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18.04.11

Unsere Zukunft: Was wir wirklich lernen müssen

Leben heisst lernen, unser Gehirn lernt ständig. Bloss was und wie wir lernen, müssen wir vielleicht wieder mal diskutieren. Gunter Dueck und Stephen Downes haben sich dazu Gedanken gemacht: Was wir wirklich lernen müssen.

 

Der Mathematikprofessor und Philospoh Gunter Dueck hat in einem vielbeachteten Vortrag (hier unser Bericht davon) an der re:publica XI darauf aufmerksam gemacht, dass das Internet erstens die Welt verändert und zweitens viele Berufe verschwinden lässt. Es brauche eine neue Bildung, die mehr als nur Fakten und Skills vermittle und vor allem die Persönlichkeitsentwicklung betone. Es brauche mehr Kreativität und Eigenverantwortung; vermehrt würden Leute im Vorteil sein, die Menschen begleiten, begeistern und zu Zielen hinführen.

Was müssen wir lernen, um dorthin zu gelangen? Stephen Downes, Senior Researcher des National Research Council of Canada, hat sich vor einigen Jahren schon mal Gedanken gemacht. Stephen hat zehn Dinge aufgelistet, von denen er meint, dass wir - ob Kinder oder Erwachsene - sie unbedingt lernen müssen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Die Liste ist bemerkenswert: Es geht Stephen darum, dass wir uns ganz grundlegende Fähigkeiten und Haltungen aneignen - die uns am Ende helfen sollen, ein besseres Leben zu führen. Und er hält auch den Finger dorthin, wo unser Schulsystem heute vielleicht noch, nun sagen wir, optimiert werden könnte. Stephen ist Spezialist für Online-Lernen, neue Medien, Pädagogik und Philosphie und unterhält auf downes.ca eine lebhafte Diskussion. Wir haben die zehn Punkte mit freundlicher Genehmigung von Stephen übersetzt und publizieren sie hier zum ersten Mal auf deutsch.

WAS WIR WIRKLICH LERNEN MÜSSEN

von Stephen Downes, 30. August 2006 (zum Originalartikel)

Guy Kawasaki hat vor kurzem einen Artikel geschrieben mit dem Titel «10 Dinge, die man in diesem Schuljahr lernen sollte», in dem die Leser dazu angehalten werden zu lernen, wie man Fünf-Sätze-Emails schreibt, Powerpoint-Folien erstellt und langweilige Sitzungen überlebt. In meinen Augen waren es Ratschläge, wie man ein Business-Kriecher wird. Meiner Meinung nach sind Leute mehr wert und man sollte sich nicht zuviele Gedanken darüber machen, seinem Chef zu gefallen. Echtes Lernen bedeutet mehr, als in einem Geschäftsumfeld erfolgreich zu sein.

Aber was solltest du lernen? Deine Schule wird versuchen, dir Faktenwissen beizubringen, um den Test zu bestehen, sonst aber ist es ziemlich nutzlos. Daneben wirst du einige nützliche Fähigkeiten erwerben wie lesen und schreiben, die du weiter entwickeln solltest. Aber Guy Kawasaki liegt wenigstens mit etwas richtig: Die Schule wird dir nicht die Dinge beibringen, die du wirklich lernen musst, um erfolgreich zu sein, ob im Beruf (unabhängig davon, ob du dich entscheidest, dein Leben als Kriecher zu verbringen oder nicht) oder im Leben.

Hier ist deshalb meine Liste. Meiner Meinung nach ist es das, was du lernen musst, um erfolgreich zu sein. Zudem kannst du damit in diesem Jahr beginnen, egal in welcher und wie alt du bist. Natürlich könnte ich zu jedem Punkt viel mehr schreiben. Aber nimm es als Starthilfe, setze die Vorschläge um und lerne den Rest selber. Und die Lehrer frage ich, wenn ihr diese Dinge nicht in euren Klassen lehrt: Wieso tut Ihr es nicht?

1. Lerne, Konsequenzen vorherzusehen

Die häufigste Äusserung, die man an Unglücksorten hört ist «Das hätte ich nie gedacht...» Tatsache ist, dass die meisten Leute sehr schlecht Konsequenzen vorhersehen können und Schulen scheinen nicht daran zu denken, ihnen beizubringen, wie man darin besser wird.

Das Vorhersagen von Konsequenzen besteht aus Wissenschaft, Mathematik und Veranschaulichung. Im Kern ist es die Fähigkeit, sich ein geistiges Bild zu machen, das eine mögliche Reihe von Folgen abbildet: «Was würde passieren, wenn..»

In einer solchen Situation besteht die Gefahr, dass du dich auf das fokussierst, von dem du gerne hättest, dass es passieren würde, anstelle dessen, was passieren könnte. Wenn du zum Beispiel eine Spalte überspringen willst, kannst du dir vorstellen, wie du auf der anderen Seite landest. Das ist gut und führt zu einem erfolgreichen Sprung. Aber du solltest dir auch vorstellen, nicht auf der anderen Seite zu landen. Was würde dann passieren? Hast du jemals über die Folgen eines Falles aus 40 Metern nachgedacht?

Jetzt kommen Mathe und Wissenschaft dazu. Du musst die jetzige Situation mit deinen bisherigen Erfahrungen vergleichen und die Wahrscheinlichkeit der verschiedenen möglichen Ausgänge berechnen. Wenn du eine Fünf Meter-Lücke betrachtest, solltest du dich fragen «Wie oft habe ich es schon geschafft, fünf Meter weit zu springen? Wie oft nicht?» Wenn du die Antwort nicht weisst, weisst Du genug, um vorher einen Testsprung auf sicherem Gelände zu machen.

Menschen denken nicht voraus. Aber während du in der Schule bist, solltest du immer die Gelegenheit wahrnehmen, dich selbst zu fragen: «Was passiert als Nächstes?» Betrachte Situationen und Wechselwirkungen, die um dich herum geschehen und versuche, das Resultat vorherzusagen. Schreib deine Vorhersagen auf oder blogge sie. Mit etwas Übung wirst du zum Experten im Vorhersagen von Konsequenzen.

Noch interessanter ist, dass du mit der Zeit Muster und allgemeingültige Regeln beobachten wirst, Dinge, die das Vorhersagen von Konsequenzen noch einfacher machen. Dinge fallen. Glas bricht. Leute werden wütend, wenn du sie beleidigst. Heisse Sachen werden fallen gelassen. Hunde beissen manchmal. Der Bus (oder der Zug) ist manchmal verspätet. Diese Verallgemeinerungen – vielfach auch gesunder Menschenverstand genannt – werden dir helfen, unerwartete und manchmal schädliche Konsequenzen zu vermeiden.

2. Lerne lesen

Sonderbarerweise meine ich damit nicht die Fähigkeit zu lesen im traditionellen Sinne, sondern vielmehr, wie man einen Text anschaut und versteht, in einem weiterreichenden Sinne, was darin geltend gemacht wird (das gilt auch für Audio- und Videomaterial, aber wenn du mit Texten klarkommst, wird es sich nicht vollständig, aber relativ einfach, auf andere Gebiete übertragen lassen.).

Die vier Haupttypen des Schreibens sind: Beschreibung, Argument, Erklärung und Definition. Ich habe sie hier beschrieben. Du solltest lernen, diese verschiedenen Typen zu erkennen, indem du lernst, nach Indikatoren oder Schlüsselwörtern zu suchen.

Dann solltest du lernen, wie Sätze verbunden werden, um diese Texte zu gestalten. Ein Argument beispielsweise wird zwei Hauptteile haben, eine Prämisse und eine Folgerung. Die Folgerung ist das, worauf der Autor hinauswill und sollte deshalb durch einen Indikator zu erkennen sein (etwa mit Wörtern wie «demzufolge», «daher», «infolgedessen»).

Viel Geschriebenes sind Füller – vergeudete Wörter, damit der Autor gut aussieht, um deine Aufmerksamkeit abzulenken oder einfach um den Platz zu füllen. Sich durch diesen Mist wühlen zu können und direkt zu dem zu gelangen, was wirklich gesagt wird, ohne abgelenkt zu werden, ist eine wichtige Fertigkeit.

Da deine Schule dir das niemals beibringen wird, suche nach einem Buch über Argumentationstheorie (es wird einen Titel wie «Kritisches Denken» oder ähnlich haben). Suche in dem Buch nach Formen der Argumentation und den Schlüsselwörtern (die meisten dieser Bücher decken die drei anderen Textsorten nicht ab) und übe, diese Wörter in Texten und den Ausführungen deines Lehrers zu entdecken. Fokussiere dich jeden Tag auf ein spezifisches Schlüsselwort und beobachte, wie es in der Praxis verwendet wird.

3. Lerne, wie man Wahrheit und Dichtung auseinanderhält

Darüber habe ich an anderer Stelle schon ausführlich geschrieben, trotzdem bleibt dies ein Gebiet, das Schulen weitgehend ignorieren. Manchmal habe ich den Verdacht, dass Lehrer der Meinung sind, Schüler müssten Wissen unkritisch übernehmen; wenn sie alles in Frage stellen würden, was der Lehrer sagt, würden sie nie etwas lernen!

Als erstes musst Du lernen zu hinterfragen, was du liest und was du am Fernsehen siehst. Akzeptiere nicht einfach, was dir gesagt wird. Frag dich immer, wie du wissen kannst, ob das die Wahrheit ist. Welcher Beweis würde dich davon überzeugen, dass es falsch ist?

Ich habe verschiedene Artikel geschrieben, die dir dabei helfen können, etwa mein Guide to the Logical Fallacies und mein Artikel How to evaluate websites. Diese Prinzipien sind darüberhinaus anwendbar. Setze diesen Test ein, wenn dein Vorgesetzter etwas zu dir sagt. Du wirst überrascht sein, wieviel dein Chef erzählt, das einfach nicht stimmt.

Unterzieh jeden Tag mindestens eine Information (eine Zeitungskolumne, ein Blogpost, eine Vorlesung) einer strengen Prüfung. Analysiere jeden Satz und jedes Wort und frage dich, was man dich glauben machen will und wie du dich fühlen sollst. Frage dich danach, ob du genügend Gründe hast, das zu glauben oder dich so zu fühlen – oder ob du manipuliert worden bist.

4. Lerne, Dich in andere einzufühlen

Die meisten Menschen leben in ihrer eigenen Welt und meistens ist das OK. Aber es ist wichtig, mindestens zu erkennen, dass es da draussen andere Menschen gibt und dass sie genauso in ihrer eigenen Welt leben. Das bewahrt dich vor dem Fehler, anzunehmen, dass alle anderen so sind wie du. Und noch wichtiger, das erlaubt anderen Menschen, zu einer überraschenden Quelle neuen Wissens und Einsicht zu werden.

Teil dieses Prozesses ist es, die Dinge durch die Augen von jemand anderem zu sehen. Eine Person kann wörtlich an einem anderen Ort sein. Vielleicht sehen sie nicht, was du siehst und haben Dinge gesehen, die du nicht gesehen hast. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese unterschiedliche Perspektiven die Menschen auch unterschiedliche Dinge glauben lässt.

Aber noch bedeutsamer ist es, in der Lage zu sein, sich in andere Menschen einzufühlen. Das bedeutet, dass du in deinem Kopf ein geistiges Modell der die Gedanken und Gefühle einer anderen Person hast und deine Person in diesem Modell positionierst. Das geht am besten, wenn du dir vorstellst, die andere Person zu sein und dich dann in eine konkrete Situation versetzt.

Vermutlich ist das Studium des Schauspiels der beste Weg, das zu lernen (damit meine ich nicht Shakespeare zu studieren, sondern lernen zu schauspielern). Traurigerweise ist das nicht Teil des Kern-Curriulums von Schulen, also musst Du als Ersatz Fächer wie Religion oder Psychologie belegen. Schulen bieten aber diese auch nicht wirklich an. Stelle deshalb sicher, dass du täglich wenigstens etwas Zeit in Role-Playing Games (RGP) verbringst und übst, jemand anders mit unterschiedlichen Überzeugungen und Motivationen zu sein.

Wenn Du empathisch bist, wirst du beginnen, Wege zu finden und verstehen, um die Kluft zwischen dir und anderen Menschen zu überbrücken. Beispielsweise wird es dir wichtige werden, höflich und entgegenkommend zu sein. Du wirst in der Lage sein, die Kränkung einer anderen Person nachzfühlen, wenn du unhöflich bist. Im gleichen Sinne wird es dir wichtiger werden, ehrlich zu sein, denn du wirst beginnen zu sehen, wie durchsichtig deine Lügen sind und wie beleidigend es ist, wenn jemand von dir glaubt, du seist so einfach hinter’s Licht zu führen.

Empathie ist nicht eine Art Tauschhandel. Es geht nicht um die Anwendung der Goldenen Regel. Es ist ein aufrichtiges inneres Gefühl, das harmonisch mit einer anderen Person abläuft; ein Weg, Zugang zu Befindlichkeit anderer Menschen zu erhalten durch mitfühlendes Einsetzen deiner Befindlichkeit. Du bist höflich, weil du dich schlecht fühlst, wenn du unhöflich bist; du bist ehrlich, weil du dich beleidigt fühlst, wenn du lügst.

Du musst lernen, diese Gefühle zu fühlen; wenn du das erreicht hast, wirst du verstehen, wie leer dein Leben vorher war.

5. Lerne, kreativ zu sein

Jeder kann kreativ sein und wenn du dein Leben betrachtest, wirst du entdecken, dass du schon bei zahlreichen Gelegenheiten kreativ warst.

Menschen haben eine angeborene Fähigkeit zur Kreativität – so funktioniert unser Geist – und mit etwas Übung kannst du sehr gut darin werden.

Der Kniff ist, zu verstehen wie Kreativität funktioniert. Manchmal denken Leute, dass schöpferische Ideen aus dem Nichts hervor springen (so wie das sprichwörtliche leere Blatt, das den Autor anstarrt), aber in Wirklichkeit ist Kreativität das Resultat, wenn du dein Wissen in bestimmter Weise nutzt und veränderst.

Echte Kreativität ist fast immer eine Antwort. Dieser Artikel zum Beispiel wurde als Antwort zu einem Artikel geschrieben, der dasselbe Thema behandelte und den ich aber für zu wenig durchdacht hielt. Kreativität entsteht auch als Antwort auf ein bestimmtes Problem: wie man eine Katze rettet, wie man eine Erdspalt überwindet, wie man Wäsche aufhängt. Wenn du kreativ sein willst, musst du als erstes ein Problem suchen, das gelöst werden muss und das eine Antwort verdient; oder du findest Bedürfnisse, die erfüllt werden müssen. Das verlangt etwas Übung (versuch jedes Problem oder Bedürfnis aufzuschreiben, das du siehst).

Zusätzlich bedingt Kreativiätt den Transfer von Wissen von einem Gebiet in ein anderes und manchmal auch die Manipulation dieses Wissens. Wenn Du im echten Leben einen Spalt überspringen willst, wie hast Du ihn in diesem Online-Spiel überquert? Oder wenn Du Batteriesäure aufputzen sollst: was tust du gegen einen übersäuerten Magen?

Anders gesagt: Kreativität arbeitet häufig mit Metaphern, das heisst, du musst lernen, Gemeinsamkeiten der aktuellen Situation mit anderen, dir bereits bekannten Dingen zu finden. Das meint man normalerweise mit dem Ausdruck «thinking outside the box» – du willst dich ausserhalb des Gebietes des aktuellen Problems bewegen. Die besondere Fähigkeit, um die es hier geht, ist Mustererkennung. Diese Fertigkeit ist schwierig zu lernen und bedarf viel Übung – deshalb ist Kreativität auch so anstrengend.

Aber Muster zu erkennen kann gelernt werden – es ist das, was du tust, wenn du von einem Lied sagst, es töne ähnlich wie ein anderes, oder wenn Du Fotos von Blumen oder Fischerbooten schiesst. Die Kunst beinhaltet sehr häufig das Erkennen von Mustern; Das ist der Grund, weshalb du jeden Tag dieses Jahres ein wenig Zeit mit Kunst verbringen solltest – Musik, Fotografie, Video, Zeichnen, Malen oder Dichtung.

6. Lerne, dich klar auszudrücken

Sich klar auszudrücken heisst vor allem zu wissen, was man sagen will, und dazu einige einfache Werkzeuge anwenden, um es dann zu sagen. Der schwierigste Teil ist vermutlich, zu wissen, was du sagen willst. Aber es ist besser, Zeit aufzuwenden um sicher zu sein, dass du verstehst, was du meinst als einen Haufen Krempel zu schreiben und zu versuchen, dich mehr oder weniger klar auszudrücken.

Wissen, was man sagen will ist eine Frage der Struktur. Professionelle Autoren wenden eine kleine Garnitur von ziemlich standardmässigen Strukturen an. Beispielsweise gibt es Autoren, die Artikel bevorzugen, die aus einer Liste verschiedener Punkte bestehen, wie dieser Artikel hier. Eine andere Struktur, vielfach als Pyramide bezeichnet, wird von Journalisten angewendet: Die ganze Geschichte wird im ersten Absatz erzählt und die Absätze danach enthalten immer weniger wichtige Details.

Innerhalb dieser Gesamtstruktur legen die Autoren Argumente, Erklärungen, Beschreibungen oder Definitionen vor, manchmal kombiniert. Jede Textsorte hat eine unterscheidbare Struktur. Eine Argumentation beispielsweise hat eine Schlussfolgerung, auf die der Autor abzielt und die du glauben sollst. Die Schlussfolgerung wird von einer Anzahl Prämissen unterstützt. Diese Prämissen und die Schlussfolgerung werden durch Indikatoren verbunden. Das Wort «demzufolge» etwa weist auf die Schlussfolgerung hin.

Lernen, sich schriftlich klar auszudrücken heisst, sich die Werkzeuge anzueignen und üben, sie anzuwenden. Vermutlich der beste Weg zu lerne, das eigene Schreiben zu strukturieren ist zu lernen, wie man eine Rede ohne Notizen hält. Das zwingt dich, eine klare Struktur zu haben (eine, an die du dich erinnern kannst) und sie geradlinig durchzuziehen. Darüber habe ich schon einiges geschrieben und schau dir auch mal Keith Spicers Buch an, Winging it.

Lerne ausserdem, die Instrumente anzuwenden, die die Professionals einsetzen. Lerne die Struktur von Argumentation, Erklärung, Beschreibung und Definitionen. Lerne die Schlüsselwörter, die den Leser durch diese Strukturen führen. Beherrsche die grundlegende Grammatik, damit deine Sätze eindeutig sind. Informationen über alle diese Themen findest du im Internet.

Dann übe jeden Tag zu schreiben. Ein guter Weg, um zu üben, ist bei einer studentischen oder Freiwilligenzeitung mitzumachen. Mit einem Team, für ein Publikum und auf einen Termin schreiben. Das zwingt dich, schneller zu arbeiten; das ist nützlich, weil du schneller bist, wenn du klar schreibst. Wenn keine Zeitung existiert, schaffe eine oder gründe einen Newsblog.

7. Lerne zu lernen

Dein Hirn besteht aus Milliarden von Nervenzellen, die untereinander verbunden sind. Lernen heisst im Wesentlichen, aus diesen Verbindungen Gruppen zu bilden. Dein Gehirn lernt ständig, ob Du Mathematik studierst oder in den Himmel starrst, weil sich diese Verbindungen ständig bilden. Der Unterschied, was du lernst, liegt darin, wie du es lernst.

Wenn Du lernst, versuchst Du, Muster der Zusammenhänge in deinem Kopf herzustellen. Du versuchst, Nervenzellen miteinander zu verbinden und diese Verbindungen zu stärken. Das bewältigen wir, indem wir bestimmte Gruppen von Verhaltensweisen oder Erfahrungen wiederholen. Lernen ist eine Frage der Übung und der Wiederholung.

Das heisst, wenn du lernst – von 2+2=4 bis hin zu den Grundlagen der Quantenmechanik – musst du ständig wiederholen, um diese Verbindung der Nervenzellen herzustellen. Manche Leute lernen, indem sie Worte laut vor sich hersagen – diese Art des Routinelernens war bis vor kurzem sehr populär. Notizen zu machen während jemand anders redet, ist ebenfalls gut, weil man es einmal hört und dann wiederholt, wenn man es aufschreibt.

Überleg dir, wie du lernst, einen Baseball zu werfen. Jemand kann dir alles darüber erklären und du kannst alles verstehen, und trotzdem musst du immer noch den Ball mehrere Tausend Mal werfen, bevor du darin gut wirst. Du musst die Verbindungen deiner Nervenzellen trainieren wie du deine Muskeln trainierst.

Manche Leute verstehen unter Lernen das Erinnern von Fakten. Manchmal ist es das, aber lernen ist mehr Wiedererkennen als Erinnern. Weil du versuchst, Netzwerke aus Nervenzellen zu bauen, ist es besser, ein zusammenhängendes Ganzes zu lernen als nicht unzusammenhängende Teile. Dieses Ganze hat diesselben Muster wie ein anderes zusammenhängedes Ganzes aus einem anderen Gebiet, das du schon kennst. Dann wird aus dem Lernen das Erkennen von Mustern.

Manchmal sind die verwendeten Mustern sehr künstlich, wie etwa bei «Es geht hurtig durch Fleiss» (mit diesem Satz merken wir uns die Musiknoten auf den Linien). In anderen Fällen, und etwas nützlicher, stehen die Muster in Verbindung mit Gesetzen der Natur, der Logik oder mathematischen Prinzipien oder dem Fluss der Geschichte. Zeichnungen herzustellen hilft Menschen oft, Strukturen zu finden (deshalb sind Mindmaps und Concept Maps so populär).

In der Tat sollte man das Studium der Mathematik, Geschichte, Wissenschaft und Mechanik als das Studium von archetypischen Mustern betrachten, die man überall wieder erkennen wird. Aber das heisst, dass du dich während des Lernens fragen musst «Was sind die Muster?» und nicht nur «Was sind die Fakten?». Und dir diese Fragen zu stellen wird das Lernen in diesen Fächern sogar einfacher machen.

Lernen zu lernen ist das Gleiche wie etwas anderes zu lernen. Es braucht Übung. Du solltest versuchen, jeden Tag etwas zu lernen, ein zufällig ausgewähltes Wort im aus dem Wörterbuch oder einen willkürlichen Wikipedia-Eintrag. Wenn du diesen Eintrag lernst, lerne ihn nicht isoliert, sondern suche nach Mustern – passt es in eine Struktur, die du schon kennst? Ist es eine Art von Ding, die du schon gesehen hast? Baue dieses Wort oder dieses Konzept in dein existierendes Wissen ein, indem du es auf irgendeine Art verwendest – schreib einen Blogpost oder zeichne ein Bild, das das Wort erklärt.

Denke immer und in jedem Moment darüber nach, wie du lernst und was du gerade lernst. Vergiss nicht, du lernst immer, das heisst, du musst dich fragen, was du lernst, wenn du fernsiehst, einkaufen gehst, Auto fährst oder Fussball spielst. Welche Muster werden gerade kreirt? Welche Muster werden gerade verstärkt? Wie kannst Du in diesem Prozess die Kontrolle übernehmen?

8. Lerne, wie du gesund bleibst

Praktisch gesehen umfasst die Erhaltung deiner Gesundheit zwei wesentliche Komponenten: Setze dich sowenig wie möglich Krankheiten oder Giftstoffen aus und sorge für deinen Körper.

Sich möglichst wenigen Krankheiten und Giftstoffen auszusetzen ist hauptsächlich eine Frage der Reinlichkeit und der Ordnung. Einfache Dinge, wie Methanol in der Garage aufzubewahren und nicht im Küchenschrank, minimieren das Risiko unbeabsichtiger Vergiftung. Kochflächen sauber halten und Lebensmittel vollständig zu garen reduzieren das Risiko einer bakteriellen Verunreinigung. Regelmässiges Händewaschen verhindert das Übertragen von Viren und Krankheiten zwischen Menschen.

Ganz ähnlich sind einige der brennenden Themen in der Bildung von heute eigentlich Warnungen davor, sich zu sehr Krankheiten und Giftstoffen auszusetzen. Ganz kurz: Wenn du mit einer anderen Person Sexualverkehr hast, ermöglichst du die Übertragung von Krankheiten, also schütze dich. Tätigkeiten wie Alkohol trinken, fettiges Essen essen, rauchen und Drogen konsumieren sind nichts anderes als das Einführen von Giften in dein Körpersystem, also tu es mit Mässigung und wo die Giftstoffe signifikant sind, tu es überhaupt nicht.

Für deinen Körper zu sorgen ist vermutlich fast noch wichtiger, da die hauptsächlichen Bedrohungen deiner Gesundheit generell diejenigen sind, die zu körperlichem Zerfall führen.

Die Gegenstände richtiger Ernähung und richtigen Trainigs sollten gelernt und geübt werden. Selbst wenn du nicht ein Gesundheitsfreak werden willst (und wer will das schon?), ist es nützlich zu wissen, welche Lebensmittel und welche Tätigkeiten zuträglich sind und sich anzugewöhnen, gutes Essen zu sich zu nehmen und nützliche Aktivitäten auszuüben.

Versuche jeden Tag auf irgendeine Weise aktiv zu sein – fahre mit dem Rad zur Arbeit oder zur Schule, laufe einen Kilometer, spiele ein Spiel oder trainiere. Zusätzlich versuche jeden Tag eine Mahlzeit zu dir zu nehmen, die «dir gut tut», die Proteine und Mineralien beinhaltet (wie Fleisch und Gemüse, Soja oder Früchte). Wenn deine Schule nicht die richtige Ernährung oder passende Trainingsgelegenheiten zur Verfügung stellt, verlange sie. Du kannst nicht lernen, wenn du krank und hungrig bist. Falls das nicht klappt, versuche dir ein eigenes Programm zusammenzustellen.

Als letztes darfst du nicht vergessen: Du musst dich niemals rechtfertigen, wenn du dein Leben oder deine Gesundheit schützt. Wenn du etwas nicht tun willst, weil du es für unsicher hältst, hast du das absolute Recht dich zu weigern. Die Konsequenzen – egal welche Konsequenzen – sind immer noch besser als in diesem Punkt nachzugeben.

9. Lerne, Dich zu wertschätzen

Vielleicht ist es zynisch zu behaupten, die Gesellschaft sei ein gigantisches Komplott, damit du dich schlecht fühlst, aber ganz falsch wäre es auch nicht. Die Werber wollen, dass du dich schlecht fühlst und ihre Produkte kaufst, Politiker wollen, dass du dich nicht kompetent fühlst und von ihren Strategien und Programmen abhängst, selbst deine Freunde und Bekannten können versuchen, dass du an dir zweifelst, um einen kleinen Wettbewerbsvorteil zu haben.

Du kannst alles Wissen und alle Fähigkeiten dieser Welt besitzen, aber sie bleiben bedeutungslos, wenn du dich nicht selbst befähigt fühlst, sie einzusetzen; es ist wie einen Lamborghini zu besitzen und keinen Führerschein zu haben. Er steht glänzend in der Garagenauffahrt, aber er hat keinen Wert für dich, solange du keine Spritztour damit unternehmen kannst.

Sich selbst wertzuschätzen ist teilweise eine Frage der Persönlichkeitsentwicklung und teilweise eine Frage der Entscheidung. Um dich selbst wertzuschätzen musst du das Gefühl haben, es wert zu sein, dich zu schätzen. Tatsächlich bist du es Wert, geschätzt zu werden, aber es hilft häufig, es sich selber zu beweisen, indem du ein Ziel erreichst, eine bestimmte Fähigkeit erwirbst oder eine Auszeichnung erwirbst. Und um dich selber wertzuschätzen, musst du dir sagen «ich bin wertvoll».

Das ist ein wichtiger Punkt. Wie wir selbst über uns denken ist genau so eine Frage des Lernens wie alles andere. Wenn dir jemand immer und immer wieder sagt, du seist wertlos und du dem nichts entgegen hältst, wirst du irgendwann glauben, du seist wertlos, weil sich die Verbindungen deiner Nervenzellen genauso ausbilden werden. Aber wenn du wiederholst, glaubst und dich so verhältst, dass du dir immer und immer wieder sagst «ich bin wertvoll», dann wirst du das am Ende glauben.

Was heisst es, dich selber wertzuschätzen? Tatsächlich heisst es viele Dinge. Beispielsweise ist es der Glauben, dass du gut genug bist, eine Meinung zu haben, deine Stimme zu erheben und etwas zu sagen zu haben, dass deine Beiträge wichtig sind. Es ist der Glaube, dass du kompetent bist, dass du Neues lernen kannst und dass du kreativ sein kannst. Es ist deine Fähigkeit, unabhängig zu sein und nicht auf eine bestimmte Person oder Institution angewiesen zu sein, um dich wohl zu fühlen, und autonom zu sein, fähig eigene Entscheidungen zu treffen und dein Leben auf deine Art zu leben.

Alle diese Dinge stehen dir von Rechts wegen zu. Aber sie werden dir nie gegeben. Du musst sie dir nehmen, indem du tatsächlich an dich glaubst (egal, was andere sagen) und tatsächlich selbständig bist.

Deine Schule hat keinen Kurs dafür (und versucht vielleicht aktiv, deine Selbständigkeit und dein Selbstwertgefühl zu unterhöhlen, pass darauf auf). Also bist du selbst verantwortlich für deinen Sinn für Selbstwert.

Tu es jeden Tag. Sag dir selber, dass du schlau bist, dass du cool bist, dass du stark und gut bist – und was immer sonst noch du sein willst. Sag es laut am Morgen – versteckt in der Dusche, wenn du willst, aber sag es. Dann übe diese Eigenschaften. Sei klug, etwa indem du ein Kreuzworträtsel löst. Sei cool, indem du dein eigenes Fashion Statement machst. Sei stark, indem du etwas tust, was du dir vorgenommen hast. Sei gut, indem du etwas Gutes tust. Und erinnere dich jedesmal daran, dass Du es tatsächlich getan hast.[/box]

10. Lerne, ein sinnvolles Leben zu leben

Das ist vermutlich die schwierigste Sache zu lernen, und die Sache, die am wenigsten gelehrt wird.

Ein sinnvolles Leben ist eigentlich eine Kombination von mehreren Dingen. Auf der einen Seite ist es dein Engagement für einen Zweck oder ein Ziel. Es ist aber auch dein Sinn für die Anerkennung und die Hingabe zum Hier und Jetzt. Und schlussendlich ist es die Erkenntnis, dass dein Platz in der Welt, deine Bedeutung, etwas ist, das du dir selbst schaffen musst.

Zuviele Menschen leben ohne richtige Ziele. Sie versuchen, mehr Geld zu verdienen, berühmter oder mächtiger zu werden, und egal, ob sie ihr Ziel erreichen, sie halten ihr Leben für leer und bedeutungslos. Weil sie Mittel und Zweck verwechseln – Geld, Ruhm und Macht sind Dinge, die die Menschen suchen um etwas zu tun, das wert ist, getan zu werden.

Was ist es wert, getan zu werden? Das zu entscheiden liegt an dir. Ich habe mich entschlossen, mein Leben dafür einzusetzen, damit andere Leute eine Ausbildung erhalten. Andere wollen Krankheiten heilen, den Weltraum erforschen, einen Gott anbeten, eine Familie grossziehen, Autos zu designen oder zur Erleuchtung gelangen.

Wenn Du nicht entscheidest, was es wert ist, getan zu werden, wird jemand anders für dich entscheiden, und an irgendeinem Punkt in deinem Leben wirst du feststellen, dass du nicht getan hast, was es wert war, getan zu werden. Also investiere heute etwas Zeit und überleg dir, was wert ist, getan zu werden. Du kannst deine Meinung morgen ändern. Aber beginne wenigstens damit, dich in irgendeine Richtung zu führen.

Die zweite Sache wird manchmal als das Leben im Jetzt bezeichnet. Es ist im Kern das Verständnis, dass du deine Gedanken kontrollierst. Deine Gedanken haben keine Macht über dich, das einzige, worauf es ankommt, ist dieser Moment jetzt. Wenn du über etwas nachdenkst, über Hoffnungen, Versagen oder Ängste, können dich diese Gedanken nicht verletzen und du entscheidest, wie viel oder wie wenig du diesem Gedanken vertraust.

Ein anderer Aspekt davon ist: Was du jetzt gerade tust, ist die Sache, die du am meisten tun willst. Vielleicht denkst Du jetzt «Auf keinen Fall, ich wäre lieber in Malibu Beach!» Aber wenn du wirklich lieber in Malibu Beach wärst, dann wärst du jetzt dort. Der Grund, weshalb du es nicht bist, ist weil du dich für andere Prioritäten in deinem Leben entschieden hast – deine Familie, dein Job, dein Land.

Wenn du begreifst, dass du die Macht hast zu wählen, was du tust, realisierst du, dass du die Macht hast die Konsequenz auszuwählen. Was bedeutet, dass Konsequenzen – sogar schlechte Konsequenzen – zum grössten Teil eine Frage der Wahl sind.

Dieses Verständnis ist sehr befreiend. Denk darüber nach, als Leser: Es bedeutet, dass ich im Moment nichts mehr will als diesen Artikel zu schreiben, damit du – ja, du – ihn lesen kannst. Und fast noch aufregender, als Autor weiss ich, dass du im Moment nichts lieber tust als die Worte hier zu lesen, noch lieber als jetzt in Malibu Beach zu sein. Das sorgt dafür, dass ich etwas bedeutungsvolles schreiben will und ermöglicht mir, meinem Leben Sinn zu geben.

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