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14.07.14Leser-Kommentare

Wie der digitale Wandel unsere Arbeitswelt verändert – Teil 2: Tipps zum Umgang mit den neuen Anforderungen

Im ersten Teil meines Beitrags habe am Beispiel des Journalismus beschrieben, wie die zu bewältigenden Anforderungen in unserem Berufsalltag zunehmen. Wie gehen wir am besten mit dem digitalen Wandel um?

Esther Vargas bei flickr.com (CC BY-SA 2.0)Obwohl sie mir so viele Vorteile bringt, betrachte ich die aktuelle Entwicklung in der Arbeitswelt auch mit einer gewissen Skepsis. Vor einiger Zeit habe ich bei carta.info provokativ geschrieben, dass die schwerfälligen Verlage viel von freien Journalisten lernen können – ein Beitrag, der später in dem Buch  »Journalismus in der digitalen Moderne« veröffentlicht wurde. Heute sehe ich es immer noch so, dass Einzelkämpfer viel flexibler auf neue Erfordernisse zu reagieren in der Lage sind.Allerdings sind Einzelkämpfer auch Schiffchen im Wind. Die Strukturen der großen Verlage mögen schwerfällig sein, sie geben aber eine gewisse Sicherheit. Zum Beispiel bei den zahlreichen rechtlichen Fallstricken, die gerade im Internet lauern. Und auch was die Finanzierung neuer Projekte angeht, hat man mit einem großen Namen im Rücken immer noch bessere Karten.

Gegen die Überforderung des Einzelnen

Dazu kommt die Überforderung des Einzelnen: Als freier Journalist und Blogger ist man heute u.a. Schreiber, Redakteur, Webdesigner, Filmemacher und Vermarkter in einem. Kein Mensch kann so viele Spezialisierungen mit der notwendigen Expertise ausführen. Natürlich kann man Spezialisten zu Rate ziehen; gerade aber wenn man etwas Neues auf die Beine stellen will und zu diesem Zeitpunkt noch keine enthusiastischen Kooperationspartner hat, die das Ding mit ergänzenden Fähigkeiten mitaufbauen, dann versucht man vieles am Anfang erst einmal selbst hinzubekommen.

Investitionen in die Zukunft

Und schließlich muss man noch die notwendigen Investitionen in die Technik beachten: Natürlich, einen Computer bzw. Laptop hat man in der Regel. Wenn man allerdings auf Zugfahrten oder beim Warten am Flughafen nicht nur schreiben, sondern auch Bilder bearbeiten und Videos schneiden will, ergeben sich plötzlich ganz andere Anforderungen an Arbeitsspeicher und Grafikkarte eines mobilen Gerätes.

Auch die Auswahl meiner Kamera fiel mir nicht leicht: Sie sollte gute Fotos machen, aber auch einen externen Mikrofonanschluss haben und leicht sein – das kann schnell ins Geld gehen, wenn man noch nicht ganz sicher ist, ob man sich wirklich in diese Richtung bewegen will. Da hat es mir sehr geholfen, dass mir diverse Unternehmen Testgeräte zur Verfügung gestellt haben, mit denen ich den Funktionsumfang erst einmal testen konnte.

Sich selbst nicht mehr im Weg stehen

Trotz der offensichtlich schwierigen Bedingungen: Oft kommt hinzu, dass sich Journalisten im Medienwandel auch selbst im Weg stehen. Viele Kollegen, ältere wie jüngere, kleben quasi sklavisch an dem alten Konzept »Redaktion vs. zuliefernder freier Journalist«, statt umzudenken und eigene Ideen zu entwickeln. Und nach wie vor ist Print für viele das Non-Plus-Ultra, das Internet nur die zweite Wahl, selbst für erschreckend viele Nachwuchsjournalisten. Schuld daran ist z.B. die Art, wie in Deutschland Journalisten ausgebildet werden – nämlich oft immer noch auf die klassische Weise.

Neuerdings lernen sie zwar z.B. auch Apps programmieren, wie mir vor einiger Zeit ein Journalistik-Professor verriet – auch wenn er sich gar nicht sicher war, ob es überhaupt sinnvoll ist, dass Ausbildungsinstitutionen solcherart auf »schnelllebige Hypes« aufspringen. Was hingegen in der Ausbildung weiterhin oft vernachlässigt wird, sind unternehmerisches Denken und Marketing – Skills, die aber unabdingbar sind, um im Wettbewerb zu bestehen.

Mein Fazit: Die Frage, ob wir den Anforderungen, die der digitale Wandel an uns stellt, überhaupt gewachsen sind, ist so nicht einfach zu beantworten. Es hängt zu einem grossen Teil von der persönlichen Einstellung des Einzelnen ab – und von seiner Fähigkeit, sich mit den sich ständig verändernden Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Ein wichtiger Punkt allerdings ist auch eine zeitgemäße Aus- und Weiterbildung; und dieses Problem betrifft bei weitem nicht nur Journalisten.

 

Bild: Esther Vargas bei flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Kommentare

  • Simon Gasser

    14.07.14 (23:03:46)

    Ich habe beide Teile ihres Artikels gelesen. Als Alleinunternehmer als Elektro Sicherheitsberater sehe ich genauso diesen Spagat. Spezialisierung im Fachbereich als "Markenzeichen" (USP) und vielseitig und flexibel sein, produktiv sein und ja keinen wichtigen Trend verschlafen. Technische Fähigkeiten, Administration, Verkauf... Dass unternehmerisches Denken in der Ausbildung zu kurz kommt sehe ich auch so, ob das aber in einem Lehrplan formuliert und von Dozenten vermittelt werden kann stelle ich in Frage. Meiner Erfahrung nach ist Unternehmertum ein Lebensstil, der mehr erlebt als erlernt wird. Sonst kann ich Ihre Betonung auf die Aus- und Weiterbildung nur unterstreichen.

  • Simone Janson

    30.07.14 (11:07:10)

    Hallo, danke für die Anmerkung, das finde ich spannend, das diese Problem auch in traditionelleren Bereichen existiert. Ich gebe Ihnen recht, dass das Fehlen einer unternehmerischen Aus- und Weiterbildung in Deutschland ein Problem ist, was in einer eher mau aussehenden Gründungskultur resultiert. Wir bräuchten dringend eine positivere Bewertung des Unternehmerbegriffs.

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