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18.09.11

Visitenkarten und Co.: Das Kreuz mit der Kontaktverwaltung

Selbst wenn das papierlose Büro Realität werden würde: Visitenkarten gibt's dann immer noch - zufriedenstellende und verbreitete Alternativen fehlen bis heute.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber mich nerven Visitenkarten unheimlich: Jeder meint, einem eine in die Hand drücken zu müssen, ob man will oder nicht. Zu Hause angekommen häufen sich die Stapel von Papp-Täfelchen in allen Farben und Schriften. Jedes Mal sage ich mir: «Diese Karte muss ich noch einpflegen, bevor ich sie wegsortiere.» Ergebnis: Ein immer größer werdender Stapel an unsortierten Kärtchen. Abhilfe kann vielleicht ein Visitenkarten-Scanner schaffen – aber der kostet Geld. Also habe ich kürzlich eine Schachtel genommen und alle Visitenkarten reingeworfen. Fertig.

Die in Berlin lebende koreanisch-amerikanische Künstlerin Kate Hers persifliert den Visitenkarten-Unsinn auf sehr ironische Weise: Sie verteilt «Oversized Business-Cards» im Format übergroßer Postkarten (24 X 13 cm), denen eines garantiert ist: Aufmerksamkeit. Praktisch sind die im Internetzeitalter natürlich ebenso wenig wie ihre kleinen Pendants im Checkkartenformat, die spätestens dann anfangen zu nerven, wenn sie im Geldbeutel überquellen.

Langsam müsste uns doch mal ein besseres und effektiveres System einfallen, als für teueres Geld Kärtchen zu bedrucken, die dann in irgendwelchen Schachteln oder im Mülleimer verschwinden. Wie aber könnte eine Lösung für die Kontaktverwaltung aussehen? Ein paar Ideen. Keine Visitenkarten

Kürzlich habe ich jemanden getroffen, der mir sagte, er hat eigentlich gar keine Visitenkarten – und dass das eigentlich bei allen gut ankommt. Leider habe ich inzwischen seinen Namen vergessen, weil das mit dem «Wir adden uns dann mal bei Sing» nicht so wirklich geklappt hat. Sei es drum: Ich fand das chic – und habe die Idee flugs übernommen. Denn meine eigenen Visitenkarten veralten schneller, als ich «Piep» sagen kann, weil sich öfter mal Adresse, Telefonnummer oder E-Mail-Adresse ändern. Leider kommt das bei mir nicht ganz so gut an: Ich ernte stets jede Menge böse Blicke, weil ich kein Kärtchen habe. Ach Leute, wir haben doch Internetzeitalter!

Immerhin: Der PR-Manager eines bekannten Computerherstellers stimmte mir auf der IFA zu: Visitenkarten seien ja sowas von «out». Eine bessere Lösung wusste er allerdings für den Moment auch nicht und förderte dann, nach längerem Suchen - Ihr ahnt es schon - sein letztes Kärtchen zutage.

Apps zum Einscannen

Eine Kollegin hat mir begeistert erzählt, wie sie mit ihrer iPhone-App Visitenkarten einscannt. Einmal abfotografiert, schon ist der Kontakt auch gleich in der Kontaktverwaltung des Mobiltelefons hinzugefügt. Das klingt wie etwas, dass ich brauche – zumal ich das Handy mit meinen Kontakten auf dem Computer synchronisiere. An Ort und Stelle wäre ich dann immer gleich up to date mit meinen Kontakten. Nur leider habe ich kein iPhone, sondern ein HTC Desire S mit Android 2.3. Mein erster Versuch mit Goggles scheitert kläglich – das Programm erkennt überhaupt nichts. Dann aber finde ich die kostenlose App CamCard, die es übrigens auch fürs iPhone gibt.

Das scheint immerhin in Ansätzen zu funktionieren: Zumindest normale Schrift, Schwarz auf Weiß, wird sehr gut erkannt. Allerdings kommt es darauf an, in welchem Winkel und bei welcher Beldeuchtung man die Visitenkarte ablichtet. Sprich: Visitenkarten mit dem Handy einscannen klingt nach einer tollen zukunftsfähigen Idee, die aber sicher noch verbesserungsfähig ist. Für den Anfang allerdings bin ich schon ganz zufrieden.

Kontakte zwischen mobilen Geräten übertragen

Noch besser wäre es natürlich, wenn man Daten direkt zwischen mobilen Geräten übertragen könnte. Das Problem ist, dass auf elektronischem Wege bisher ein einheitliches System fehlt. Sprich: Jeder User hat ein anderes Gerät, ein anderes Betriebssystem und längst nicht jeder User hat ein Smartphone.

Kontakte einpflegen über soziale Netzwerke

Bleibt schließlich noch die Alternative, Die Kontakte, die ich bei der täglichen Arbeit brauche, über soziale Netzwerke einzupflegen. Das ist für mich die bislang praktikabelste Methode: Ich adde neue Kontakte bei Xing und habe auch damit automatisch die ganzen Adressdaten. Selbige kann man ja leider nur als Premium-Mitglied komplett exportieren, z.B. in ein E-Mail-Programm oder auf das Handy. Sonst bleibt nur die Möglichkeit, die Kontakte einzeln zu exportieren. Immerhin mehr als andere Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter an Funktionalität bieten.

Vielleicht muss man aber auch gar nicht mehr exportieren? Denn: Das Adressbuch meines HTC Desire S zeigt sämtliche Kontaktdaten aus den Adressbüchern verschiedener sozialer Netzwerke an und verknüpft identische Kontakte auch miteinander. Das bedeutet, wenn ich den gleichenn Freund bei Facebook, Twitter, Skype, Google+, Xing und/oder in meinem Adressbuch habe, fragt mich das HTC, ob ich die Kontakte miteinander verknüpfen will, ein Klick genügt – und schon vereint das Gerät alle verfügbaren Daten zu einem Kontakt, den es mir fortan anzeigt. Warum gibt es sowas nicht für den PC? Leider könnte dieses schöne Feature schon bald wieder der Vergangenheit angehören könnte. Schuld daran ist der Krieg zwischen Google und Facebook. Denn offenbar ist zumindest ein Datenabgleich mich den Kontakten aus Facebook auf anderen Geräten für Android 2.3 nicht mehr möglich. Die etwas kompizierteren Gründe sind bei Netzwelt nachzulesen.

Kurz: Die wirklich optimale Methode, seine Kontakte zu verwalten, gibt es offenbar noch nicht. Oder welche Möglichkeiten nutzt Ihr so?

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