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16.02.10Leser-Kommentare

Studenten im Optimierungswahn: Der krumme Lebenslauf macht kreativ

Der Autor Klaus Werle hat in einem Buch und für Spiegel Online über den «Optimierungswahn» geschrieben, der viele junge Menschen heutzutage kennzeichne: Station um Station wird im Lebenslauf abgehakt, möglichst schnell und gut ein möglichst marktgängiges Studium absolviert. Doch wer immer bloß geradeaus fährt, so das Argument Werles, kommt später mit Umleitungen und Hindernissen nicht zurecht:

 

«Viele Studenten galoppieren mit voller Kraft in die Perfektionismusfalle: Wenn es stimmt, dass wir lebenslang lernen müssen, dass Denken in komplexen Zusammenhängen die Schlüsselqualifikation des 21. Jahrhunderts ist - dann ist eine Optimierung anhand vermeintlich verbindlicher Karriereideale ein Irrweg.»

Spiegel Online veröffentlicht mehrere Auszüge aus Werles Buch, auch die anderen sind überaus lesenswert.

» Studenten im Optimierungswahn - Karriere, Karriere, Knick (Spiegel Online)

Hier erscheint jeden Tag von Montag bis Freitag ein Link zu einem besonders lesenswerten Text rund ums Thema Produktivität. Viel Spaß bei der Lektüre!

Kommentare

  • Benjamin

    17.02.10 (11:36:11)

    Wenn ich mich in meinem Studienjahrgang umschaue, verfolgen ca. 90% das Ziel in kürzester Zeit möglichst viel und sehr gut zu schaffen.Unterstützt von Professoren, die täglich propagieren, eine reelle Chance hätte man nur mit einem einser Bachelor in Regelstudiendauer, enstehen hier Zwänge die, wenn auch teils selbst auferlegt, in einen Leistungswahn weit jenseits des bekannten Perfektionismus führen. Selbstzweifel, Versagensängste und stellenweise Selbstaufgabe sind folgen die ich bei meinen Komilitonen beobachten kann. Praktische Erfahrungen? Fehlanzeige. Wie auch, bei einem komplett verschulten Vorlesungsplan, der im sechsten Semester 12 Wochen Praktikum vorsieht. 12 Wochen, die den meisten Arbeitgebern einfach zu wenig sind. In den Semesterferien? Da wird für die 8 Klausuren im Nachtermin gelernt. Die angesprochenen Klausuren, zu 80% simples auswendig Lernen, die restlichen 20% stumpfes Einüben von Vorgängen. Wo hat man da die Möglichkeit sich zu entfalten, wo die Chance rechts und links Abseits des Weges Eindrücke zu sammeln? Querzudenken. Der Stress (und hier meine ich nicht positiven Stress) beeinflusst auch das Sozialverhalten. Bei ca. 100 Studenten in meinem Studiensemester (ursprünglich waren 20 Studenten angedacht, entsprechend fehlen Kapazitäten) hat sich ein Klima des Konkurenzkampfes gebildet, das einem Gladiatorenkampf nahe kommt. Das allüberdeckende Gefühl dürfte wohl Angst sein, Angst nicht rechtzeitig fertig zu werden, Angst nicht die passenden Noten zu erreichen, Angst wegen der Finanzierung des Studiums, Angst später keinen Job zu bekommen, Angst in Harzt IV abzurutschen, Angst seine (geplante) Familie nicht ernähren zu können, etc. Was hier gefördert wird, sind angsterfüllte leistungsbereite Ja-Sager, die für 'n Appel und 'n Ei bereit sind Ihr Leben zu verkaufen. Natürlich behaupte ich nicht, dass alle Studenten so sind. Die Studenten die das "Risiko" auf sich nehmen und sich gegen diese Art Studium zur Wehr setzen (Ob nun aktiv oder passiv) werden mengenweise Steine in den Weg gelegt. Von nicht anerkannten Studienleistungen im Ausland, bis zur Streichung der Unterstützung und der Erhebung von ungerechtfertigt hohen Studiengebühren. Wenn das Studiensystem so wie ich es kennengelernt habe und auch immer noch kenne sich so in Deutschland durchsetzt und auf entsprechende Akkzeptanz stößt, glaube ich dass uns mehr als nur die Wirtschaftskrise ins Haus steht.

  • Armin

    17.02.10 (11:53:23)

    Hallo, ich glaube besser wie Benjamin hätte man die Situation an meiner FH auch nicht beschreiben können.

  • Christian

    24.02.10 (14:08:51)

    Das Problem geht auch noch weiter: Nicht wenigen geht es so, dass sie sich irgendwann einmal in Ihrem Berufsleben neu orientieren müssen. Mein Studium an der Berufsakademie ist 15 Jahre her. Mein Weg ging vom Sales über den Gründer zweier eigener aber leider nicht wirtschaftlich erfolgreicher Unternehmen bis zum angestellten Managing Director eines fremden Start-Ups. Viel Erfahrung hat sich bei mir angesammelt. Bei Unternehmensberatungen hat diese aber scheinbar keinen Wert. Denn dort werden nur die angesprochenen Elite-Uni-Abgänger mit Spitzen-Noten eingestellt: ohne Ahnung vom Leben und von der Praxis im Business ohnehin nicht. Da helfen auch Praktika nicht annähernd.

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