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27.03.13

Speed Reading: Mit Schnelllese-Techniken mehr lesen und lernen

Schnelllesen, eine obskure Technik? Oder muss man dafür ein Genie sein? Weder noch. Unser Gehirn liefert alle Voraussetzungen, um ungefähr doppelt so schnell zu lesen, wie wir uns gewohnt sind. Wenn wir erst begreifen, was uns bremst, und dann regelmässig trainieren, steht uns diese praktische Fertigkeit offen.


«Speed Reading» ist eine Schnelllese-Technik. Mit ihr schafft man es, überdurchschnittlich schnell zu lesen, ohne beim Textverständnis Abstriche zu machen.

Kernstück des Schnelllesens: Mehrere Wörter werden als Sinngruppe zusammengefasst, als Block gelesen und verstanden. Das erhöht logischerweise das Lesetempo. Und führt dazu, dass wir den Inhalt des Textes besser verstehen, weil zu langsames Lesen das Textverständnis schädigt - wir erinnern uns an die Schulzeit, als wir lesen lernten.

Was bringt Speed Reading?

Der Vorteil liegt auf der Hand: Wer schneller liest, kann mehr Text in kürzerer Zeit aufnehmen und kann somit schneller und besser lernen. Das hilft im Berufsalltag genauso wie im Studium.

Ein durchschnittlicher Leser erreicht eine Geschwindigkeit von 300 Wörtern pro Minute (WpM). Bereits nach kurzem Training kann er die Lesemenge verdoppeln und durch intensives Üben sogar 1000 WpM und mehr erreichen.

Zum Vergleich:

  • Langsamer Leser: 200 WpM
  • Geübter Leser: 400 WpM
  • Schneller Leser: 600 WpM
  • Speed-Leser: 1000 WpM und mehr
  • Sprechgeschwindigkeit: bis 150 WpM
  • Denken: bis 2000 WpM

Was bremst uns bei Lesen?

Neben mangelnder Konzentration, fehlendem Interesse am Text oder typografischen Hindernissen wie ungeeignete Schriften gibt es Lese-Handicaps, die man durch gezieltes Training beseitigen kann:

  • geringe Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses
  • gestörter Lesefluss durch Zurückspringen im Text (Regression)
  • Lesen einzelner Wörter (statt Erfassen von Wortgruppen)
  • vermindertes Tempo durch Augenstopp (Fixierung eines Wortes)
  • Lippen bewegen/gedankliches Mitlesen (Subvokalisieren)

Wie lerne ich Schnelllesen?

Das schnelle Lesen kann man durch Bücher, mit Hilfe von Programmen und in Seminaren lernen. Welchen Weg man auch immer wählt: um das regelmässige Üben kommt man nicht herum.

Schnupper-Übungen

Auf YouTube findet man verschiedene Videos als Einstieg zu «Speed Reading». Peter Kovacs, Speed-Reading-Trainer, zeigt die wichtigsten Einstiegsübungen in vier kurzen Videos:

  • Aufdeck-Übung: Wortgruppen als Ganzes erfassen
  • Regressions-Übung: Textverständnis bei höherem Tempo trainieren
  • Lesehilfe: Bleistift, Zeigefinger etc.
  • Metronom: Lesegeschwindigkeit gezielt steigern
Bücher
Trainingssoftware

Trainingsprogramme sind im deutschen Sprachraum offenbar rar. Es gibt aber englische Programme, die deutsche Texte laden können. (Hinweis: diese Programme habe ich mir angeschaut, aber nicht praktisch getestet.)

Video-Seminar zum Thema "Speed Reading"


Den kompletten Kurs finden Sie hier.

Mehr als 2,5 Stunden verbringen wir durchschnittlich pro Tag mit Lesen – bei Führungskräften sind es sogar 4 Stunden. Zach Davis ist die Koryphäe des schnellen Lesens. Der erfahrene Trainer zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihre Lesegeschwindigkeit mehr als verdoppeln. Mit einfachen, aber extrem wirkungsvollen Übungen maximieren Sie Ihre Leseeffizienz. Nutzen Sie dieses Training und sparen Sie täglich mehrere Stunden Zeit.

Und das funktioniert wirklich?

Es gibt Stimmen, welche die Methode an sich bzw. den Effekt anzweifeln. Die Argumente der kritischen Stimmen:

  • Durch die Schnelllese-Technik werde ein Text weniger exakt aufgenommen.
  • Komplizierte, verschachtelte Sätze bräuchten zur Entschlüsselung mehr Zeit.
  • Durch «Speed Reading» fehle die Zeit, den Satz zu verstehen.
  • Das Weglassen der Subvokalisierung (gedankliches Mitsprechen) sei gar nicht möglich und bewirke deshalb kein schnelleres Lesen.

Den kritischen Stimmen zum Trotz lohnt es sich, das Schnelllesen zu erlernen. Ich selbst beschäftige mich schon seit Jahren damit. Nicht mit der Absicht, ein «Speed-Leser» mit 1000 Wörtern pro Minute zu werden, sondern um Texte schneller aufzunehmen. Und mich so – beispielsweise in Besprechungen – früher wieder mit dem Denken statt dem Lesen beschäftigen zu können.

Fazit

Die Lesekompetenz hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: von der Lesegeschwindigkeit und von der Leistung des Kurzzeitgedächtnisses, welches das Gelesene erfassen muss. Wer sowohl die Technik lernt als auch die Prozesse im Gehirn fortlaufend trainiert, wird schneller lesen und - zumindest bezogen auf die benötigte Zeit - besser lernen können.

Quellen: Wikipedia, Peter Kovacs, Akademie für Leseförderung Niedersachsen

Bild: Berliner Büchertisch bei flickr.com (CC BY-SA 2.0)

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