13.04.11 04:53

, von Thomas Mauch

Schreibmaschinen: Renaissance der Mechanik

Mechanische Schreibmaschinen erleben eine Renaissance: Die Anhänger der Olympias und Remmingtons treffen sich in Cafés und Buchläden zu so genannten Type-Ins.

Antares Annabella Manual Portable TypewriterRemmington, Underwood, Olivetti, Hermes und Olympia: Das sind klingende Namen aus scheinbar längst vergangenen Zeiten. Meint man - aber nicht ganz: Während Touchscreens die Welt erobern, entsteht eine globale Bewegung rund um Kugelköpfe, Farbbänder und Korrekturtasten. Die noch überschaubare, aber wachsende Anhängerschaft hat es nun zu einem Artikel in der New York Times gebracht. Die Fans sehen gute Gründe, die schweren Schreibgeräte einem Computer vorzuziehen.

[photos title="Vom Hermes Baby bis zur Triumph Tippa"]

(Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Adwoa vom Retro Tech Geneva-Blog - dort gibt's noch mehr Bilder und Infos. Sehens- und lesenwert.)

  • «Auf einem Computer tippst Du viel schneller als Du denkst», argumentiert Brandi Kowalski, die in den USA Vintage-Schreibmaschinen verkauft. Das deckt sich mit meiner eigenen Beobachtung: Seit rund 10 Jahren bin ich so ziemlich die langsamste Komponente meines Computersystems: Ich denke halt so langsam.
  • Die fehlende Ablenkung ist ein weiteres Plus: Die meisten Schreibmaschinen können weder Twitter, Facebook noch E-Mail. Die Versuchung, kurz die Timeline zu checken, fällt weg. Es bleibt bloss der Autor und das Papier. Mit ein Grund, weshalb auch viele namhafte Schriftsteller weiterhin auf den Computer verzichten. Erzwungenes Singletasking, sozusagen.
  • Im Zeitalter der iPhone-Kliniken ist natürlich die Langlebigkeit ein Vorteil der Schreibmaschinen: Die meisten sind gebaut wie Kampfschiffe und taugen für den Einsatz über mehrere Generationen. Eine Reparatur lohnt sich meist und Ersatzteile sind auch für die rarsten Modelle noch zu haben.

Die Retrotech-Anhänger beginnen, sich zu organisieren. In Seattle und Phoenix fanden im Februar die ersten Type Ins statt: Man trifft sich mit seiner Lieblingsschreibmaschine in einem Café oder einem Buchladen und tippt gemeinsam. In Genf fand am 9. April 2011 das erste Swiss Type In statt und in Basel ging im März ein Schreibmaschinenfest über die Bühne: Drei Maschinen massen sich in den Disziplinen «Freies Schreiben ohne Zeitlimit» und »Geschwindigkeitswettbewerb über fünf Minuten».

Schreibmaschinenfans sind offenbar überhaupt nicht fortschrittskritisch, im Internet finden sich zahlreiche Blogs zu dem Thema. Ein mir bisher unbekanntes Kind dieser Ehe aus Schreibmaschine und Web ist der Typecast: Ein Blogbeitrag wird auf einer Schreibmaschine verfasst und anschliessend als Bilddatei gepostet. Das sieht dann so aus:

Ausschnitt aus einem Typecast von Retro Tech Geneva

Die heimeligen Schreibmaschinengeräusche führen auch bei mir zu nostalgischen Gefühlen - meine erste Liebe war eine IBM-Kugelkopfmaschine. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob ich sie für die tägliche Arbeit wieder zurück möchte.

Wie geht es Euch? Gibt es eine Schreibmaschinenfraktion unter den imgriff.com-Leserinnen und -Lesern?

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Kommentare: Schreibmaschinen: Renaissance der Mechanik

Vielen Dank für diesen Artikel. Die "Typosphäre" ist noch jung, und bis anhin eine überwiegend in Englisch stattfindende Bewegung. Ich lade daher auch deutschsprachige Schreibmaschinenfans herzlich ein, sich der Typosphere anzuschliessen. Kontakt auf meinem Blog, gerne auch für Tipps und technische Hilfe.

Diese Nachricht wurde von shordzi am 13.04.11 (06:54:38) kommentiert.

Hi, jaa ich nutze diese hier: http://detechted.co.cc/2011/04/05/schreibmaschine-reboot/ Pic: http://www.spinninghat.com/sites/default/files/imagecache/product_full/product_images/iPad-typewriter-1.jpg =D

Diese Nachricht wurde von Ben am 13.04.11 (09:49:24) kommentiert.

Unsere durch Sturz zerstörte alte Torpedo habe ich irgendwann ganz unsentimental entsorgt. Was ich mir wünschen würde, wäre ein kleiner USB-Drucker mit auswechselbarem Typenrad und guten Schriften. Un dich wäre bestimmt nicht der einzige.

Diese Nachricht wurde von frank am 13.04.11 (09:56:33) kommentiert.

Melde Dich beim Brockenhaus Deines Vertrauens. Dort warten noch viele auf Dich ...

Diese Nachricht wurde von Peter Svoboda am 13.04.11 (15:13:56) kommentiert.

Bei mir wurden die Schreibmaschinen in Schaufenstern zu Deko-Objekten. Mit "Weißt du noch?" und "So eine hatte ich auch!" werden sie bewundernd und erfreut kommentiert. Hier sind sie im Moment auch zu sehen: http://www.das-texthaus.de/aktuelles.html

Diese Nachricht wurde von Andrea am 08.05.11 (09:49:39) kommentiert.

Hallo, Zu meiner Schulzeit hatte ich noch auf einer alten mechanischen Olympia Schreibmaschine gelernt. Das erforderte ganz schön viel Kraft in den Fingern und Konzentration. Da man ja nicht einfach so korrigieren konnte. Ich finde es schade das die Schreibmaschinen so langsam alle verschwinden, wer weiß ob wir sie nicht noch mal benötigen. Ich hatte selber eine alte Olympia. Und eine Reiseschreibmaschine Olympia Monica. Aber leider hatte mir meine kleine die Ziffernblätter verbogen. Und dazu noch 2 Stück abgebrochen. Also ich möchte die mechanische Schreibmaschine nicht missen. Ciao....

Diese Nachricht wurde von Sonja am 19.09.12 (11:22:06) kommentiert.

Hallo, aber es gibt eine gute Alternative: Man schreibt wie auf einer Schreibmaschine und kann trotzdem alles Geschriebene in den PC oder Laptop übertragen lassen. Per Kabel. Ich kenne dieses Gerät unter dem Namen Alphasmart. Diese Geräte sind leicht, viel leichter als Laptops oder Schreibmaschinen; batterie-betrieben und haben ein kleines Display. Damit kann man wirklich überall schreiben. Man muss ein wenig an das Gerät gewöhnen. Ist preiswert im Vergleich. Gut geeignet für alle, die nur Texte schreiben wollen und sonst nichts. Internet geht nicht und Akku kann nicht ausfallen. Robust ist es auch. Eigentlich ist das so perfekt, das ich mich wundere, dass das nicht bekannter ist. Viele Grüße Franziska

Diese Nachricht wurde von Franziska am 30.09.12 (18:39:03) kommentiert.

Ich habe immer noch meine dunkelgrüne Olympia (100% mechanisch).... Man schreibt viel bewusster, da keine BackSpace, Del etc- Tasten vorhanden sind und man mehr vorher (!) denkt; ähnliches ist mit der analogen Kamera.... Auf dem Mac nutze ich "ia Writer" welches in Bezug auf Purismus und ablenkungsfreies Arbeiten für mich die erste Wahl ist (MacOS & iOS).

Diese Nachricht wurde von Thomas P. am 01.10.12 (18:38:25) kommentiert.
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