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02.05.11

Weniger ist mehr: Arbeit ohne Grenzen

Devisen wie «Less is more» oder der «Cult of Minimalism» sind Trends und Moden. Aber auch Ausdruck einer längerfristigen Entwicklung, die unsere Arbeitswelt prägt: Wir müssen lernen, uns selbst zu begrenzen.

Freizeit, Konsumaktivitäten oder eben auch Berufstätigkeit: Wir müssen lernen «nein» und «genug» zu sagen, meint Prof. Günter Voss, Soziologe von der TU Chemnitz. Voss ist Autor einer Wissenschaftsserie zum Thema Arbeit und Psychische Belastung auf SWR 2. Er zitiert zahlreiche Studien, nach denen die psychische Belastung am Arbeitsplatz ständig steigt - parallel zur Abnahme von körperlichen Berufskrankheiten wie Rückenschmerzen.

Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeige, so Voss, dass objektiv in der modernen Arbeitswelt ein hohes Risiko besteht, psychisch zu erkranken. Der Wandel zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft spiegelt sich auch in den Krankheitsbildern wider. Prekäre Freiheit

In seiner Sendung zum Thema Burnout führt Voss diveres Gründe an, weshalb dieser Anstieg zu verzeichnen ist. Die Arbeitsoziologie beschäftigt sich auch mit dem Wandel des Arbeitsverhältnisses und sieht eine neue «prekäre Freiheit» entstehen: Mehr Spielraum, um die Arbeit zu gestalten und gleichzeitig ein immer grösser werdender Erfolgsdruck. Das Ganze verbunden mit einem «Ende des Normalarbeitsverhältnisses»: Abbau gewohnter Regulierungen und Stabilität, Wegfall von festen Arbeitszeiten oder erhöhte Anforderungen an die Mobilität.

Leben ohne Grenzen

Die Soziologie spricht deshalb von einer zunehmenden Entgrenzung: Strukturen und damit Sicherheit und Orientierung fallen weg, Grenzen für die Anforderungen bestehen nicht mehr. Arbeit ohne Ende mit steigender Unsicherheit. Arbeitnehmer sind gefordert, sich selbst zu organisieren und sich selber zu managen. Selbstverantwortlichkeit kann auch Druck und Überlastung erzeugen. Less is more ist deshalb eine Forderung von Voss. Lernen, sich selbst zu begrenzen und wissen, was wichtig für einem selbst ist.

Umgang mit sich selber

Dem würde ich noch hinzufügen, lernen mit sich selber umzugehen. Es ist die Realität heute, dass wir die Verantwortung für uns und unsere berufliche Tätigkeit selber übernehmen müssen. Das ist eine wünschenswerte Freiheit, die auch Pflichten mit sich bringt: Erstens müssen wir diese Verantwortung wahrnehmen und uns Gedanken machen, was unsere Ziele, Wünsche und Prioritäten sind.

Im Driver Seat

Und als zweites müssen wir uns die Skills aneignen, uns selber zu organisieren. Das beginnt bei der Fähigkeit, über sich und seine Tätigkeit nachzudenken und zu reflektieren, sich selbst Ziele zu setzen und diese zu verfolgen. Und das kann damit aufhören, mit dem Pomodoro-Timer effizienter zu werden - kleine Tools, die uns unterstützen. Dabei gilt aber zu beachten: Wir sollten den Pomodoro Timer einsetzen, damit er uns hilft. Und nicht, damit er uns antreibt. Oder wie es bei Berater-Sprech heissen würde: Wir sind im Driver Seat.

» Burnout: Arbeiten bis zum Umfallen. Die Sendung auf SWR2 zum nachhören.

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