17.12.12 05:22

, von Simone Janson

Motivation und Produktivität: Warum wir innerlich kündigen

Bücher fassen in Worte, was Viele fühlen. Studien bestätigen es, und die Hirnforschung untermauert es: Unsere Motivation sinkt, weil die emotionale Bindung an den Arbeitgeber immer mehr abnimmt.

Es mag bedenklich stimmen, dass ein solches Buch viele Menschen anspricht und großen Erfolg hat: Martin Wehrles «Ich arbeite in einem Irrenhaus» zieht über den Schwachsinn her, der in vielen Unternehmen abläuft (Besprechung). Dabei ist es nichts Neues, dass diese Zustände in Unternehmen kritisiert werden.

 

Schon vor Jahren stellte Corinne Maier in «Ich arbeite in einem Irrenhaus» die These auf, dass in Firmen vor allem diejenigen ihren Job behalten, die es verstehen, sich das Leben so angenehm wie möglich zu machen - und empfahl dementsprechend, sich mit einem möglichst unwichtigen Pöstchen aus der Schusslinie zu bringen (Besprechung). Auch dieses Buch wurde seinerzeit zum Bestseller.

Die emotionale Bindung von Mitarbeitern an ihr Unternehmen

Den Gallup Engagement Index - eine Befragung zur Stärke der emotionalen Bindung deutscher Arbeitnehmer -  gibt es bereits seit 10 Jahren. Dabei konfrontiert die Unternehmensberatung Gallup zufällig ausgewählte Arbeitnehmer mit zwölf Aussagen zum Arbeitsplatz bzw. -umfeld.Basierend auf dem Ausmaß der Zustimmung zu den Aussagen werden die Antworten der Kategorie «ohne emotionale Bindung», «geringe emotionale Bindung» oder «hohe emotionale Bindung» zugeordnet.

Für  2011 sahen die Ergebnisse so aus: 23 Prozent aller Angestellten haben innerlich gekündigt, 63 Prozent machen Dienst nach Vorschrift und nur noch 14 Prozent sind überhaupt bei der Sache. Und jedes Jahr scheinen die Leute weniger Lust auf ihre Unternehmen zu haben.

Nun kann man natürlich die Beweggründe zu dieser Befragung kritisieren, denn Gallup macht solche Studien ja nicht ohne Grund: Es möchte seine Dienstleistung verkaufen, mit deren Hilfe, so verkündet Gallup stolz auf seiner Website, «sich die Produktivität von Unternehmen durch entsprechende Maßnahmen zur Steigerung der emotionalen Mitarbeiterbindung nachweisbar und erheblich verbessern lässt.»

So oder so machen die Erkenntnisse Sinn: Wer engagiert bei der Sache ist, arbeitet motivierter und besser. Wer nur Dienst nach Vorschrift macht, leistet nicht mehr, als er muss.

Was sagt die Hirnforschung

Die Ergebnisse der Hirnforschung unterstützen dieses Bild. Der Göttinger Professor für Neurobiologie Gerald Hüther erklärte kürzlich im Interview mit der österreichischen Zeitung der Standard, warum sich dieser Eindruck auch aus neurobiologischer Sicht bestätigt: Grund für die Demotivation vieler Arbeitnehmer seien die negativen Erfahrungen, die viele von uns im Job machten.

Diese Erfahrungen würden fest in unserem Frontalhirn abgespeichert. Hüther erklärt in dem sehr spannenden Interview:

«Dieser Frontallappen ist der Bereich im Gehirn, in dem unsere sogenannten Metakompetenzen, unsere Überzeugungen, Glaubenssätze, inneren Einstellungen und schlussendlich die daraus hervorgehenden Haltungen verortet sind. Sie bestimmen, was ein Mensch denkt, wie er Dinge bewertet, wie er handelt. Der springende Punkt dabei ist: Wir können die dort entstandenen Haltungen nicht einfach ändern. Weder Appelle in den berühmt-berüchtigten Sonntagsreden noch Ermahnungen und Belehrungen in Mitarbeitergesprächen werden Mitarbeiter wirklich zu mehr Leistung inspirieren. Die innere Einstellung, die Haltung verändert sich dadurch nicht.»

Die Führungskräfte sind gefragt

Die Leute zu irgendetwas zwingen zu wollen, bringt also gar nichts. Wie aber kann man Mitarbeiter dennoch motivieren? Nur indem man die alten, schlechten Erfahrungen durch neue positive ersetzt, sagt der Hirnforscher. Dafür braucht es unter anderem zwischenmenschliche Nähe und positive Gefühle für den Vorgesetzen.

Und die, so sagt Hüther, kann der Vorgesetzte nur selbst herbeiführen, indem er mit Leidenschaft führt, sich nicht auf Kosten seiner Mitarbeiter profiliert und den Mut hat, auch mal unkonventionelle Wege zu gehen und unkonventionelle Meinungen zuzulassen. Na denn, liebe Führungskräfte, wisst Ihr ja, was zu tun ist.

 

Bild: Jeffery Turner bei flickr.com (CC BY 2.0)

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