14.06.11 06:20, von Thomas Mauch

Selbst-Test: Das iPad als Arbeitsgerät (I/II)

Sind Tablets ernstzunehmende Arbeitsinstrumente für den Berufsalltag? Seit zwei Monaten befinde ich mich im Selbstexperiment. Mein vorläufiges Fazit in zwei Teilen.


Vor einigen Wochen habe ich mich im Markt der businessbezogenen Applikationen und Anwendungsfelder für Tablets umgesehen. Ich kam zum Schluss, dass sich iPad und Co. am Arbeitsplatz etablieren werden. Beeindruckt von dem Innovationstempo und der Kreativität in dem Bereich wollte ich herauszufinden, ob Tablets für die tägliche Wissensarbeit taugen und meine persönlichen Arbeitsprozesse unterstützen.

Noteshelf: Handnotizen auf dem iPadSeit zwei Monaten lebe ich im Selbstversuch und nutze ein iPad 2; Marke und Betriebssystem dürften bei dieser Fragestellung ziemlich unwesentlich sein. Alle nachstehend beschriebenen Apps und Funktionalitäten stehen in irgendeiner Form für die meisten Tablets zur Verfügung.

Killerapp Handnotizen

Zum Einstieg das Wichtigste: Die Möglichkeit, handschriftliche Notizen zu machen, hat sich als der Erfolgsfaktor erwiesen. Ich verwende das Tablet, um während Besprechungen Notizen zu machen. Einen Laptop oder eine On Screen-Tastatur erschien mir bisher unpassend. Ein Stylus und eine entsprechende Applikation machen das iPad zum vollwertigen Notizbuch-Ersatz. Die Notizbuch-Bibliothek

Ich verwende Noteshelf, eine kostenlose App mit cleveren Features. Das Schreiben klappt problemlos und braucht keine grosse Umstellung. Ich kann zeichnen, Skizzen machen, farbige und verschieden dicke Stifte verwenden - wie richtig eben. Ein «Wrist Protection Mode» verhindert, dass ich mit dem Handballen das «Blatt» vollschmiere. Mit der Fotofunktion integriere ich Bilder - etwa ein während einer Sitzung entstandenes Flip Chart - in meine Notizen. In Noteshelf lassen sich mehrere Notibücher anlegen, ich trage also ständig eine kleine Bibliothek mit meinen vier oder fünf Notizbüchern rum.

Vom Tablet zu Evernote

Zur Aufbewahren versende ich die Notizen als pdf-Datei an mein Evernote-Account. Damit habe ich die digitale Version der Besprechungsnotiz auf allen Geräten, kann sie an beliebigen Orten speichern oder meinen Kollegen weiterleiten. Einziger Wermutstropfen bis jetzt: Schön wäre es, die Notizen gleich in Noteshelf «taggen» zu können, um so die Auffindbarkeit in Noteshelf oder Evernote zu verbessern. Und das «Science Fiction»-Feature fehlt noch immer: Die Handschrifterkennung. Einzelne Apps bieten diese Funktionalität an, allerdings scheinen sie mir noch immer zu schwer- und fehleranfällig.

iA Writer: Texteditor mit zusätzlichen TastenIdeen unterwegs ausarbeiten

Ein weiterer Wunsch war, unterwegs oder in Wartezeiten schnell und unkompliziert Gedanken, Ideen und Skizzen zu Papier zu bringen und daran zu arbeiten. Ich habe dafür zwei Arbeitsmethoden: Aufschreiben oder ein Mindmap erstellen. Um Texte zu erfassen, verwende ich den iA Writer; es gib Dutzende andere Texteditoren mit ähnlichem Angebot. Ich nutze iA Writer, weil die App über eine eigens entwickelte On Screen-Tastatur mit mehr Tasten verfügt. Etwa um den Cursor zu bewegen oder ganze Worte zu überspringen, eine etwas einfachere Art, Umlaute zu schreiben und diverse Sonderzeichen. ia Writer bietet wie Noteshelf eine Dropbox-Integration an. Texte in Arbeit speichere ich dort ab, weil Dropbox im Gegensatz zu Evernote synchronisiert und mir so die aktuelle Version eines Textes auf jedem beliebigen Gerät zur Verfügung steht.

Mindmaps auf dem Tablet

Mein bevorzugtes Mindmapping-Programm ist zur Zeit iThougts HD, eine iPhone-Version existiert ebenfalls. Sehr häufig erstelle ich erste Skizzen für Artikel als Mindmap - und das am liebsten natürlich dann, wenn ich die Idee habe, unabhängig vom Ort. Mindmapping auf einem Touchscreen fand ich zu Beginn nicht ganz einfach - die Bedienung unterscheidet sich wesentlich gegenüber den Desktop-Programmen. Ich brauchte etwa zwei Wochen, um mich damit anzufreunden. iThoughts HD ist aus zwei Gründen attraktiv: Die Mindmaps lassen sich in verschiedenen Formaten speichern, darunter auch das von Mindjet verwendete Format meiner Desktop-Applikation. Und der Dropbox-Sync ist in iThoughts ebenfalls nur einen Klick weit weg - die Weiterarbeit am Desktop oder Laptop kann nahtlos geschehen.

iThoughts HD: Mindmaps mit dem Finger

Lesen und Sammeln

Unbestritten sind Tablets für das Konsumieren von Medieninhalten sehr gut geeignet; teilweise sogar überlegen. Ich lese rund 200 RSS-Feeds und tue das sehr gerne im Café, im Zug oder auf der Terasse. Als Reader verwende ich die in Zürich entwickelte und sehr attraktive Reeder-App (hier Martins Besprechung von Reeder bei netzwertig.com). Artikel zum Späterlesen lege ich in meinem Read it later-Account ab, das wiederum eine durchdachte iPad-App bietet. Dank des Offline-Modus von Read it later kann ich vorgemerkte Artikel aus dem Web auch ohne Internetverbindung lesen. Webseiten und Artikel, die ich über die Woche hinaus behalten will, gehen von da in mein Evernote-Account - die Funktionalität ist in Read it later integriert.

Es funktioniert!

Handnotizen, Mind Maps und eine Tastatur, die erste Textentwürfe möglich macht: Tablets bieten inzwischen Funktionalitäten, die sie zu einem echten Werkzeug machen und andere Instrumente - in meinem Fall etwa ein Notizbuch - überflüssig werden lassen. Im zweiten Teil des Artikels geht's um meine Präsentations-Versuche mit dem Tablet und den «gewohnten» Produktivitätsaufgaben wie Zeit- und Aufgabenmanagement.

» zum zweiten Teil des Artikels

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Kommentare: Selbst-Test: Das iPad als Arbeitsgerät (I/II)

Hab den Versuch auch schon zig male unternommen, mein Arbeitsplatz paper-less zu kriegen. Bisher hat das aber nur mit dem uralten HP TC1100 geklappt (WinXP Tablet Edition, Stift-Eingabe, OneNote,...). Denke auch, dass gerade die Stifteingabe den Unterschied macht. Mit iPad oder aktuell Samsung Galaxy Tab krieg ich das nicht mehr hin (nur on-Screen-Tastaturen). Vielleicht sollte ich mir auch mal n'Stift kaufen... Sehr interessant, bin auf Teil 2 gespannt.

Diese Nachricht wurde von Adi am 14.06.11 (07:41:04) kommentiert.

Vielen Dank für den Artikel, ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Eine kleine Anmerkung: Die o.g. Noteshelf-App wird nur mit 3,99 EUR und nicht kostenlos angeboten. Der Preis dürte jedoch mehr als gerechtfertigt sein.

Diese Nachricht wurde von Heinz W. Warnemann am 14.06.11 (07:43:01) kommentiert.

Korrigiert, danke für den Hinweis!

Diese Nachricht wurde von Thomas Mauch am 14.06.11 (07:59:20) kommentiert.

Hallo Herr Mauch, vielen Dank für den sehr interessanten Artikel! Könnten Sie vielleicht noch 1-2 Worte zu dem von Ihnen verwendeten Stift verlieren? Auch ich bin daran interessiert, mein iPad intensiver fürs Arbeiten zu verwenden. Allerdings wich ich bisher wg. dem kapazativen Display auf ein Tablet-Netbook als Arbeitsgerät aus. So wie ich bisher gelesen habe, unterscheiden sich die am Markt verfügbaren Stift doch sehr in ihrer Qualität+Fähigkeiten. Wie nah kommt das Schreiben an das "normale" Schreiben heran? Mussten Sie Ihre Haltung beim Schreiben anpassen? Oder hat sich Ihr Schreibstil geändert? (So wie es auf dem Screenshot aussieht, muss man anscheinend größer schreiben?)

Diese Nachricht wurde von Dennis Kolberg am 14.06.11 (09:24:30) kommentiert.

Auch von mir die Frage nach dem benutzten Stift. Ich habe mir einen Stylus für das Galaxy Tab gekauft - und gleich wieder zruückgeschickt. Eine dicke Gummikugel als Spitze, damit konnte ich gerade mal ein Icon auswählen, aber keine Linie ziehen.

Diese Nachricht wurde von Andreas am 14.06.11 (11:14:19) kommentiert.

Ich habe mir den Stylus von Just Mobile zugelegt, hier bei amazon.de. Muss allerdings zugeben, dass keine ausführliche Evaluation erfolgte, ich habe noch keinen anderen verwendet. Ich bin aber sehr zufrieden damit, er liegt trotz der ungewöhnlichen Form gut in der Hand. Das Schreiben ist 'normal', etwas grösser vielleicht, aber kein grosser Unterschied zum Schreiben auf Papier. Die meisten Notetaking-Apps bieten Lupenfunktionen an, damit man mehr Text auf eine Seite bringt. Die verwende ich nicht, benötige deshalb mehr Seiten. Hat vielleicht sonst jemand Erfahrung mit solchen "Stylus"?

Diese Nachricht wurde von Thomas Mauch am 14.06.11 (11:21:24) kommentiert.

Klingt wirklich sehr gut. Ich war wirklich überrascht, wie gut der handgeschriebene Text aussieht - häufig werden Notizen ja ziemlich krakelig. Ist das deine normale Handschrift, oder hast du dich bemüht, schön zu schreiben? Wenn ersteres, dann scheint der Stift echt einen Blick wert zu sein.

Diese Nachricht wurde von Tanja Handl am 14.06.11 (14:59:55) kommentiert.

Habe mir heute den Griffin Stylus gekauft. Macht einen guten Eindruck.

Diese Nachricht wurde von Ansgar Wollnik am 14.06.11 (20:59:07) kommentiert.

Das ist schon die normale Handschrift - viel schöner kann ich gar nicht....Ernsthafterweise: Es schreibt sich ziemlich normal auf dem Touchscreen. Etwas grösser, aber in dem Sinne normal.

Diese Nachricht wurde von Thomas Mauch am 15.06.11 (00:25:47) kommentiert.

Hallo, es gibt durchaus eine Möglichkeit, aus der Noteshelf-Anwendung heraus zu taggen: Wenn Sie die Mail schreiben, können Sie hinter das Betreff mit "@" das gewünschte Notizbuch bestimmen, in dem die Notiz abgelegt werden soll (z.B. @Noteshelf). Mit "#" können Sie beliebig viele Tags vergeben (z.B. #Blog #Produktivität) In der Mail selbst steht dann alles, was zur Notiz wird (daher evtl. die Signatur löschen). Übrigens kann Evernote auch Handschrift findbar machen, wenn sie einigermaßen lesbar ist - einfach mal testen. Ich empfehle außerdem die Podcasts von Evernote, weil sie nicht nur gut gemacht sind (die drei Evernote-Macher haben einen ziemlich guten Humor), sondern auch viele Informationen zur Anwendung bringen. Viele Grüße, Michael H. Gerloff

Diese Nachricht wurde von Michael H. Gerloff am 15.06.11 (08:17:01) kommentiert.

Hallo Thomas Super Artikel. Was für eine Version verwendest du? (Wie viel Speicher? Mit oder ohne 3G?) Ich überlege mir für mein weiteres Studium ein Ipad zu kaufen, weiss jedoch noch nicht wie viel Speicher und mit oder ohne 3G. Was würdest du mir als Experte in Sachen Ipad als Arbeitsinstrument raten? Viele Grüsse Stefan

Diese Nachricht wurde von Stefan Schürch am 18.06.11 (12:02:55) kommentiert.

Hallo Stefan Ich nutze ein WiFi mit 32GB Speicher, also ohne 3G. Das vor allem deshalb, weil mir ein zusätzliches Abo mit Datenplan schlicht zu teuer wäre. Ausserdem kann ich 3G via persönlichen Hotspot mit dem Smartphone nutzen. Etwas umständlicher, aber für die paar Gelegenheiten reicht's. 32GB hat bis jetzt gut ausgereicht, ein eigentliches Dateispeichersystem gibt's ja doch nicht. Viele Grüsse, Thomas

Diese Nachricht wurde von Thomas Mauch am 18.06.11 (13:10:18) kommentiert.

Hallo Stefan, ich bin selber Student und nach dem tollen Ergebnissen mit dem Pen ebenfalls am überlegen, ob ich für die Uni von meinem Tablet-Netbook auf das iPad umsteige. Ich persönliche würde das 16GB ohne 3G nehmen, da es m.E. die Anforderungen erfüllt und am günstigsten ist: 1. Wie Thomas schon geschrieben hat, kannst du über WiFi-Hotspot dein Smartphone zum Surfen nehmen. Außerdem haben die meisten (alle?) Unis WLAN. 2. Du mit Google Docs od. Dropbox Deine Daten synchron halten. D.h. Dein zentraler Datenspeicher ist nach wie vor Dein PC und das iPad hat die Funktion eines Notizblocks/ Fachbücher. Anmerkungen zur Usability meinerseits: - Das finale Ausarbeiten von Texten etc. musst du zwangsläufig eh am PC machen. Dafür ist das iPad nicht flexibel genug und der Bildschirm zu klein. - Im Gegensatz zu einem Netbook hast du kein Multitasking. Das stetige Wechseln zwischen Mitschriften, Ausarbeitung und PDF-Büchern ist mühselig bzw. je nach Programm garnicht möglich --> wenn du in der Vorlesung nur mitschreiben möchtest, wäre das iPad interessant. Wenn Du in der Uni aber auch Texte ausarbeiten willst, solltest Du lieber zu einem Netbook o.ä. greifen.

Diese Nachricht wurde von Dennis Kolberg am 18.06.11 (13:31:08) kommentiert.

Also, ich fand die Antwort wg. Evernote hilfreich. Nämlich.

Diese Nachricht wurde von Michael H. Gerloff am 21.06.11 (00:03:51) kommentiert.

Hallo zusammen, was auch nicht schlecht ist, ist Beesy (http://www.beesapps.com/beesy-ipad-to-do/). Das ist ein kombinierte Notiz- und To-do-App. Man macht sich also Notizen und daraus können automatisch To-do-Listen generiert und bestimmten Kontakten oder Projekten zugeordnet werden.

Diese Nachricht wurde von ipaduser am 17.09.12 (11:26:47) kommentiert.

Hallo Danke Thomas für deinen Artikel, der sehr interessant ist. Ich bin total mit dir einverstanden über die Vorteile mit einem iPad zu arbeiten. Ich benutzt jetzt jeden Tag das iPad im Burö, weil es ganz praktisch ist, mehr unabhängig und einfacher zu mitnehmen als ein Computer. Jedoch habe ich mit dem iPad meine Produktivität versucht zu verbessern, deshalb habe ich ein paar Applikationen probiert. Und zuerst habe ich mit Evernote während mehreren Monate arbeiten, um Notizen zu machen. Jetz arbeite ich seit ein paar Wochen mit Beesy, ein Applikation die auf Deutsch verfügbar ist und damit kann ich meine Projekte und Kunden verwalten, und ebenso Notizen zu machen. Wenn du mal gucken willst: http://de.beesapps.com/beesy-notiz-apps-fur-das-ipad/notizen-auf-dem-ipad-beesy/

Diese Nachricht wurde von rosa am 10.06.13 (17:10:45) kommentiert.
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