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20.12.10

OhLife: Ein Tagebuch, das funktioniert

OhLife ist ein webbasiertes Tagebuch, das ich nach einem Monat noch immer täglich nachführe: Es funktioniert!

OhLifeOhLife ist simpel: Ich habe mich registriert und dafür E-Mail-Adresse und Passwort eingegeben. Anschliessend ist das erste E-Mail eingetroffen: Die Aufforderung, meine Gedanken zum Tag als Antwort-E-Mail zurückzuschicken. Abschicken und der erste Tagebucheintrag war drin.

Seither erhalte ich jeden Tag um acht Uhr abends ein E-Mail von OhLife mit der Bitte, das Mail zu beantworten. Jedes dieser E-Mail erhält ausserdem noch einen älteren Beitrag von mir - zur Erinnerung, sozusagen. Einträge per E-Mail

Meine E-Mails - manche nur ein Wort lang, andere eher gegen eine A4-Seite Text - generieren mein Tagebuch auf OhLife. Chronologisch geordnet kann ich dort alle meine Tagebucheinträge ansehen und allenfalls editieren. Habe ich meinem E-Mail ein Foto angehängt, erscheint das Bild ebenfalls im entsprechenden Tageseintrag.

Kein Facebook, kein Twitter

Mein Tagebuch auf OhLife ist extrem unsozial: Ich kann die Einträge mit niemandem teilen, kein Facebook-Button und kein Tweet-Generator. Ich kann niemandem Zugang zu meinem Tagebuch gewähren und es auch nicht via eine iPhone App betrachten. Privacy wird hier hochgehalten. Die Website von OhLife selbst ist Abbild des simplen Ansatz: schön und minimalistisch gestaltet. Es gibt dort nur meine Tagebucheinträge.

Wieso es funktioniert

Ich würde seit Jahren gerne Tagebuch führen beziehungsweise einfach regelmässig ein paar Gedanken aufschreiben. Aber ich gebe zu: Länger als zwei Tage habe ich es selten geschafft. Mit OhLife bin ich jetzt seit einem Monat regelmässig dran - ohne Probleme. Ich vermute, es sind zwei Gründe, die den Unterschied machen:

  1. Die täglichen E-Mails sind «kleine Anstösse», meine Entscheidungen in die gewünschte Richtung zu lenken. Allerdings ohne mich zu bevormunden: Ich entscheide selbst, ob ich das E-Mail beantworte oder nicht. OhLife könnte also ein Hinweis sein, dass das von Richard Thaler und Cass Sunstein formulierte Prinzip der Nudges bzw. des Libertarian Paternalism funktioniert.
  2. Es ist mir freigelassen, wie lange meine Antwort ausfällt. Und ich habe mich schon dabei ertappt, dass ich lieber nur ein Wort reinschreibe als das E-Mail gar nicht beantworte. Das macht es mir sehr leicht, das Tagebuchführen zu einer regelmässigen Gewohnheit bzw. Routine zu machen.

Ebenfalls als wertvoll empfinde ich nach einem Monat das Feature, mit dem mir frühere Beiträge zum Lesen vorgelegt werden. Es hilft mir, mich an einzelne Dinge zu erinnern oder sogar Vorsätze wieder mal vor Augen zu führen. Ein täglicher Moment der Reflexion über Dinge, die mich vor einiger Zeit beschäftigt haben.

Privacy ernstgenommen

OhLife ist im Moment noch ein kostenloser webbasierter Dienst. Das heisst, es gelten die üblichen Einschränkungen. Die Privacy Policy von OhLife ist kurz und verständlich und sehr klar. Lösche ich mein Account, steht dort, würden auch alle Einträge dauerhaft gelöscht. Aber natürlich: Meine Daten liegen irgendwo auf einem Server unter der Kontrolle von irgendjemandem. Sollte man nicht vergessen.

Beschränkter Export

Die Einträge von OhLife lassen sich exportieren. Die Funktion generiert ein simples Textdokument im Rich Text-Format mit allen Einträgen. Weitergehende Features, etwa das Ausgabeformat zu wählen oder den zu exportierenden Zeitraum einzuschränken, gibt es nicht. Bilder werden auch nicht exportiert.

Zwei Seriengründer

OhLife ist ein Projekt von Reman Child und Shawn Gupta. Die beiden Gründer sind schon seit einigen Jahren im Geschäft und haben unter anderem die Webservices Expensr und Meetingmix aufgebaut. OhLife ist wie erwähnt kostenlos, allerdings können sich die Beiden auch vorstellen, bei entsprechender Nachfrage ein Freemium-Modell zu realisieren.

Ein Versuch wert

Die Einfachheit von OhLife hebt den Webservice wohltuend von vielen anderen Startups ab. Das Prinzip ist simpel, aber für mich sehr effektiv. OhLife hat geschafft, was ich bisher noch nicht hingekriegt habe. Es bleibt der Wermutstropfen, den viele Webservices mtibringen: Privacy, Datenhoheit und Fortführung des Services bleiben für mich immer etwas unklar. Insgesamt würde ich sagen: Wer bisher mit seinen Tagebuch-Vorhaben scheiterte, aber es noch nicht aufgeben will, sollte OhLife mal ausprobieren.

» OhLife

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