:
Supervision statt Superman!

Nicht immer benötigt ein Unternehmen aber überhaupt einen solchen Helden. Immer wieder beweisen Unternehmen, dass sie in der Lage sind, sich selbst aus der Krise zu befreien.

Unabdingbar ist die Übereinstimmung aller Beteiligten darin, dass die Profilierung einzelner auf dem Weg der Rettung keine Rolle spielen darf. Erfolg kann ein solches Krisenmanagement nur dann versprechen, wenn es Hilfe zur Selbsthilfe bietet.

Hilfe zur Selbsthilfe bedeutet Anregungen zu geben, zu beraten und zu unterstützen, zu ermutigen und zu motivieren. Wer die betroffenen Mitarbeiter auf dem Weg aus der Krise aktiv einbindet, gibt diesen die Chance, ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten ebenso wie ihr persönliches (Fach)Wissen einzubringen.

Die Lösungsschritte entwickeln die Mitarbeiter bei dieser Methode selbst, einen aus dem vorhergehenden. Dabei lernen sie aus jedem erfolgreich absolvierten Schritt für den nächsten.

Der Manager dieses Krisen bewältigenden Teams stößt lediglich Themen an, um die aktiven Betroffenen zu animieren und die wichtigsten Problemfelder in den Vordergrund zu rücken. Er darf auch beratend zur Seite stehen, sofern sich diese nicht aus der Bearbeitung der problematischen Felder von selbst ergeben oder die betroffenen Mitarbeiter seinen Rat suchen. Die Verantwortung liegt jedoch bei den handelnden Mitarbeitern. Eine Zurückverweisung gibt es nicht.

Geplant wird entsprechend ebenfalls in kleinen Einheiten, in denen eine konkrete Hilfestellung noch möglich ist. Zwar geht es auch bei dieser Methode nicht ohne mittel- und sogar langfristigen Plan. Da es sich aber um eine große Masse handelt, die sich bewegt, muss jederzeit die Möglichkeit gegeben sein, auf unvorhergesehene Entwicklungen und Lösungsansätze zu reagieren.

Ansprüche an den Krisenmanager

Erfolg verspricht diese Methode aber nur, wenn die Krisenmanager auch die für viele schwierigste Aufgabe bewältigen, nämlich sich selbst in Geduld zu üben, bis die beteiligten Mitarbeiter in ihre Aufgaben hineingewachsen sind, auch wenn sie selbst vielleicht (meinen,) die Probleme und auch die Lösungsansätze früher und schneller zu erfassen.

Nur derjenige, der es schafft – ohne sich selbst in den Vordergrund zu rücken – mit äußerster Aufmerksamkeit die in den einzelnen Gruppen herrschende Dynamik und Denkweise detailliert zu verfolgen, Möglichkeiten zur Umsetzung gefundener Problemansätze zu schaffen und ggf. einzelnen Mitarbeiter oder Teams zu helfen, fehlendes Wissen oder Fähigkeiten zu erwerben, wird die einzelnen Teams zu einem erfolgreichen Krisenmanagement zusammenführen können.

Aber warum sollte jemand, der über diese Fähigkeiten verfügt, sich selbst so stark außerhalb des Rampenlichts bewegen? Warum den Erfolg der Gruppe überlassen, wenn er diesen für sich verbuchen kann?

Der Pfad aus der Krise ist der Weg zum Erfolg

Zunächst einmal stellt ein Erfolg, der von einer Gruppe errungen wird, in dieser ein Gefühl der Verbundenheit dar, dass wiederum positive Energie freisetzt.

Masse, die einmal in Bewegung versetzt ist, lässt sich nur schwer wieder stoppen. Dies gilt nicht nur in der Physik, sondern auch bei Arbeitsteams. Stimmt aber die Richtung, hat die Gruppe sich selbst aus der Krise geführt, gibt es auch keinen Anlass, diese auszubremsen. Lassen Sie diese sich weiterbewegen! Versuchen Sie lediglich, wenn der Schwung nachlässt, diesen aufzufrischen. Der Weg aus der Krise kann dann zu einem Weg zum Erfolg werden.

Dieser Erfolg wird wiederum auf denjenigen ausstrahlen, der sich als Retter in der Krise im Hintergrund gehalten hat. Der Erfolg gebührt ihm, auch wenn dies sich vielleicht bei dieser Methode erst später zeigt.


Dr. Susanna Lange ist Rechtsanwältin mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Arbeitsrecht und seit über 10 Jahren in verschiedenen Funktionen im Personalwesen tätig

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