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26.08.11

Prokrastination: Aufschieben ohne schlechtes Gewissen

Anna Sommerer hat ein Prokrastionations-Set entwickelt. Die Grundidee: Den Hang zum Aufschieben nicht bekämpfen, sondern intelligent damit umgehen.

von Katja Schönherr, freie Journalistin aus Zürich

Das Prokrastination-Set von Anna SommererAnna Sommerer (@ponyhut) hat es akzeptiert: Sie neigt nun mal zum Prokrastinieren und hat keine Lust mehr, dabei jedes Mal ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Sie zählt sich zu den «Aktiven Prokrastinierern», einem Aufschieber-Typus, der laut dem Forscherduo Jin Nam Choi und Angela Hsin Chun Chu den Stress regelrecht sucht und unter Zeitdruck besonders gut arbeiten kann.

Anna sagt, sie habe schon viel erledigen können, während eine andere Sache eigentlich dringender war. Sie wünscht sich, dass die Aufschieberitis nicht mehr verteufelt wird und «Betroffene» die Zeit, in der sie etwas hinauszögern, geniessen können. Deshalb hat die Produktdesignerin für ihre Bachelor-Arbeit an der Hochschule Niederrhein in Krefeld ein Prokrastinations-Set entwickelt. «Ich möchte besonders Studierende erreichen und ihnen zu einem guten Gewissen verhelfen, während sie prokrastinieren. Ich möchte nicht sagen, dass Prokrastination für alle und immer gut ist, aber in einem gewissen Rahmen ist sie es eben schon.»

Vor ein paar Tagen hat die 23-Jährige Bilder ihrer Bachelor-Arbeit bei «Design made in Germany» eingestellt. Auf Twitter wurde das Set schnell gelobt. Wir stellen die einzelnen Elemente und die jeweilige Idee dahinter kurz vor.Es gibt einen Stoffbeutel, in dem sich 100 Holzstücke befinden. Darauf stehen jeweils typische, angenehme wie unangenehme Prokrastinations-Aktivitäten. «Bad putzen» oder «Shoppen» beispielsweise. Laut Anna soll man machen, was auf dem Schildchen steht, das man zieht. (Aber natürlich dürfe man auch tricksen und solange ziehen, bis endlich komme, worauf man die meiste Lust habe.) Ein paar der Holzstückchen sind unbeschriftet, lassen also Raum, die eigene Lieblingsprokrastinationsbeschäftigung einzutragen.

Ausserdem gehört eine Münze zum Set. Sie soll als Entscheidungshilfe dienen: Auf die eine Seite eines dänischen Geldstücks ist ein Stift – er steht fürs Weitererarbeiten –, auf die andere eine Krone graviert. Erscheint nach dem Werfen die Krone-Seite, ist man «Prokrastinationskönig» und darf sich der Ablenkung voll und ganz hingeben. Daher auch der Titel der Bachelor-Arbeit: «Pro – Du bist Prokrastinationskönig, du bist Prokrastinationskönigin!»

Bei den zwei Holzwürfelnhat sich Anna Sommerer folgendes gedacht: Der erste gibt die Zeit an, der zweite die Tätigkeit, der man sich nach dem Würfeln widmen kann. Erscheint der Stern auf beiden Würfeln, darf man machen, was man will, und zwar so lange, wie man will.

Auf ein Holzbrett hat die Produktdesignerin zwei Post-it-Blöcke mit Messingband fixiert. Auf den ersten notiert man seine Pflichten, auf den zweiten die Kür. Damit man während des Arbeitens auch die schönen Dinge nicht vergisst. Sie sollen anspornen.

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Der ideale Arbeitstag hat vier Stunden.Letztes Element des Prokrastinations-Sets ist ein Kerzenhalter, ebenfalls aus Holz. Dort kann man ein handelsübliches Teelicht hineinstecken. Denn das brennt ziemlich genau vier Stunden lang – laut Anna Sommerer die optimale Arbeitszeit pro Tag. Zu Beginn der Arbeit zündet man die Kerze an, und wann immer man prokrastiniert, pustet man sie wieder aus. Das Tagesziel ist erreicht, wenn die Kerze heruntergebrannt ist.

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