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23.09.10Leser-Kommentare

Prokrastination: Beichte eines Aufschiebers

Ich will ein besserer Mensch werden und alle Dinge rechtzeitig erledigen. Wieso das ein Traum bleibt und die Hoffnung trotzdem zuletzt stirbt.

Prokrastination, Aufschieberitis - ich habe alle Bücher gelesen, bin durch die Blogs gesurft und habe mir die Videos angeschaut. Ich habe die 10-Tipps-Listen studiert, bin 43 Wege gegangen und habe die 5 unschlagbaren Methoden durchdekliniert. Ich versuchte meinen Willen zu stärken, den inneren Schweinehund zu überwinden und den Frosch zu schlucken. Ich habe mir Ziele gesetzt und darüber meditiert, habe mich für Erfolge belohnt – für Nicht-Erreichtes übrigens auch. Ich habe mir wenig vorgenommen und ich habe mir extra zuviel vorgenommen, habe sofort begonnen oder habe später begonnen. Auf meine To-Do-Listen schrieb ich die wichtigsten Dinge wahlweise zuoberst oder zuunterst hin. Ich probierte, mich selbst mehr zu lieben und nicht perfekt sein zu wollen. Ich habe die 10-Minuten-Regel angewendet, das 50-10-10-Schema gelebt und mir überlegt, eine falsch eingestellte Uhr auf meinem Computer zu installieren. Natürlich wartet dort schon ein Prokrastinatoren-Textverarbeitungsprogramm, den Countdown-Timer besitze ich auch.

Liebe Leserinnen und Leser, nach unzähligen geschlagenen Schlachten, nach jauchzenden Hochgefühlen und Abstürzen, die die Eiger Nordwand als Sandkasten-Hügel erscheinen lassen, ich gestehe: Es hat alles nichts genützt ...

Ich werde kein besserer Mensch

Ich weiß, weshalb es nicht funktioniert hat. Solche Dinge überlege ich mir genau. Durch das ständige Aufschieben habe ich genügend Zeit dafür. Mir fehlt die Disziplin und die Lust, 43 oder auch nur 10 Tipps während dreier Monaten zu befolgen. Zuerst müsste ich die passende Methode auswählen und anschließend umsetzen. Dauerhaft würde sich nur was bewegen, wenn ich diese Verhaltensänderung verfolge, dokumentiere und reflektiere: Also ein neues Notizbüchlein kaufe und notiere, was geklappt hat und was nicht, was ich nächstes Mal besser machen will und was es in Zukunft zu vermeiden gilt. (Falls jemand leere Notizbücher braucht, ich hätte noch ...). Sorry, liebe Ratgeber: Keine Chance.

Nutzlose Tools

Am zweiten Ansatz, demjenigem der Tools und Instrumente, scheitere ich ebenfalls. Ihr kennt die Tricks: Eine Stopuhr, die den nächsten Toilettengang anzeigt und mir sagt, wann ich Kaffee holen darf. Die Textverarbeitung, die für nur 25 Dollar extra wenig Funktionen bietet, nämlich einen schwarzen Bildschirm mit grüner Schrift, anheimelnd wie damals mein Commodore 64. Mal unter uns: Glaubt jemand, ich würde mich von so simplen Tools übertölpeln lassen? Müsste ich mir nicht Sorgen um meinen Geisteszustand machen, wenn solche Instrumente helfen würden? Glaubt mir: Ich liebe diese Tools. WriteRoom würde mir fehlen, weil es ein witziges Office-Programm ist, mit dem ich gerne arbeite und auch diesen Artikel hier schreibe. Es hilft bloß nicht gegen Aufschieberitis. Im Gegenteil: Die Evaluation und Installation eines geeigneten Anti-Prokrastinations-Textverarbeitungsprogramms hat mich einen halben Tag gekostet ...

Trauriger Rückblick und kleine Lichtblicke

Meine Bilanz: Es hat Spaß gemacht. Es waren intelligente und anregende Bücher und Artikel. Schlaue Leute haben unterhaltsame und lehrreiche Videos gemacht. Ich habe mich tagelang damit beschäftigt. Ich bewundere die Fähigkeiten und das Wissen dieser Autoren und Programmierer, Blogschreiber und Trainer; ich schätze ihre Kreativität und Leidenschaft. Bloß, nützen tut's mir nicht. Das heißt, zwei kleine Tricks verschaffen etwas Linderung: Ab und an gelingt es mir, mein Aufschieben zu durchschauen, den Widerstand dahinter zu sehen und ihn zu beseitigen. Und manchmal beherzige ich den Ratschlag von John Cage (hier von Bruce Mau zitiert): Fang irgendwo an. Nicht wissen wo anfangen sei eine weit verbreitete Form der Lähmung, meinte er. Die Aufforderung, irgendwo anzufangen, finde ich in Prokrastinations-Momenten sehr befreiend. Also immerhin zwei Lichtblicke. Angesichts der Flut von Tipps und Ratschlägen keine grandiose Ausbeute, dafür vielleicht ein Anfang.

Aber ich glaube, so alleine bin ich nicht. Mich interessiert, wie Ihr damit umgeht, wie Ihr Euch überlistet, was Ihr Euch antrainiert habt. Zum Schluss deshalb mein Aufruf: Prokrastinatoren und Prokrastinatorinnen dieser Welt - was funktioniert wirklich?

Kommentare

  • Julian

    23.09.10 (11:42:16)

    Was bei mir gut funktioniert ist, wenn ich Aufgabenpakete schnürre. Für verschiedene Bereiche pro Tag einen Zeitslot setzen, beliebig versetzbar. Aber maximal nur bis 22 Uhr. Dieser Slot ist meinetwegen 3:30h lang. Darin schalte ich alles aus, was mich stören oder ablenken könnte. Zu lang sollten diese Slots auch nicht sein. Immerhin sind Vorlesungen im Studium ach nur maximal 2x1:30h lang, inkl. Pause. Wohlgemerkt: Ich bin Student ;) Was ich auch wichtig finde - dass man nicht auf Teufel komm raus sofort 100% erwartet, sich pro Woche, in kleinen überschau- und kontrollierbaren Zeitabschnitten, Steigerungen setzt.

  • nuuf

    23.09.10 (12:47:42)

    Der Artikel spricht mir aus der Seele, hab auch so ziemlich alle Tools durch, Notizbücher noch und nöcher (teils angefangen teil blanko), schreibe immer noch auf die Rückseiten von Briefumschlägen... Auch die ganzen Simplify ratgeber haben mir nicht genug in den Allerwertesten getreten... Alle bloggs sind abgesurft und es macht ja auch spass darüber zulesen....es kann ja nicht so schwer sein wenn es andere auch geschafft haben... Ich glaube der richtige Schritt ist seine Gewohnheiten zu ändern, aber man muss es wirklich wollen, keine Motivation = kein Erfolg. Vor 3 Jahren hab ich aufgehört zu rauchen, aber nach 7 Monaten wieder angefangen. Weil ich aber keine Lust auf die Kommentare der Kollegen hatte, aber ich weiterhin nicht während der Arbeitszeit geraucht, sonder nur in der Mittagspause ein zwei Zigaretten und dann erst im Feierabend wieder. Kein Problem, Gewohnheit geändert. Die richtige Motivation und es fluppt.

  • Daniel

    23.09.10 (14:46:24)

    Es ist wirklich ein sehr befreiendes und gutes Gefühl, solche Erfahrungen zu lesen. Obwohl das vielleicht etwas missgünstig klingt. Aber irgendwie beruhigt mich der Gedanke, dass andere Menschen in solchen Dingen ähnlich scheitern. Was mich zum Beispiel früher regelrecht in den Wahnsinn getrieben hat, war die geradezu höhnische Widersprüchlichkeit meines Verhaltens: Ich habe in zwei Monaten mein Latinum gemacht, habe eine 150 seitige Examensarbeit geschrieben und einige andere Sachen (mehr oder weniger) gut abgeschlossen, aber ich benötige immer noch 5 Stunden, um beispielsweise meine Küche aufzuräumen - und das liegt nicht am Zustand der Küche. Ich habe mich gefragt, weshalb ich mir einerseits auf einer Zugfahrt ein kleines Feature zu einem spontanen Thema aus dem Ärmel schütteln kann, andererseits aber eine wichtige Mail eine Woche vor mir herschiebe, selbst wenn ich mich jeden Tag ganz ausdrücklich deshalb an den Rechner setze. Ein Lichtblick war in dieser Hinsicht ein Buch, dass unsere Studienberatung den leidgeplagten Studenten empfiehlt: Hans Werner Rückert, Schluss mit dem ewigen Aufschieben. Man möge mir die unverholene Werbung verzeihen, aber selten hat mir ein typischer Ratgeber auch mal einen derart guten Rat gegeben. Dabei war es noch nicht mal die Tipps à la " so schaffen sie...", sondern eher der umfangreiche psychologische Teil, in dem recht anschaulich erklärt wird, weshalb man überhaupt aufschiebt. Und das es nicht unbedingt an der Motivation liegen muss, sondern oft an eher unbewussten Konflikten: "Ich will mich bewerben, ich könnte abgelehnt werden, ich will nicht abgelehnt werden, ich schiebe es vor mir her." Klingt banal, war für mich aber eine sehr lehrreiche Erkenntnis. Und diese Erkenntnis hat mir auch - das bilde ich mir zumindest ein - geholfen, einige meiner eigenen Verhaltensweisen mal auf ihre Rationalität zu prüfen, was wiederum zu einem bewussteren und erfolgreicheren Handeln führte.

  • Tim

    23.09.10 (16:08:29)

    Machen hilft. Schritt für Schritt. Und auch über sich selbst lächeln können. :)

  • Pappelschnee

    23.09.10 (17:19:48)

    Nun anscheinend hat das Ganze ja doch was genützt, denn Du hast es geschafft, dieses Artikel zu verfassen... Ich habe auch alles probiert, kenne alle Methoden, die Du angesprochen hast. Vieles klappt, vieles nicht. Ein wenig bleibt immer hängen. To-Do-Listen, das "Getting Things Done-Prinzip" funktioniert beispielsweise für mich ganz gut. Ab und zu sagen, dass ich mich jetzt 5 Minuten dieser Aufgabe widme und dann kann ich wieder etwas anderes tun auch. Meist werde aus den 5 Minuten dann 1-2 Stunden. Das Mittel ist meiner Meinung und Erfahrung nach aber unter all den zahlreichen Ratgebern und Webseiten nicht zu finden. Außer vielleicht eins: Man muss dass, was man tun soll auch tun wollen. Und das noch im richtigen Moment. Ganz einfach, oder?

  • Bettina

    23.09.10 (17:57:19)

    seit gefühlten Ewigkeiten versuche auch ich meine Aufschieberitis zu bekämpfen. Bin leider im Versuch steckengeblieben. Ich bin selbstständig und habe nur bei echten deadlines die nötige Kraft zu tun, was notwendig ist. Mir macht meine Tätigkeit häufig keinen Spaß und ich fühle mich ausgebrannt. Manchmal habe ich Angst zu versagen. Kurz ich weiß genau, woran es hapert. Ich bilde mir aber ein, es aus verschiedenen Gründen nicht ändern zu können. Alle davon will ich gar nicht tiefer ergründen. Ich bin ziemlich ordentlich, halbwegs diszipliniert und mache auf andere einen tollen Eindruck (echte feedbacks). Daher habe ich Angst den Erwartungen nicht gerecht zu werden. Bei all der Sucherei nach dem ultimativen Tipp habe ich gemerkt: Der einzige, der mir helfen kann bin ich. Ich bin die einzige, die meine Arbeit kann. Also raffe ich mich immer wieder auf. Ich kenne auch den Spruch "gut ist besser als perfekt!". Nur befriedigend ist das nicht. Bei inneren Blockaden helfen z.B. Aufräumtipps einfach nicht, außer wenn man durch Aufräumen mal wieder toll prokrastinieren kann ;-)!!

  • Find da Real

    24.09.10 (09:14:31)

    Was bei mir ganz gut - wenn auch nicht zur Gänze - funktioniert ist das Simplyfy Prinzip. Wo ich mich wirklich schwer tue ist bei dingen wie "abnehmen" oder "endlich weniger Chaos". Mittlerweile seh ich das alles nicht mehr so eng (außer abnehmen mir fehlt einfach jemand der sagt "LEG JETZT LOS"; ich warte stehts auf ein Zeichen!). Auf die Frage ob mein Sein Leben/sich selbst tatsächlich verbessern kann schließe Ich mit Peter Hoeg: "Im Leben kümmere man sich um die Details, die großen Dinge kommen von selbst."

  • Michael

    24.09.10 (10:25:19)

    Ganz, ganz, ganz hervorragend geschrieben! Als Redakteur und Blogger ziehe ich den Hut vor so viel Sprachwitz und Wortgewandtheit.

  • Manfred

    24.09.10 (15:07:33)

    Ihr wollt Prokrastinatoren sein? ;-) Daß ich nicht lache! Hypochonder seid ihr! Der echte Prokrastinator leidet unter seiner Krankheit und erleidet dadurch reale Nachteile. Fast hat es masochistische Züge. Es wird ein Haufen Geld in einen Modem-Internetzugang gesteckt, statt endlich eine schnelle DSL-Flatrate zu buchen. Küche aufräumen dauert Wochen, schließlich hat hat man noch Plastik-Besteck von der letzten, natürlich Jahre zurückliegenden Party übrig. Jetzt schnell absenden, bevor ich das doch wieder aufschiebe...

  • Alex

    24.09.10 (15:18:04)

    Ja, ja, das Problem der Procrastination kenn ich nur zu gut. Ich bin auch selbstständig und darf für andere schreiben. Jedoch liegt die Aufschieberitis bei mir wohl auch daran, dass ich meinen Körper (Freizeit, Hobbies, Sport, Tanzen, Privatleben) etwas vernachlässigt habe und nur noch weiter im Nichtstun versackt bin. Dann sitzt man die ganze Woche vor einem leeren Blatt rum, surft im Internet usw. und hat eigentlich gar nichts getan (auch keinen Sport). Ich brauche feste Termine, ich brauche Deadlines. Für meinen Beruf und für mein Privatleben. Verbindlichkeiten gegenüber anderen Menschen (und mir selbst). Dazu übrigens noch ein Hinweis: Eine Untersuchung an Uni-Studenten hat ergeben, dass Studenten, denen feste Termine für mehrere gut verteilte Projektarbeiten vorgegeben wurden besser abgeschnitten haben als Studenten, die die Termine frei wählen dürften. Heisst: Sucht Euch einen Coach (oder Kunden oder Freund) und macht mit ihm feste, regelmäßige (1x die Woche?) Termine (für machbare Arbeitspakete) aus. (Externe Selbstkontrolle!!! Man kann sich auch gegenseitig coachen.) Und danach macht, was ihr wollt, procrastiniert, aber haltet die Termine mit ihren Arbeitspaketen ein. Schliesslich zählt am Ende nur um das Resultat, das dabei herauskommt. Und da hat sich bisher - zumindest bei mir - noch niemand beschwert (obwohl die Dinge meist erst in letzter Sekunde fertig werden). Aber am Ziel bin ich auch noch nicht ...

  • Christian

    24.09.10 (17:39:57)

    "Fang irgendwo an." Der einzig sinnvolle Tipp. Ein früherer Chef hat es so formuliert: "Etwas machen ist besser als nichts machen." Und deswegen ist mein Kommentar schon wieder zu Ende und ich fange jetzt an, meine Reiseplanung für nächste Woche zu machen.

  • Jan Fischbach

    24.09.10 (21:45:50)

    Lieber Thomas, nachvollziehen kann ich Deinen Artikel sehr gut. Welchen Rat willst Du von der Netzgemeinde hören? Noch einen Ratgeber und noch ein Blog? Das wird es wohl nicht geben. Auch Malik schreibt in "Führen, Leisten, Leben", dass er aus der "Selbstmanagementliteratur" nichts lernen konnte. Vielleicht versuchen wir das Problem auf der falschen Ebene zu lösen (Gruss an Einstein). Wahrscheinlich ist es ein komplexes Problem. Dann sollten wir Dietrich Dörner ("Die Logik des Misslingens") Gehör schenken. Wir wissen, dass jeder Mensch unterschiedliche Lebensmotive hat (Steven Reiss). Jeden treibt etwas anderes an und wir sollten nicht versuchen, aus einem Umsetzer einen kreativen Querdenker zu machen oder erwarten, dass sich ein "Chaot" über lange Listen freut. Wenn wir herausfinden, was uns antreibt, helfen uns die richtigen Werkzeuge dabei, unsere Ziele zu erreichen. Aber die gibt es nicht umsonst. Man wird doch kein guter Klavierspieler dadurch, dass man alle Blogs und Bücher über Klavierspielen liest. Das ist der Grund warum, es Schulen gibt: Erklären, zerlegen, zusammensetzen, ausprobieren, üben, diskutieren usw. Das alles ist nötig, um Mathe, Literatur etc. zu erlernen und zu beherrschen. Vielleicht solltest Du ein Spiel daraus machen. David N. Perkins hat dazu ein paar Ideen ("Making Learning Whole"). Zu guter Letzt: Vielen Menschen (sei es in Deutschland oder auf der Welt insgesamt) erscheinen unsere Prokrastinationsprobleme lächerlich, weil sie sich überlegen müssen, wie sie den Tag oder die Woche überstehen. Die stehen morgens nicht auf und machen sich erst mal eine Liste und überprüfen ihre Ziele. Also hier ist mein Tipp: Rede mit anderen, sehe ihnen beim Lösen spezifischer Teilprobleme zu. Probier aus, mach Fehler. Mach Dir Notizen, erhebe Kennzahlen o. ä. und am Ende Deines Lebens hast Du Deinen perfekten Weg gefunden. Sei einfach Du selbst. Schneller geht das nicht. Liebe Grüße, Jan

  • Jana K.

    27.09.10 (20:04:36)

    Hm... ich kann vieles hier nachvollziehen, mir geht es oft ähnlich, aber ich weiß, dass ich faul bin und nur unter Druck arbeiten kann bzw. wenn ich weiß, dass ich Feedback bekomme. Aber allgemein ist mir in den letzten zwei Jahren aufgefallen, dass es irgendwie "cool" zu sein scheint, wenn man behauptet, unter Prokrastination zu leiden (bzw. das Wort überhaupt aussprechen zu können). Viele verstecken sich in meinen Augen dahinter, dass es nun einen Begriff dafür gibt, dass das Vergnügen plötzlich vor der Arbeit kommt... bin gespannt, wo das mal hinführt, sowohl bei mir als auch der Gesellschaft allgemein. Und nun gehe ich noch ein bisschen prokrastinieren. ;)

  • Lars

    27.09.10 (23:27:51)

    David Allens "Getting Things Done" hilft gut. Wie jede Methode muss sie umgesetzt werden und an sich arbeiten (was auch Teil der Methode selbst ist). Von irgendwelchen Spirenzchen oder Methoden bei denen man extra Zeugs kaufen muss halte ich auch nichts. Einen Countdown habe ich allerdings doch auf meinem Computer installiert - aber der ist für regelmäßige Pausen, *wenn* ich dann mal so richtig drin bin und vergesse zu trinken oder mal aufzustehen.

  • Martin L.

    28.09.10 (07:27:37)

    Mein persönliches Lieblingsbuch: Stephen Covey - "the 7 habits of highly effective people" ist mit Sicherheit den meisten bekannt die sich mit dem Thema Selbstmanagement auseinandersetzen, aber ich denke man kann sich die grundlegenden Ideen dieses Buches kaum oft genug vor Augen führen. Mir persönlich hat es geholfen mein Leben besser auszurichten und obwohl es in dem Buch mehr um Effekivität als um Effizienz geht hilft es mir auch bei letzterer. An das Buch musste ich denken weil Covey immer wieder betont das es für solche Probleme keinen "Quick Fix" gibt. Mit "Tools" oder antrainierten Gewohnheiten gewinnt man auf lange Sicht nichts, sondern einzig und allein wenn man an seinen grundlegenden Einstellungen arbeitet - so lange es eben dauert. In diesem Sinne ist vielleicht die Tatsache das du dich an deine Leser gewand hast mit deiner Frage ein Zeichen das du gerade schon einen deutlichen Fortschritt gemacht hast auf dein Ziel hin. Mein Tipp ist also (noch-?) mal einen Blick in dieses Buch zu werfen, den es kann einem eine Menge zu diesem Thema beibringen. @Alex: Der Tipp mit dem Coach gefällt mir. Weil ich selbst eine gewisse Hemmschwelle hatte ihn in die Tat umzusetzen habe ich aber auch die Erfahrung gemacht das man andere Menschen auch quasi "unfreiwillig" zum Coach machen kann. Dazu setzt man wann immer man mit anderen Menschen etwas abspricht möglichst viele Details möglichst fest um die Verbindlichkeit zu erhöhen. Um so größer ist die Motivation ein negatives Ergebnis zu verhindern.

  • Nadine

    29.09.10 (19:19:32)

    Fantastischer Beitrag ;) Ich habe jetzt noch ein breites Grinsen im Gesicht. Ich bin Studentin der Materialwissenschaft; Prokrastination gehört bei mir genauso zum Alltag wie das leidige "Hobby" To-Do-Listen & Co. zu optimieren. Ich habe eingesehen, dass es nichts gibt, was die eigene Einstellung und Motivation zur Erledigung von Dingen zum nötigen Zeitpunkt positiv beeinflusst. Ich tröste mich also mit meiner eigenen Theorie: Universal gesehen herrscht immer und überall ein Gleichgewicht. Dementsprechend ist die eigene Laune, Motivation (und eigentlich das ganze Leben) mit einer Sinuskurve vergleichbar. Alles unterliegt quasi einem stetigen Wechsel von Hoch und Tief. Ich persönlich finde diese Betrachtung sehr beruhigend, da ich mir immer sicher sein kann, dass auf eine Phase totaler Prokrastination immer eine Phase totaler Motivation folgt, auch wenn diese aufgrund gesetzter Deadlines und nicht der eigenen Überwindung wegen folgt. Das spielt allerdings auch keine Rolle, denn wenn ich eines im Studium gelernt habe, dann die Tatsache, dass Diamanten eh nur unter Druck entstehen...

  • eddie

    30.09.10 (10:57:03)

    versuchs mit therapie - mir hats geholfen.

  • caro

    30.09.10 (16:30:24)

    Nice! Und ich dachte, das geht nur mir so. Ich glaube, diese ganzen Tipps und Blogs haben mir die Illusion gegeben, dass meine Aufschieberitis nicht an mir, sondern an irgentwas anderem liegt. Das war eigentlich nur weiteres Futter und die beste Entschuldigung, NICHTS an mir selber und meinen Verhaltensweisen zu ändern. Es passiert eben doch nicht alleine. Ich schließe mich damit also den Selbst-analytikern an, denn ich glaube, dass ist das Einzige, das hilft. Wer dazu einen Therapeuten braucht, sollte sich nicht schämen, denn selten ist man ehrlich zu sich selber.

  • Thomas Mauch

    30.09.10 (17:05:52)

    Hallo zusammen Vielen vielen Dank für all die klugen, witzigen, anspornenden und überlegten Tipps, Erfahrungen und Hinweise. Ich find's unglaublich!! Danke! Ich bin aus zwei Gründen begeistert: Erstens glaube ich, dass die Kompetenz zum Selbstmanagement in der heutigen (Arbeits-)Welt enorm wichtig ist (Stichworte wären Wissensarbeiter und Lebenslanges Lernen). Und ich treffe hier mit Euch Leute, die sich vertieft und reflektiert damit auseinandersetzen und an der eigenen Kompetenzentwicklung arbeiten. Und zweitens freut es mich, dass das Web eben doch ein Ort zum Lernen wie kein anderer ist: Leute mit ähnlichen Anliegen bilden spontane ad-hoc-Gemeinschaften zum informellen Lernen. Wissen teilen und Erfahrungen austauschen, wie es sonst nicht möglich wäre. Dank Euch allen!

  • jo

    01.10.10 (11:53:53)

    Einsatz und Nutzung der Methode, die beiden Seiten einer Medaille. Doch Aufschiebung, wie es hier benannt wird, ist doch selbst eine Methode: der Mensch funktioniert.

  • smilla

    02.10.10 (09:25:43)

    Tim hats prima ausgedrückt; machen hilft, einfach anfangen, fast egal wo, und sich wieder in bewegung bringen. irgendwie beruhigend zu lesen, dass man nicht alleine ist mit der aufschieberitis :-)

  • Kiki

    02.10.10 (20:04:31)

    Mit fremder Hilfe wird's bestimmt besser, also im Sinne von Therapie, Coaching oder goal-buddies. Ist blöde, dass ich nicht weiß, ob es im Deutschen ein Äquivalent für das Wort "goal-buddy" gibt. Ich hätte so etwas nämlich dringend nötig. Ich habe mir jetzt zum ersten Mal 3 Ratgeber gekauft, aber die werden wie viele meiner angefangener Romane und Sachbücher höchstwahrscheinlich im Regal einstauben. Also dachte ich, ich mache es radikal: Schlüssel-Schloss-Prinzip am PC, weil ich dort am meisten herumhänge. Ich möchte meine ganze Software und alles so einstellen und programmieren, dass ich für alles, was ich öffnen will ein bestimmtes Passwort geben muss, das ich nur bekomme, sobald ich bestimmte Aufgaben erledigt habe. Leider kann ich nicht programmieren. Irgendwelche Ideen? Ansonsten gilt ja: Du hast nur 72 Stunden für einen Gedanken Zeit!

  • Alex

    02.10.10 (20:28:16)

    @Kiki. Vergiß das mit dem Programmieren! Das muss in Deinem Gehirn anfangen. Und glaub mir, man kann auch monatelang auf einen Bildschirm starren und trotzdem nicht arbeiten. Du darfst Deinen Unwillen nicht willentlich durchbrechen. Du musst ihn austricksen. Mach mit irgendjemand Termine aus! Wenn Du keinen Bock hast, dann hast Du keinen Bock! Und Du bist viel zu clever, um Dich von einem Computer austricksen zu lassen. Wieso willst du denn überhaupt arbeiten?

  • Kiki

    02.10.10 (21:57:30)

    Ich habe mir auf diese Weise mein Abi versaut und will nicht wieder etwas machen müssen, was ich eigentlich nicht will. Dass ich jetzt studiere, ist Glück (1 einzige Unizusage!!!). Mit den Passwörtern könnte ich zumindest soweit gehen, dass ich Seminarinhalte für mich selbst wegsperre, sobald ich wieder eine Priorität übergangen habe. Wenn du wirklich dringend Hausaufgaben machen musst, dann sollte das endgültig ein Argument sein!

  • Martin L.

    03.10.10 (19:11:54)

    @Kiki: Ich bin genau Alex' Meinung: Jedes Programm das das tut was du beschreibst hat eine große Schwachstelle. Um erkennen zu können ob du deine Aufgaben erledigt hast muss es nämlich Regeln haben an denen es einschätzen kann was du tust. Dein Gehirn ist aber deutlich flexibler als diese starren Regeln, darum wird es immer Wege finden sie zu umgehen. Ein Beispiel: Das Programm gibt dir das Passwort nachdem du eine bestimmte Datei - sagen wir ein Vorlesungs-Skript - mindestens 30 Minuten lang geöffnet hast. Bald wirst du zuerst die Datei öffnen, dann eben kurz was zu essen machen um beim Lernen keinen leeren Magen zu haben, Papier umsortieren, noch eben kurz einen Freund anrufen... ups, du hast dein Passwort ja schon seit einer Viertelstunde. Na dann beim nächsten Mal. Du erkennst das Muster? Die einzige Variante wie ein Programm dir weiterhelfen könnte wäre etwas wie ein Quiz, das du beantworten musst um deinen Lernerfolg zu demonstrieren. Aber dazu müsste der Rechner die Antworten auf die Quiz-Fragen kennen. Und weil du sie ihm selber noch nicht geben kannst muss das jemand anderes machen - ein Ziele-Coach, ein Goal-Buddy, ein Nachhilfelehrer. Und damit ist die Software nur noch ein Werkzeug deines Helfers - meiner Meinung nach sogar nicht mal das beste, weil er damit vielleicht sogar mehr Macht über dich ausüben kann als du willst. Daher: - fang im Kopf an - such dir Unterstützung - denk in kritischen Zeiten an das, was du geschrieben hast und lass dich davon motivieren

  • Pflanze

    04.10.10 (14:56:32)

    ja ja, die gute alte TO-DO-Liste. Mal als Zettel, als Post-it, als Iphone Erinnerung oder auch von meiner Sekretärin. Finde den Artikel einfach super=) [Edit: Link gelöscht, bitte Kommentarregeln beachten.]

  • Thomas Mauch

    04.10.10 (18:26:24)

    Seit wir hier unsere kleine Aufschieber-Diskussion führen, scheint sich die ganze Welt für das Thema zu interessieren: Im New Yorker ist heute ein langer Artikel dazu erschienen: Later: What does procrastination tell us about ourselves? Eine kleine Kulturgeschichte der Prokrastination! Victor Hugo hat sich offenbar zum Schreiben nackt ausgezogen und sein Diener musste die Kleider verstecken - um zu verhindern, dass er spazieren geht anstatt zu arbeiten. Auch eine Möglichkeit.

  • Regina Schlager

    11.10.10 (20:22:54)

    Toller Artikel, danke! Ich probiere auch allerhand Methoden und Tools aus, um herauszufinden, was in Sachen Aufschieberitis Sinn für mich macht. Ich frage mich nun allerdings: Könnte es nicht abgesehen von Methoden und Tools zunächst sinnvoll sein sich zu fragen: "Was nützt mir eigentlich meine Aufschieberitis? Welche Auswirkungen hat es, wenn sie plötzlich nicht mehr da ist?" Und @ Alex: Austricksen halte ich nicht für den passendsten Ansatz. Das merkt sie wahrscheinlich und reagiert mit Selbstverteidigung ... ich würde sie zunächst eher liebevoll beobachten und versuchen herauszufinden: Was - womöglich sehr Wichtiges - möchte sie mir (über mich) sagen? Anbei noch ein kurzes Video: http://www.youtube.com/watch?v=4P785j15Tzk (Wer sich darin nicht ein bisschen wiedererkennt, möge die Hand heben ;-)

  • Alex

    12.10.10 (00:27:47)

    Hey Regina, ich soll herausfinden, warum ich seit 3 jahren keinen Bock hatte, meine Doktorarbeit zu schreiben? Nun, meine Forschung interessiert niemand und meine Doktorarbeit wird niemand lesen und dann bekomme ich einen (Doktor-)Titel, für den ich mehr Gehalt bekomme ... besonders in Jobs, in denen man ständig 100-seitige Berichte schreiben muss, die dann sowieso keiner liest. Und was sagt mir das nun über mich? Luxusprobleme, oder? Aber ich habe jetzt einen Job, bei dem meine Arbeit termingerecht fertig sein muss... das geht super. Gib mir eine Deadline und ich mache alles... Gib mir ewig Zeit und ich werde mir ewig Zeit nehmen! Morgen ist ja auch noch ein Tag :-)

  • Peter

    15.10.10 (16:28:08)

    Hallo. Habe den Artikel nicht gelesen, nur die Überschrift. Mir geht es ähnlich. Bin ein sehr reflektierender Mensch. Ich bin mir sicher, dass wenn etwas SEHR EXTREM ausgeprägt ist, wie es bei dir z.B. ist, helfen keine Tools oder Bücher. Da hilft leider nur der gang zum Psychologen. Ich habe ständig das Bedürfnis mich irgendwie zu stimulieren, Ruhe ist "langeweile", alles andere irgendwie auch. Ich surfe und surfe, mache aber im Grunde doch nichts. Sowas kann nur vom tiefen Unterbewusstsein kommen, dass wir nicht beinflussen und bestimmen können. Ich werde deswegen nun eine Therapie anfangen. Es ist bei vielen Sachen so. Bei der Partnersuche ist es wohl änlich, da hilft auch kein Fitness-Center oder den Kleidungsstil zu ändern oder andere Freunde zu suchen. Das ist einfach tief psychisch und daran muss man arbeiten. Viele Leute wollen das eben nicht wahrhaben besuchen lieber Seminare und kaufen sich viele Bücher

  • Alex

    16.10.10 (00:16:50)

    Hi Peter, Du kannst mir aber nicht sagen, dass ein Großteil der Gesellschaft zum Psychologen muss, weil sie lieber procrastinieren, als zu arbeiten. Letztendlich ist es doch so: Man hat alles im Leben. Materielle Wünsche gibt es kaum und wenn, dann sind sie oft vermessen. Wir haben keinen Ziele, für die man kämpfen muss. Das ist gut für Leute, die leicht zufrieden sind, aber das ist schlecht für Leute, die gerne kämpfen. Ich denke, unserer Gesellschaft fehlt es an weiterführenden Zielen. ... und das kann dir auch kein Psychologe ausreden. Aber vielleicht liege ich falsch und wir kleinen menschlichen Lebewesen müssen uns einfach damit abfinden (mit dem System, den komischen Regeln, der Bürokratie und den Ungerechtigkeiten). Das ist wie mit dem Fischer, der faul auf seinem Schiff rumliegt, und dem Millionär, der ihn dafür ermahnt: "Wieso fährst du denn nicht raus, um Fische zu fangen und sonnst dich hier auf deinem Schiff. Du könntest doch viel mehr Geld verdienen" Fischer: "Und was mache ich dann mit dem Geld?" MioMan: "Neue Schiffe kaufen, Personal einstellen..." Fischer: "Und was hab ich dann davon?" MioMan: "Dann könntest du auf deinem Schiff rumliegen und dich sonnen." Fischer: "... aber das tue ich bereits." Naja, viel Erfolg beim Psychodoc!

  • Kiki

    16.10.10 (10:57:49)

    @ Alex: Ist der Dialog zufälligerweise von einer deutschen Kurzgeschichte? Kommt mir so bekant vor. Habe ich extra aus'm Deutschunterricht aufgehoben. @ Peter: Was meinst du mit "sehr reflektierend"? Bist du Tagträumer oder schnell mal geknickt? Beim ersten kann und sollte man vielleicht nicht so star dagegen angehen. Meist kommt der Vorschlag, man soll sich einen kreativen Beruf aussuchen, um sich das ganze "leisten" zu können. Nützt ja nicht viel, wenn man irgendwo ständig auf Deadlines achten muss. *seufz* Beim zweiten Fall ist es dann wahrscheinlich die negative Einstellung. Da lohnt sich ein Psychologe, wenn man allein nicht mehr weiterkommt. An sich finde ich Therapien nicht so praktisch, weil ich glaube, dass man schnell abhängig werden kann. Ich versuche mir gerade lästige Sachen wie Pflichtlektüren und Partys (für mich sehr anstrengend) schön zu reden, es klappt ein wenig. Für neue Gewohnheiten braucht man nunmal etwa einen Monat. Als kleine Hilfe habe ich mir jetzt eine kleine Whiteboard-Tafel gebastelt, auf der ich mir immer Anweisungen schreibe oder analysiere. Geholfen hat's bisher schon einmal dahingehend, dass ich mir nur noch 2x pro Tag meine Emails anschaue, (manchmal) nach Regeln lüfte und Pausen mache und keine Musik vorm Lesen höre. Was mir auch aufgefallen ist: Macht eure TO DO- Liste in der Nacht zuvor!!! Wirklich, sonst überlegt ihr und überlegt und überlegt und dann doch nicht... ;)

  • Peter

    17.10.10 (16:52:47)

    Hallo. Naja es muss jeder für sich selbst entscheiden. Deinen Kommentar habe ich jedoch nicht ganz verstanden was du meintest mit "Zielen". Ich denke, wenn man wirklich etwas will und ständig von irgendetwas aufgehalten wird/aus der Bahn gebracht wird, dann wird es wohl eine "innere Macht" sein, die einen dazu bewegt. Zum anderen Kommentar. Ich bin kein Tagträumer, ich bin nur einer von wenigen Menschen, die ehrlich zu sich selbst ist. Das viele den Psychologen schlecht reden, liegt nur an der Angst der vielen Leute, sich selbst Fehler und auch Schwächen einzugestehen was ich aus den 2 Beiträgen von euch auch ein wenig heraushöre. Aber so ist der Mensch ja auch programmiert, das schlechte einfach Unterdrücken und sich gegen die Fehler schützen. Nochwas, wenn du auf der Seite des Fischers bist, wozu dann dieser Artikel?

  • Anja

    18.10.10 (00:53:22)

    Hallo alle zusammen, Aufschieberitis? Ja - das ist ein schönes Thema. Wenn man für eine Prüfung lernen soll, putzt man stattdessen lieber die Wohnung. Das war zumindest während meines Studiums so. Heute arbeite ich als Coach und unterstütze Menschen dabei ihren Aufschieberitis aufzugeben. Hier ein paar Tipps: 1. Wo versteckt sich die Belohnung für das Aufschieben? 2. Besteht die Angst bewertet zu werden, wenn du damit fertig bist? 3. Machst du diese Aufgabe nicht gerne? Ein Coach wirkt tatsächlich Wunder. Warum? Es entsteht eine Zusammenarbeit zwischen Coach und Coachee. Zu beginn macht der Coachee die Arbeit für den Coach. Bekanntlich macht man Dinge für jemand anderen, auch wenn man sie für sich selbst nicht gerne tut. Und irgendwann verändert sich das Verhalten und dann tut es gar nicht mehr weh .... es JETZT zu machen und nicht irgendwann. Hilfe? www.anjajeffries.de Mich im online Radio kennen lernen? www.blogtalkradio.com/powercoaching Viele Grüße Anja

  • Grit

    07.12.10 (14:59:06)

    Ja spannend lieber Thomas ... Ich habe deinen Artikel ganz zufällig entdeckt - weil ich wissen wollte, was Menschen tun, wenn sie von jemandem ständig unverhältnismäßige Geschenke bekommen (wie ich von meiner NAchbarin) und sich dabei unwohl fühlen... Dazu habe ich leider nichts gefunden. Aber zu deinem Thema fällt mir auch ganz vieles ein... Wenn ich MICH anschaue, dann tue ich nur dann - wenn ich aus irgend welchen Gründen viel Energie für etwas habe... meist ist das dann der Fall, wenn ich etwas unbedingt will... Warum ich das unbedingt will, das ist sehr verschieden... Oft will ich es einfach nur aus meinem Kopf haben, erledigt haben - nicht mehr daran denken müssen... Oft liegt es mir so am Herzen, dass ich es einfach total gern mache, weil es Freude macht. Was ich nicht nachvollziehen kann, wie geht ein "Aufschieber" damit um, all das Aufgeschobene ständig "dabei" zu haben - also zu wissen, das es noch zu tun ist und schon kommt das nächste dazu - und es wird mehr und mehr was unerledigt ist... diese Vorstellung ist für mich schon der Horror - so als hätte ich viele Schulden, die ich niemals abzahlen kann - mich würde das wahnsinnig machen, weshalb ich von dieser Art "Phänomen" wohl verschont bin. Du musst also nur lernen, wie schrecklich es sich anfühlt, unerledigte Dinge vor sich zu haben... wenn du das als ausreichend bedrohlich empfindest - so wie ich, dann macht es sich von ganz alleine... egal ob mitten in der Nacht, egal ob du eigentlich mal ne Pause brauchst - du tust es... Vielleicht solltest du froh sein, dass du die Kunst des Aufschiebens beherrschst - vieles erledigt sich dann von selbst... Es hat alles seine Vor- und Nachteile - aber ich glaube nicht, dass ICH mit meiner Art - nichts auf die lange Bank zu schieben -, nach dem Motto: "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf Morgen" besser dran bin *lach Ich hoffe immer dadurch mal "freien" Raum zu haben, aber tatsächlich passiert das nur selten, dass ich das Gefühl habe - ES gibt NICHTS zu tun. Aber nur deshalb, weil ich dieses Gefühl liebe - mache ich immer alles so schnell wie möglich. Und ich glaube das Gegenteil ist: Angst zu haben, vor Stille, vor Leere, vor Nichts zu tun haben ... deshalb hebt man sich die Dinge dann vielleicht lieber auf... Tja, keine Ahnung aber liebe Grüße Grit

  • Alex

    07.12.10 (19:07:09)

    @Grit: Zu deinem Geschenkeproblem gibt es Ansätze. 1. Dein Nachbarin verdient bzw. hat viel mehr Geld als Du und insofern ist es für sie auch normaler, mehr Geld auszugeben (In diesem Fall bedeutet: "Jeder gibt das Gleiche" nicht, dass jeder gleich viel Geld zahlt, sondern dass jeder einen ähnlichen "gefühlten" Beitrag leistet unter dem Motto "Jeder gibt das, was er kann". 2. Wenn Deine Nachbarin ähnliche Einkommensverhältnisse hat, wie Du, und die Geschenke wirklich Deine bei weitem übersteigen, dann sprich sie doch einfach mal darauf an und mach einen maximalen Geschenkepreis (vielleicht so 10-20 EUR) aus. Du brauchst aber in dieser materiellen Welt nicht immer jeden EURO zählen und gucken, ob alles "finanziell" ausgeglichen ist. Vielleicht gibst du ihr ja was ganz anderes wie ein offenes Ohr, Nachbarschaftshilfe, Freundlichkeit o.ä. Über sowas sollte man einfach REDEN. Zu Procras: Ich denke ein Hauptproblem ist, dass viele Procrastis (mich eingeschlossen) keine externen Terminvorgaben haben und der soziale Druck für die Erfüllung der Aufgabe fehlt. Ich hab neulich ein paar Schriftsteller getroffen, die erzählten, dass jeder einen Schreibpartner hat, weil man ansonsten die ganze Zeit prokrastinieren würde. Manche Aufgaben sind eben ohne fremden Antrieb nur schwer zu meistern. Es ist ja nicht so, dass Procrastis zu dumm wären oder mit dringender Arbeit überhäuft. Das Problem - also mein persönliches - ist viel mehr, dass meine Arbeit niemanden interessiert und dann kann ich doch auch einfach was anderes machen. Ich denke Procrastinierer haben eine sehr geringe Selbstkontrolle und brauchen den Antrieb von Außen - wie gesagt - mich inklusive.

  • Grit

    07.12.10 (21:04:44)

    Hm - also ich denke, wenn du Antrieb von Aussen unbedingt brauchst - dann bist du dir evt. nicht sicher, ob das wirklich stimmt, was du machst - du suchst sozusagen Bestätigung für den Sinn deines Tuns. ...vielleicht ist es ja auch so, dass du ganz anders tun würdest, wenn es das RICHTIGE wäre, aber da du das noch nicht erlebt hast, weisst du nicht wie es sich anfühlt, kennst den Unterschied nicht - denn meine Erfahrung ist, das was stimmt - tut sich fast von selbst, da fügt sich alles und man kann sich gar nicht dagegen wehren es zu tun... Alles andere tut sich schwer - und dann liegt das oft da dran, dass es nicht stimmig ist - gar nicht dran ist, gar nicht im Fluss des Lebens sozusagen... Sondern nur eine Kopfgeschichte, überflüssiges, unverbundenes vielleicht... Mit meiner Nachbarin, da geht es nicht um Geld - da geht es um "WARUM?" Ich begreife nicht warum sie mich ständig beschenkt, mir fast täglich Kuchen und andere Sachen rüber bringt... denn ich mache das mit ihr auch nicht und wir sind auch nicht die dicken Freunde - ich kann mit ihr gar nix anfangen - völlig andere Welt. Es kommt mir so vor, als will sie meine Sympathie kaufen, einen Grund haben, mit mir zu sprechen und viele von ihren Geschenken sind einfach schrecklich und peinlich und ich will so etwas gar nicht haben ... Ich schenke ihr nichts, es sei denn ich habe einen Impuls und bin mir sicher, dass sie sich freut... Und das ist dann eher so etwas, wie den Schnee bei ihr mit wegschieben - ihr Gemüse über den Zaun mitgießen, sie mal auf ein Glas Wein einladen... Ich hab es noch nie gemocht - sinnlos beschenkt zu werden und es auch immer vermieden, dann entsprechend zurück zu schenken... Meine Frage ist - was kann ich tun, damit sie damit aufhört - ohne mich deshalb mit ihr zu streiten? Ich sage ihr jedesmal, dass ich das nicht möchte. Ich hab sie sogar schon gebeten, das wieder mitzunehmen - was sie natürlich nicht tut und ich komm mir dann total blöd vor... Aber vielleicht sollte ich es aufgeben und die Dinge sammeln - die man nicht essen kann und an arme Kinder schicken und den Rest dem Hund geben... Vielleicht will sie ja auch, dass ich über sie schreibe - weil sie weiß, dass ich Bücher schreibe... und soeben schreibe ich ja auch schon über sie *lach Grüße Grit

  • Alex

    07.12.10 (21:17:04)

    @Grit zu Procras: Es kann schon sein, dass der Sinn fehlt, aber manche Menschen (gerade die später geborenen) haben eben gerne andere Menschen um sich. Ich schaffe es ja auch, Dir sofort zurückzuschreiben z.B. aber auch nur, weil es Dich vielleicht interessiert. Die mangelnde Selbstkontrolle und die mangelnde Weitsicht meines Organismus - denn langfristig haben die Dinge ja auch für mich Sinn, muss man wohl irgendwie überwinden oder austricksen. zu Deiner Nachbarin: Ich denke, sie ist einfach alleine und fühlt sich wohl, wenn sie dich mit ihrem Geschenken "nerven" kann. Sie bringt die Geschenke, damit du nicht böse bist, dass sie wieder vorbeikommt und dir Gesellschaft leistet (Sie "erkauft" sich die Freundschaft). Vielleicht lädst du sie mal ohne Geschenk ein oder richtest etwas regelmäßig ein (einmal die Woche Kaffeklatsch), wenn du das möchtest. Ansonsten ist es wohl so, dass Du nicht diesselbe Nähe möchtest wie sie und das kann man Menschen nicht unbedingt nett beibringen, weil ein "Du nervst" ist ja genausowenig freundlich wie ein "Such Dir andere Freunde!". Vielleicht rätst du ihr, einen Verein zu besuchen oder nimmst sie mal dorthin (oder zu Bekannten) mit. Überleg Dir, wie man ihr Sozialleben aufpäppeln kann, wenn du helfen willst. Viel Erfolg!

  • Kiki

    07.12.10 (22:02:02)

    Zu deiner Nachbarin: Kann mich Alex nur anschließen. Meine Oma wäre vielleicht mit deiner Nachbarin vergleichbar, wenn die Leute, die sie ständig beschenkt, nicht ausgerechnet Familienmitglieder wären. Ich sage immer, sie soll nichts kaufen und lieber verreisen, ich käme ja auch mit und so. Aber ständig holt sie trotzdem "was kleines", vor allem, was ich eh nicht esse, damit ich "auch" etwas habe und verschleudert wieder ihr Geld. Ich hatte versucht, ihr jetzt einen Freizeitvorschlag zu machen, leider scheiterte es an den Voraussetzungen. Sie ist auch ein sehr unverträglicher Mensch, der irgendwo schon fast auf dem Lande wohnt. Das ist natürlich schwer. Wie sieht es mit deiner Nachbrain aus? Wie alt ist sie und was kannst du ihr anbieten? Ich glaube nicht, dass Worte sie verletzen würden, eher wie du es sagst. Ich muss meine Oma fast schon anschreien, damit sie aufhört, aber das kannst du ja ein bisschen "netter" versuchen. Muss jetzt mal langsam meine Hausarbeit fertig machen... *grummel*

  • Grit

    07.12.10 (22:13:37)

    Na dann, viel Glück dir beim Austricksen! Ist ja süß, dass du dir Gedanken um meine Nachbarin machst... Aber ich kann nur sagen, es mangelt ihr nicht an Kontakten, sie hat einen Mann und 3 Enkel die oft da sind und besitzt eine Kegelbahn, die täglich ab 17 Uhr geöffnet hat - da kocht sie und bewirtet die Leute und hat viel Kontakt und viel um die Ohren. Ich denke, sie meint eher, dass sie mich sozialisieren muss, weil sie nicht nachvollziehen kann, dass ich hier mit meinem Kind alleine lebe und ihr versuche zu erklären, dass ich meine Ruhe haben möchte ... sie kann das wohl nicht nachvollziehen, weil sie sich an meiner Stelle einsam fühlen würde... deshalb sag ich ja - sie ist von einem völlig anderen Stern als ich. Naja, jetzt ists aber gut mit der Nachbarin, hier in diesem Blog hat das echt nix zu suchen. Grüße aus dem Dorf

  • Micha

    23.12.10 (20:00:12)

    Was mir noch hilft, ist planen. Je detailierter ich plane, um so wahrscheinlicher ist es, dass ich die Arbeit dann auch mache. Außerdem helfen mir all die Selbsthilfe-Bücher, Blogs usw. auch immer eine Zeit lang. Was ich noch nicht geschafft habe, ist, dass das pünktliche Abarbeiten lästiger Aufgaben langfristig zur Gewohnheit wurde. Ich muss zeitlich etwa 1/3 in die Einführung irgendwelcher Tools investieren, um 2/3 Zeit zu erhalten, in der ich Aufgaben mit diesen Tools erledige. Zwar mühselig, aber irgendwie geht´s so dann auch voran. Zum Selbstläufer ist das irgendwie nie geworden, wird´s wahrscheinlich auch nie.

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