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07.06.11

Motivation: Wer selbstbestimmt und sinnstiftend arbeitet, leistet mehr.

Die Bestseller-Autorin und Management-Vordenkerin Anja Förster räumt auf mit klassischen Motivationsvorurteilen: Nicht die Belohnung am Ende führt zu besseren Ergebnissen – sondern Freiheit und sinnstiftendes Arbeiten.

Anja FörsterVor kurzem habe ich in Berlin einen Vortrag von Anja Förster gehört. Das Thema: «Den menschlichen Dialog in Organisationen entfesseln». Eigentlich ging es um nichts anderes als um Motivation – in diesem Fall die der Mitarbeiter in Unternehmen. Die Thesen, die Anja Förster uns vorstellte, lassen sich jedoch auch problemlos auf die Selbstmotivation jedes Einzelnen übertragen.

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Wer Zäune baut, bekommt Schafe

Als Kardinaltugenden gelten in unserer Arbeitswelt Intelligenz, Sorgfalt, Fleiß und Gehorsam. Sie gehören sozusagen zum Standardrepertoire von erfolgreichen Mitarbeitern. Wer jedoch mehr will als den Standard, muss auch Leidenschaft, Kreativität und Initiative mitbringen. Das Problem dabei ist: Solche Leistungen kann man nicht auf Knopfdruck einfordern.

Dan Ariely, Uri Gneezy, George Lowenstein und Nina Mazar führten 2005 an der Universität Chicago und in Indien die Studie Large stakes and big mistakes durch und zeigten: Die Gleichung Belohnung (z.B. in Form von mehr Geld) = mehr Leistung gilt nur für einfache motorische Fähigkeiten. Wenn Menschen jedoch kognitiv Probleme lösen und kreativ tätig werden sollen, dann führt eine höhere Belohnung überraschenderweise zu schlechteren Leistungen.

Wenn wir uns selbst zu kreativ-kognitiven (Höchst)Leistungen motivieren wollen, ist also nicht entscheidend, was am Ende dabei für uns herausspringt. Vielmehr sind drei andere Faktoren wesentlich: Nämlich dass wir selbstbestimmt arbeiten, dass wir unsere Aufgabe wirklich beherrschen und einen Sinn in unserer Arbeit sehen. Getreu dem Motto: «Wer Zäune baut, bekommt Schafe!» Tue, was Dir wichtig ist

Beispiele nennt Förster einige. Da ist zum Beispiel das australische IT-Unternehmen Atlassian, in dem die Mitarbeiter einen Nachmittag pro Quartal tun können, was sie wollen, sofern es sich um ein IT-Projekt handelt. Am Ende wird das beste Projekt ausgezeichnet. Oder die niedersächsische Stadt Bohmte, in der alle Verkehrsschilder abgeschafft wurden, so dass nun nur noch zwei Regeln gelten: Rechts vor Links und Aufpassen – mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Verkehrsunfälle zurückgegangen ist. Oder das brasilianische Unternehmen Selco, das seinen Mitarbeitern erlaubt, die Höhe ihrer Reisespesen selbst festzulegen, diese dann aber im Intranet für alle anderen sichtbar veröffentlicht.

Das zeigt: Wenn wir wirklich kreativ Arbeiten und uns zu besondern Leistungen motivieren wollen, müssen wir dafür sorgen, dass wir möglichst selbstbestimmt arbeiten und etwas tun, das uns wichtig ist und das Sinn macht.

Genug Zeit für konstruktive Veränderungen

Wer nun meint, selbstbestimmt und sinnstiftend zu arbeiten, lasse sich im Berufsalltag wohl kaum durchsetzen, für den hat Anja Förster auch gleich die Lösung parat: Veränderungsprozesse lassen sich nicht durch Argumente und gutes Zureden erreichen, denn sie werden nicht rational gesteuert. Es bringt also gar nichts, Chefs, Mitarbeiter und auch sich selbst mit wissenschaftlichen Studien überzeugen zu wollen. Eingeschliffene Verhaltensweisen ändern sich erst dann, wenn Menschen Dinge nicht nur wahrnehmen, sondern deren Auswirkungen auch fühlen.

Und allen, die glauben, im stressigen Berufsalltag nicht die Zeit zu finden, Arbeitsweisen überhaupt zu überdenken, rät Förster, doch mal in den eigenen Terminkalender zu schauen: Dann zeigt sich nämlich, wie viel Zeit wir tatsächlich mit sinnvollen Dingen verbringen und wie viel Zeit wir eigentlich übrigen hätten für konstruktive Veränderungen.

Fleiß, Disziplin und chinesische Mutterliebe

So begeistert ich von Anja Försters Vortrag war - der Punkt «Können» macht mich nachdenklich: Die Philosophie, dass wir erst dann etwas motiviert tun, wenn wir auch besonders gut darin sind, lässt mich an die in den Medien heftig angefeindete Tigermutter Amy Chua denken, der Autorin von Die Mutter des Erfolgs  (hier meine Rezension). Die vertritt eine ähnliche Auffassung und traktierte ihre Kinder unentwegt mit Klavier- bzw. Geigenstunden – mit dem Argument, dass sie dies nur gerne täten, wenn sie es zu Meisterschaft gebracht hätten. Und bis sie soweit sind, muss man sie tritzen. Sind wir also, nach allem Gerede über Selbstbestimmung wieder an dem Punkt, dass echte Motivation nur durch Fleiß, Disziplin und Gehorsam erreicht wird?

(Bild: www.foerster-kreuz.com)

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