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07.05.08

Tagesgeldkonten im Test

Tagesgeldkonten sind eine überzeugende Geldanlage: Man braucht keine besonderen Kenntnisse des Finanzmarktes, sie sind flexibel und bringen deutlich mehr ein als das normale Girokonto. Viele Banken werben mit den hohen Zinsen für Tagesgeldkonten. Aber nicht jeder Kunde bekommt sie.

Kürzlich habe ich ja schon darüber geschrieben, worauf bei der Wahl des richtigen Girokontos zu achten ist. Kürzlich hat nun die Stiftung Warentest Tagesgeldkonten und ähnliche Sparformen mit hohen Zinsversprechen unter die Lupe genommen. Und das mit gutem Grund: Viele Institute werben Neukunden mit verlockend klingenden Zinserträgen auf das Tagesgeld. Der Pferdefuß dabei wird nicht ganz so deutlich betont. Als Beispiel nennt die Stiftung Warentest die comdirect bank:

Sie zahlt Neukunden, die sich für ihr "Tagesgeld plus" entscheiden, 4,75 Prozent Zinsen. Allerdings: Nur 6 Monate lang und für Beträge bis 30 000 Euro gibt es den Lockzins. Bestandskunden bei der comdirect bank bekommen dagegen deutlich geringere Zinsen - derzeit 3,8 Prozent.

Besonders interessiert hat mich, dass die Stiftung Warentest sich explizit mit den komplizierten Zinsbedingungen der Postbank befasst hat, die mich als frühere Kundin immer ziemlich geärgert haben. So wirbt die Postbank etwa mit "bis zu 5,25 Prozent Zinsen". Was man wissen muss: Um die zu bekommen, müssen 50.000 Euro oder mehr angelegt werden.

Den hohen Zinssatz bekommt man außerdem nur für das Geld, das ein gesamtes Quartal lang auf dem Konto liegt. Die Bedingungen des Quartalssparens mit 5,25 Prozent Zinsen listet die Stiftung Warentest hier nochmal gesondert auf. Und freut sich gleich, dass das Angebot immerhin auch für Altkunden gilt, die der Bank frisches Geld bringen. Das aber ist, wie ich zumindest aus eigener Erfahrung vom letzten Jahr noch weiß, auch nicht so ganz einfach: Wenn Sie noch ein anderes Sparkonto (das Girokonto wird nicht mitgerechnet!) bei der Postbank haben und davon unlängst Geld abgehoben haben, wird der Betrag mit dem Neugeld verrechnet. Zumindest war das bei dem Angebot im letzten Jahr so. Einer der Gründe, warum ich schließlich die Bank gewechselt habe.

Wie aber sieht es bei der Konkurrenz aus? Hier hängt es vor allem an der Laufzeit: Cortal Consors garantiert 6 Prozent Zinsen immerhin für ein ganzes Jahr. Weniger großzügig ist comdirect: Die 6 Prozent gibt es nur für ein halbes Jahr. Aber es geht noch schlechter:

Die SEB Bank zahlt die 4 Prozent für ihr Hochzinskonto nur bis Ende September. Wer sein Geld danach auf dem Konto lässt, erhält nach heutigem Stand je nach Betrag nur zwischen 2 und 3,25 Prozent [...] Der verlockenden 4,5-Prozent-Offerte der netbank folgt nach 100 Tagen die Zinsernüchterung, denn Bestandskunden werden derzeit mit maximal 2,75 Prozent abgespeist.

Und es gibt noch einige unschöne Nebenwirkungen: Cortal Consors und comdirect verknüpfen ihre 6 Prozent mit der Pflicht zu einer Depoteröffnung und bei comdirect kann man nur 5.000 Euro zum Spitzenzinssatz anlegen (bei Cortal Consors immerhin 25.000 Euro). Die litauische Parex-Bank bietet 4,3 Prozent bei einer Mindestanlage von 500 Euro, man muss gleichzeitig ein Girokonto als Verrechnungskonto eröffnen. Und: Die Überweisung von diesem Konto auf ein bankfremdes Konto kostet mindestens 2 Euro. Und bei allen getesteten Banken erhalten nur Neukunden die hohen Zinsen, außerdem müssen Kündigungsfristen (meist drei Monate) eingehalten werden. Und manche Details des Angebots werden kurzfristig verändert.

Die Stiftung Warentest zeigt aber, dass es auch Hochzinsangebote ohne Pferdefuß gibt, teilweise sogar ohne Mindestanlage. Etwa die Akbank, bei der man 4,75 Prozent ab dem ersten Euro erhalten kann, die Bausparkasse Mainz mit 4,10 Prozent oder die Amsterdam Trade Bank mit 4,40 Prozent Zinsen (alles Stand März 2008). Das entsprechende Infodokument wird einmal im Monat aktualisert und kann hier kostenpflichtig abgerufen werden.

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