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22.11.13Leser-Kommentar

Motiviert am Wochenende: Sonntagskreativität in die Arbeitswoche retten

Ich weiss nicht, wie es Euch geht, aber meine kreativsten und produktivsten Phasen habe ich jeweils am Sonntag. Bei der Lektüre einer Sonntagszeitung, beim Brunch, beim Spazieren oder einfach gemütlich zuhause: Plötzlich kommen die besten Ideen, Probleme lösen sich auf einmal und mühsame Arbeiten erledigen sich fast von alleine. Immer sonntags bin ich extrem motiviert, neue Dinge in Angriff zu nehmen.

SonntagskreativitätWoher kommt das, was sind die Gründe für diese Sonntagskreativität? Für Viele ist wohl der Sonntag der klassische Ruhetag, an dem man die Woche noch einmal Revue passieren lässt und die Geschehnisse analysiert. Während man unter der Woche von Termin zu Termin hetzt, bleibt kaum Zeit für Reflexion. So reagieren wir oft nur auf Dinge, wenn wir müssen: Diese sechs neuen E-Mails müssen beantwortet werden, dieser Kunde erwartet eine Offerte, die Zahlungen müssen freigegeben werden, der nächste Blogartikel müsste auch noch geschrieben werden.Am Sonntag aber erwartet niemand etwas von uns (geschäftlich), und wir können agieren statt reagieren. Zuhause im privaten Rahmen sieht man die Dinge aus einer anderen Perspektive und mit einer gewissen Distanz. Es kommen auch keine neuen (geschäftlichen) Ablenkungen und Aufgaben hinzu, da niemand anruft und sich die Inbox nicht weiter füllt. Dieses Gefühl des «Nicht-Müssens» ist für mich ganz zentral.

Ein paar Ideen zum Ausprobieren

Leider ist meistens am Montagmorgen die Euphorie bereits passé. Man sitzt wieder am Arbeitsplatz und hat die volle Inbox, den vollen Kalender und die volle Aufgabenliste vor sich. Ein bisschen ist es wie mit den Neujahrsvorsätzen: Der Plan war gut, aber die Realität macht einem einen Strich durch die Rechnung. Wie liesse sich denn ein Stück dieser Sonntagskreativität in die Arbeitswoche retten? Wie kann man sich auch unter der Woche eine solche Kreativität ermöglichen?

Ohne ein Patentrezept liefern zu wollen, hier ein paar Ideen, die einen Versuch wert sind:

  • Am Sonntag Nägel mit Köpfen machen: Fantasieren ist einfach, aber die Umsetzung ist entscheidend. Auch die grösste Reise beginnt bekanntlich mit dem ersten Schritt. Entsprechend die motivierte Stimmung am Sonntag nutzen und erste Schritte in die Wege leiten. Ein Projekt, das schon begonnen wurde, schiebt man weniger schnell zur Seite als eines, das nur im Kopf existiert.
  • Keine Termine am Montagvormittag: In vielen Unternehmen ist der Montag der klassische Meeting-Tag. Nur werden dort meist Probleme besprochen und Aufgaben verteilt. Verlässt man das Meeting, ist der Fokus entsprechend bereits bei all diesen vermeintlich dringenden Aufgaben. Deshalb wenn möglich keine Termine am Montagvormittag abmachen, das Mailprogramm gar nicht erst öffnen (siehe nächsten Punkt) und dafür an den Vorsätzen vom Sonntag arbeiten.
  • E-Mails und Telefon abstellen: Die offensichtliche Massnahme. Konsequenterweise sollte auch das Telefon abgestellt bzw. auf den Kollegen umgeleitet werden, um alle Interaktionen zu vermeiden.
  • Arbeitsort wechseln: Sitzen wir an unserem Arbeitsplatz, begeben wir uns in den «Arbeitsmodus», was grundsätzlich positiv ist, und weshalb manche Mühe bekunden, zuhause am Küchentisch zu arbeiten. Nicht ohne Grund finden Workshops und Seminare aber meistens extern in einer inspirierenden Umgebung statt. Arbeiten können die meisten heute grundsätzlich ortsunabhängig. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Bergrestaurant, einem Kursschiff, einer Hotel-Lobby oder dem Kunsthaus-Café?
  • Arbeitszeiten variieren: Gerade Selbständige haben oftmals den Eindruck, auch geregelten Arbeitszeiten nachgehen zu müssen. Dabei liegen je nach Arbeitstyp die kreativen und produktiven Phasen eben genau ausserhalb der klassischen Bürozeiten: 5-8 Uhr früh, Samstagvormittag, ein verregneter Sonntagnachmittag usw.
  • Sich mit anderen Personen umgeben: Wer immer die gleichen Teamkollegen sieht, engt automatisch den geistigen Aktionsradius ein. Jemandem ausserhalb der Arbeit eine Fragestellung zu erklären und von ihm unkonventionelle Inputs zu erhalten, kann sehr inspirierend sein.

Grundsätzlich läuft es darauf hinaus, dass die kreativste und produktivste Arbeit oftmals nicht am Bürotisch zu den normalen Arbeitszeiten stattfindet. Ich stelle bei mir persönlich fest, dass grundsätzlich alles positiv ist, was das klassische «Büro-Setting» sprengt. Fühlt auch Ihr Euch auch am Sonntag motiviert und am kreativsten? Wie rettet Ihr diese Stimmung in die Arbeitswoche?

 

Bild: jRa7 QaTar bei flickr.com (CC BY 2.0)

Kommentare

  • Johannes Meier

    24.11.13 (11:54:38)

    Gerade dem Punkt "Arbeitszeiten variieren" stimme ich 100%ig zu: Flexible Arbeitszeiten würden die persönliche produktivität wahrscheinlich deutlich steigern. Zumindest bei mir ist das der Fall. Die persönliche Leistungskurve auf Standardzeiten zu pressen ist nicht oder nur mit unglaublicher Anstrengung möglich. Ich arbeite im IT-Bereich und träume seit Jahren von flexiblen Arbeitszeiten. Es weicht alles merklich auf, Gleitzeit hat uns voran gebracht aber das ist alles noch nicht das Optimum für die einzelnen Arbeiter. Ganz oft habe ich die Energie etwas zu tun, muss mich dann aber bremsen: Jetzt ist keine Arbeitszeit, ich MUSS mich erholen, ich darf quasi nicht arbeiten. Umgekehrt bin ich innerhalb der Arbeitszeit dazu gezwungen auch anwesend zu sein, wenn ich gerade garnichts tun kann. Menschen sind keine Maschinen. Das Bild hinkt eh: Maschinen kann auch mal ein Zahnrad quer sitzen, die Schmierung ausgehen oder die Umgebungstemperatur zu hoch sein. Die laufen auch nicht stur durch. Mit meiner bloßen Anwesenheit begründe ich im ersten Moment mein Gehalt, koste meinen Arbeit- oder Auftraggeber aber nur Geld - ohne etwas geleistet zu haben. Diese starrsinnigkeit Leistung mit Arbeitszeit gleich zu setzen ist meiner Meinung nach noch zu oft gegeben und völlig verkehrt. Zumindest bei uns Kopf-arbeitern. Gehirne sind keine Muskeln. Kleines Grundgehalt + Leistungsabhängige Löhne mit vernünftigen Leistungsdefinitionen (Ergebnis statt Zeit) + Koordination + Pflichten = Gehirngerechte Arbeitsverträge

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