02.08.12 06:25, von Corinne Dubacher

Rebellen machen Siesta: Mittagsschlaf als Lebenskunst

Wer mittags schläft, entzieht sich der Fremdbestimmung, widersetzt sich den Rhythmen der Arbeitswelt und der Produktivitätsmoral.


Siesta ist Luxus. Und wir sind es uns wert. Der französische Philosoph und Autor Thierry Paquot erzählt in seinem Buch Die Kunst des Mittagsschlafs die Geschichte der Siesta in verschiedenen Mythen und Kulturen. Er verfolgt ihre Spur in der abendländischen Malerei und ruft zur Revolution auf: Mittagsschläfer aller Länder behauptet eure Einzigartigkeit und widersteht der globalen, der totalitären Zeit!

Seit ich sein Buch gelesen habe, fröne auch ich dem Luxus und fühle mich mehr denn je als Individualistin, fast revolutionär, weil ich mir die Freiheit nehme, selbstbestimmt Siesta zu halten. Während der Mittagszeit lasse ich das Telefon klingeln bzw. ich mache es aus. Nichts kann so wichtig sein, dass man mir das um 12 Uhr 43 mitteilen muss.

Vielleicht kann ich auch euch überzeugen und ihr zelebriert den Mittagsschlaf als Lebenskunst. Wobei mir klar ist, dass nicht jede/r eine Schlafgelegenheit im Büro hat, oder gar Ruheräume zur Verfügung stehen. Man muss auch nicht zwingend schlafen, denn das können die wenigsten, den meisten geht es wohl wie mir, einmal eingenickt, schläft man fünf Stunden durch - das ist dann tatsächlich unproduktiv.

Raus da!


Nein, wie wäre es, am Mittag das Büro zu verlassen? Hört sich zu banal an? Da kann ich nur aus eigener Erfahrung sprechen, wie oft blieb ich über Mittag vor dem Bildschirm und mit mir ganz viele Mitarbeitende? Unzählige Male. Raus gehen kostet teilweise Überwindung. Vor allem bei Regenwetter. Ist es doch bequem vor dem Bildschirm zu essen, zu surfen oder dem Chef zu zeigen, wie produktiv man ist.

Nein, das hat nichts mit Luxus oder Lebenskunst gemein. Das Büro verlassen heisst, die Arbeit, den Druck, die Kundenwünsche eine Zeitlang auszublenden. Sei es um sich zum Essen zu verabreden, Sport zu treiben, sich im Park auf eine Bank zu setzen und die Leute zu beobachten, zu lesen oder einfach nur zu spazieren und den Kopf zu lüften. Ihr seht, es kommt nicht so sehr darauf an, was man tut, sondern dass man etwas macht. Ob schlafen, joggen oder eine andere Entspannungsmethode ist dabei nebensächlich.

Auch für die Länge der Pause gibt es keine festen Regeln. Die einen fühlen sich nach 30 Minuten wieder frisch, andere brauchen zwei Stunden um aufzutanken.

Die Stunde der Dämonen


Fakt ist, bereits in der Antike wurde die Mittagsstunde als die Zeit der Dämonen verschrien. Die Mayas überlieferten ihre Opfer in der glühenden Mittagshitze an die Götter. Nymphen kamen über Mittag so richtig auf Touren und verführten die Männer reihenweise. Ja, wer mittags im Büro bleibt, läuft Gefahr verführt zu werden.

Also, raus aus dem Büro, Handy aus - wenn wir schon nicht schlafen, wollen wir wenigstens nicht gestört werden - und wir lassen auch Twitter, Facebook, XING, Google+ und alle weiteren Social Media Plattformen für eine Weile ruhen. Und fühlen uns dabei unbeschwert und ein klein bisschen rebellisch.

Bild: Horia Varlan bei flickr.com (CC BY 2.0)

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Kommentare: Rebellen machen Siesta: Mittagsschlaf als Lebenskunst

Hallo Corinne! Klasse Beitrag. Ich kann dir nur beipflichten. Raus gehen oder ein kurzer "Nap" helfen. Wir hier bei onchestra gehen eigentlich fast immer um die Mittagszeit an die Frische Luft. Gerne auch mal in der Gruppe. Privat bin ich aber auch ein sehr großer Verfechter des 19-Minuten-Mittagsschlafes ;) Beste Grüße aus Stuttgart! Jonas Wendler

Diese Nachricht wurde von Jonas Wendler am 02.08.12 (10:02:17) kommentiert.

Ein kurzes nickerchen wäre nicht drin. Mir geht es nämlich ähnlich, einmal die Augen zu komm ich für mehrer Stunden nicht mehr hoch. Aber einfach mal Raus und die Seele baumeln lassen, das hat schon was. Klasse Beitrag.

Diese Nachricht wurde von Tilo am 02.08.12 (17:39:15) kommentiert.

Dabei ist bewiesen, dass ein kurzer Mittagsschlaf mit einer anschließenden Arbeitssteigerung einhergeht. Der Körper erholt sich und kann mehr leisten, ist aufnahmefähiger.

Diese Nachricht wurde von Beatrix Alfs am 07.08.12 (14:16:37) kommentiert.
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