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18.09.13Leser-Kommentare

Rauchen als Produktivitätskiller: Die entspannende Rauchpause ist ein Mythos

Als ehemals starker Raucher habe ich so einige Stunden auf Balkonen und Vorplätzen mit Aschenbechern verbracht. Auch meine bisherigen Arbeitgeber haben mir viele Rauchpausen bezahlt. Zu ihren Ungunsten, denn eigentlich waren diese fünf Minuten ja bezahlte Suchtpausen und trugen wenig zu meiner Produktivität bei.

RauchpausenKlar ist: häufige, kurze Pausen machen produktiver. Aber eben nur, wenn sie frei von Zwängen und Süchten gemacht werden, und mit Bewegung – evtl. an der frischen Luft – verbunden sind.

Rauchpausen sind immer schädlich

Als Raucher begab ich mich immer tiefer in eine Sackgasse. Statt die Arbeit positiv zu unterbrechen, steigerte ich langsam aber stetig mein Nikotinbedürfnis. Erholung war schlussendlich selbst in den Pausen nicht mehr möglich. Ich hatte Stress. Meine Pausengedanken waren:

  • Ich rauche noch eine zweite, denn: wer weiss, wie lange die anstehende Sitzung wieder dauern wird.
  • Ein Kaffee sollte auch noch drin liegen.
  • Auf die Toilette müsste ich ebenfalls.
  • Jetzt mach ich schon wieder alleine Rauchpause; ich muss schnell rauchen.
  • Wenn ich zurück ins Büro komme, riechen wieder alle, wo ich war.

Immer schneller, immer häufiger

Je süchtiger ich wurde, desto kürzer wurden auch die Arbeitsintervalle zwischen den Glimmstängeln. Ich wurde schneller wieder nervös. Bis kurz vor dem Anzünden konnte ich mich kaum mehr konzentrieren. Das Rauchen war nur die zwischenzeitliche Befreiung vom Verlangen und steigerte keineswegs die Konzentration danach.

Besonders schmerzhaft war diese Erfahrung während des Schreibens meiner Bachelorarbeit: Sobald ich nicht mehr wusste, wie weiter, ging ich eine rauchen und verlor noch mehr Zeit. Viele meiner Kommilitonen wollten mir das Gegenteil glaubhaft machen: Sie könnten durch die Rauchpausen kurz abschalten, andere Gedanken und Reize ins Hirn lassen und danach wieder produktiver weitermachen. Auch wenn das teilweise glaubwürdig erschien - ich glaube immer weniger daran.

Im Kopf Ursache und Wirkung verdreht

Warum nicht? Solche Pausen bringen nichts, sie schaden. Oder glauben die Verfechter der Rauchpausen etwa, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Arsen und Blausäure eignen sich zur Produktivitätssteigerung? Niederländische Forscher konnten belegen, dass sich Rauchen negativ auf die Hirnleistung auswirkt. Und zwar selbst dann, wenn man während der kurzen Unterbrechung gerne raucht (was bei mir nicht der Fall war).

Wer als Raucher produktiver werden möchte, soll sich mal überlegen, wie viel Zeit er verraucht und welchen zusätzlichen Schaden er obendrein in Kauf nimmt. Mit dem Rauchen aufhören ist auf jeden Fall produktivitätssteigernd.

Ich bin seit 1½ Jahren rauchfrei und entspannter als je in meinem vorhergehenden Raucherleben.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Rauchen und Produktivität gemacht?

Kommentare

  • Andy

    18.09.13 (12:40:45)

    Ich bin seit über 5 Jahren rauchfrei und es war die beste Entscheidung meines Lebens. Wie schon erwähnt spart man nicht nur Zeit, die Pausen werden auch intensiver genutzt. Es war schon ein tolles Gefühl als ich das erste Mal als "neuer Nichtraucher" während der Arbeit intensiv im Workflow war ohne das der Nikotinteufel meinen Arbeitsfluss unterbrach. Viele Grüße Andy

  • Horst

    18.09.13 (22:15:06)

    Es kommt auf die Definition von "produktiv" an. Ich hatte mal einen Arbeitgeber, bei dem eine Mehrheit (IT) rauchte. In den Rauchpausen wurden viele Ideen entwickelt und Entscheidungen getroffen. Die Raucher-Community war so stark, dass Nichtraucher immer schlecht informiert waren. Ich hörte dann auf rauchen und wechselte den Arbeitgeber ...

  • Gino Brenni

    26.09.13 (11:22:37)

    Hallo Horst, von ähnlichen Erfahrungen hört man auch in Kneipen mit Rauchverbot. Da gesellen sich die Nichtraucher auch zu den Raucher raus, um informiert zu bleiben. Aber mal ehrlich: Welche Entscheidungen und angestossenen Ideen der IT haben nicht früher oder später auch zu den Nichtrauchern gefunden?

  • Gino Brenni

    26.09.13 (11:24:40)

    Gratulation, Andy! Da habe ich noch 4 Jahre vor mir, bis ich gleich weit bin... Es ist so. Der Nikotinteufel ist wie ein schreiendes Baby. Mit dem Unterschied, dass man sich von der Sucht trennen kann.. Weiterhin gutes Schaffen! LG Gino

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