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29.04.08Kommentieren

Widerstände aus dem Weg räumen

Leider ist es nicht nur von uns selbst abhängig, ob wir alles so produktiv umsetzen können, wie wir es uns vorgenommen haben. Denn Chefs und Kollegen können uns das Leben manchmal ganz schön schwer machen. Ein paar Anregungen zum Umgang mit solchen Hürden.

Es gibt zwei Wege, mit Widerständen umzugehen, die einen daran hindern, seine Ziele zu erreichen und produktiv zu arbeiten: Die erste ist die Dampfwalzen-Methode, mit der Du alles platt machst, was sich Dir in den Weg stellt - erfordert ein großes Ego, starke Nerven und ist langfristig nicht besonders erfolgreich (außer Du bist der Chef oder unkündbar), weil Du damit Chefs und Kollegen vor den Kopf stößt. Das kann schnell nach hinten losgehen. Die andere Methode ist subtiler, erfordert aber auch rhetorisches Geschick.

Ein Beispiel: Stell Dir vor, dass Du die Zwischenergebnisse eines wichtigen Projektes präsentierst, an dem Du seit längerem arbeitest - vor dem Chef und ein paar Kollegen. Und plötzlich unterbricht Dich ein Kollege, der findet, dass man das ganze Projekt schneller, besser und billiger gestalten könnte. Er sagt Dir damit also indirekt, dass Du Deine Arbeit schlecht machst, und das vor dem Chef. Ganz verständlich: Du fühlst Dich beleidigt, verletzt, angegriffen, vielleicht hilflos, bist sauer.

Dennoch solltest Du richtig reagieren: Nicht einfach plump zurückschlagen, Dich rechtfertigen oder gar verteidigen. Besser: Nimm einem solchen Angriff mit rhetorischen Kniffen und guten Gegenargumenten seine Wirkung. Denn für die meisten Thesen gibt es Gegenthesen, die sich ebenso gut belegen lassen. Wichtig: Wecke im entscheidenden Moment Zweifel an dem unliebsamen Vorschlag. Aber greife den anderen nie frontal an. Für dieses Vorgehen ein paar Vorschläge:

  • Kann der Kollege seine Argumente untermauern? Frag ihn einfach mal nach präziseren Informationen und fundierten Fakten. Wie will er belegen, dass Du das auch billiger und schneller machen könntest? Kann er es besser machen und das auch beweisen? Dabei immer höflich und sachlich bleiben, das zeigt Professionalität. Oft kommt bei solchen Gegenfragen heraus, dass der andere auch keine Ahnung hat.
  • Manchmal ist der "Gegner" (wir nennen ihn jetzt einfach mal so) aber auch darauf vorbereitet und hat die Fakten schon im Ärmel - etwa eine Statistik über den Arbeitsaufwand bei ähnlichen Projekten. Oder er weiß, dass Du in letzter Zeit häufiger gefehlt hast, während er ständig Überstunden gemacht hat.

    Hinterfrag dann doch einfach den allgemeinen Konsens, der solchen Fakten zu Grunde liegt. Dieser "allgemeine Konsens" ist etwas, was für alle als logisch gilt, weil man sich unbewusst darauf geeinigt hat. Ein gutes Beispiel ist die Anzahl der Arbeitsstunden. Als allgemeiner Konsens gilt: Wer länger arbeitet, arbeitet mehr. Kontere einfach, dass Du in vergleichbar kürzerer Zeit viel mehr geleistet hast als der Kollege – einfach weil Du Dich besser organisiert hast und produktiver warst. Optimal ist das natürlich, wenn Du das an entsprechenden Erfolgen auch noch belegen kannst.

  • Fies ist es auch, wenn der "nette" Kollege von nebenan sich den allgemeinen Konsens zu Nutze macht, um Dich direkt anzugreifen, indem er etwas sagt und Dich damit zwischen den Zeilen beleidigt: "Wieder so ein Vorschlag von Kollege X". Damit hat er nicht nur Deine Idee angegriffen, sondern auch Dich – und zwar mit dem unscheinbaren Wörtchen "wieder". Denn damit hat er durchblicken lassen, dass Du regelmäßig blöde Vorschläge machst. Und jemand, der immer wieder blöde Vorschläge macht, muss ja, so der allgemeine Konsens, inkompetent sein. Auch hierauf solltest Du mit Gegenfragen reagieren, etwa indem Du um Fakten bittest oder den Konsens in Frage stellst.
  • Manchmal musst Du einfach Zeit gewinnen, weil Du für Deine Argumentation noch Fakten sammeln willst. Frag den Kollegen mit seinen Super-Ideen dann einfach zurück: "Könnten Sie mir zu Ihren Vorschlägen noch weitere Details nennen? Dann kann ich das bis nächste Woche neu kalkulieren." Du zeigst dann gleich, dass Du die Anregungen des anderen ernst nimmst und im Team arbeiten willst. Das freut den Chef. Achte aber darauf, dass solche Gegenfragen eine offene Antwort provozieren, über die man nachdenken muss, und die man nicht mit "Ja" oder "Nein" beantworten kann.
  • Zeit gewinnst Du auch, wenn Du auf einen Angriff mit einer Pause reagierst. Hierbei spielen Mimik und Gestik eine wichtige Rolle. Suche dazu zunächst direkt den Blickkontakt desjenigen, der Dich angesprochen hat. Schweige dazu ganz bewusst, zähle dabei im Kopf still langsam bis drei. Dann brich den Blickkontakt ab. Das wirkt selbstsicher und zeigt, dass Du keine unüberlegten Dings sagst, sondern dich um fundierte Aussagen bemühst.
  • Und noch ein Trick, um sich Zeit zu verschaffen: Der Kurzkommentar. Einige Beispiele "Ach?", "Ach was?", "So?", "Soso", "Interessant", "Moment", "Mag sein" oder "Wie bitte?" Die kleinen Sätze sind so nichtssagend, dass Du Dein Gehirn in dieser Zeit verwenden kannst, um über eine passende Antwort nachzudenken.
  • Du kannst Deinen Kollegen auch ein wenig lächerlich machen, indem Du ihn beim Wort nimmst. Mach ihm die logischen und mitunter absurden Konsequenzen seiner Handlung deutlich: "Ich habe die letzten Monate fast 24 Stunden am Tag gearbeitet." Und Du fragst: "Sie meinen, Sie wollen im Büro einziehen?" Das erheitert die Runde und löst manchmal sogar Spannungen.
  • Vermeide hypothetisches Reden: "Man könnte annehmen, dass ?" Das klingt nach Ausflüchten. Vermeide aber ebenso zu schnelle Festlegungen wie "Es ist doch vollkommen klar, dass ?". Dadurch provozierst Du bei Deinen Gesprächspartnern nur emotionale Widerstände. Besser: "Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ?, aber ich brauche noch mehr Informationen."
  • Und zum Schluss noch ein allgemeiner Tipp: Konkret und kurz ist für eine gute Argumentation wichtig. Verwende für einen Gesprächsbeitrag nicht mehr als sieben kurze Sätze. Studien zeigen, dass viele Menschen nicht mehr als sieben Sätze im Gedächtnis behalten können. Erläutere Deine Argumente immer an der konkreten Erfahrung und an plastischen Beispielen. Mit abstrakten Definitionen schaffst Du nur Missverständnisse und provozierst Ärger.

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