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04.11.13Leser-Kommentare

Produktivität ganz persönlich: «Wenn ich um 3 Uhr morgens aufstehe, arbeite ich am besten.»

Eric Pateman begann seine Karriere als Koch und startete mit 18 sein erstes eigenes Catering-Unternehmen. Zwischenzeitlich absolvierte er ein MBA-Studium und arbeitete u.a. in Namibia, Australien und Großbritannien. Heut betreibt er vier Unternehmen mit insgesamt 80 Mitarbeitern, darunter Edible Canada, das zu den 200 am schnellsten wachsenden Unternehmen in Kanada gehört. Er ist Berater, Keynote-Speaker, Koch und Caterer zugleich.

Eric PatemanWas tust Du als Erstes, wenn Du Deinen Arbeitstag – zu Hause oder im Büro – startest?

Eric Pateman: Jeder Arbeitstag sieht anders aus, aber meist fange ich mit den E-Mails an: Bei mir liegen leider iPhone und Laptop direkt neben dem Bett. Wenn ich aufwache, will ich etwas Produktives machen, auch mitten in der Nacht. Da ich unter der Woche in meiner Wohnung in Vancouver bin und nur am Wochenende bei meiner Familie in Squamish, 45 Km nördlich der Stadt, störe ich auch niemanden dabei.

Ich habe festgestellt, dass ich am produktivsten bin, wenn ich um 3 Uhr morgens aufstehe und loslege. Ich mache ein paar Stunden Computerarbeit, dann stelle ich mich unter die Dusche. Um 7 gehe ich in der Regel ins Büro oder in ein Café.Wodurch zeichnet sich Dein Arbeitsstil aus?

Ich bin wohl das, was man gemeinhin einen Workaholic nennt: Ich kann nicht ohne meine Arbeit leben und bin sehr produktiv. Ich liebe meine Arbeit, weil sie so viele unterschiedliche Tätigkeiten beinhaltet: Mal koche ich, mal halte ich einen Vortrag, mal begleite ich Pressereisen. Ich mag wissenschaftliches Arbeiten genauso wie in der Küche stehen. Ich bin viel unterwegs und es wird mir nie langweilig.

Außerdem ist es für mich wichtig, eigenverantwortlich zu arbeiten: Ich war mal eine Zeitlang angestellter Hotel-Berater. Mit festen Arbeitszeiten in einem 9to5-Job hatte ich jedoch meine Schwierigkeiten.

Wie – durch welche Tools und Methoden – steigerst Du Deine Produktivität?

Ich habe einen Business-Coach angeheuert, der uns mit dem Blick von außen hilft, die Produktivität im Unternehmen zu organisieren. Viele meiner Mitarbeiter, gerade im Management, sind 30 Jahre alt oder jünger; da ist es gut, wenn sie Unterstützung haben.

Außerdem gibt es viele Aufgaben, die man nicht persönlich erledigen muss: Von 200 bis 300 E-Mails, die ich am Tag bekomme, muss ich gerade mal 20 bis 30 selbst beantworten. Alle anderen versuche ich zu delegieren. Allgemein habe ich festgestellt, dass ich zu viel Zeit mit Kleinkram wie Telefonieren, E-Mails oder Buchhaltung verbringe.

Auch deshalb bin ich gerade auf der Suche nach einem persönlichen Assistenten. Es ist allerdings nicht einfach jemanden zu finden, der einem auch teilweise sehr persönliche Aufgaben abnehmen kann. Und der einen zwingt, zu essen und zu schlafen.

Wo arbeitest Du am produktivsten?

Eindeutig in einem Café mit W-Lan, wie etwa Starbucks. Im Büro ist es mir teilweise zu laut. Im Café zu arbeiten gehört allerdings in Vancouver zum Lifestyle. Dabei treffe ich jeden Tag etwa 15 Leute, die ich sonst anrufen oder mit denen ich mich aktiv verabreden müsste; das ist sehr praktisch.

Einer von Erics Lieblings-Arbeitsplätzen in Downtown Vancouver

Was tust Du, wenn Deine Produktivität nachlässt?

Ich gehe joggen oder radfahren. Outdoor-Aktivitäten gehören in Vancouver ja praktisch zum Lifestyle: Ich gehe am Wochenende auch gerne wandern oder im Winter skifahren, oder ich sammle mit den Kindern Pilze. Vor kurzem habe ich an einem Radrennen von Vancouver nach Whistler teilgenommen, eine ziemlich bergige Strecke. Wir haben den Pazifik und die Berge, da bietet sich Sport ja an. Ich versuche Sport morgens oder abends einzuplanen, aber leider sind meine sportlichen Aktivitäten auch die ersten, die aus meinem vollen Zeitplan wieder rausfliegen.

Wie viele Stunden schläfst Du pro Nacht?

Am besten funktioniere ich, wenn ich um 8 oder 9 ins Bett gehe und um 3 Uhr morgens aufstehe. Ich schlafe in der Regel sechs bis sieben Stunden: Weniger schaffe ich nicht, mehr als sieben Stunden kann ich aber auch nicht schlafen. In den Ferien stehe ich auch mal erst um 5 Uhr morgens auf; wenn ich bis 6 Uhr schlafe, ist das wirklich lang für mich.

Was fällt Dir sonst noch zum Thema Produktivität ein?

Für mich ist das eine Frage der persönlichen Einstellung: Ich arbeite gerne und viel, teilweise bis zu 16 Stunden am Tag. Das ist vermutlich mehr als die meisten Menschen in Vancouver. Ich bin dabei auch sehr produktiv.

Viele meiner Mitarbeiter wollen nicht mehr als 8 Stunden arbeiten. Sie verzichten dafür lieber auf Geld, auch wenn die Lebenshaltungskosten in Vancouver sehr hoch sind. Statt ein Auto zu haben, kommt man dann eben mit dem Fahrrad zur Arbeit. Die Leute sind nicht faul, sie haben nur andere Prioritäten, das gilt vor allem für die jüngeren. Was mich stört sind Leute, die nichts tun wollen, aber dennoch ein hohes Gehalt erwarten. Das sollen sie mir erst einmal erwirtschaften, sage ich dann.

Kommentare

  • Wolfgang S.

    04.11.13 (17:31:14)

    Schade ist, dass die anderen Prioritäten nicht immer freiwillig sind. Es gab Zeiten, in denen man als Arbeitnehmer auch in Vancouver erwarten durfte, durch 8 Stunden tägliche Erwerbsarbeit sich ein Auto leisten zu können. Herr Pateman muss also 16 Stunden arbeiten, um sich das teure Leben in Vancouver mit allen Annehmlichkeiten (den Tag im Starbucks verbringen...) leisten zu können. Vielleicht leisten aber diejenigen, die laut Herrn Pateman das hohe Gehalt erst einmal erwirtschaften müssen, bereits genug. Vielleicht wird ihnen ihr Verdienst bloß irgendwie abgenommen und landet in den Taschen von Immobilienspekulanten, weil die Preise in Vancouver lächerlich hoch sind. Vielleicht ließe sich sein Unternehmen auch aus Squamish führen, aber er hat unter der Woche keine Lust auf Familie. Hier wären ein paar weiterführende Fragen interessant gewesen.

  • Peter Müller

    05.11.13 (18:13:47)

    Hi Wolfgang, dass Vancouver verhältnismässig teuer ist (angeblich teurer als NYC), ist definitiv Spekulationssache und sollte von der Politik gedeckelt werden. Zu Eric: Der Mann ist wie schon oben erwähnt ein typischer Workaholic, 16 Stunden Arbeit ist für die meißten einfach unmöglich. Für einen Workaholic dagegen ist soviel Arbeit jedoch (meißt) keine Notwendigkeit (Eric könnte sicherlich schon locker in Rente gehen) sonder tut Ihm unheimlich gut, Arbeiten = Glücklich. Workoholic und Familie ist in der Regel sehr schwierig. Es wird ganz sicher nicht so sein, dass er keine Lust auf seine Familie hat, die eigenen Projekte stehen jedoch häufig an erster stelle, auch wenn man(n) es ungerne zugeben möchte, dafür kann er seiner Familie als Ernährer einiges bieten. Somit kann er sich in der Woche voll und ganz auf seine Projekte konzentrieren und es am Wochenende wieder wettmachen. Unternehmer sein ist sehr harte Arbeit und erhält heutzutage leider kaum noch anerkennung, schade eigentlich.

  • Simone Janson

    12.11.13 (15:17:02)

    Hallo, ich fand Vancouver auch unglaublich teuer, aber das ist hier nicht das Thema. Es hat auch für die eigene Produktivität viele Vorteile, wenn man in einem produktiven Umfeld lebt und arbeitet. Und da gebe ich Peter recht, die eigenen Ideen voranzubringen kann unglaublich befriedigend sein - und dabei steht Geld verdienen sicher nicht an erster Stelle.

  • Martin

    16.12.13 (08:29:57)

    Die meisten Menschen haben um 3:00 ein physiologisches Tief - man kann von dieser Nachtarbeit nur abraten. Wie schon von den Vorrednern gesagt, der Mann ist ein Workoholic. Hoffentlich denkt er igrnedwann mal an seine Gesundheit (Familie wid es bei dem lifestyle wohl nicht geben)

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