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04.12.13Leser-Kommentare

Mitgestalten statt Befehle entgegennehmen: Flache Hierarchien, hohe Motivation

Damit eine Firma gut läuft, müssen alle am selben Strick ziehen. In der Realität sieht das jedoch oft anders aus. Einer der Gründe, weshalb das so sein könnte, ist die Unternehmensstruktur. Eine These lautet: Je mehr Hierarchiestufen eine Firma hat, desto weniger fühlen sich die Mitarbeitenden der gemeinsamen Sache verpflichtet. Und umgekehrt: Je flacher die Hierarchien sind, desto stärker fühlen sich die Mitarbeitenden ihrem Unternehmen verbunden.

Bild: Ed Yourdon bei flickr.com (CC BY-SA 2.0)Konzernhierarchien unterteilen ihre Angestellten in Divisionen, Bereiche und Abteilungen, die Teams in Führungspersonen und solche ohne Führungsaufgaben. Grosskonzerne mit mehreren Geschäftsfeldern kommen um eine solche Struktur nicht herum. Denn: Es können nicht alle alles machen.

Die zahlreichen Hierarchieebenen erschweren aber ein gleichberechtigtes Zusammenarbeiten. Am Ende bestimmt der oder die Vorgesetzte. Kleinere Firmen haben naturgemäss flachere Hierarchien und bieten mehr Eigenverantwortung. Das stärkt den Workflow und Dinge werden schneller, kreativer und motivierter angepackt.Zu viele Hierarchiestufen stehen der Umsetzung einer Strategie oftmals im Weg: Bis die Strategie von zuoberst nach zuunterst kommuniziert ist, wird sie auf etlichen Zwischenstufen zu Teilstrategien und Massnahmenprogrammen erweitert. Zuletzt erwartet den gewöhnlichen Mitarbeitenden ein Stapel Strategiepapiere und Konzepte, die zwar allesamt gut klingen, aber häufig kaum greifbar, geschweige denn umsetzbar sind.

Chancen verpasst, Motivation verpufft

Zu steile Hierarchien verstärken folglich die Unzufriedenheit über «die da oben», denn fast alle müssen für ihr Handeln irgendwann das Einverständnis weiter oben abholen. Das schafft zwar Sicherheit, aber das Mitgestalten für die «Geführten» wird deutlich erschwert: Vieles hängt vom Goodwill der Vorgesetzten, deren Vorgesetzten und deren Mitentscheider ab. Wenn sie nicht risikobereit sind, lehnen sie Vorschläge ab und nehmen so die Chancen von möglichen Verbesserungen nicht wahr.

In der Folge verabschieden sich viele Mitarbeiter von ihrer Motivation und tun nur noch das Nötigste. Die medizinische Universität Graz kommt gar zum Schluss, dass das Risiko, ein Burnout zu erleiden, für Menschen mit niedriger Selbstbestimmung am Arbeitsplatz höher ist.

Geschäftsleitende, die in ihren Reihen gesunde und motivierte Talente haben wollen, sollten sich für mehr Mitbestimmung und flache Hierarchien einsetzen. Dass dies möglich ist, beweisen Firmen wie die Cortado AG in Berlin, wo die Mitarbeitenden sich u.a. mit Aktien beteiligen können. Seit dieses Angebot besteht, sind die Mitarbeitenden motivierter. Es ist anzunehmen, dass die flachen Hierarchien zu mehr Kreativität und Selbstverwirklichung führen.

Nun interessiert mich, was unsere Leser dazu meinen: Welches sind die Erfahrungen, die Ihr mit verschiedenen Unternehmensstrukturen, flacheren und steileren Hierarchien gemacht habt?

 

Bild: Ed Yourdon bei flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Kommentare

  • Martin L.

    05.12.13 (21:41:20)

    Die Beteiligung mit Aktien motiviert nicht weil sie für flache Hierarchien sorgt sondern weil die Entlohnung mehr an den tatsächlichen Erfolg des Unternehmens gekoppelt ist. Das lernt man in jeder Grundlagenvorlesung zu Personalmanagement. Vielleicht hätte es da ein besseres Beispiel gegeben...

  • Gino Brenni

    05.12.13 (22:28:14)

    Hallo Martin da hast du natürlich recht: Die Aktienpakete sind eine Form der monetären Mitsprache als Teilinhaber einer Firma. Die flachen Hierarchien sind die arbeitsteilige Form von mehr Mitsprache. Ich wollte das eine nicht als Folge vom anderen darstellen

  • EmmWeh

    06.12.13 (17:49:21)

    Meine Erfahrung: Bei mehr als drei Hierarchieebenen nimmt die Handlungsfähigkeit rapide ab, u.U. bis zur annähernden Lähmung. Das sog. "mittlere Management" hat weder die Gesamtperspektive im Blick, noch die untere Ebene der ausführenden, fachlich kompetenten Mitarbeiter. Folglich besteht deren Aktivität hauptsächlich im Politisieren ggü. der oberen Führungsebene. Der fachliche Beitrag tendiert gegen Null, blockiert aber die Ausführenden durch unnütze Diskussionen und Fehlentscheidungen. Aktienbeteiligungen oder die in Grossfirmen üblichen Motivationsprogramme ändern an dieser Situation gar nichts, weil sie keinerlei Bezug zur Tätigkeit der Mitarbeiter haben. Die Mitarbeiter erhalten also kein Feedback zur Wirkung der eigenen Arbeit - ohne Zweifel auch ein Faktor beim Thema Burnout.

  • Michael

    12.12.13 (15:34:08)

    Es ist so wie es hier beschreiben ist. Ich habe deswegen ein Problem deswegen wie in ein Job zu kommen, weil ich ein Kreativer Mitarbeiter bin. Aber gefragt sind nur noch Mitläufer die keine Fragen stellen, denken sowieso nicht. Leider darf ich aus Vertraglichen Gründen hier nichts schreiben, aber teilweise gibt es sogar Ethikvorgaben für das Privatleben.

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