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11.07.12

Social Media und Persönlichkeitsentwicklung: Fehler akzeptieren und daraus lernen

Dank Social Media können wir der Welt unser Wissen oder unsere Ansichten kundtun. Das heisst auch, dass wir unsere Aussagen zur Diskussion stellen. Ein idealer Ort also, um zu lernen - vorausgesetzt, wir bringen die notwendige Reflexionsfähigkeit mit.

Meine These im ersten Teil des Artikels war: Das Internet, für viele das Medium narzistischer Selbstdarsteller schlechthin, soll uns Bescheidenheit lehren, ja uns sogar dazu zwingen?

Was tun, wenn die Leser einen beleidigen?

Ja, denn in keinem anderen Medium zuvor wurden uns unsere Fehler so gnadenlos und sofort vor die Nase gerieben. Man denke nur an den Fall des Herrn zu Gutenberg. Auch ich habe da meine ganz persönlichen Erfahrungen: 2009 begannen meine Leser auf meinem Blog teils wütend, teils polemisch gegen den allgemein propagierte These vom Fachkräftemangel anzukommentieren. Und sie warfen mir vor, keine Ahnung von dem Thema zu haben, was für mich zunächst ein Schock war.

Weil ich die Kommentar ernst genommen und nicht sofort abgeblockt oder ignoriert habe, entspann sich dann aber eine über Jahre hinweg geführter Dialog, in der sie mich immer wieder auch auf Medienberichte oder neuste Forschungergebnisse, etwa des DIW, aufmerksam machten – Material, das zu sichten ich aus Zeitgründen nicht in der Lage gewesen wäre. Einige Hundert Kommentare später wurde die Initiative Wir sind VDI  gegründet, die mittlerweile auch das Interesse von Institutionen wie DGB erweckt hat und in der Wikipedia referenziert ist.

Das Internet zwingt uns zur Abkehr vom Perfektionismus

Das Beispiel zeigt aber auch, dass das Internet uns vor grundsätzliche strukturelle Veränderungen stellt: Plötzlich ist da immer einer, der von einem Thema mehr Ahnung hat und ständig unsere Kompetenz in Frage stellen. Dauerkritik sind wir aber einfach nicht gewohnt, in unserer perfektionistischen Gesellschaft gibt es keine Toleranz für Fehler. Die Notwendigkeit, daraus zu lernen, ist für viele oft nur Theorie. Oft ist der erste Impuls dann eine panikartige Schockstarre oder wütende Abwehr. Und genau hier zwingt uns das Internet, es besser zu machen: Denn wer auf diese öffentliche Kritik trotzig oder selbstherrlich reagiert, schadet ganz schnell seinem guten Ruf. Und wer versucht, Fehler zu vertuschen, wird dabei mit großer Wahrscheinlichkeit auffliegen. Beides zeigt nicht zuletzt der Falle des früheren Ministerpräsidenten Christian Wulff.

Richtig mit Kritik umgehen

Wir haben also praktisch gar keine andere Wahl, als umzudenken – weg vom Perfektionismus hin zur Akzeptanz der eigenen Fehler und Unzulänglichkeiten. Und das ist auch gut so, denn so bringt uns das Internet dazu, auch als Persönlichkeit dazu zu lernen. Doch dieses Umlernen ist nicht leicht, denn, Hand aufs Herz, wer wird schon gerne kritisiert? Ein wichtiger Aspekt im Umgang mit Kritik ist, ruhig uns sachlich zu überlegen statt auf der Stelle auszuflippen, was im Internet leider oft genug passiert. Sobald wir uns von einer Aussage getroffen fühlen, sollten wir einen Moment innehalten, sachlich nachdenken und uns langsam einige Fragen beantworten:

  • Was denke und fühle ich gerade ganz genau?
  • Welche Bedeutung messe ich diesen Worten oder Handlungen bei?
  • Woher weiß ich, dass ich richtig vermute?
  • Was genau wurde gesagt?
  • Wer hat das gesagt?
  • Ist derjenige kompetent auf diesem Gebiet?
  • Ist seine Meinung wichtig für mich?
  • Welcher Wortlaut wurde verwendet?
  • Was das wirklich eine Kritik an mir oder eine Forderung?
  • Oder interpretiere ich diese Aussage nur als Forderung oder Kritik?
  • Warum genau fühle ich mich getroffen?
  • Ist die Kritik berechtigt?
  • Und was kann ich realistisch und der Situation angemessen besser machen?

Wer sich, statt jegliche Kritik abzublocken, reflektiert mit der Kritik an seinem Handeln beschäftigt, wird dadurch lernen, besser mit ihr umzugehen. Er wird erkennen, welche Kritik berechtigt ist und welche eher mit einer Intention geäußert wurde. Und er wird schliesslich Selbstbewusster und Überlegter auf Kritik reagieren können. Und bei alledem spielen die veränderten Kommunikationsgewohnheiten eine entscheidende Rolle.

Bild: cowbite auf flickr.com (CC BY-SA 2.0)

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