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03.06.14

Ganzheitliches Gesundheitsmanagement im Unternehmen

Präventiv gegen Burnout

Wer Burnout vorsorglich verhindern möchte, der muss dessen Ursachen kennen Quelle: Gina Sanders - Fotolia.com

Die globalisierte Wirtschafts- und Arbeitswelt dreht sich immer schneller. Dementsprechend nehmen die Belastungen für die Beschäftigten zu. In der modernen Dienstleistungsgesellschaft bestimmen Konkurrenz- und Zeitdruck, Strukturwandel, Standortwettbewerb, Rationalisierung, Komplexität und der Einsatz neuer Technologien den Betriebsalltag der Unternehmen und ihrer Beschäftigten. Die Veränderungen führen immer häufiger zu Organisationskrankheiten wie Stress, Überforderung und anderen psycho-sozialen Beanspruchungen von Management und Mitarbeiter. Auf Dauer verursachen sie Frustration und Demotivation, Leistungsabfall, innere Kündigung oder chronische Erkrankungen wie das Burnout-Syndrom. Was passiert, wenn Burnout & Co. nicht vermieden werden können, zeigen folgende Zahlen: Bis zu 13 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland sind nach Schätzungen von Gesundheitsexperten und Krankenkassen von Burnout betroffen. Fachleute beziffern den sich daraus ergebenden Produktionsausfallkosten und verlorene Bruttowertschöpfung in Deutschland auf rund 71 Milliarden Euro.

Merkmale von Burnout

Nicht nur aufgrund der alarmierenden Zahlen sehen Experten im Burnout-Syndrom eine der schwerwiegendsten Folgen von chronischem Stress. Erkrankte befinden sich in einem physischen, psychischen und geistigen Erschöpfungszustand. Diesem können Phasen der idealistischen Begeisterung, der Desillusionierung, der Depression oder Aggressivität vorausgehen. Als Kompensationsstrategien greifen Beschäftigte oftmals – in kontraproduktiver Weise – auf noch längere Bürozeiten, Wochenendarbeit und abendliche E-Mail-Checks zurück, was die Probleme nur noch verstärkt.

In der Folge haben die Betroffenen selbst für alltägliche Aufgaben keine Energie mehr. Zu den Ursachen eines Burnouts gehören im Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz einerseits äußere Faktoren wie Angst vor Entlassungen und Einsparungen sowie immer höhere Anforderungen und Belastungen in Form von immer mehr Arbeit, denen sich die Betroffenen nicht gewachsen fühlen. Weitaus mehr jedoch sind die persönlichen Faktoren an der Entstehung des „Ausgebranntseins“ beteiligt. Typische Persönlichkeitsmerkmale sind Perfektionismus, Ehrgeiz, Helfersyndrom, „Nicht Nein sagen können“ oder mangelnde Stressbewältigungsstrategien. Für Arbeitgeber ist es besonders interessant, dass in erster Linie die leistungsstarken, produktiven und engagierten Mitarbeiter von Burnout bedroht sind.

„Die beschriebene Entwicklung ist derart alarmierend, dass die Unternehmen dringend gehalten sind, zügig Gegenmaßnahmen zu ergreifen“, erläutert Harald Müller, Personalexperte und Geschäftsführer der BWA Akademie. „Die Herstellung einer vernünftigen Work-Life-Balance bei den Beschäftigten sollte daher höchste Priorität haben.“ Diese wird in Expertenkreisen in den nächsten Jahren daher auch als größte Herausforderung angesehen. Jedoch stellen bisher nur wenige Unternehmen ausreichend viele Möglichkeiten zur Verfügung, um gegen die Stresssymptome in ihren Betrieben ankämpfen zu können. Die große Mehrheit hat hier noch einen nicht unerheblichen Nachholbedarf.


Ganzheitliche Herangehensweise

Aufgrund der Bedeutung der Gesundheit der Beschäftigten für den Erfolg des Unternehmens sind die Personalmanager der Unternehmen dazu übergegangen, ein systematisches, betriebliches Gesundheitsmanagement zu betreiben. „Im Gegensatz zu Einzelmaßnahmen, die in der Regel wirkungslos verpuffen, ist betriebliches Gesundheitsmanagement ein System, mit dem die notwendigen Mittel erkannt und kontrolliert angewendet werden“, weiß Müller. Ganzheitliches Gesundheitsmanagement kann neben besagter Burnout-Prophylaxe auch Rückenkurse, Bewegungsprogramme, Ernährungskurse und Raucherentwöhnungen umfassen. Betriebliches Gesundheitsmanagement bringt mehrere Vorteile mit sich. Nicht nur der Gesundheitszustand der Mitarbeiter verbessert sich. Die Arbeitskräfte gehen auch wieder motivierter an ihre Arbeit, was zu einer höheren Produktivität im Unternehmen führt. Zudem werden viele der Maßnahmen auch steuerlich gefördert.

Praktische Erfahrungen zeigen, dass betriebliches Gesundheitsmanagement auf Dauer nur dann erfolgreich ist, wenn es in die Arbeits- und Managementprozesse der Firma integriert wird. Es kann zwar als Einzelprojekt starten, beispielsweise als Durchführung einer arbeitsplatzbezogenen Rückenschule, doch darf es nicht als Insellösung ein exotisches Dasein im Unternehmen führen. „Denn betriebliches Gesundheitsmanagement ist eine sehr anspruchsvolle und komplexe Aufgabe, deren Bewältigung auch in Beziehung mit der Arbeitsorganisation und Produktionsweise, Führungskultur, Personalpolitik und Unternehmenskultur steht“, fügt der Personalexperte hinzu. Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretung müssen die Entwicklung dieses Prozesses deshalb aktiv mittragen. Im Idealfall wird die Gesundheit der Beschäftigten als strategischer Faktor in das Leitbild und in die Kultur des Unternehmens einbezogen.


Maßnahmen zur Burnout-Prävention

Druck aushalten kann nur, wer innerlich stark ist und über entsprechende Strategien verfügt, damit umzugehen. Hierzu gehören eine gute Organisationsfähigkeit, ein gutes Zeitmanagement, die Fähigkeit delegieren, zwischendurch und vor allem am Abend abschalten sowie loslassen zu können. Wichtig ist auch, sich nicht alles zu Herzen zu nehmen, vor allem aber das Gefühl, selbstbestimmt zu arbeiten, d.h. die Kontrolle über das zu haben, was man tut. Mitarbeiter müssen einen entspannten Umgang mit Stresssituationen während der Arbeitszeiten erlernen. Auch bewusste Auszeiten, Wochenenden und Urlaube ohne Laptop und Firmenhandy gehören hierzu.

Laut Personalexperte Müller gilt es bei der Burnout-Vermeidung in erster Linie acht sogenannten Stressoren vorzubeugen. Hierbei gilt es, eine übermäßige Kontrolle der Arbeitnehmer seitens des Chefs zu vermeiden, was beim Mitarbeiter oftmals zu Arbeitsplatzunsicherheit führt. Ein starker Verantwortungsdruck und soziale Konflikte am Arbeitsplatz wirken sich ebenfalls negativ aus. Unklare Aufgabenverteilung und mangelnde Unterstützung von Kollegen und Vorgesetzten münden in vielen Fällen in einer Überforderung. Hinzu kommen mangelnde berufliche Anerkennung sowie fehlende Handlungsspielräume.

Burnout – 8 Stressoren•    Überforderung •    mangelnde Unterstützung •    starker Verantwortungsdruck •    unklare Aufgabenverteilung •    Arbeitsplatzunsicherheit •    soziale Konflikte am Arbeitsplatz •    mangelnde Anerkennung •    mangelnder Handlungsspielraum


Lernen, mit Stress umzugehen


Müller ist sich sicher: „Wer Burnout vorsorglich verhindern möchte, der muss dessen Ursachen kennen.“ Doch diese nur zu kennen, reicht oftmals nicht aus. Vielmehr müssen die Beschäftigten eine positive Einstellung gegenüber der eigenen Arbeit und ausreichend Ausgeglichenheit erlangen. Zur Burnout-Prophylaxe zählen in erster Linie Stressmanagement-Seminare, Potenzialanalyseverfahren und Strategieplanung. Durch präventives Einzelcoaching oder Workshops können sich Arbeitnehmer laut Müller rechtzeitig mit Stress-Situationen auseinandersetzen, eigene Werte ermitteln und hilfreiche Strategien, Methoden und Ziele erarbeiten: „In den Stressmanagement-Seminaren lernen die Teilnehmer beispielsweise, motivierenden Stress zu identifizieren und das eigene Stressverhalten effektiv zu managen.“

Die Angebote spezialisierter Trainer tragen zur Rollenfindung und Rollenklärung und persönlichen Abgrenzung bei und regen dazu an, Veränderungen aktiv mitzugestalten, statt in die „Opfer-Rolle“ zu gehen. Zu den wichtigsten eingesetzten Methoden gehören daher auch Potenzialanalyseverfahren. Sie helfen dabei, versteckte soziale Kompetenzen aufzudecken und den eigenen Verhaltensstil zu analysieren. Bewährt sind auch Strategieplaner für individuelle Werte und persönliche Einstellungen. Sie unterstützen den Einzelnen dabei, sich des eigenen Wertesystems bewusst zu werden, eigene Einstellungen zu reflektieren und positive Einstellungen zu entwickeln. Dadurch lassen sich psycho-soziale Stressfaktoren frühzeitig erkennen und vermeiden.


Fazit: Nur ein gesunder Mitarbeiter ist ein guter Mitarbeiter

Die Mitarbeitermotivation ist ein wichtiger Faktor für den Unternehmenserfolg. Den Firmen stehen dabei verschiedene Maßnahmen zur Verfügung. So gibt es neben finanziellen und anderweitigen Entgelten auch die aktive Einbindung in Entscheidungs- und Optimierungsabläufe. Darüber hinaus spielt aber auch das Wohlbefinden am Arbeitsplatz eine entscheidende Rolle. „Nur ein gesunder Mitarbeiter ist ein guter Mitarbeiter“, resümiert Müller. Doch die Arbeitsbedingungen unserer modernen Dienstleistungsgesellschaft verursachen bei den Beschäftigten oftmals psycho-soziale Belastungen. Ohne geeignete Prävention münden sie in Stress und zuletzt oftmals im so genannten Burnout-Syndrom. Daher sollten die Unternehmen selbst Burnout im Rahmen eines ganzheitlichen Gesundheitsmanagements zusammen mit ihren Mitarbeitern vorbeugen. Gerade angesichts des grassierenden Fach- und Führungskräftemangels wollen und können es sich immer weniger Unternehmen erlauben, gute Mitarbeiter durch Burnout oder ähnliche Erkrankungen zu verlieren.

Unternehmen reagieren hierauf, indem sie die Gesundheit der Beschäftigten zu einem Erfolgsfaktor erklären. Sie haben erkannt, dass sich das Engagement für mehr Gesundheit der Beschäftigten auch für die Unternehmen lohnt. Von gesteigerter Zufriedenheit, Motivation und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter profitieren die Unternehmen in Form von weniger Krankenständen, Fluktuation und Kosten. In der Folge steigen die Produktivität, Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens, verbessern sich die Kundenzufriedenheit, Flexibilität und Innovationsfähigkeit und außerdem wird die Corporate Identity gefördert. Engagement für die Gesundheit der Beschäftigten lohnt sich somit für alle Beteiligten, egal ob Geschäftsleitung oder Beschäftigte – eine klassische Win-win-Situation. Experten prognostizieren daher, dass Anti-Burnout-Strategien in absehbarer Zeit bei immer mehr Unternehmen zum „Standard-Repertoire der Mitarbeiterbindung“ gehören werden.

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