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28.10.13

Sich durchsetzen und dabei nett bleiben: Die Quadratur des Kreises?

Kann man sich durchsetzen und dennoch nett bleiben dabei? Und was macht eigentlich echte Souveränität aus? Ein Thema, das gerade auch unsere weibliche Leserschaft umtreibt - aber nicht nur. Einige Gedanken dazu.

Susan Sermoneta bei flickr.com (CC BY 2.0)Vor einiger Zeit habe ich auf imgriff.com dazu aufgerufen, mal die persönliche Kommunikation zu überdenken. Meine Meinung war: Dadurch, dass wir oft nicht klar genug sagen, was wir meinen, entstehen Missverständnisse, Konflikte - und wir verlieren kostbare Zeit. Schuld an der Misere sind falsche Glaubenssätze, gesellschaftliche Erwartungen und «Weichmacher», die wir oft unbewusst beim Sprechen einbauen.Unsere Leserin Elena hat dem in einem Kommentar widersprochen. Sie schreibt:

«Ich behaupte mal, oft sehr klar zu kommunizieren. Erstens weil das eben wirklich mehr hilft, vielleicht auch aufgrund meines Charakters. Resultat: Ich werde als herrisch, arrogant und undiplomatisch wahrgenommen. Vielleicht stört es ein Gegenüber (männlich wie weiblich) einfach zu sehr, wenn eine Frau so auftritt statt ihre Sätze mit lieb lächeln, netten Phrasen und Augenaufschlag zu 'schmücken'.»

Ein Thema, über das ich selbst gerade nachdenke, seit mir eine Freundin gesagt hat, man müsse eben nett, aber bestimmt auftreten. Nett und höflich bleiben, aber sich dennoch durchsetzen - kann eine solche Quadratur des Kreises überhaupt gelingen? Im ersten Moment bin ich versucht, das wie Elena kategorisch abzulehnen. Wenn man etwas von einem anderen will, das dieser eben nicht möchte, so erzeugt das beim Gegenüber eben zwangsläufig die von Elena beschriebenen negativen Gefühle. Oder nicht?

Das Zauberwort heißt Souveränität. Die Management-Beraterin Dr. Cornelia Topf hat sich kürzlich der Frage angenommen, was echte Souveränität eigentlich ausmacht und wie man souverän wirkt, selbst wenn man sich nicht so fühlt . Ihre Aussagen habe ich hier stichwortartig nochmals zusammengefasst:

  • Arroganz und Überheblichkeit wirken auf viele Menschen «einschüchternd souverän», dienen aber häufig nur dazu, Unsicherheit zu überspielen.
  • Viele Menschen halten sich für souverän, doch im Inneren sieht es oft anders aus. Echte Souveränität kommt jedoch von innen.
  • Auch in heiklen Situationen kann man mit einem gelungenen Auftritt glänzen.
  • Man sollte sich fragen: Warum wirken wir in bestimmten Situationen überhaupt schwach? Die Antwort ist häufig: Weil wir mit dem Schlimmsten rechnen.
  • In der Regel bekommt man, was man erwartet. Und umgekehrt gilt: Wie Du Dich gibst, so wirst Du auch behandelt.
  • Das hilft: Erinnere Dich an besonders positive Gegebenheiten und daran, wie Du Dich dabei gefühlt hast.

Dass andere Leute einen nicht als durchsetzungsstark und soverän empfinden, sondern als herrisch und arrogant, ist also nur unserem Auftreten und der inneren Einstellung geschuldet. Ich wollte das zunächst nicht glauben. Doch als ich länger darüber nachdachte, stellte ich fest, dass viele Situationen, in denen ich mit meinem Verhalten angeeckt war, auf fehlende Souveränität zurückzuführen sind. So fühlte ich mich wahlweise nicht ernst genommen, unsicher, oder aber ich war voll und ganz überzeugt, aufgrund negativer Erfahrungen zu einem bestimmten Verhalten berechtigt zu sein - auch wieder eine Form von Unsicherheit.

Fazit: Es gilt tatsächlich, die innere Einstellung zu überdenken, auch wenn das schwer fällt. Allerdings muss ich zugeben: Nicht immer und in jeder Situation kommt man mit Gelassenheit und Nett-Sein weiter. Oft genug geht es schlicht um Macht. Oder man hat mit Leuten zu tun, bei denen Hopfen und Malz verloren ist, weil sie höfliche Umgangsformen schlichtweg für Schwäche halten. Oder die Positionen sind so unterschiedlich, dass es auch beim größten Verhandlungsgeschick zu keiner Einigung kommt. Da bleibt einem dann nichts anderes übrig, als die Flinte ins Korn zu werfen - darüber habe ich hier bereits geschrieben.

 

Bild: Susan Sermoneta bei flickr.com (CC BY 2.0)

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