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11.03.09Leser-Kommentare

Produktiv im Team: Die obligatorische Kaffeepause

Kaffeepausen bei der Arbeit sind wichtig, sagen Betriebspsychologen und Ärzte. Meiner Erfahrung nach helfen sie vor allem auch dabei, ein Team produktiv und effizient zu machen.

Die Kaffeepause - ganz und gar keine Zeitverschwendung.Kosteneinsparungen und Effizienzpotenziale sind in vielen Firmen zur Zeit en vogue. Mein Beitrag dazu ist ein ganz humaner Vorschlag: Die obligatorische Team-Kaffeepause. Die nämlich ist ein häufig unterschätzter Kommunikationskanal und ein wirksames und kostengünstiges Instrument zur Teamentwicklung. Zwei Voraussetzungen sind dazu notwendig, die zunächst etwas anachronistisch anmuten.

Erstens: Die Kaffeepause ist für alle Teammitglieder obligatorisch. Einzig Krankheit oder wichtige Meetings werden als Entschuldigung für Abwesenheit akzeptiert. Und zweitens: Sie findet zu fixen Zeiten statt, vormittags und nachmittags. Ich weiß, in Zeiten von Starbucks und On-the-go-Warmhalte-Tassen wirkt das seltsam, es ist aber unabdingbar. Dafür erntet man zu Beginn schräge Blicke, teilweise müssen neue Teamkollegen extra dazu motiviert werden. Aber es lohnt sich und wird sich nach kurzer Zeit verselbständigen: Zum Start der obligatorischen Kaffeepause braucht es etwas Druck und Werbung, nach zwei Monaten wird sie nicht mehr wegzudenken sein.

Was darf von der Kaffeepause erwartet werden?

  • Verbesserter Informationsfluss: Selbstverständlich unterhält man sich nicht nur über arbeitsbezogene Themen in der Pause - aber eben auch darüber. Ganz ohne Agenda und Protokoll erfährt man, an was die anderen arbeiten, was wichtige Erkenntnisse sind und wo sich Probleme stellen. Wissensmanagement nebenbei. Außerdem gibt's allen Klatsch und Tratsch, vor allem über Leute außerhalb des Teams. Diese Infos bilden den Schmierstoff, der mir als Wissensarbeiter in großen Organisationen das Leben einfacher macht.
  • Schnelle Entscheidungen: Viele kleine Entscheidungen können in der Kaffeepause getroffen werden. Teams treffen jede Woche Dutzende von Entscheidungen, die meisten davon sind nicht von hoher strategischer Bedeutung. Sie sind aber notwendig, um als Team zu funktionieren. Diese Entscheidungen, in einer oder zwei Minuten gefunden, entlasten so manche formale Teamsitzung. Und erhöhen das Arbeitstempo, da die Mitarbeiter nicht auf das nächste Meeting warten müssen.
  • Effiziente Teamentwicklung: Die obligatorische Kaffeepause ist das kostengünstigste Instrument zur Teamentwicklung. Denn was macht ein erfolgreiches Team aus? Ich muss die anderen Menschen kennen und ihnen vertrauen. So banal es tönt, aber über die Wochenendpläne meiner Kollegin informiert zu sein, gehört dazu. Nur wenn ich die Menschen und ihr Leben kenne, kann ich eine vertrauensvolle und belastbare Arbeitsbeziehung zu ihnen aufbauen. Ohne großen Event, ohne gemeinsames Outdoor-Abseilen und ohne Geld passiert das in der Kaffeepause. In kleinen Häppchen, regelmäßig, unter Einbezug aller Teammitglieder und selbstorganisiert.

Angeordnete Kaffeepausen wirken auf den ersten Blick vielleicht altmodisch, aus der Zeit der großen Patrons und gönnerhaften Chefs stammend. Tatsächlich sind sie aber ein durchaus modernes "Tool": Interaktiv und userorientiert, selbstorganisiert und selbstgesteuert. Und die geringen Kosten machen es zum perfekt geeigneten Instrument für, sagen wir mal, wirtschaftlich eher anspruchsvolle Zeiten.

Kommentare

  • Michael Kieweg

    11.03.09 (16:05:48)

    Extrem merkwürdige Vorstellung... Ich würde mir meinen Arbeitsfluss ungern davon vorschreiben lassen, daß um 10.00 und um 15.00 Kaffeepause ist. Ganz sicher würde ich ohne Not meinen Kollegen keine Informationen über mein Privatleben geben, so harmlos sie auch scheinen mögen. Es sind nämlich eben meist nur Kollegen und keine (guten) Bekannten oder gar Freunde. Ganz zu schweigen von der, durchaus gegebenen, Möglichkeit, daß ich einen mehr oder weniger großen Anteil meiner Teamkollegen persönlich überhaupt nicht leiden mag, natürlich ebenso umgekehrt.

  • karin

    11.03.09 (17:43:47)

    So institutionalisiert habe ich mir das auch noch nie vorgestellt, das käme mir wahrscheinlich komisch vor. Aber seit wir vor gut drei Jahren aus einem Altbau in ein grosses Bürogebäude umzogen sind, hat sich hier auch eine Art Kaffeepausenkultur entwickelt - aus dem einfachen Grund, dass die physischen Wege teils viel länger geworden sind und das Team sich um ca. 100% verdoppelt hat. Da viele von uns an komplett verschiedenen Themen und in verschiedenen Disziplinen arbeiten, liegt es nahe, dass man von den anderen gar nicht mehr viel mitbekommt. Unsere Pausen sind über die Zeit tatsächlich zu einer zentralen Plattform zum Informationsaustausch geworden, auch wenn es nicht immer nur ums Geschäft geht. Insofern stimme ich dem Artikel im Wesentlichen durchaus zu.

  • Thomas Mauch

    12.03.09 (16:45:01)

    Danke für die Rückmeldungen! Tatsächlich verwende ich das Wort 'obligatorisch' im Text nicht in der Duden-Definition - also quasi "durch ein Gesetz vorgeschrieben". Eher im Sinne von 'mit sanftem Druck und einem Lächeln'. Aber ich glaube schon: Beziehungen zwischen Kollegen und Kolleginnen sind das Schmiermittel in Prozessen und Projektplänen - entscheidend für die Produktivität von Teams. Und meine Erfahrungen zeigten immer, dass man nach Kollegen rief und es kamen Menschen....

  • Lukas

    17.03.09 (11:14:08)

    ...wie siehts eigentlich mit der Zigarettenpause aus? Habe für mich festgestellt, dass dort auch oft ähnliche Verhaltensweisen wie beim Kaffeetrinken herrschen. mfg

  • Thomas Mauch

    17.03.09 (14:53:12)

    Zuerst der Disclaimer: Rauchen ist nicht gesund. Man sollte es nicht tun, besonders nicht, wenn Du, liebe Leserin oder lieber Leser, unter 16 Jahren alt bist. Ich versuche, seit einigen Tagen damit aufzuhören, das macht keinen Spass. Zur Zigarettenpause: Meiner Erfahrung nach gilt oben Gesagtes zur Kaffeepause. Mit einem wesentlichen Unterschied: Das Rauchen findet abteilungsübergreifend statt. Das heisst, man erfährt ganz zwanglos einiges, was links und rechts neben dem eigenen Team abgeht. Aufhören zu Rauchen hat mich um einen wichtigen Informationskanal gebracht. Aber im Februar ohne Zigarette auf dem Balkon zu stehen, ist irgendwie uncool....

  • Michael Kieweg

    18.03.09 (14:17:43)

    Interessant fand ich als Handwerker immer, daß eine Zigarettenpause offensichtlich ein akzeptiertess Anrecht des Arbeitnehmers darstellt, während eine Kaffeepause als Faulheit betrachtet wurde, auch wenn ich nicht mehr Zeit zum kaffeetrinken brauchte, als der kollege zum Kippendrehen und rauchen.....

  • Lara Klein

    13.01.12 (16:01:57)

    Seit dem wir in unserem Stockwerk einen Kaffeevollautomaten haben, hat sich mein Arbeitstempo deutlich verbessert. Besonders, weil ich mich nicht mehr mit dem Wasserkochen für die kleine Kaffeemaschine in unserer Küche beschäftigen muss und dieser klix Kaffeeautomat sogar meine Lieblingskaffeesorte von Jacobs Krönung hat.

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