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11.07.11

Probleme lösen: Einfach nicht mehr darüber nachdenken. Sagt die Wissenschaft.

Viel hilft nicht immer viel: Beim Problemlösen lohnt es sich, ab und zu durchzuatmen und einfach nichts zu tun.

Thomas hat vor einiger Zeit einen Artikel darüber geschrieben, wie schlafen einem hilft, wichtige Entscheidungen zu fällen: Beim Ruhen werden nämlich unbewusst Informationen verarbeitet. Das zumindest haben wissenschaftliche Studien gezeigt. Aber die Wissenschaft sagt noch mehr: Nicht nur schlafen hilft dabei, Probleme zu lösen. Sondern einfach mal abschalten!

Je mehr wir nachdenken, desto schlimmer wird es

Die Psychologen Neil Roese & Jeff Kuban führten an der Universität von Illinois eine interessante experimentelle Studie mit 200 Studenten durch. Sie ließen ihre Probanden Matheaufgaben rechnen und maßen dabei die Gehirnaktivität. In einem ersten Durchgang gaben sie pro Aufgabe die realistische Zeitvorgabe von 15 Minuten. In einem zweiten Durchgang ließen sie pro Aufgabe, die wieder den gleiche Schwierigkeitsgrad besaßen, 30 Minuten Zeit, mit der Vorgabe, die Zeit voll auszunutzen. Eventuelle Rechenfehler sollten im Detail ausgemerzt werden.

Das Ergebnis: Durch die zusätzliche Zeit verbesserten sich die Rechenresultate im Vergleich zum ersten Durchgang nicht signifikant. Allerdings hatten die Forscher beobachtet, dass die Gehirne der Studenten umso hochtouriger fuhren, desto länger sich diese mit einer Aufgabe beschäftigten. Zudem gaben fast alle Studenten im Nachhinein an, dass sie die Aufgaben im zweiten Durchgang schwerer fanden. Roese und Kuban schlussfolgerten, dass Menschen Aufgaben als grundsätzlich schwieriger wahrnehmen, je länger sie sich mit diesen beschäftigen. Sprich: Weniger ist mehr! Das bedeutet also: Je länger und ausführlicher wir über ein Problem nachgrübeln, desto schwieriger erscheint am Ende eine Lösung des Problems. Das führt dazu, dass wir uns die Konsequenzen unseres Handelns viel schlimmer ausmalen, als sie sind – wir «katastrophieren». Panik entsteht. Wir haben Angst, uns falsch zu entscheiden, das Falsche zu tun. Und dann begehen wir oft den gleiche Fehler: Statt einfach aufzuhören und uns mit etwas anderem zu beschäftigen, grübeln wir noch mehr: Wir wollen versuchen, doch noch schnell eine Lösung zu finden. Allerdings wird die Sache so meist noch schlimmer, wir drehen uns im Kreis, können keinen klaren Gedanken mehr fassen, bekommen noch mehr Angst und Panik - ein Teufelskreis.

Die Lösung: Einfach aufhören!

Was hilft? Einfach mal tief durchatmen. Sich klar machen, dass das Problem vielleicht gar nicht so schlimm ist, wie gedacht. Das Gehirn überlisten. Hinterfragen wo man jetzt genau das Problem sieht. Weniger Schwarz-Weiß-Denken. Den Problemberg, den man vielleicht vor sich sieht, aufteilen. Dadurch wird das Problem kleiner, man entkatastrophiert.

Sich klar machen, dass die Sache vielleicht nicht so schlimm ist wie gedacht. Zum Beispiel auch sprachlich: Man neigt ja zu Übertreibungen wie «das ist alles total furchtbar». Weil unser Gehirn aus Bequemlichkeit schnell mal eben kategorisiert, um neue Dinge schneller verarbeiten zu können. Solche Übertreibungen stressen uns zusätzlich.

Man muss sich klar machen, dass es nicht so schlimm ist, wenn man mal einen Fehler macht. Dass 80% häufig auch schon gut genug sind. Und: Wenn man sich rational klar macht, dass es nicht zwangsläufig zu einem besseren Ergebnis führt, sich mehr anzustrengen, kann man es auch sein lassen.

Da das nicht so einfach ist, kann Bewegung helfen, einfach mal abzuschalten: Sport machen, der einen körperlich auspowert. Entspannungsübungen oder Yoga. Damit man seine Stresshormone wieder ins Gleichgewicht bringt. Auf alle Fälle das Gehirn durchlüften.

Man kann sich diesen Mechanismus auch mit einem einfachen Signal klar machen – jedes mal, wenn man anfängt zu Grübeln, laut «Stopp!» sagen. Oder ein Gummibändchen am Handgelenk befestigen und daran ziehen. Häufig reicht es schon, sich diesen Mechanismus bewusst zu machen.

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