<< Themensammlung Organisieren

07.07.14Leser-Kommentare

Wie der digitale Wandel unsere Arbeitswelt verändert – Teil 1: Sind wir eierlegende Wollmilchsäue?

Die Arbeitswelt verändert sich und nötigt uns allen neue Fähigkeiten ab: Wir müssen immer mehr dazulernen, gleichzeitig aber auch eine Vielzahl von Aufgaben managen. Ist das überhaupt zu schaffen oder überfordern wir uns selbst grenzenlos?

Marisa Vasquez bei flickr.com (CC BY 2.0). Tolly MoseleyVor einiger Zeit haben wir hier bei imgriff.com diskutiert, ob Menschen überhaupt Multitasking-fähig sind – und unsere Leser sind zu dem Schluss gekommen, dass es zumindest schwierig ist. Ganz ähnlich verhält es sich meiner Meinung nach mit den neuen Anforderungen, vor die uns der Wandel der Arbeitswelt in vielen Berufen stellt.

Um das zu illustrieren, möchte ich die Veränderungen anhand meines eigenen Berufes verdeutlichen, weil ich ihn kenne wie keinen zweiten. Und weil er auch eine Art Vorreiterrolle im digitalen Wandel einnimmt, da er sehr früh von diesen Veränderungen betroffen war: der Beruf des Journalisten.

Immer neue Fähigkeiten?

Der Medienwandel nötigt Journalisten neue Fähigkeiten ab: Statt nur zu schreiben oder nur zu filmen, sollen sie plötzlich einen Medienmix im Komplettpaket anbieten: Schreiben, Redaktion, Fotos, Videos und am besten noch neue Formate wie Audio-Slideshows. Dazu kommen noch diverse Webtechniken. Die Frage, die ich mir dabei immer wieder stelle: Kann jemand solchen Anforderungen überhaupt gewachsen sein?

Ich selbst bin Journalistin geworden, weil ich schreiben wollte. Am besten Bücher. Das habe ich dann auch gemacht – und auf der Suche nach Vermarktungsstrategien habe ich angefangen zu bloggen und mich immer eingehender mit dem Internet zu beschäftigen.

Immer mehr trat dann bei meiner Arbeit die ursprüngliche Tätigkeit, das Schreiben, in den Hintergrund, und neue Fähigkeiten wurden wichtiger: Grundkenntnisse in HTML, PHP und CSS, um meine Ideen für das Blog auch technisch selbst umzusetzen. Suchmaschinenoptimierung, um mein Blog besser zu vermarkten. An die Stelle der Akquise einzelner Aufträge bei klassischen Medien trat für mich der direkte Kontakt zu Lesern und Sponsoren.

Und als neuste Fähigkeit bin ich gerade dabei, mir Kenntnisse in Videoerstellung und -schnitt anzueignen, um für das Online-Format der Zukunft gerüstet zu sein – der Multimedia-Journalist als eierlegende Wollmilchsau lässt grüßen.

Die Vorteile, die ich im Medienwandel sehe

Wenn ich mir meinen Weg in den letzten zehn Jahren so anschaue, dann bin ich heute mit meinem Geschäftsmodell durchaus zufriedener als mit der Ursprungsidee, Bücher zu schreiben und redaktionelle Tätigkeiten anzubieten.

Der Hauptgrund ist, dass ich, indem ich selbst ein gut laufendes Medium betreibe und vermarkte, eine deutlich größere Unabhängigkeit habe, als das im klassischen journalistischen Geschäftsmodell gemeinhin üblich ist: Wenn mich ein Thema interessiert, dann kann ich das einfach machen. Und oft genug finden dann Themen über mein Blog Eingang in die klassischen Medien. Ich bin auch finanziell deutlich unabhängiger als über die traditionelle Auftrags-Vergabe-Schiene.

Kurz: Der Wandel in der Arbeitswelt fordert mich immer wieder, aber indem ich mich darauf eingelassen habe und gewissermassen zur eierlegenden Wollmilchsau geworden bin, hat er mir auch viele Vorteile gebracht.

Tipps zum Umgang mit dem digitalen Wandel

Im zweiten Teil dieses Artikels werde ich die Frage stellen, wie man mit dem digitalen Wandel am besten umgeht, und Tipps geben, die ich aus meiner Erfahrung gewonnen habe.

 

Bild: Marisa Vasquez bei flickr.com (CC BY 2.0)

Kommentare

  • Michael Kieweg

    10.07.14 (09:25:03)

    Ich finde es wichtig, sich beim Erwerb neuer Fähigkeiten und Kenntnisse zu beschränken. Das mag sich merkwürdig anhören. Ich meine damit, daß ich sonst schnell Gefahr laufe, meinen Fokus zu verlieren. Die wenigsten Leute schaffen es zum Beispiel vom Journalisten zum Programmierer und hängen dann irgendwann zwischen allen Stühlen. Ich bin Handwerker. Ich kann einen Computer benutzen, kann Content in meine Website einpflegen, kann einfache Anpassungen an Templates vornehmen und kann nach fertigen Lösungen für Erweiterungen suchen und diese installieren. Ich werde mich aber nicht soweit engagieren, daß ich meine eigenen PlugIns programmieren kann. Die Zeit, die ich dafür bräuchte, verwende ich lieber (und besser) dazu, um mich in meinem Handwerk fort zu bilden und vergebe so etwas an Leute, die das können. Für andere Bereiche gilt das Gleiche. Ich kann ein bißchen fotografieren und habe eine kleine Spiegelreflexkamera. Das reicht für das "Tagesgeschäft". Muss es jedoch richtig, richtig, gut werden oder ist spezielles Equipment nötig, dann engagiere ich einen Fotografen. Ich werde weder die Zeit investieren, um es selber zu lernen, noch das Geld für die Hardware ausgeben. Grundkenntnisse sind praktisch. Was darüber hinausgeht, sollte man sich gut überlegen.

  • Simone Janson

    13.07.14 (10:15:17)

    Hallo Herr Kieweg, danke für den Kommentar. So sehe ich das auch. Ich habe auch sehr viel an meiner Website selbst gemacht, was mir heute erlaubt, selbige eigenständig zu pflegen und kleinere Veränderungen durchzuführen. Für echte Programmierleistungen würde ich mir allerdings immer jemanden suchen.

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer