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20.02.08

Tipps für den Kontowechsel: Für jeden das richtige Konto

Angebote für Girokonten gibt es viele. Bei Filialbanken vor Ort und bei Direktbanken im Internet, mit hohen (bis 170 Euro im Jahr!), geringen und manchmal sogar gar keinen Gebühren. Da fragt man sich unweigerlich, ob man nicht zu viel für sein Girokonto bezahlt - so ging es jedenfalls mir kürzlich. Wir haben ein paar Tipps für den Kontowechsel.

Sollte ich wirklich den Aufwand auf mich nehmen und mein Girokonto wechseln? Das wollte gut überlegt sein. Als ich mich näher mit dem Thema beschäftigte, merkte ich zudem schnell: Es gibt auch zahlreiche Lockangebote, die erstmal super klingen, bei denen aber manchmal spätere Folgekosten zu Tage treten.

Das Automatennetz - eines der Kriterien für die Wahl einer Bank

Das Automatennetz - eines der Kriterien für die Wahl einer neuen Bank [Bild: Keystone/Martin Ruetschi]

Grund dafür, dass ich mich schließlich doch zum Wechseln entschloss, war der Ärger über meine bisherige Bank: Nicht nur, dass ich dort jeden Monat einen bestimmten Geldeingang vorweisen musste, um mein Konto kostenlos führen zu dürfen (als Freiberufler mit unregelmäßigen Honorarzahlungen ein bisschen schwierig), die Bank bot auch nur ein dürftiges Geldautomatennetz und schlechte Erreichbarkeit. Das war ursprünglich mal anders gewesen, aber mit der Zeit war der Service immer schlechter geworden. Aber wie heißt es so schön: Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Erst als ich mich so richtig über einen Fehler der Bank geärgert hatte, entschloss ich mich zum Wechsel.

Was will ich?

Hat man den Entschluss gefasst, muss man sich erstmal darüber klar werden, was man genau will: Nicht jedes Konto ist auch für jeden geeignet, denn jeder erwartet einen anderen Service von der Bank. Also erstmal eine kleine Checkliste machen - etwa so:

  • Möglichst kostenlose Kontoführung

  • Onlinebanking reicht, Vor-Ort Service ist nicht unbedingt notwendig

  • Ist die Website für das Onlinenbanking gut erreichbar, sicher und das Handling einfach?

  • Möglichst gute Verfügbarkeit von Bargeld, auch im Ausland

  • Überweisungen und Daueraufträge sollen kostenlos sein

  • EC-Karte kostenlos

  • Kreditkarte möglichst kostenlos

  • Tagesgeldkonto mit Guthabenverzinsung

  • Kosten für die Kontüberziehung dürfen nicht zu hoch sein, ist aber nicht so wichtig

  • Konto-Wechsel-Service der Bank ist nicht unbedingt notwendig

Zum Beispiel Betreuung: Will man einen Vor-Ort-Service in der Filiale oder reicht es auch, das Konto online zu führen? Ersteres ist natürlich teuer, sollte aber nicht mehr als 60 Euro bis 80 Euro im Jahr kosten. Auch Online-Konten sind nicht immer kostenlos, und es gibt Serviceunterschiede: Einige Direktbanken bieten Telefon- und Onlinebanking sowie die Möglichkeit, Geldgeschäfte auch per Post zu erledigen. Andere bieten nur Onlinebanking. Mir war schnell klar: Wenn schon Direktbank, dann kostenlos. Selbst wenn ich dann nur Online-Banking machen kann und vor Ort keine Möglichkeit habe, mal Geld einzuzahlen. Übrigens: Neben den Direktbanken sind die Regionalbanken oft besonders günstig. Dafür haben sie aber oft ein kleineres Filialnetz und sind vor Ort nicht vertreten. Und oft stehen Sie nur Kunden ihrer Region offen.

Ein weiteres, sehr wichtiges Kriterium: Wie kommt man an sein Bargeld? Denn nicht immer ist die Filiale vor Ort, manchmal hat sie sogar dichtgemacht. Und gerade wenn man viel unterwegs ist, kann es wertvoll sein, da auch schnell und kostenlos an sein Geld zu kommen. Daher empfiehlt es sich, die Bank nach dem Geldautomatennetz auszuwählen. Genau hinschauen: Einige Banken sind zu Verbünden zusammengeschlossen (z.B. die Cashgroup) und jeder Bankverbund hat sein eigenes Geldautomaten-Netz. Und im Ausland? Auch hier gibt es Filialen deutscher Banken und Kooperationen. Ich habe mich schließlich für die Bank entschieden, die mir per Visa-Card weltweit kostenloses Geld-Abheben garantiert.

Wer Onlinebanking macht, sollte darauf achten, dass die entsprechende Site seiner Bank schön übersichtlich ist. Es bringt nichts, wenn man für jede Überweisung wild durch die Gegend klicken muss. Onlinebanking birgt mitunter auch Gefahren. Manche Banken geben ihren Kunden allerdings die Garantie, alle online verloren gegangenen Beträge zu ersetzen - auch dann, wenn der Kunde selbst schuld am Verlust ist. Das ist natürlich optimal.

Die Kosten:

Die Zeitschrift Finanztest hat 2005 144 verschiedene Girokonten in 55 Banken getestet. Und auch das Team von Optimal-Banking.de hat mehrere Girokonten getestet. Das sind schonmal zwei gute Orientierungshilfen, die den Durchblick im Angebotsdschungel bei den Girokonten erheblich erleichtern. Denn: Selbst wenn die Kontoführung auf den ersten Blick kostenlos ist, oft lauern versteckte Kosten im Detail. Ein kleiner Leitfaden, auf was man bei der Auswahl des Kontos im Kleingedruckten besonders achten sollte:

  • Bei Online-Konten können die Belege für Überweisungen, Scheckeinreichungen oder Kontoauszüge ziemlich teuer sein.

  • Das Konto ist kostenlos - aber die EC-Karte? Bei manchen Banken kostet sie extra. Und selbst wenn die EC-Karte gratis ist, kostet eventuell die Partnerkarte extra.

  • Auch bei der Kreditkarte gibt es große Unterschiede: Die Optionen reichen von völlig kostenlos bis zu einer Jahresgebühr von 40 Euro. Manche Banken bieten die Kreditkarte kostenlos an, wenn ein bestimmter Jahresumsatz erreicht wird, den man aber erstmal schaffen muss. Mögliche Alternativen: Die kostenlose Kreditkarte bei einem anderen Anbieter - oder gar keine Kreditkarte.

  • Die Kontoführungsgebühren sind ein wichtiger Punkt, aber bei weitem nicht alles. Achten sollte man auch auf den Dispositionskredit. Hier liegen günstige Anbieter bei unter neun Prozent, teure bei 15 Prozent oder mehr.

  • Viele Girokonten, die angeblich kostenlos sind, sind es nur ab einem bestimmten monatlichen Geldeingang. Und zwar in der Regel per Überweisung. Gerade für Selbständige meist höchst unpraktikabel. Andere Banken erwarten, dass man immer eine bestimmte Summe bei ihnen anlegt. Auch dies ist ungünstig, wenn die Zinsen hier niedriger sind als anderswo.

  • Sie kostet nur Geld, wenn sie nicht vorhanden ist: Die Guthabenverzinsung. Die meisten Girokonten sind nicht verzinst, bei anderen sind es ein paar Prozent. Viele Banken bieten Girokonten gemeinsam mit Tagesgeldkonten an, auf denen das Guthaben mit bis zu 4,5 % verzinst werden kann.

  • Es gibt sogar Banken, die Geld für die Kontoführung zahlen - aber auch nur wieder bei einem bestimmten monatlichen Geldeingang oder einem bestimmten Mindestumsatz. Besser ist da ein "bedingungsloses" Konto.

Tipps für den Wechsel des Kontos:

Viele Banken bieten den Service, den Kontowechsel zu übernehmen. Das ist vielleicht sinnvoll, aber nicht unbedingt zeitsparend. Denn man muss dennoch erst eine Liste mit den Adressen all derjeniger abgeben, die von dem Konto regelmäig abbuchen oder von denen man Zahlungen erhält. Da ist es unter Umständen einfacher, ein entsprechendes Schreiben zu entwerfen und selbst an alle zu faxen. Und auch sicherer, denn nicht immer ist auf den Service der Bank Verlass - danach braucht man sich die neue Bank also nicht auszusuchen.

Beim Informieren all dieser "Bankgeschäftspartner" geht man am besten so vor:

  • Zuerst eine Liste machen mit allen, die zu benachrichtigen sind.
  • In der Regel benötigen die Empänger die Änderung der Kontodaten mit Unterschrift. Unter Umständen reicht auch eine unterschriebene PDF-Datei per E-Mail, auch wenn das nicht nicht ganz korrekt ist (besser hier: eine elektronische Signatur).
  • Hier die neuen Kontodaten reinschreiben und auch, ab wann die neue Bankverbindung gilt. Ein formloses Schreiben mit Datum und Unterschrift reicht.

Wer sich für einen Kontowechsel entscheidet, sollte nicht sofort sein altes Konto kündigen, sondern beide Konten noch zwei bis drei Monate parallel laufen lassen. Auch wenn das etwas teuer ist: Noch teurer wären Fehlbuchungen. Bei der Auflösung des Girokontos muss man dann keine Kündigungsfrist einhalten und keine Gebühren zaheln. Im Normalfall reicht ein formloses unterschriebenes Schreiben aus: "Hiermit kündige ich mein Konto mit der Nummer ... Bitte überweisen Sie das gesamte Guthaben auf meine neue Bankverbindung...."

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